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Die Welt · 1905-07-21 · 29 (21.7.1905) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 bif # weif Nr. 29 die Zersetzung vulkanischer Felsen? Die Möglichkeit, teure Produkte, wie Kaffee, Baumwolle und Wolle, zu pflanzen oder Pferde für Export zu züchten, findet keine Erwägung. Kein Bericht über den Regenfall, und die Temperatur nicht an einer Basis gemessen. Major Gibbons meint, dort wären keine Moskitos, er vergisst aber, dass er dort am Ende der trockenen Jahreszeit war und die Moskitos mit dem Regen kommen. Er suchte wenigstens nicht nach Nachteilen, wie Herr W i 1 b u s c h, der sich gewiss sagte, dass, wenn das Vieh während der trockenen Jahreszeit verhungerte, es während der Regensaison sicherlich ertrinken müsste. Ich stelle mir vor, was er noch gesagt haben würde, wenn er dort Moskitos angetroffen hätte. Und doch, in dem englischen Dorfe, in dem ich diesen Sommer zubringe, musste ich die Fenster mit Moskitovorhängen versehen. Ein grosser Teil des Plateaus wird als baumlos beschrieben, aber wenn der Boden gut ist, so ist es doch nur ein Produkt der Winde, die den wilden Bäumen bis jetzt noch keine Gelegenheit eines Versuches geboten haben. Pflanzen Sie eine lange Reihe von Bäumen, die von einer Gebüschwand geschützt sind, und Sie werden bald Bäume bekommen. Das Gebiet wird ferner als Weidegebiet geschildert, aber der Uebergang von einem pastoralen Lande zu einem Agrikulturzustand ist nur eine Frage der Verwendung. Ich lebte dieses Jahr einige Monate in Florida, das, einst Sümpfen und Krokodilen überlassen war, jetzt aber sich rasch zu einem prosperierenden Staat entwickelt. Ich kann mir denken, was unsere jüdischen Kommissionsmitglieder gesagt hätten, wenn man sie vor einem Jahrhundert hingeschickt hätte. Ja, selbst Australien wfar am Anfange verurteilt. Als Leutnant Coli ins, der Kapitän der „Calcutta", der nach Australien ausgesandt wurde, mit einer kleinen Flotte von Verbrechertransporten, deren Insassen dort angesiedelt werden sollten, an einer Stelle, die 36 Meilen von Melbourne entfernt ist, landete, berichtete er, dass dieses Gebiet für immer den Känguruhs überlassen werden müsste, die allein imstande wären, ihre Existenz zu finden, und versetzte die geplante Ansiedlung nach Tasmanien. Jetzt zählt Melbourne über 500,000 Einwohner. Ein Land, das jetzt von der Zivilisation entfernt ist, kann nach einer Generation zum Herde derselben werden. Welche Mittel sind vorhanden für ein Volk ohne Land, ein solches zu erlangen? Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder muss es ein entwickeltes Land bekommen oder — ein unentwickeltes. Enwickelte Länder sind aber bevölkert und wenn man sie haben will, muss man die Einwohner mit den Waffen in der Hand verjagen. Kann man aber den Weg des Krieges nicht einschlagen, muss man den Weg des Friedens* gehen. Kann man den Krieg nicht gegen Menschen führen, so muss man ihn gegen die Natur richten. Wir müssen einen neuen Platz haben fern von der Zivilisation und dort eine neue Zivilisation aufbauen. Tun wir es nicht, so müssen wir entweder unter den Völkern verschwinden, oder für immer ein verlorenes und wanderndes Volk bleiben. Der durchgefallene B. A. Ein junger Hindu Hess einst auf seine Visitenkarte, an der Stelle, wo man den Beruf zu setzen pflegt, „Durchgefallener B. A." drucken. Er hatte das Examen nicht bestanden und dachte, dass es genug Ehre sei, wenn er den Versuch gemacht hatte. Die grösste Tat, die der Zionismus bisnun vollbracht hat, ist das Angebot der britischen Regierung und wenn wir es jetzt verwerfen, so fürchte ich ernstlich, dass wir viele, viele Jahre zu warten haben werden, bis wir uns einer anderen Sache werden rühmen dürfen — ausser natürlich der Tatsache, dass wir das Angebotene verworfen haben. „Verworfen O. A/ wird der stolzeste Titel unserer Bewegung sein und dieses Blaubuch, welches wir einzig und allein dem unermüdlichen Eifer des Herrn Greenbergzu verdanken haben, wird unser einziges offizielles Dokument bleiben. Es gibt ein jüdisches Sprichwort: Man darf das unreine Wasser nicht ausschütten, bevor man nicht reines hat. Die Palästinagefahr. Was sind unsere Aussichten auf Palästina? Meiner Ansicht nach steht Palästina ausser jeder Frage bevor, wir einen Zuwachs an Menschen |und Mitteln erhalten. Wir kämpften über acht Jahre und es ist -klar, dass unsere Kräfte nicht ausreichend sind. Wenn wir nicht auf einem Gebiet arbeiten wollen, müssen wir für eine lange Zeit warten und nur die Kräfte sammeln — ohne den Trost eines Territoriums. Arbeit in Palästina ist fatal — fatal für den politischen Zionismus, der uns nur die Arbeit auf einem Gebiete vorschreibt, wo wir Self-Gouvernment haben, fatal für unsere Fonds, die in kleinen Experimenten zerrinnen würden. Herr War bürg, ein zweiter der neuen Führer, empfiehlt uns, Land in Palästina zu kaufen, Orangen und Mandeln, Wälder und Oelbäume zu pflanzen, den Boden zu bewässern und zu bebauen etc. etc. Aber wozu? Um den Sultan zu bereichern? Wenn ich ein leeres Stück Land besitze und Arbeiter so gut sind, es zu bebauen, warum sollte ich sie bezahlen? Aus welchem Grunde ihnen Rechte gewähren? Wenn sie so dumm sind, für mich zu arbeiten, so sind sie willkommen. Herr Ussischkin erzählt uns, dass Jeder Zoll Bodens, der im Lande Israel gekauft wird, und jeder Jude, der sich im Heiligen Lande niederlässt etc., den Grundstein für den Aufbau unseres ganzen Volkes bilden". Ja, wenn dem so ist, so wäre es doch die Pflicht des Herrn Ussischkin und aller der Zionisten, die mit ihm gleich denken, ihr Bündel zu schnüren und nach Palästina zu eilen. Wenn sie es nicht tun, so werden wir wissen, was wir auf ihre Aufrichtigkeit geben können. Sie erheben ihre rechte Hand, Palästina niemals zu vergessen, aber warum erheben sie nicht ihren rechten Fuss — zum Marsch? Sie behaupten aber, der Sache ausserhalb Palästinas besser nützen zu können. Aber das ist ja derselbe Grund, warum wir so für ein Territorium sind. Unser seliger Führer unterschätzte etwas den Zeitraum, der notwendig ist für die Auferstehung des jüdischen Staates. Aber man könnte seine Verwirklichung voraussehen, so weit entfernt sie auch sein mag, wenn nur der Anfang richtig gemacht und für seine Entwicklung gesorgt wäre. Mag es Zeit kosten, wenn es nur sicher ist Es gibt aber Dinge, die trotz alles Wartens unsicher sind. Wenn Sie die Schildkröte auf den richtigen Weg setzen, so wird sie endlich das Ziel erreichen. Wenn sie aber am Anfang einen falschen Weg einschlägt, so wird ihr geduldiges Kriechen sie nur immer weiter vom Ziel entfernen. Wenn der kleine Vogel den eine Meile breiten und eine Meile hohen Granitblock einmal in dreihundert Jahren besucht und ein Stückchen mit dem Schnabel abbröckelt, so wird er eines Tages mit seiner Arbeit fertig werden. Wenn aber dieser Block von einem russischen Bären, einem deutschen Adler oder einem türkischen Habicht überwacht wird, .so fürchte ich, dass der kleine Vogel ihn nur einmal besuchen könnte. Wir gründen Kolonien in Palästina, aber auch die Christen gründen solche. Wir erbauen

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