Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- [Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
- Date
- 1905-07-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 Separat-Ausgabe „Die 0 Welt" Seite 17 Die VII. Konvention der Federation der amerikanischen Zionisten. In diesem Jahre wurde die Konvention in Philadelphia abgehalten. Schon am 15. Juni waren viele Delegierte eingetroffen und hatten, sich im „Zion Institute1' gemeldet, wo unsere weiss-blaue Flagge mit dem „Mögen Davida stolz flatterte. Vor Beginn der Konvention wurden Massenmeetings abgehalten. Eine Ausstellung jüdischer Kunstwerke war im „Art Room« der Teuro Halle veranstaltet worden, in welcher' die Konvention drei Tage arbeitete. Dr. Harry Fried enwald aus Baltimore (Präsident der Federation) eröffnete in Anwesenheit von ca. 300 Delegierten aus den fernsten Gegenden Nordamerikas (wrie z. B Kalifornien, Texas etc.) und einer grossen Anzahl Gäste am Sonntag den 18. Juni die Sitzungen der Konvention. In seiner Eröffnungsrede sagte Dr. Harry Friert e n w a 1 d etwa folgendes : „ Wir, als Bürger dieses Landes, erfüllen unsere Pflichten, sind immer bereit, alles beizutragen für die staatlichen Institutionen. Als amerikanische Bürger streben wir, gute Amerikaner zu sein. Wir wollen aber auch unserer jüdischen Nation als Juden dienen. Der Zionismus hat uns die Aufgabe gestellt, das jüdische Bewusstsein zu wecken, das jüdische Volk zu vereinigen und neu aufleben zu lassen, Diese Probleme können nur wir Juden lösen. Nicht die anderen, sondern die Juden müssen diese Probleme lösen." Die Mitteilung des Präsidenten über den Beschluss dos grossen A.-O. betreffs Uganda wurde mit Begeisterung aufgenommen. Das vom grossen A.-O, vorgeschlagene Triumvirat für die Leitung der Bewegung, bestehend aus Dr. Max Nordau, Herrn D. Wolffsohn und Prof. 0. Warburg, wurde stürmisch begrüsst. Es waren Begnissungsbriele von Herren Dr. Max Nordau, 1). Wolffsohn, liabbiner Keines, Dr. E. Adler, Dr. G a ster, M. M. U s s i sch kin und Prof. H a r b u r g eingetroffen, welche mit grossem Beifall aufgenommen wurden. Der Bericht des Sekretärs Dr. J. L. M a g n e s konstatiert das Wachstum der Vereine, welche jetzt 2o7 Organisationen mit (5500 Schekelzahle.ru zählen. Auch wurde verkündigt, dass die Miss Verständnisse zwischen der Federation und dem Orden „Knights of Zionu, dem ./Misrachi" und den „Poale Zion" ausgeglichen seien. Herr L e v i n - E p s t e in , Schatzmeister der Federation, berichtet über die jährlichen Einnahmen und Ausgaben. Der „Kisheneff Fund" hat bereits 1015 Dollars verteilt und besitzt noch ein Saldo von 4;>2 Dollars 84. Cents in bar. Sämtliche Beiträge für das Nationalgeschenk für Herzls Kindsr betragen 4000 Dollars. Das Geld liegt in einer Bank, welche Zinsen dafür zahlt. Shares der Kolonialbank wurden für 407ß Dollars 50 Cents verkauft gegen 8088 Dollars 45 Cents des vorigen Jahres. Die Schekeleinnahme beträgt 1G50 Dollars 62 Cents. Hierauf erfolgte die Verlesung der Referate über Propaganda, Organisation, Erziehung, Kolonialbank, Xationalfonds, welche fast ohne Debatten akzeptiert wurden. Die Nachmittagssitzung war gewidmet: a) dem Ostafrikaprojekte, b) der allgemeinen Organisation, c) der Haiästinakommission, d) den Mitteilungen und Empfehlungen der Konvention zum Kongresse. In der Debatte über den letzten Punkt wurde beantragt, das Wort „nur" vordem Worte „in Palästina" dem Baseler .Programm hinzuzufügen. Man wollte jeden Zweifel, jede Spur von Territoriaiismus beseitigen. Endlich hat man beschlossen, die alte Redaktion zu lassen und keine Aenderungen zu machen. An demselben Abend (Sonntag den 18. Juni) hatten die Juden von Philadelphia Gelegenheit, einem sehr enthusiastischen und grossartigen Massenmeeting im Ka si no th e ate r b ei zuwohnen. Das Theater war mit zionistischen und amerikanischen Flaggen sehr schön dekoriert, lieber der Bühne wehte ein weiss - blaues Banner mit der Aufschrift: „ W i 11 k o m m e n , Z i o n i s te n! w Unten ein Musikorohester. Von allen Seiten kommen Zionisten, die weiss-blaue Flagge stolz haltend. Auf der Tribüne sitzen alle Delegierten. Dr. Herbert Friedenwald aus Philadelphia eröffnet das Meeting und erteilt das erste AVort dem Präsidenten der Federation Dr. H a r r y F r i e d e n - wald (Baltimore), welchen eine stürmische, hingdauernde Ovation begrüsste. Der Redner richtete an die Versammelten einen ernsten Aufruf zur Arbeit, zum -Mut und zur Einheit. Nach Dr. Friedenwald folgten Beden von Dr. S o 1 i s - Cohen, einem sehr vornehmen Arzt und angesehenen Bürger in Philadelphia. Dr. J. L. Magnes fand denselben Empfang seitens des Publikums wie Präsident Friedenwald. Zum Schlüsse seiner glänzenden Rede, welche eine Aufforderung zu energischer und unaufhörlicher Tätigkeit war, legte Dr. Magnes eine Resolution vor, welche grosse Sympathie für unsere leidenden russischen Brüder und ihre einmütige Selbstverteidigung ausdrückt. Die ganze Resolution wurde einstimmig und stehend angenommen. Der letzte Redner war Mr. Allen Davis (Cambridge, Mass.). Er sprach über Theodor Herzl mit grosser Liebe. Auch der früher in Russland gut bekannte Maggid Masljanski hat im Jargon gesprochen. Um 12 Uhr nachts wurde das Meeting mit dem Absingen der Nationallieder geschlossen. Der zweite Tag der Konvention. Die Delegierten sammelten sich sehr langsam. Es war ein unerträglich heisser Tag. Auf der Tagesordnung stand: 1. Aenderungen in der Konstitution; 2. Verlesung verschiedener Resolutionen; Bericht über die Frauenvereine; 4. Orden „Knights of Zion"; 5. Misrachi1'; 0. „Maccabaean" etc. Mehrere Redner verlangten eine Jargonzeitiing, weil viele nicht englisch lesen. Der „Maccabaeanu (offizielles Organ der Federation) wird viel zu wenig unterstützt. Die Sitzung wird um 1 Uhr Nachmittags geschlossen. Um 2 Uhr beginnt die Konferenz der hebräisch sprechenden Vereine, welche sich organisieren. Die Verhandlungen werden in Hebräisch geführt. Zur selben- Zeit tagten die Studenten, w< lche einen Studentenverband unter dein Namen „0 o 11 e g i a t e Z i o n i s t League" gründeten. Folgende Universitäten waren vertreten: Harward, Columbia, Pennsylvania, Johns Hopkins, Boston Reserve, Yale, Princeton, College of State New York, University of Illinois, Oornelh Ein Komitee von „Drei" (Committee ot'Three) wurde gewählt. Der Verband rekommandiert der Federation. eine Prämie für das beste Werk über Zionismus einem einer amerikanischen Universität angehörigen Studenten zu offerieren. Der dritte Tag (Dienstag der 20. Juni) war der letzte. Die „Misrachi" beantragten, man sollte Sabbat