Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-07-29 · [Separat-Ausgabe] (29.7.1905) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
Date
1905-07-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316132--47128-3342006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

No. 2 Separat-Ausgabe „Die £: Welt" Seite 5 Die argentinische Föderation besteht aus 4 Vereinen in Buenos-Ayrcs, je einem in den Kob niea in Entre Rio*?. Moisesville und Mauritio, ferner in Coroned Gunrez, Paranaund Yilla-Masia. Yon den zionisiUchen Organen heisst das eine El Gionisra (spagniolisch), das andere „Der Zionist" (Jargon), Demnächst finde! die zweite Landeskonferenz statt. Für die zionistischen Fonds wird stark gesammelt, die Einwanderer werden nach Möglichkeit unterstützt (die Federr.it.ion hat ein hiformationsbureau). Die Federation hat es sich zur Hauptaufgabe gestellt, starken moralischen Einfluss auf das jüdische Leben in Argentinien zu üben. Trotz der starken assimilatorischen Gegnerschaft ist ein steter Fori schritt zu verzeichnen. Die vollständige Einigung der Gruppen wird bei der zweiten Landeskonferenz sicher erreicht werden. Auf dem VII. Kongresse sind 22 verschiedene Staaten aller Weltteile durch Delegierte vertreten, deren Zahl trotz des verdoppelten Zensus grösser ist, als in den früheren Jahren, ein Zeichen des lebhaften Interesses für unsere Bewegung, das sieh wohl nicht glänzender dokumentieren kann, als durch Erwähnung des Umstandes, dass fast 100 Delegierte aus äusserenropäischen Ländern zum Kongress eingetroffen sind. Ganz besonders zahlreich ist wie immer die Delegation aus Russland. Auf welchem Gebiete man immer vom jüdischen "Volke spricht, miiss Russlands zuerst Erwähnung geschehen, leider steht es auch an erster Stelle, wenn man von jüdischer Not, von jüdischem Elend spricht. Es ist charakteristisch für die geringen Hoffnungen, welche die Juden für die Zukunft in Russland hegen dürfen, dass mit der elementaren Freiheitsbewegung, welche alle Geister ergriffen hat, parallel die schrecklichen Judenverfo 1 guugen einhergeben. Kischeiiew ist kein ausserordentliches Ereignis mehr. Wer könnte sie aufzählen, diese Schlachtstätten, wo so viele namenlose Helden ihr Blut lassen mussten als Opfer ihrer Stammes- und Glaubenstreue und des unausgesetzt geschürten Rassen- und Volkshasses. Hornel, Zitomir, Melitopol und viele, viele andere Namen werden traurige Erinnerungen in der jüdischen Leidensgeschichte bilden. In einem Punkte jedoch haben sich doch die Zeiten geändert, indem die Juden sich nicht mehr wehrlos und geduldig wie Sohlachttie r e h i n in o r d e n lassen, s o n d e r n m u t i g u n d k ü h n s i c h g e g e n die übe r w i e g e n d e n A n g r e i f e rm assen z ur W eh re setzen und ihr Leben sehr teuer verkaufen und wie Dr. Tschlenow in seinem Berichte an die russische Landsmannschaft stolz hervorhebt, ist es das Verdienst des Zionismus, dass bei der jetzigen Freiheitsbewegung in Kassiand unsere Brüder nicht dem Beispiele der westeuropäischen Juden folgen und Assimilation treiben, sondern überall als National]uden auftreten und als solche am Befreiungskampf sich beteiligen. Die jüdische Auswanderung aus Russland hat im letzten Jahre erschreckende Dimensionen angenommen. Der Zunahme der zur Auswanderung treibenden Momente steht aber eine immer geringere und beschränktere Zahl der Länder gegenüber, denen sich die Emigranten zuwenden können, und die Frage „Wohin?u wird immer aktueller und dringlicher. Die Auswanderiingsfrage ist von allen den vielen Nöten momentan diejenige, die gewiss die grösste Aufmerksamkeit verdient. Aller Mittel bar, nur um das nackte Leben zu retten, kommen die Flüchtlinge, zumeist Männer, aber auch viele Frauen und Kinder, über die Grenze, auf die Wohltätigkeit und Menschenliebe vertrauend. Wo ist aber die allgemeine Nächstenliebe der n i c h t jüdischen Nationen für diese Elendesten der Elenden? Vergebens haben die Assimilanten sie erhofft undersehnt als Zeichen der gleichen brüderlichen Behandlung der Juden durch die Niehtjuden. Vergebens! W i r k s a ni u n d a 1 1 e i n t ä t i g i s t d i e j ü d i s c h e W o h 11 ä t i g k e i t g e w e s e n, die nie v e r s a g t, w e 1 c Ii e n S t a m m es im d G 1 a Li b e n s im m e r d i e T> i 11. c n d e n auch s e i e n , u n d die a u c h d e n f 1 ü c h t e n d e n B r ü d e r n i m r e i c h st e n Mass e z u t e i 1 w i r d. Aber durch Wohltätigkeit allein kann einem ganzen Volke Hilfe nicht gebracht werden, und so sehen sich die die zionistischen Ideen streng ah weisenden assimilatorischen Kreise in Deutschland und Oesterreich genötigt, die von den Zionisten gepredigte und durch Beispiele als wirksam dokumentierte Sammlung und Organisierung der Kräfte in ihr Programm aufzunehmen. Die Glossloge Bnei Britli in Deutschland, berief in Gemeinschaft mit dem Hilfsvereine der deutschen rinden, im Dezember DKMeine Konferenz aller jüdischen philanthropischen Gesellschaften nach Frankfurt am Main zum Behui'e der Regelung der Auswanderiingsfrage. Auch das zionistische A. G. folgte gerne der Einladung, da wir es stets für unseie Pflicht halten, dort nicht zu fehlen, wo es gilt, jüdisches Interesse wahrzunehmen. Die Seele des i I ilfsvereinos der deutschen »Juden ist ein Mann, der von glühendster Liebe zu seinem Volke erfüllt ist und ihm seine ganze energische Tätigkeit widmet. Sein Streben, die Auswanderung zu organisieren, verdient gewiss die Unterstützung aller Juden und wir stellten gerne unsere weitverzweigte Organisation dies- und jenseits der russischen Grenze für diesen Zweck zur Verfügung, obzwar wir uns von vornherein darüber klar waren, dass nur einem geringen Teile des Auswaudererelends auf diese Weise Hilfe gebracht werden könne. Es war eigentlich das erste Mal, dass Zionisten mit Nichtzionisten sich zu gemeinsamer Arbeit zusammenfanden, und es freut uns, konstatieren zu können, dass unsere Arbeits- und Opferfreudigkeit sich selbst die Anerkennung der Nichtzionisten errang. Die errungene Position des Zionismus zeigt sich darin, dass sich bereits politische Parteiungen und Gruppierungen in ihm bilden. Warum soll denn unser intelligentes Volk den anderen Völkern in der Mannigfaltigkeit der Weit- und politischen Anschauungen nachstehen? Das A. 0. hat den Fraktionierungen die möglichste Freiheit und Unterstützung angedeihen lassen, u n t e r d e r V o r a u s s e t z u n g, d a s s d a s B a s e 1 e r Programm das gemeinsame feste und innw a n d e I b a r e F u n d a m e n t sei, a u f d e n e n s i c h So n d er rieht un gen aufbauen können, welche nicht vergessen dürfen, dass sie nur Teile sind des g r o s s e n G an z e n, das sie i n i h r e r A r t mitzufördem, aber nicht zu zerstören berechtigt sind. Wir haben von diesem Gesichtspunkte ausgehend, der Bildung einer Misra chi-Part ei alle Förderung angedeihen lassen, dem Versuch derselben aber, neben den Landes-Organisatioiien sich als Organisation in der Gesanit-Organisation zu bilden, unser Veto entgegengestellt. Ueber unsere zionistischen Institutionen, die Jüd. Kolonial-Bank, die Anglo-Palestine Company und den Nationalfonds werden noch Spezial-Referate ihnen Gelegenheit zur Diskussion geben. Auf der diesjährigen General-Versammlung der Bank werden die seit längerer Zeit von den Aktionären gewünschten und von dem A. C. verbreiteten Statuten-Aenderungen zur Beschlussfassung kommen. Sie werden auch Gelegenheit haben, von den erfreulichen Fortschritten zu hören, welche die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.