Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- [Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
- Date
- 1905-07-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Die # Welt" Separat-Ausgabe No. 2 1903 gesandt hat, in dem er die Bedingungen festsetzt, unter denen der Vorschlag allein akzeptabel sein könnte. Er sagte: „Vier Elemente sind meiner Ansicht nach notwendig, um uns das Anerbieten der englischen Regierung als innerhalb der Grenzen der praktischen Politik erscheinen zu lassen: 1. Die Ausdehnung des Gebietes muss eine genügende sein, um Einwanderung nach einem solchen Massstabe zu ermöglichen, dass sie mit der Zeit den Druck merklich verringert, der heutzutage auf den Juden im Osten lastet. 2. Das Gebiet muss also durch ein Volk wie das unsrige kolonisierbar sein. 3. Der Konzession müssen solche autonome Rechte erteilt werden, dass der jüdische Charakter der Niederlassung erhalten bleibt. 4. Und was wahrscheinlich die Hauptsache ist — die Begeisterung unseres eigenen Volkes für das Anerbieten muss solcher Art sein, dass alle die so naheliegenden Schwierigkeiten, die auch unter den günstigsten Verhältnissen bei der Errichtung einer Niederlassung sich fühlbar machen müssen, dadurch überwunden werden können." Es erübrigt nur noch, in Ihrem Namen der Kommission unsere Anerkennung auszusprechen für die Art und Weise, in der sie ihre Arbeit vollbracht hat, und zu bemerken, dass Mr. Wilbusch die schwierige Aufgabe, bei der Untersuchung des Territoriums zu helfen und seinen Bericht zusammen zu stellen, übernahm ohne irgend welche Besoldung und einzig von dem Wunsche geleitet, unserer Organisation, von welcher er ein eifriges und loyales Mitglied ist, einen Dienst zu erweisen. .Ich muss zum Schluss noch meinem Gefühl der tiefsten Dankbarkeit für »Sir Clement Hill, der bis vor kurzem an der Spitze des Protektorat-Departements stand, Ausdruck geben, und auch für die andern Mitglieder des Auswärtigen, für die stets gleiche Hülfsbereitschaft und Liebenswürdigkeit, die uns von der englischen Regierung zu Teil geworden ist, seitdem das Anerbieten ursprünglich gemacht wurde. (Lang anhaltender Beifall.) Die Rede Zangwills. Zangwill, von stürmischem Beifall begrüsst, spricht englisch, Dr. Magnus übersetzt seine Rede Satz für Satz ins Deutsche. Zangwill: Ich möchte Sie bitten, eine Resolution anzunehmen als Antwort auf das Anerbieten der britischen Regierung und ich ersuche Sie, nicht aus Respekt für mich selbst, sondern aus Respekt für die britische Regierung mich ruhig anzuhören, wenn auch manche von Ihnen mit meinen Ausführungen nicht einverstanden sein sollten. Sie sind alle hieher gekommen mit bereits festen Entschlüssen und ich werde daher nicht ausführlicher sein, sondern nur das sagen, was der Ernst dieses Gegenstandes erfordert. Ich will Herrn Ussischkin Gelegenheit geben, die Erage heute vorzubringen, die gestern nicht zur Tagesordnung gehörte. Herr Ussischkin hat in einer Sache recht. Die Frage ist unvermeidlich. Ich will nur Sie und ihn bitten, meine Argumente verstehen zu wollen und mir nicht mit Karikaturen und rhetorischen Wendungen zu antworten. H o w o niscliakmo! In unserer Antwort auf das Anbot der britischen Regierung müssen wir „ja" oder „neinu antworten. Dass wir unser „jatt bedingungslos sagen, ist unmöglich. Wenn wir aber „nein" sagen, dann sind wir in Gefahr der jüdischen Freiheit und dem Asilrecht in England ins Gesicht zu schlagen. Diejenigen, die jetzt versuchen die jüdische Einwanderimg von England auszuschliessen, werden sagen, die Juden hätten ein grosses und fruchtbares Territorium angeboten erhalten. Sie nehmen es nicht an — so mögen sie zum Teufel gehen. (Grosse Heiterkeit!) Aber Sie werden sagen, was hat das mit dem Zionismus zu tun, was hat der Zionismus mit den wandernden Massen, die überhaupt keinen Schekel bezahlt haben, zu tun? (Protestrufe.) Diebritische Regierung hat uns als die Vertreter des jüdischen Volkes anerkannt, und sollen wir uns weniger schätzen als uns die britische Regierung schätzte? Wir sind mehr als ein Parlament von Zionisten, wir sind ein Parlament der Juden aus 23 Staaten der Welt. Wir haben Pflichten nicht allein den Zionisten gegenüber, sondern gegenüber ganz Israel und wir müssen die Juden auch gegen ihren eigenen Willen retten, ob sie den Schekel bezahlt haben oder nicht. Es gibt Millionen und Millionen Juden, die niemals Schekel bezahlt haben. Ich meine unsere Kindeskinder — und wir arbeiten doch für diese Kindeskinder —, für diese Millionen von Kindeskindern, diese endlosen Millionen wie ich hoffe, für die wir Palästina einmal erlangen werden. (Beifall.) Es gibt auch andere Zionisten, die ihren Schekel nicht bezahlen, nämlich die Maranno- Zionisten. In diesen Maranno-Zionisten, die mit uns im geheimen sympathisieren, liegt unsere grösste Hoffnung. Denn ihrer sind mehr, weit mehr als der werktätigen Zionisten selbst. Wir dürfen keine Art von Zionisten aus unserer Bewegung ausschliessen. Wir müssen vielmehr daran denken, dass wir auch die Interessen der antizionistischen Juden zu vertreten haben. Wenn wir nicht unsere wandernden Massen gefährden und nicht einfach den Antisemiten Waffen in die Hände geben wollen, so müssen wir der ganzen Welt klar machen, dass das angebotene Territorium nicht das ist, welches die englische Regierung uns ursprünglich zugedacht hat, nicht das „grosse und reiche Territorium", von dem Mr. Balfour kürzlich im Parlament gesprochen hat. Wir müssen uns und andern klar machen, dass dem nn ht so ist. ("Beifall!) Wir dürfen der britischen Regierung kein einfaches „Nein" antworten, wir müssen für dieses Nein gute Gründe angeben. Der einfachste Grund ist der, dass das angebotene Territorium nicht Palästina ist. (Anhaltender Beifall.) Ich wusste, dass ich bei diesem Punkte Beifall finden würde, aber es ist jetzt zu spät, wir hätten diese Antwort auf dem VI. Kongresse geben sollen. (Tosender Beifall) Beim YI. Kongress hätten wir dies tun können. Jetzt nachdem wir eine Expedition ausgesendet haben, können wir es nicht mehr. Jetzt können wir nur sagen, dass das Angebot für uns nicht gut genug ist. Das ist es auch tatsächlich, was das A. C. in seinem Berichte sagt. AVenn wir dies der britischen Regierung antworten, was soll sie hindern, uns ein besseres Territorium anzubieten (Beifall), denn das Angebot der britischen Regierung war ehrlich und kein Wahlmanöver. Aber wenn die britische Regierung uns ein besseres Territorium anbietet, was sollen wir dann sagen? (Rufe: Nein! Proteste, Beifall). Sie sehen, wir können das Prinzip, das hier in Frage kommt, nicht ausser Acht lassen. Herr Ussischkin hat recht; die Frage ist unvermeidlich. Es muss hier und sogleich beschlossen werden. Ich bringe deshalb folgende Resolution vor: Der Kongress beschliesst, das hochherzige Anerbieten der Regierung Sr. britischen Majestät, dem jüdischen Volke ein grosses und fruchtbares Gebiet zur Ansiedelung mit Selbstverwaltungsrechten unter britischer