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Die Welt · 1905-07-29 · [Separat-Ausgabe] (29.7.1905) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
Date
1905-07-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No, 2 Separat-Ausgabe „Die & Welt" Seite 7 Tochtergründung der Bank, die Anglo-Palestine Company macht. Neben der Zentrale in Jaffa ist eine Filiale in Jerusalem gegründet, eine zweite Filiale in Ka'iffa in Vorbereitung. Mehr als der materielle Erfolg ist der moralische dieser Gründung einzuschätzen, indem die A. P. C. sich in Palästina eines grossen Ansehens erfreut und in jeder Beziehung die Lage der palästinensischen Juden stärkt. Der Nationalfonds hat zwar in den wenigen Jahren Bestehens eine bedeutende Grösse angenommen, aber noch immer ist das Verständnis für diese nationale Institution nicht so populär wie es sein sollte. Insbesondere halten sich die wohlhabenden Klassen unserer Bevölkerung noch zu sehr dem N. F. ferne. Welcher Gesinnung die Juden auch sein mögen, für den N. F. sollte jeder Jude, bei jeder Gelegenheit beisteuern. Wenn nur das Vorbild der Schweizer Juden nachgeahmt werden würde, welche in diesem Jahre im Durchschnitte für jeden jüdischen Einwohner einen Fr. per Kopf dem N. F. zuwandten, müsste der N. F. schon das Zehnfache seines jetzigen Besitzes aufweisen! Die alte Lehre, dass zur Erreichung eines Erfolges vor allem Geld, Geld und wieder Geld gehöre, hat auch für uns Juden seine Wahrheit nicht verloren, und eine erhöhte Propaganda für die finanziellen Institutionen der Bewegung ist eine der wichtigsten Mahnungen, welche die Delegierten dieses Kongresses mit nach Hause nehmen sollen. Der Kongress wird sich ferner mit der Legalisierung des Nationalfonds zu beschäftigen haben. lieber das Ergebnis der nach Ostafrika gesendeten Forschungskommission wird in dem eigens hiezu berufenen Kongresse verhandelt werden. Wir glauben aber, dass es unsere Pflicht ist, schon jetzt jenen Personen, welche die Aussendung der genannten Kommission durch ihre Munifizenz ermöglicht haben, unseren wärmsten Dank auszusprechen. Wohin man im Zionismus blickt, findet man Leben, ein so reges Leben, dass es fast zu Auswüchsen führt. Eine täglich wachsende Presse beleuchtet den Zionismus nach allen Richtungen, führt aber auch zu Polemiken, die das Persönliche dem Allgemeinen oft voranstellen. Das sollte anders werden und dann wTird man sich der Lebhaftigkeit und Vielseitigkeit in unserem Lager wahrhaft freuen können. Eine der wichtigsten Aufgaben dieses Kongresses ist es, die durch geänderte Verhältnisse und auf Grund der gemachten Erfahrungen als notwendig erkannten Reformen unserer Organisation durchzuführen. Anf Grund dieses neuen Organisations-Statuts soll die neue Leitung gewählt werden, welche berufen sein wird, von nun an die Geschicke des Zionismus im Geiste unseres verstorbenen grossen Führers und der nunmehr 8jährigen Tradition fortzusetzen. Wir aber, die wir fast seit dem Beginne der Bewegung neben dem Gründer derselben ihr unsere Dienste widmen zu können so glücklich waren, wir legen unser Amt in ihre Hände zurück im Bewustsein, wenn auch nicht so Grosses, als wir gewollt, erreicht zu haben, wir doch immer bemüht gewesen sind, unsere Pflicht aufs Gewissenhafteste zu erfüllen. Prüfen Sie auch diesen unseren letzten Bericht über unsere Tätigkeit, der in wenigen Worten eine Summe vieler Arbeit enthält, prüfen Sie die Bilanz über unsere finanzielle Gebahr ung, die in Ihren Händen sich befindet, und erteilen Sie uns das Absolutorium. Architekt O. Marmore k. Gestatten Sie mir noch zur Bilanz, die Sie in Händen haben, eine Bemerkung zu machen. Unsere Bücher müssen statutengemäss am 30. Juni abgeschlossen werden. Leider ist ein grosser Teil des Schekels erst nach diesem Datum eingetroffen, so in den letzten Tagen in Basel circa 30,000 Franken. Es bietet also diese Bilanz, die Sie hier haben, nicht das präzise Bild des Standes am 30. Juni des Jabres und Sie müssen es also dahin ergänzen. Sie werden sich vielleicht interessieren, den Stand der Schekeleinzahler in den verschiedenen Ländern kennen zu lernen. Ich glaube aber Ihre Zustimmung zu finden, wenn ich diese Zahlen bloss in der «Welt» publiziere. Vize-Präsident Wolffsohn. Die Mitglieder des Legitimationsausschusses werden ersucht, sich sofort im Kongressbureau zu versammeln. Das Wort hat Herr Ussischkin, Ussischkin. (Spricht russisch.) Die Ausführungen Ussischkins werden von seinen Gegnern wiederholt stürmisch unterbrochen. Es gelingt Vize-Präsident Wolffsohn nur schwer, die Ruhe wiederherzustellen. Dr. Weit z mann übersetzt: Der Inhalt der Rede des Herrn Ussischkin war folgender. Wir müssen der Verirrung, die herrscht, ein Ende machen. Wir können es nicht dulden, dass solche Verletzungen des Basler Programms stattfinden, wie sie stattgefunden haben und wir schlagen die Annahme folgender Resolution, die von den Russen beantragt wird, vor: «Der VII. Zionisten- Kongress erklärt: die zionistische Organisation hält an dem Grundprinzip des Basler Programms, das die «Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina» erstrebt, unerschütterlich fest und lehnt — sowohl als Zweck, wie als Mittel — jede kolonisatorische Tätigkeit ausserhalb Palästinas und seiner nächsten Nachbarländer ab. Der VII. Zionistenkongress bringt in Erinnerung und betont, dass laut § I des zionistischen Organisationsstatuts «die zionistische Organisation diejenigen Juden umfasst, welche sich mit dem Programm des Zionistenkongresses einverstanden erklären» und macht die Leitung der Organisation für die Durchführung dieser Bestimmung verantwortlich. (Beifall und Widerspruch.) Dr. Nordau: Von mehreren Seiten wird der Einspruch erhoben, dass der Antrag Ussischkin nicht an dieser Stelle zu verhandeln sei, da es sich jetzt um den Bericht des A.C. handle. Ich möchte Herrn Ussischkin ersuchen, seine Resolution auf den morgigen Verhandlungstag aufzuschieben. Ussischkin beharrt auf seinem Antrag. Dr. Nordau gibt hierauf Herrn Dr. N o s s i g das Wort zum Berichte des A.C. Dr. Nossig, Berlin. Man kann an den Bericht des A. C. einen doppelten Massstab anlegen. "Wir könnten zunächst die Leistungen des A. C. in quantitativer Weise abschätzen; aber ich fürchte, dieser Massstab wäre nicht gerecht. Denn die Zeit, die hinter uns liegt, war eine abnormale, eine Zeit der schweren Erschütterung, eine Zeit der inneren Entwicklung und programmäßigen Erklärungen. Es ist selbstverständlich, dass in solcher ZAt nicht viele praktischen Arbeiten geleistet werden können. Wenn wir nach der geistigen, moralischen Bedeutung der Schritte des A. C. fragen, wenn wir uns ihre politische Tragweite vergegenwärtigen, so können wir nicht umhin festzustellen, dass dieselbe eine bedeutende ist. Denn die Schritte, die das A. C. unternommen hat, bedeuten die Inaugurierung einer neuen Methode der zionistischen Aktion. Wenn Sie vernehmen, dass das A. C. eine ernste, wenn auch vorläufig mit bescheidenen Mitteln ausgerüstete Palästina-Kominission nun zur Tatsache werden Hess, wenn wir sehen, dass diese Körperschaft aus ihrer eigenen Initiative, und die andern Körperschaften, z. B. der Nationalfoncls und die Kolonialbank endlich in Palästina zu arbeiten beginnen und zwar gleichzeitig auf mehreren Gebieten, wenn wir hören, dass das A. 0.

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