Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- [Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
- Date
- 1905-07-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 2 Separat-Ausgabe „Die & Welt" Seite 11 gestehe ein, dass das ein Fehler war, und dass der volle Wert des Anerbietens der britischen Regierung dadurch verloren ging, und ich ging so weit, es Dr. Herzl nahe zu legen,dass er, wenn er nicht im Stande zu sein glaubte, das ursprüngliche Anerbieten anzunehmen, es besser für den Moment fallen lasse, um später an die Regierung heranzutreten, wenn er die Kraft dazu gewonnen und die öffentliche Meinung dahin organisiert haben würde. Aber aus verschiedenen Gründen war Dr. Herzl ausser Stande meinem Rate zu folgen und demgemäss trat ich an die britische Regierung in dem Sinne, in dem er es wünschte, heran. Das Resultat war, dass am 25. Januar vorigen Jahres die Regierung uns nach der Beratung einiger Abänderungen formell die 5000 Quadratmeter Meilen in demGuas Ngischu Plateau anbot. Dieser Vorschlag wurde dem Aktionskomite am Anfang des verflossenen Jahres vorgelegt und es wurde beschlossen eine Kommission hinauszusenden, um dies Gebiet zu untersuchen. Aber noch immer fehlten uns die Mittel für die Kommission, da nur eine kleine Summe von zirka 160 Lstr. zusammengebracht war. In diesem unbefriedigenden Zustand befand sich die Angelegenheit; als unser unvergesslicher Herzl uns genommen wurde. Einige Wochen vor seinem Tode hatte er mir einen Brief mit Instruktionen geschrieben in welchem er sagte: «Ihr, meine Freunde, könnt jetzt eine Probe für meinen Todesfall machen und die Geschäfte einstweilen ohne mich weiterführen.» — Im Vordergründe dieser Instruktionen stand die Aussendung der Kommission nach Ostafrika, und dasjenige, was ihm augenscheinlich von erster Wichtigkeit schien war unausführbar. Das jüdische Volk—bedenkt dies, brauchte ein wenig Geld. Man konnte leicht erkennen, weshalb Dr. Herzl solchen Wert auf die Kommission legte. Wäre er nicht im stände gewesen es zu tun, so wäre unsere Bewegung zum Gelächter der Welt geworden. Man hätte uns in der Tat mit Recht „Visionäre" nennen können, indem der Kongress einen Entschluss von solcher Wichtigkeit gefasst hatte und unsere Leute diesen Beschluss durch nichts unterstützen wollten als durch Applaus in Antwort auf Gegnerschaft. Das Judentum war in einer schlimmen Lage. Herzl tot, und das Ost-Afrika-Projekt, welches mit einem Schlage den Status unserer Bewegung in den Augen der Welt als ein praktisches Unternehmen gestempelt hatte, den Spott unserer Gegner und das Mitleid der uns Zuneigenden, wegen unserer Impotenz herausfordernd. „Dies Volk," hätte es geheissen, „welches es unternehmen wollte, Palästina zu gewinnen, hatte auch beschlossen eine Kommission nach Ostafrika zu senden. Es hatte sich unfähig gezeigt diesen letzten Beschluss auszuführen, welche Aussicht hatte es in betreff des ersteren?" Und die Welt, welche nicht mit Partei-Differenzen rechnete, welche kleine Meinungsverschiedenheiten nicht in Betracht zog, würde nur einen totalen Zusammenbruch bei der ersten praktischen Arbeit, die an uns gelangte, gesehen haben. — Nun wohl. Er, der über Israel wacht, schlummert nicht, noch schläft er, und die Erlösung kam von einer gänzlich ungeahnten Seite. Ein Christ, der unserer Bewegung sympathisch gegenüber stand, frug mich im Laufe einer Unterredung, wann die Kommission nach Ost-Afrika gehen würde. „Wenn wir das Geld haben," erwiderte ich. Und nachdem er sich nach dem Betrag erkundigt hatte, sprach er von andern Dingen. Mit der Post des nächsten Morgens erhielt ich ein Schreiben von diesem Freund, in welchem er sich erbot, die ganze für die Kommission erforderliche Summe — einige 1600 beizusteuern; und unser guter Freund Herr Moser in Bradford stellte eine Gabe von 200 zu meiner Verfügung. Mit diesen Beiträgen und der kleinen früher gezeichneten Summe waien wir im stände die Kommission zu ernennen, welche aus Major Gibbons, einem hervorragenden englischen Forscher, Herrn Kaiser aus Arbon und Herrn Ingenieur Wilbusch bestand. Die Kommission brach von Basel am 25. Dezember des vergangenen Jahres auf, fuhr direkt nach Mombassa und dann sogleich mit der Eisenbahn nach der dem Territorium am nächsten gelegenen Station. Sie erfreute sich jedes nur möglichen Beistandes von Seiten der britischen Autoritäten und verweilte etwas über 6 Wochen in dem Territorium. Major Gibbons hat anscheinend den grössten Teil des Territoriums gesehen, aber man kann die Prüfung als von höchstprovisorischemCharakter betrachten. Die Kommission kehrte Anfang April nach Europa zurück und der Bericht wurde einige Wochen nachher veröffentlicht, noch rechtzeitig für die Sitzung des Aktions-Comitees in Wien. Der Bericht besteht aus 4 Teilen und kann beim Jewish Colonial Trust gekauft werden. Drei Teile bestehen aus den Einzelberichten der drei Teilnehmer der Expedition und der Vierte ist ein Kommentar des Major Gibbons, des Leiters der Kommission, zu den Berichten seiner Kollegen. Als Resultat berichtet Major Gibbons, dass das Territorium in Bezug auf Klima und sanitäre Zustände sehr günstig gelegen sei, aber dass seine agrikulturellen Aussichten nicht so bedeutend seien, wie es die Britische Regierung offenbar gedacht hatte, als sie ihr Anerbieten machte. Dennoch ist er der Ansicht, dass eine kleine Kolonisation von einigen Tausend Personen ausführbahr sei, und dass das Territorim, abgesehen von einem kleinen Teil, ein für Viehzucht und nicht für Ackerbau geeignetes Land ist. Kaiser berichtete im allgemeinen, dass das Territorium für eine jüdische Niederlassung ohne Wert sei und seine Meinung über die Aussichten der Gegend ist pessimistisch, was Juden betrifft. Wilbuschs Bericht über das Territorium lautet ganz ungünstig, von jedem Standpunkt aus*, erhielt es in jeder Beziehung für wertlos mit Ausnahme für die Eingeborenen und wilden Tiere. Gibbons übte eine sehr scharfe Kritik an diesem Bericht und erklärte die Schlussfolgerungen von Wilbusch für durchaus nicht zulässig. Es ist unmöglich in einem Bericht wie diesem die Details eines voluminösen Reports ausführlich wiederzugeben, und es darf gerechterweise erwartet werden, dass jeder, der über diese hochwichtige Angelegenheit sein Votum abgibt, sich selbst mit dem Inhalt der Berichte der Expeditionsteilnehmer bekannt gemacht hat, die in der „Welt" und anderswo publiziert wurden. Es möge genügen, hier mitzuteilen, dass als der Bericht von dem Aktionskomitee, das im April dieses Jahres zusammentrat, durchberaten wurde, es der einstimmige Beschluss des Aktions-Comitees in Bezug auf den Bericht war, dem Kongresse zu empfehlen, sich selbst nicht weiter mit dieser Frage zu befassen, wohl aber bei anderen Körperschaften, die in jüdischen Angelegenheiten interessiert sind, anzufragen, ob sie ihrerseits diesen Ost-Afrika-Vorschlag aufzunehmen gewillt seien. Von diesen ausserhalb stehenden Körperschaften gab nur eine, die Anglo-Jewish Association in London, ihre Zustimmung, an einer event. zusammen zu berufenden Konferenz teilzunehmen, so dass auch dieser Plan aufgegeben wurde. ZumSchluss nehme ich mir die Freiheit, dem Kongress noch einen Auszug aus einem Briefe vorzulesen, den Dr. Herzl an Sir Francis Montefiore im Dezember