Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- [Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
- Date
- 1905-07-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 2 Separat-Ausgabe „Die O Welt" Seite 9 direkt mit dem Bericht des Herrn Dr. Nordau zusammenhängt, aufgetreten ist. Präsident Dr. Nordau: Es ist mir nichts bekannt, von einem „Bericht" des Herrn Dr. Nordau. Meine FLröffnungsrede habe ich ausdrücklich als persönliche Kundgebung bezeichnet. Ich kann nicht zugeben, dass eine Geschäftsordnungsdiskussion über eine persönliche Kundgebung des eben zum Präsidenten erwählten Delegierten, welche eine Danksagung war, stattfindet. Es steht Ihnen aber vollständig frei, eigene Anträge an der zulässigen Stelle einzubringen. Dr S y r k i n remonstriert gegen die Erklärung des Präsidenten, spricht weiter, aber nach einigen Erklärungen meint Präsident Dr. Nordau: Ich will Ihnen ein Mittel angeben, ihren Willen durchzusetzen. Beantragen Sie ein Misstrauensvotum gegen mich. Wenn es erteilt wird, werde ich diesen Platz sofort räumen (Heiterkeit und Beifall). Dr. S y r k i n : Ich danke dem Herrn Präsidenten sehr, dass er mir das formelle Mittel in die Hand gegeben hat, das zu sagen, was ich eigentlich wollte. Nun muss ich doch dieses Misstrauensvorum begründen. Ich gehe also über zur Beantragung eines Misstrauensvotums. (Rufe : Pfui! pfui! Herunter von der Tribüne! Sie haben uns versprochen nicht zu reden.) Ja, meine Herren, von mir ist dieser Antrag nicht ausgegangen, sondern von unserm verehrten Herrn Präsidenten. Es entsteht ein Tumult. Endlich fährt Dr. Syrkin fort, indem er sich gegen Ussischkin wendet: Das war ein Versuch des Staatsstreichs, und meine Damen und Herren, zu unser aller Freude war es ein sehr plumper Versuch. Diesem Herrn Ussischkin, dem so manches bei veränderter Situation im Zionismus gelungen ist, ist es nicht gelungen, so ohne weiteres eine grosse Strömung im Zionismus, die so alt ist, wie der politische Zionismus, zu hintertreiben (Bravo). Nach dieser meiner kurzen Charakterisierung des Verfahrens des Herrn Ussischkin glaube ich, dazu beigetragen zu haben, dass eine regelmässige Diskussion in Bezug - auf den Rechenschaftsbericht, zu. welchem ich persönlich keine Stellung nehme, eingeleitet werde. (Heiterkeit). Hierauf spricht Schabotinsky. Schabotinsky will besprechen, was das sei; politischer Zionismus, Wir haben ein Programm : „Der Zionismus." Haben wir aber politisch gehandelt? Um politisch zu handeln, muss man Kräfte besitzen. Das hat Herzl bewiesen, der trotz aller Genialität, wie Dr. Nordau heute selbst sagte, aus Mangel vorhandener Kräfte nicht sein Ziel erreichen konnte. Wir müssen erst stark weden im eigenen Lande. Das sei seine Ueberzeugung da er nicht ein Chowewe Zion, sondern ein politischer Zionist sei. Der Zionismus muss alle Interessen des jüdischen Volkes umfassen. Redner bespricht das Ostafrikaprojekt und erklärt, dass nur Palästina aus eigener Kraft erreicht werden müsse, nicht als Geschenk. Kremenetzky: „Ich werde mich in keine Kritik einlassen, aber auf die zwei letzten Redner zurückkommend, muss ich Ihnen sagen, dass beide ziemlich grosse Programme entwickelt haben Zu diesen ist Geld notwendig, und nur zwei Vereine haben sich gemeldet, die je 10 Pfund für den Nationalfonds nach Basel sandten. Das wichtigste Mittel, um unsere Sache weiter zu bringen, ist das Geld, das bitteich sich strenge vor Augen zuhalten." Rubentschik: »Ich wollte meine Worte anschlies sen an diejenigen Dr. Nordaus. Der Vorsitzende hat erklärt, dass eine Diskussion wegen dieser Rede nicht zugelassen wird. Ich bin also gezwungen, meine Worte an den Bericht anzuschliessen. Ich will meine Meinung darüber aussprechen, weshalb unsere Bewegung zur Zeit so schwach ist, weshalb wir nicht die Macht haben, von der Herr Schabotinsky gesprochen hat. Ich fasse die Sache so auf: So lange das eigentliche Volk, die niedrigen Schichten des jüdischen Volkes, diejenigen, die in der Lage sind, den Zionismus zu verwirklichen, so lange diese Schichten an dem Zionismus kein Interesse haben, so lange ist der Zionismus unmöglich. Was hat die jüdische Masse nötig? Sie hat zwei Sachen nötig, Brot und Freiheit. Wir haben daran gedacht, wie sich eine sichere Existenz erkämpfen lässt, und ein Teil der jüdischen Masse glaubt, sich diese sichere Existenz hier erkämpfen zu können. Ein Teil der jüdischen Masse verhält sich gegenüber dem Zionismus feindselig, aber es gibt auch einen anderen Teil der jüdischen Masse, der bereits eingesehen hat, dass wir hier nichts können, dass wir trotz aller Opfer, trotz aller Anstrengungen doch keine sichere Existenz erkämpfen können. Dieser Teil der jüdischen Masse sucht etwas anderes, dieser ist dem Zionismus geneigt und wäre gerne bereit, alle seine Kräfte dem Zionismus zu widmen, aber er verlangt etwas. Wenn dieser Teil der jüdischen Massen zum Zionismus herangezogen wird, dann muss er eine Arbeit übernehmen, er muss etwas haben, wo er seine Kräfte verwerten kann Wir sind überzeugt, dass so lange der Zionismus an Palästina festhält, solange sein Programm nicht erweitert wird, wird niemand von der jüdischen Masse weichen. Redner beginnt über türkische Verhältnisse zu sprechen und wird zur Ordnung gerufen. Er schliesst folgendermassen: »Ich suche zu beweisen, dass die zionistische Bewegung in dieser Weise sich auch fernerhin nicht entwickeln kann. Wir wollen Palästina besiedeln, wir wollen Palästina ökonomisch erobern. Aber auf welchem Wege kann dies geschehen? Auf dem von Dr. Nordau vorgeschlagenen Wege werden wir nicht hineinkommen. Wollen wir Palästina mit einer Flotte erobern, wollen Sie sich Kanonen anschaffen? Ich sage Ihnen, wenn die jüdischen Massen sich uns anschliessen, dann wird der Zionismus die nötige Macht gewinnen. (Beifall und Widerspruch). Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wird die Sitzung geschlossen. III. Sitzung (vormittags). Freitag 28. Juli. Bericht der Ostafrika-Kommission erstattet von Professor 0. Warburg. Auf dem 6. Zionisten-Kongress gelangte folgender Antrag des A.-C. zur Annahme: „Zur Prüfung der Frage der Ansiedlung des von der englischen Regierung so hochherzig in Aussicht gestellten Gebietes beschliesst der Kongress, eine Kornission einzusetzen. Diese Konimission hat aus neun Mitgliedern zu bestehen, und es ist ihre Aufgabe, dem engern A.-C. mit lediglich beratender Stimme zur Seite zu stellen bei Entsendung einer Expedition nach den zu erforschenden Gebieten. In die Kommission gewählt wurden die Herren: Ingen. Kessler, Ing. Ettinger in Soroki, Prof. Warburg, Dr. Oppenheimer, Dr. Weizmann, Cowen, Greenberg, Dr. Dessau (Bologna) und Dr. A. Marmorek (Paris). Als Vorsitzender dieser Kommission erlaube ich mir, Ihnen über die Tätigkeit derselben einen kurzen Bericht zu erstatten. Vorher aber noch eine Bemerkung.