Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 29 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 24 „bie * weit" Nr, 29 Auf solche Weise kann jemand mit einer Markenreihe von zehn Marken schon als Sammler für den Jüdischen Nationalfonds tätig sein. Wenn nun jemand dem Jüdischen Nationalfonds eine oder mehrere kleine Münzen spendet, so gibt ihm der betreffende Sammler ebensoviele Marken als Bestätigung, indem er, je nach der Grösse der Spende, eine oder mehrere Marken von rechst nach links abtrennt und dem Spender als Quittung ausfolgt. Alle Marken, die einmal vom Talon abgetrennt sind, sind nicht mehr quittungsfähig. Sie haben ihren Zweck erfüllt und werden mit dem Moment ihrer Abtrennung vom Talon wertlos wie auch die frei gewordenen Talons. Um jeden Missbrauch zu verhüten, wird dringend gebeten, die als Quittung erhaltenen gekauften Marken zu vernichten. Die Kosten der Anschaffung der Markenbücher, die Bezahlung der erforderlichen untergeordneten Arbeiten und das Postporto werden vom Fonds selbst getragen. Alle übrigen Arbeiten im Aktionskomitee, Revision etc., werden als Ehrenamt angesehen und unentgeltlich besorgt. Kontrolle. Da die Hauptzentrale Marken nur gegen Bargeld ausfolgen darf, so ist die Kontrolle eine sehr leichte. Die unter Aufsicht des Aktionskomitees hergestellten Markenbücher werden nach ihren Serien sowie nach den laufenden Nummern ihrer Anfangs- und Endreihen in ein Hauptbuch eingetragen und dem Trust abgeliefert. Von diesem Moment an ist der Trust mit den entsprechenden Werten der verschiedenen Marken belastet. (Z. B. 10 Bücher von Nr. 1 bis Nr. 10, Serie A enthaltend die laufenden Nummern der Markenreihen von 1 bis 3000, von 3001 bis 6000 etc., zusammen 30.000 Markenreihen oder 300.000 Marken. 15 Bücher, 1 bis 15, Serie Ed 1, enthaltend die laufenden Nummern der Markenreihen von 1 bis 3000, von 3001 bis 6000 etc., zusammen 45.000 Markenreihen oder 450.000 Marken usw.) Man braucht bei jedesmaliger Kontrolle nur die laufenden Nummern jeder Serie zu konstatieren, bis zu welcher die Markenreihen verkauft worden sind, und diese mit den Eintragungen in den Büchern und den letzten Ausweisen an die Revisoren zu vergleichen, um sofort die Richtigkeit der Buchungen zu konstatieren und zugleich den jeweiligen Stand des Nationalfonds in den einzelnen Ländern zu erhalten. Die Hauptzentrale muss jeden Monat dem Aktionskomitee Mitteilung über den Stand der einzelnen Serien zukommen lassen. Zur Kontrolle der Bücher und aller Belege des Nationalfonds werden vom Aktionskomitee drei Revisoren ernannt, welche demselben ihre Wahrnehmungen mitzuteilen haben. Verwaltung. * Das engere Aktionskomitee übernimmt die Verwaltung des Nationalfonds kollektiv und steht ihm die Kontrolle der Bücher zu. Es hat die jeweiligen Bedingungen für die Bank als Depotstelle festzustellen und die Gelder in geeigneten Werten anlegen zu lassen. Das Aktionskomitee des Zionistenkongresses ist diejenige Körperschaft, die über dessen Auftrag auszusprechen hat, ob die Bedingungen eingetreten sind, die den Nationalfonds berechtigen, Ländereien anzukaufen, und die auch die Entscheidung über den Landankauf hat. Schlusswort. Im vorstehenden wurden das Wesen und die innere Einrichtung des Nationalfonds klargelegt. Daraus war schon zu entnehmen, worauf es bei der Propagierung des Nationalfonds vor allem ankommt. Die Propaganda muss sich darauf einrichten, dass sie die allerkleinsten Kreise und alle täglichen Gelegenheiten benützt, um sich dann in ihrem Umfange beliebig zu erweitern, wenn einmal die Grundlage für die kleine Arbeit gelegt ist. Der nächste Verwandten- und Bekanntenkreis stellt die kleinste Grundlage dar. In diesen Kreisen fortgesetzt so zu arbeiten, dass möglichst viele die Idee des Nationalfonds, seine eminent sittliche nationale Bedeutung verstehen, ist die wichtigste Aufgabe. Insbesondere unter der heranwachsenden Jugend muss in einer dem jeweiligen Alter entsprechenden Art das Wesen des Nationalfonds so erklärt werden, dass es unserer Jugend eine Freude und zugleich eine pflichtgemässe Uebung wird, wenn sie bei den verschiedensten Anlässen selbst Sammlungen für den Nationalfonds veranstaltet. Indem man die Kinder darauf hinweist, auf die Sammelbüchsen bedacht zu sein, allerhand Gegenstände für den Nationalfonds zu verwerten, bei Festen, Zusammenkünften etc. sich und andere an den Nationalfonds zu erinnern, erzieht man eine Armee tüchtiger Agitatoren — und zwar nicht nur für den Fonds, sondern allmählich auch für die grosse Sache der jüdischen Zukunft. Wenn es gelungen ist, den engsten Kreis der Verwandten und Bekannten so für den Nationalfonds zu interessieren, dass die Angehörigen dieses Kreises, sei es auf Sammlungen hin, sei es durch Selbstbesteuerung — was weitaus das Empfehlenswertere ist — zum Fonds beitragen, dann ist die Basis für die weitere Arbeit gegeben. Dadurch, dass in jedem Orte ein Nationalfondskommissär eingesetzt wird (in grösseren Städten eine grössere Anzahl solcher Kommissäre), der die Funktion hat, die Gruppen zu organisieren, ist ein Zusammenarbeiten aller Sammel-, Selbstbesteuerungs- und ähnlichen Gruppen ermöglicht. Je reger der Verkehr der Gruppen mit der Zentrale und untereinander ist, um so förderlicher wird es für die Stärkung des Nationalfonds sein. Es wird auch dafür gesorgt werden, dass alle, die zum Nationalfonds beitragen, in die Ausweise über ihre Beiträge möglichst Einblick bekommen und in die Kontrolle und Verwendung der Gelder, damit das Vertrauen in den Fonds gestärkt werde und damit sie einen Ueberblick über die Leistungen anderer, über die Verbreitung und das Wachstum des Nationalfonds erhalten. Mögen sich alle, die Sammler sowohl als die, die ihre Beiträge geben, vor Augen halten, dass sie bei ihrer Arbeit, bei ihren Beiträgen innerhalb unseres Volkes eine Funktion erfüllen, die sonst bei anderen Völkern staatlichen Instituten oder grossen öffentlichen Körperschaften zufällt. Das jüdische Volk, das noch kein Gemeinwesen hat, das dieses Gemeinwesen erst aus eigener Kraft begründen will, ist schon in den ersten Anfängen seiner Arbeit darauf angewiesen, statt der Hilfe der Reichen und Mächtigen seine Mittel aus der hilfbereiten und begeisterten Mitwirkung der breiten Schichten zu holen. Darin liegt der Schwerpunkt der jüdischen Frage, darin auch die Hauptbedeutung des Nationalfonds. Weit entfernt von aller kleinlichen Philanthropie oder kleinlichen Almosenspenderei müssen alle, die zum Nationalfonds beisteuern, von dem Be-