Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- [Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
- Date
- 1905-07-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 „Die # Welt" Separat-Ausgabe No. 2 Aus dem obigen Beschluss des 6. Kongresses geht nicht ganz klar hervor, ob die Kommission auch die Frage der Ansiedelung selbst prüfen oder ob sie nur bei der Entsendung der Expedition dem A.-C. zur Seite stehen solle. Die Kommission selbst ist der Ansicht gewesen, dass nur letzteres gemeint gewesen sei, im Sinne der Auslegung von Dr. Herzl, der nach dem Protokoll erläuternd sagte: „Endlich möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass dieser Antrag einen Antrag auf Erforschung uud nicht mehr darstellt.4' Die Tätigkeit der Kommission begann nun damit, dass die einzelnen Mitglieder derselben die ihnen bis dabin ja völlig unbekannte Literatur über die in Betracht kommende Gegend Ostafrikas studierten und eine Korrespondenz über die wichtigeren Fragen eingeleitet wurde, lieber die Zusammensetzung der Forschungsexpedition gingen die Ansichten zuerst etwas auseinander, doch einigte man sich, als man sah, class man keine grosse Expedition ausrüsten könne, sondern sich im Hinblick auf die zur Verfügung stehenden Geldmittel, auf das notwendige zu beschränken habe. Vor allem legten wir Wert darauf, dass die Expedition aus Männern bestehe, deren koloniale Erfahrung und deren Ruf als unabhängige Leute über allem Zweifel erhaben sei, und so fiel die Wahl des Leiters der Expedition auf einen bekannten englischen Kolonialforscher, Major Gibbons, der schon mehrere grosse Expeditionen im tropischen Afrika erfolgreich durchgeführt hatte, deren Resultate in Buchform von ihm niedergelegt worden sind. Da durch diese Wahl für die Erforschung der politischen und allgemein geographischen Verhältnisse des Konzessionsgebietes genügend gesorgt war, einigte man sich bei der Wahl des hauptsächlichen Begleiters auf einen Naturforscher. Alfred Kaiser, aus Arbon in der Schweiz gebürtig, der einen sehr grossen Teil seines Lebens in Afrika zugebracht hat, und besonders auch dadurch sich für diese Expedition empfahl, dass er schon einmal das uns angebotene Konzessionsgebiet durchquert und seine Route in genauen Karten niedergelegt hatte* er war also mit den lokalen Verhältnissen des jn Betracht kommenden Landes so vertraut, wie es bei den gegebenen Umständen möglich war. (Zwischenrufe: Warten Sie nur! Erneute Zwischenrufe und Unterbrechungen.) Präsident Dr, Nord au: Lassen Sie doch den Berichterstatter sprechen! Berichterstatter W a r b u r g: Während Major Gibbons besonders ein Kenner der zentralafrikanischen Hochländer ist, besizt Kaiser grosse Erfahrungen in Bezug auf die ostafrikanischen Hochländer nicht nur in Folge einer mit Dr. Schöller und Dr. Schilling gemeinschaftlich ausgeführten Expedition in das afrikanische Seengebiet, sondern besonders auch durch eine längere Reise mit dem berühmten Afrikaforscher Prof. Schweinfurth in die Hochländer von Erythroea bei Abessinien da er sich ausserdem viele Jahre lang als Forschungsreisen der in Aegypten und auf der Sinai-Halbinsel aufgehalten hat, so besitzt er auch gute Kenntnisse der wirtschaftlichen Verhältnisse arider resp. bewässerbarer Gegenden, während er andererseits in seiner mehrjährigen Stellung als wissenschaftlicher Beirat der deutschen Nordwest-Kamerungesellschaft auch mit der Produktionsfähigkeit des Wald- und Savvannengebietes Afrikas sich hinreichend vertraut gemacht hat. Schliesslich bemühten wrir uns noch, als freiwilligen Begleiter einen Zionisten und Kenner der jüdischen Bevölkerung Osteuropas (Gelächter und Widerspruch), d. h. des für eine eventuelle Kolonisation hauptsächlich in Betracht kommenden Elementes, der Expedition beizugesellen. Wir hätten am liebsten als solchen einen praktischen Landwirt mitgesandt* ein solcher war aber in der Kürze der Zeit nicht zu erlangen, d. h. wenigstens niemand, der sofort abkömmlich war und auch sonst den Anforderungen einer solchen Expedition entsprochen hätte. Unsere Wahl fiel deshalb auf einen Ingenieur, Herrn N. Wilbu sehe witsch, einen Russen, der, selbst auf dem Lande aufgewachsen, sowohl als Sohn eines Mühlenbesitzers als auch in Folge seines Studiums besondere Erfahrung bezüglich der Wasserkräfte besitzt; auch hat er durch die Niederschrift der Ergebnisse einer technischen Studienreise nach Palästina hinreichend dokumentiert, dass er im Stande ist, die vielen zerstreuten Eindrücke einer Expertise zu einem abgerundeten Gesamtbild zusammenzufassen. Seine Aufgabe war speziell, die technischen Fragen und Industriemöglichkeiten des in Betracht kommenden Gebietes zu studieren. Wenn die Schlussfolgerungen seines Berichtes in manchen Punkten von Major Gibbons beanstandet wurden, so handelt es sich dabei doch nur um solche Fragen allgemeiner Natur, welche der eigentlichen Kompetenz von Herrn Wilbuschewitsch nicht unterlagen-, die Tatsachen und Schlüsse seines, die technischen Verhältnisse behandelnden Berichtes bleiben jedenfalls in vollem Umfange bestehen und wir können ihm nur dankbar sein, dass er uns so wertvolle Bereicherungen und Vervollständigungen der Ergebnisse dieser Expedition gebracht hat (Beifall). Mit der Entsendung der Expedition hat also die Tätigkeit der Kommission aufgehört; die Ergebnisse der Expedition wurden dem A.-C. sofort vorgelegt, und die Kommission wurde, unserer Auslegung ihrer Tätigkeit entsprechend, nicht weiter zusammengerufen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen). Die Rede Mr. Greenbergs: Der 6. Kongress beschloss gemäss dem Briefe, welchen Sir Clement Hill im "Auftrag der britischen Regierung gesandt hatte, eine Kommission seitens der zionistischen Bewegung auszusenden, um mit dem High Commissioner des Protektorates .von Ostafrika zu verhandeln und ein Territorium zum Zwecke der jüdischen Siedelung auszuwählen, das einer lokalen autonomen Regierung unterstellt werden sollte. Aber der Kongress unterlies es, die Mittel zur Aussendung der Kommission aufzubringen, was sofort grosse Schwierigkeiten verursachte *, zwar war Dr. Herzl im Besitz einer Art von Versprechen aus Südafrika, bezüglich Fonds, die für die Kommission genügt hätten, aber es wurde nichts daraus. Ebensowenig wurde etwas aus dem Versuch, den ich in London machte, ein kleines Syndikat zu bilden zur Ausrüstung der Kommission, in dem die Absicht bestand, dass die Beisteuernden zusammen mit dem Jewish Colonial Trust einen Anteil an dem Nutzen der eventuellen Konzession haben sollten. Die wohlhabenden Leute, an die ich mich wandte, begegneten mir mit gemischten Gefühlen. Die Gewinnchance des Projektes überwog nicht das Unbehagen, mit einem.zionistischen Plan verknüpft zn werden, der auf der Anerkennung der nationalen Existenz unseres Volkes beruhte, während die Vorsicht, mit der sie stets an jedes Geschäft heranzutreten pflegen, ihnen einen Plan verdächtig machte, an den die Zionisten nicht mit ihren eigenen Fonds herantreten wollten. So blieb die Sache bis zum Herbst 1903. Dann kam Charkow und die starke Agitation gegen den Plan und eben diese war es, die Dr. Herzl veranlasste, eine beträchtliche Modifikation des Anerbietens des Britischen Gouvernement zu erwirken. Anstatt die Kommission auszusenden, um die Regierung bei dem Aussuchen eines passenden Territoriums zu unterstützen, wurde er beauftragt, die Regierung zu ersuchen, selbst das Territorium zu bestimmen. Ich