Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-07-29 · [Separat-Ausgabe] (29.7.1905) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
[Separat-Ausgabe] (29.7.1905)
Date
1905-07-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316132--47127-3342005
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 4 „Die & Welt Separat-Ansgabe No. 2 Dr. N o r d a u verliest hierauf aus dem Einlaufe. Basel, den 22. Juli 1905. Der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt an das Bureau des Zionistenkongresses in Basel. Hochgeachtete Herren! Die freundliche Einladung zum Besuche der Verhandlungen des VII. Zionistenkongresses beehren wir uns Ihnen mit der Mitteilung auf das verbindlichste zu verdanken, dass wir unsern Mitgliedern die Teilnahme an dem Kongresse freigestellt haben. Wir benutzen den Anlass, auch dem VII. Zionistenkongress unsern aufrichtigen Willkommgruss zu entbieten und ihm die besten Wünsche für eine erspiiesslichc Tagung zu übermitteln. Dabei gedenken wir mit herzlicher Teilnahme des Verlustes, den Ihre Bewegung seit dem letzten Kongresse durch den Tod des Dr. Herzl erlitten hat, und sprechen es hier gerne nochmals aus, wie viele Sympathien sich die hervorragende Persönlichkeit Ihres verstorbenen Präsidenten in unserer Stadt erworben hat. Mit vorzüglicher Hochachtung. Der Präsident des Regierungsrates: A 1 bc B urckha r d t. Der Sekretär: Dr. A. I m H o f. Stürmischer Beifall. Dr. Nordau erklärt, dem Regierungsrat den Dank des Kongresses ausdrücken zu wollen. »Vom mandschurischen Kriegsschauplatz aus dem Hauptquartier des Oberstkommandierenden Line witsch ist uns von den dorc anwesenden Mitgliedern des A.C. Dr. Sapir und Dr. Schlaposchnikow - Tschita (Beifall) eine Depesche eingetroffen, in der uns die Grüsse der gegenwärtig auf dem Kriegsschauplatz dienenden Zionisten übermittelt werden. Inmitten der Gefahr, inmitten der Not, inmitten einer Tätigkeit, in der der Tod ihnen fortwährend vor Augen ist, gedenken sie der Bewegung, gedenken sie des Ideals, dem auch sie Treue geschworen haben und entbieten uns ihren Gruss vielleicht in einem Augenblicke schwerster Todesgefahr. (Anh. Beifall.) Ich erteile nun dem Mitglied des engern A.C., Hrn. Arch. Oskar Marmorek das Wort zur Berichterstattung über die Tätigkeit des Aktionskomitees.« Dr. Osk. M a r m o r e k verliest seine Rede, deren erster Teil in unserer vorigen Nummer erschienen ist. Fortsetzung des Berichtes des A. C, erstattet von Arch. Marmorek. In Italien hat der Tod Herzls zahlreiche und überaus herzliche, Trauerkundgchungen nicht nur der zionistischen Vereine, sondern auch der .Religionsgemeinden und ihrer offiziellen Vertreter hervorgerufen. Die Federation umfasst heute 12 Vereine und ist im Begriffe, ihre Tätigkeit auf die bisher noch uneroberten Plätze auszudehnen; die Zahl der ^chekelzahler hat sich seit dein letzten Kongresse verdoppelt und beträgt, heute über 1200, eine Ziffer, die besonders hoch erscheint, Avenn man das Verhältnis zur gesamten jüdischen Bevölkerung in Betracht zieht. In Nordamerika hat sich der bisherige langjährige Leiter der Föderation infolge Krankheit, die ihn lange Zeit von seiner Heimat ferne hielt, gezwungen gesehen, seine Stelle niederzulegen. Die neue Leitung hat die4 erste Periode ihrer Tätigkeit mit dem Erfolge abgeschlossen, dass sich, der Zionismus intensiv und extensiv ausgebreitet hat; allein in diesem Lande, das die grösste jüdische Gemeinde der Welt und aller Zeiten in sich birgt, ist noch enorm zu tun, um sagen zu können, dass sie den gebührenden Platz erhalten hat. In Kanada hat die Federation fast in allen Städten, in denen Juden wohnen, zionistische Vereine ins Leben gerufen. Die Zionisten gemessen im ganzen Lande einen grossen Respekt, der sich Lei der letzten Jahreskonvontion äusserlich darin bekundete, dass die nicht jüdische Bevölkerung und die öffentlichen Behörden den Zionisten lebhafte Sympathiekundgebungen darbrachten. Besonders zu erwähnen und zu rühmen ist die Fürsorge der kanadischen Juden für ihre eingewanderten Brüder. Die von Mrs. de Sola gegründeten und energisch geleiteten Damenvereine sind besonders rühmlich zu erwähnen, wegen der Fürsorge, die sie den Keueinvanderern zuwenden. Der Präsident der Federation wurde von den massgebenden Stellen verständigt, dass er von ihnen als .Repräsentant der canadischen Juden angesehen werde. Die s ü d a fr i k a n i s c h e (Organisation leistet ausserordenUich viel. Sie steuert zu den allgemeinen Institutionen unserer Bewegung in reichster Weise bei, sie beschränkt sich aber nicht auf diese äussere Tätigkeit, sondern bildet das Zentruni für alle jüdischen Bestrebungen, sie sorgt für die Ausbildung der Eingewanderten, für Aufklärung und Erziehung der »lugend, nimmt sich der politischen Rechte der Juden im ganzen Lande in energischer Weise an und trachtet, den Einwandernden nach Möglichkeit Verdienst zu schaffen und ihnen die Existenzmöglichkeit zu bieten. Von Interesse dürfte es sein, dass in Nairobi, der Hauptstadt des englischen Ostafrika-Protektorates, also jenes Landes, in dessen Bereiche das Gebiet liegt, das von der englischen Regierung den Juden zur Siedelung angeboten wurde, die wenigen dort lebenden Juden sich unserer Bewegung mit ganzem Herzen angeschlossen haben und der dort eingetroffenen Erforschungsexpedition mit Rat und Tat beizustehen sich die grösste Mühe gaben. Solange der Zionismus nicht bestand, waren die in die ferne Welt zerstreuten Juden für das Judentum verloren. Der Sehekel bildet gegenwärtig den Ausdruck der Volkszugehörigkeit, mit dem sich auch der kleinste Splitter des Judentums der grossen Masse des Volkes angliedert. Rührend sind die kleinsten Zeichen der Voikstreue dieser fernen Brüder, wie z. B. die Sendung von Marken für den Nationalfond, dann von Geldspenden für diesen und andere Zwecke. In N a g a s a k i, Y e d d o, S h a n g h a i, H 0 n gk eng, S 1 n g a p 0 r e und auf den P h i 1 i p i n n e n bestehen zionistische Vereine. In A u s t r a 1 i e n bestehen vier zionistische Föderationen und zwar in Neu- S ii d - \V a 1 e s, in V i k t o r i a , S ü d - Au s tr a 1 i e n und AV e st-Aus t r a 1 i e n; ferner ist eine zionistische Föderation in Bris b a n e auf Q 11 e e 11 s 1 an d in Bildung begriffen. In Victoria bestehen 4 Vereine, welche sich kürzlich erst unter der Präsidentschaft des Mitgliedes der gesetzgebenden Körperschaft, Herrn N a t h a n i e 1 Cohen, zu einer Föderation vereinigt haben. Der Sitz der Zentrale ist Melbourne und diese Föderation verspricht grosse Dimensionen anzunehmen. In N e u-Süd-\Vales gibt es über 400 Sehekelzahler; auf N 011- Z e e 1 a 11 d gibt es 2 zionistische Vereine, in AVe 1- 1 i 11 g t 0 n und in Dun e diu. deren Bereinigung zu einer gemeinsamen Föderation bevorsteht. In A u s trali en gibt es insgesamt heute über 8000 Sehekelzahler; ein Prozentsatz, der bei der kaum 15 000 Köpfe zählenden jüdischen Bevölkerung recht ansehnlich ist. Alle australischen Vereine haben einen gemeinsamen Delegierten, gewählt, welcher sie auf diesem Kongresse vertritt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.