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Die Welt · 1905-07-29 · [Separat-Ausgabe] (29.7.1905) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
Date
1905-07-29
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 2 Separat-Ausgabe „Die # Welt" Seite 15. There is a ticle in the affairs of men Which taken at the flood leads on to fortune Omitted, all the voyages of life Are bound in shallows and in miseries. Das Leben rinnt uns in Gezeiten hin. Nützt Du die Flut, so trägt sie Dich zum Glück. Versäumest Du sie, so sinkt Dein höchstes Streben Stets in den Sumpf des Elends Dir zurück. Ich bitte Sie daran zu denken, ehe sie diese günstige Gelegenheit ablehnen, dass das die beste Gelegenheit ist, die das jüdische Volk seit 1800 Jahren gehabt hat Bedenken Sie auch, dass viele unserer besten Zionisten haben zu Hause bleiben müssen, um ihre Familien gegen Angriffe zu schützen, weil sie Pogrome fürchten. Wir müssen vor den jüdischen Massen der Verantwortlichkeit enthoben sein, damit wir nicht auf unser Haupt die Blutschuld laden. Lehnen Sie aber dieses Angebot doch ab, so bitte ich Sie, das Basler Programm und ebenso die Statuten der jüdischen Kolonialbank ungeändert zu lassen, damit wir mit Ihnen zusammen arbeiten können, damit wir uns loyal der Majorität fügen können. In einer geeigneteren Zeit werden hoffentlich unsere Ideen durchdringen und den Kongress beherrschen. Ich frage sie aber, wenn Sie zugeben, dass die autonome Kolonisation doch e'n Mittel sei — übrigens ist auch die Kolonisation ohne Autonomie ein Mittel, insofern als sie Bauelemente schafft — wie dürfen Sie irgend ein Mittel, und sei es auch das kleinste, ablehnen, da wir in unserem engen Lager für unsere so schwierige, fast hoffnungslose Arbeit so wenige Mittel haben? Lassen Sie, ich bitte Sie darum, die Möglichkeit bestehen, dass Sie, wenn alle anderen Mittel sich als nutzlos erwiesen haben, zu diesem Fels zurückkehren können, weil möglicherweise der Stein des Anstosses zum Grundstein werden wird. Even moassu habaunim hojsso lerosch pinoh. (Tosender Beifall.) Die neun Trauertage. Zum Kapitel Nationalfonds hat die rumänische Landsmannschaft folgenden Antrag vorbereitet, um ihn durch Kongressbeschluss für alle Landsmannschaften bindend zu machen: Unser Kalenderjahr hat neun Tage der Trauer, in denen das jüdische Volk wehmutvoll des unglückseligen Tages gedenkt, an dem es, seiner Heimat beraubt, seiner Freiheit verlustig wurde und den langen 2000-jährigen Dornenweg von Wanderung und Exil, von unsäglichem Leid und Jammer antreten musste Die Tage vom 1. bis zum 9. des Monates Ab (in diesem Jahre vom 2. bis 10. August) markieren die traurigsten Ereignisse unseres Geschichtslebens. Sie sind der Anfangs- und der Ausgangspunkt der schmachvollsten Verfolgungen und Erniedrigungen, die wir auf der langjährigen Wanderung zu erdulden hatten. Der 9. Ab ist der Tag, an welchem der erste jüdische Staat zerstört, das jüdische Volk zum ersten Male in die Fremde verbannt wurde. Er ist auch der Tag, an welchem das zweite jüdische Staatsleben seinen jähen Abschluss gefunden, an dem unsere, mit Heldenmut verteidigte Heimat uns entrissen und wir den Wanderstab ergreifen mussten, um von Land zu Land wie wildes Getier gehetzt und gejagt zu werden. Zweitausend Jahre sind beinahe verstrichen * und unser Volk hat dieses traurige Ereignis nicht vergessen, nicht vergessen mögen; weil es nie und nimmer die Hoffnung auf Wiedererlangung seiner Heimat aufgeben mochte, konnte es auch den Verlust dieser Heimat nicht verschmerzen und die 9 Trauertage haben nie und nimmer aufgehört, ihre traurige Bedeutung zu haben. Jeder Jude, der das nationale Band noch nicht zerrissen hat, beobachtet an diesen Tagen strenge Trauer, legt sich freiwillig Opfer auf an seinen Genüssen und Lebensgewohnheiten und verzichtet auf jegliche Unterhaltung und aller Art Vergnügungen. So war es bis jetzt und so sollte es auch ferner bleiben, solange wir unser Vaterland nicht wieder erlangt haben. Eingedenk des heiligen Schwures, den unsere Vorfahren an den Weiden Babylons geschworen: „Wenn ich dein Jerusalem vergesse, soll meine Rechte verdorren," sollte jeder von uns Zionisten diese alte Sitte des Trauerns und der opferwilligen Entbehrung heilig halten; jeder, der den Preis nationaler Freiheit gebührend hoch anzuschlagen weiss, sollte an diesen Tagen allen wie immer möglichen Vergnügungen entsagen, auf manche Ausgabe für seine täglichen Gewohnheiten verzichten. Die auf diese Weise erzielten Ersparnisse sollen dem Jüdischen Nationalfonds zugeführt werden, dessen Zweck bekanntlich darin besteht, unser heiliges Land für unser Volk wieder zu erwerben In Anbetracht des grossen Zieles, den sich diese hochwichtige Institution der zionistischen Bewegung gesteckt hat, dürfte es keinem Zionisten schwer fallen, sich das Opfer der Entbehrung innerhalb der 9 Trauertage aufzuerlegen und er wird überdies die innere und höhere Genugtuung empfinden, der grossen Sache unserer Volksbefreiung mit seinem freiwilligen Opfer gedient zu haben. Es ist dies unsere heiligste Pflicht und keine Rücksicht der Eigenliebe darf uns verhindern, diese Pflicht zu erfüllen. Es ist dabei jedem guten und überzeugten Zionisten zu empfehlen: 1. In den vom 1—9. Ab (2. — 10. August) jede womögliche Ausgabe für entbehrliche Genüsse, wie Wein, Bier, Tabak, Kartenspiel und andere tägliche Gewohnheiten zu ersparen und dieselbe dem N. F. zu opfern. 2 Theater und Vergnügungslokale zu meiden. 3. Besonders sollen unsere Frauen auf besondere Sparsamkeit an diesen Tagen aufmerksam gemacht werden. 4. Unsere Kinder sollen von frühester Jugend mit der Bedeutung dieser Trauertage bekannt gemacht und dazu erzogen werden, die Einrichtung der 9 Trauertage hochzuhalten und aus ihrem nationalen Gefühle heraus an diesen Tagen anstatt ihrer Ausgaben für Naschwerk und dergl. einen Sparpfennig für den F. auf die Seite zu legen. 5. In jedem Hause sollen Büchsen zur Sammlung der durch die Entbehrung erzielten Ersparnisse angebracht werden. 6. Alle jüdische Institutionen, Wohltätigkeits-Unterstützungs', Consum-Vereine, sowie Gemeinden und Verbände aller Art sollen am 9. Ab einen Teil der Einnahmen dem jüdischen N. F. zuführen und damit zur Eettung nicht allein Einzelner sondern des ganzen Volkes beitragen. 7. Endlich sollen in allen Synagogen Predigten für die Einhaltung der Entbehrungen in den 9 Trauertagen sowie Geldsammlungen für den N. F. veran staltet werden. Dadurch würde die Entbehrung zu einer festen Einrichtung in allen jüdischen Gemeinden sich gestalten, deren Ertrag dazu beitragen sollen, aus unserem nationalen Trauertag einen Festtag der Wiederherstellung und Wiederbelebung unseres Volkes zu machen. — Die

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