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Die Welt · 1905-07-29 · [Separat-Ausgabe] (29.7.1905) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
Date
1905-07-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 2 Separat-Ausgabe. „Die # Weit" Seite 13 Hoheit einzuräumen, mit der Erwartung dankbar anzunehmen, dass das zunächst ins Auge gef'asste Guas Ngishu Plateau durch andere Gebietsteile erweitert oder ersetzt werden soll, da nach dem Gutachten unseres Erforschungsausschusses dieses Plateau der Absicht der Regierung Sr. britischen Majestät nicht entspricht, einer grossen Zahl jüdischer Einwanderer die Möglichkeit de3 Gedeihens auf britischem Kolonialgebiet zu gewähren. Diese Resolution wird zwei Zwecken dienen. I. Sie wird der Welt sagen, dass das britische Gebiet nicht das reiche und grosse ist, wie es die Welt bisher gemeint hat. Das bringt nicht die Lösung der jüdischen Frage. Wenn uns die britische Regierung kein anderes Territorium anbietet, dann sind wir frei von Schuld, dann werden wir nicht der Missgunst der Antisemiten ausgeliefert sein. II. Wenn ich das Wort „ersetzt" gebrauche, so schliesst das nicht aus, zum Beispiel das Territorium El Arish, und die Sinaihalbinsel. Ich werde Ihnen jetzt kurz meine Gründe dafür angeben. Unsere Preunde, die Zione Zion, möchten irgend eine kolonisatorische Tätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner nächsten JSTachbarländer ausschliessen, sowohl als Mittel wie als Zweck. Daher zeigen die Zione Zion selbst, dass die kolonisatorische Tätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer doch ein Mittel zum Zweck sein kann. Die Frage ist einfach die, ist dieses Mittel gut oder schlecht oder gibt es bessere Mittel oder ist dies eines von den Mitteln, die versucht werden können? Dies ist eigentlich eine Frage der Taktik und da es bei Fragen der Taktik immer verschiedene Meinungen gibt, müssen wir versuchen die Meinung des besten Taktikers herauszufinden. In diesem Saale haben wir zweifellos viele Redner gleich Demosthenes und Isokrates. Wir sind aber nicht nur ein Parlament. Wir sind auch eine Armee und haben die bestimmte Aufgabe, Palästina zu erlangen, wie die Japaner die bestimmte Aufgabe hatten, Port Arthur zu nehmen (Beifall auf der Rechten.), wenn wir auch nur auf friedlichem Wege unsere Aufgabe lösen wollen, Wenn die Mauern Jerichos bloss dadurch fielen, dass wir in Trompeten hinein bliesen, besonders, wenn es unser eigenes Schofar ist, dann hätten wir Palästina schon längst. Wenn Palästina durch Beredsamkeit zu gewinnen wäre, wenn wir für jede halbe Stunde Redens auch nur einen Quadratfuss Landes bekämen, so hätten wir nicht nur Palästina, sondern die ganze Welt erobert. Aber unglücklicherweise müssen wir Generäle und Admiräle haben. Hier ist unsere Schwierigkeit wieder der erabarras de richesse. Wir haben wenigstens 9 Napoleons und 10 Togos und jeder hat einen verschiedenen Kriegsrat. In dieser Verwirrung tue ich, was ja auch das A. C. getan hat, ich gehe an das Grab unseres wahren Napoleon und Togo und frage unseren Herzl, was wir machen sollen. Er ist tot, seine Taktik aber ist uns bekannt. Herr Dr. Nordaii hat gesagt, dass 20 Shilling einem Pfund gleich seien, und dass, wenn wir auch Herzl verloren haben, wir doch das entsprechende Kleingeld haben. Ich kann hierin nicht mit ihm übereinstimmen. Das Kleingeld für einen Napoleon ist doch noch kein Napoleon. In Herzls Feldzugsplan war es, irgend ein anderes autonomes Land als Mittel zu seinem Plane zu benutzen. AVrarum? Weil mit den gegenwärtigen Kräften alle andern Mittel erschöpft waren. Der Kongress wird vielleicht sagen : wir wollen warten bis zu der Zeit, wo wir die geeigneten Kräfte haben werden. Das ist eine Meinung, die Berücksichtigung verdient. Andere wieder werden sagen, ja wir wollen warten, und zunächst einige von unsern jetzigen wenigen Kräften hinausdrängen. Ich gratuliere ihnen zu ihrer AVeisheit. Herzl war aber wie Togo für Tätigkeit, gleichviel wie gross sein Heer oder seine Flotte war. Es gab einen Moment, wo Herzl sehr nahe dran war, den Charter für Palästina zu erlangen. Es ist ihm aber nicht gelungen. Was war dann zu tun? Man musste offenbar ein anderes autonomes Territorium in der Nachbarschaft Palästinas zu bekommen suchen. Die versuchte er auch. So versuchte er das ElArish Territorium zu erlangen. Aber das Unternehmen scheiterte. Dann erst kam der Gedanke eines autonomen Territoriums ausserhalb der Nachbarländer von Palästina. Er musste sich entscheiden, ob er dieses Territorium ablehnen wolle, um Kleinkolonisation in Palästina zu treiben. So sehnsüchtig sein Herz an Palästina hing, so musste sein Verstand sich nach Afrika wenden. Da das Basler Programm lautet: Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk eine öffentlich rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina, hat Herzl eingesehen, dass Kleinkolonisation in Palästina möglich wäre aber dass dies weder öffentlich rechtlich noch eine gesicherte Heimstätte bedeuten würde. (Beifall.) Welchen Weg er wählte , es war immer eine momentane Abweichung vom Basler Programm. Deswegen hat keine Partei das Recht, die andere einer Verräterei am Baseler Programm zu zeihen. Ich habe mit dem tiefsten Respekt die Broschüre des Hrn. Ussischkin „Unser Programm" gelesen. Ich freue mich, dass unsere Rasse solche edle Idealisten, solche herrliche Träumer hervorbringt. Aber jedes Wort beweist, dass er nur ein Träumer ist und kein Togo. Sein Plan, Palästina zu erlangen, basiert auf zwei Voraussetzungen; der einen, die in ähnlicher Weise Dr. Nordau unserem Herzl zugeschrieben hat, über die aber Herzl hinausgewachsen ist, nämlich, dass Ussischkin der Meinung ist, General Ussischkin habe ein grosses Heer von Ussischkins hinter sich und zweitens, dass der Sultan der Türkei — ein Narr sei. (Gelächter). Glauben Sie, dass der Sultan mit verschränkten Armen uns etwas wird nehmen lassen, was er uns zu geben verweigert hat? Das ganze Europa kann den Sultan zu nichts zwingen. Wissen Sie, dass in die jüdische Kolonialbank in /Jerusalem türkische Soldaten eindringen könnten und dass diese Bank geschlossen werden könnte, wenn wir nicht die Möglichkeit hätten, die britische Flagge aufzuziehen? Wir hören immer höhnisches Gelächter und Kritik über die Tätigkeit der britischen Regierung für den Zionismus, aber wenn die britische Regierung nicht wäre, so wäre der Zionismus überhaupt nicht im Stande, in Palästina etwas zu machen. (Beifall.) Um ein talmudisches Argument zu gebrauchen: Die Klein-Kolonisation in Palästina muss durch oder ohne politische Tätigkeit erweitert werden. Wenn wir keine politische Tätigkeit haben, so lassen wir das Basler Programm im Stich, wenn auch nur momentan. Aber auch nur dieser Moment wird unsere Tätigkeit schwieriger machen, da der Sultan einsehen wird, dass er von uns nichts zu gewinnen hat. Aber wenn die Zione Zionisten anderseits sagen, dass parallel mit der kolonisatorischen Tätigkeit in Palästina die diplomatische Arbeit fortgeführt werden müsse, so darf man nicht vergessen, class parallel auch bedeutet, dass man in zwei entgegengesetzten Richtungen gehen kann* sie können entweder in einer Richtung gehen oder parallel in der entgegengesetzten. Ich kann mich wohl mit zwei Pferden rascher nach einer Richtung bewegen, oder ich kann zwischen zwei Pferde gestellt werden; das eine Pferd zieht aber in der einen, das andere in der entgegengesetzten Richtung, so dass ich in Stücke zerrissen werde.

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