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Die Welt · 1905-07-21 · 29 (21.7.1905) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 29 „Di* # Welt11 Seite 15 fahrung lernen? Warum nicht diese ganze geteilte Immigration auf e i n grosses Zentrum sammeln und dort eine j üdische Ansiedlung mit Selbstverwaltung gründen? Warum scheucht die politische Autonomie die „Ica", Luden Wolf und die nüchternen englischen Juden so sehr? Es ist eine einfache Verwirrung. Sie fühlen in einer unklaren Weise, dass ihre Lage in Europa bedroht wird. Gegenwärtig erreichte ihre Position eine Höhe, die sie seit dem Falle Jerusalems nicht erklimmen konnten. Vor 250 Jahren sagte man ihnen, dass ihrer Einwanderung in England nichts im Wege steht, und sie wanderten ein; jetzt bietet man ihnen ein britisches Gebiet an, und sie reissen aus. Ich kann mir keine schönere Feier unserer 250jährigen Niederlassung in England vorstellen als die Annahme des grossmütigen Angebotes von England. Das Angebot wurde nicht den englischen, sondern russischen und rumänischen Juden gemacht, die überhaupt keine Rechte haben. Wie dürfen wir uns unterstehen, ein solches Angebot zu verwerfen, solange wir ihnen nichts Besseres zu bieten haben? Ich bin ganz sicher, dass England das Angebot aufbessern würde, wenn wir einig wären. Aber ist auch das Territorium wirklich so schwarz wie es uns gemalt wird? Betrachten wir es ein wenig. Kritik der Ostafrikakommission. Der Bericht des Major Gibbons ist ziemlich günstig, der des Prof. Kaiser mittelmässig, der des Herrn W i 1 b u s c h aber ganz ungünstig. So ungünstig, dass Major Gibbons es für notwendig findet, ihn für unwissend zu erklären. Aber W i 1 b u s c h ist nicht so unwissend, solange er bei seinem Fache, der Hydraulik, bleibt. Er hat schätzenswerte Informationen über das Volumen und die Schnelligkeit der Flüsse. Erst, wenn er Kolonisationsprobleme zu behandeln beginnt, spricht er wie ein Stadtkind, das überrascht wird, wenn es zuerst erfährt, dass die Brotlaibe ihren Ursprung aus einem kleinen Körnchen ableiten, dass die Strassen nicht von der Natur gelegt wurden und die Wegpfeiler nicht im Urwald emporsteigen. Eine Kommission braucht einen wissenschaftlichen Mann; unglücklicherweise ist Herr W i 1 b u s c h nur ein Zionist. Sein letztes Wort ist: „Wo nichts ist, ist nichts zu machen!" Welcher Unsinn! Land und Wässer existieren und wo diese existieren, kann alles gemacht werden. Ganz besonders noch, wo sie mit einem gesunden Klima verbunden sind. Herr Kaiser und Major Gibbons sind einig, dass, hygienisch betrachtet, das Land ein Paradies sei, Nun wendete ich mich an W i 1 b u s c h in der Erwartung, dass er es als ungesund beschreiben wird. Und wirklich sagt er: „Obgleich ich persönlich nicht zu leiden gehabt habe, scheinen mir doch diese ungeheuren Temperaturschwankungen kaum sehr gesund zu sein." Wirklich, die Liebe des Herrn W i 1 b u s c h für Palästina ist so gross, dass sie ihn zu der wildesten Unterschätzung Ugandas verleitet. So schreibt er in seinem Tagebuch unter dem 11. Februar: „Gebiet: ersten 4-—5 Meilen ziemlich gutes Weidegras, letzte 9 Meilen mittel, schlechte Weiden; kurzes austrocknendes Gras; keine Spur von Wasser und Holz. Zahlreiche Antilopen überall. Kamp am Bach, der mit Sumpf endigt und vereinzelte Büsche an den Urem hat. Letzte Meile verlassene Steinkraale, doch keine Leute." Kann es etwas Traurigeres geben? Kein Holz, kein Wasser, keine Leute, gar nichts. Aber untersuchen wir die Schilderung etwas näher. Kein Wasser, aber Herr W i 1 b u s c h kampiert an einem Flusse. Kein Holz, aber doch Büsche, die ihm zweifellos als Brennmaterial für sein Kampffeuer dienten. Kein Rohmaterial irgend einer Art, aber zahlreiche Antilopen, aus deren Hörnern und Häuten man in der Manufaktur stets den ausgiebigsten Gebrauch gemacht hat, geschweige von ihrem Fleische. Keine Leute — aber das wollen wir eben. Die Steinkraale beweisen, dass dort Menschen gelebt haben und leben konnten. Aber Herr Wilbusch wiederholt immer wieder finster: „Keinen einzigen Menschen gesehen." Ich stelle mir vor, wie freudig er berichtet hätte, wenn er durch Palästina gereist wäre: „Ich sah eine halbe Million Araber." Denn das ist, leider, die Zahl derjenigen, die mit uns um den Besitz Palästinas rivalisieren. Das Ostafrikagebiet ist offen der Entwicklung ohne Opposition und unter eigenen Gesetzen. Das war stets die grosse Anziehungskraft, die diesem Projekte innewohnte. Achtung vor Schnecken. Wissenschaftlicher bei weitem ist der Bericht des Herrn Kaiser. Aber auch er überschritt die Instruktionen. Er wurde beauftragt, über die Fähigkeit des Gebietes für eine weisse Ansiedlung zu berichten, er legt aber seine Ansichten über eine jüdische Ansiedlung dar und zieht sogar solche Lächerlichkeiten in Betracht, wie etwa die antisemitischen Gefühle der wenigen Ostafrikafarmer. Er ist so sorgfältig bemüht, auf die Nachteile Ugandas aufmerksam zu machen, dass er auch den Schaden anzeigt, den die Schnecken etwa zufügen könnten. Als ob ein englischer Garten frei wäre von Schnecken und anderen schädlichen Tierchen. Wenn die Juden noch Schnecken in Betracht ziehen, werden sie niemals Palästina erreichen, wenn sie auch einen Schneckengang gebrauchen. Ganz Australien war von den Motten verheert und dennoch floriert Australien. Auch die Raupen schrecken Herrn Kaiser sehr. Aber in Viktoria ist es eine häufige Erscheinung im Sommer, dass die Raupen mit ihren fetten Körpern die Eisenbahnlinie so dicht bedecken, dass die Züge nicht gehen können. Und dennoch haben die Viktorianer vor den Raupen noch nicht kapituliert. Noch komischer scheint Herr Kaiser, wenn er erklärt, dass die Frachtkosten des Exportes niemals reduziert würden. Sicherlich, die Schiffeigentümer werden ihre Tarife den neuen Verhältnissen anpassen müssen. Herr Kaiser erzählt ferner, dass „alle diese Schiffe, die monatlich einmal auf der Ausreise und einmal auf der Rückreise den Hafen von Mombasa anlaufen, zum Teile leer gehen und keine grossen Aussichten auf bessere Zeiten haben*. Die Schiffe hätten eben bessere Zeiten, wenn man jüdisches Kapital und jüdische Arbeitskraft auf diesem Gebiete verwenden wollte. Was denken Sie, würde es sich besser lohnen, kleinere Preise zu nehmen oder die Schifte hin und her teilweise leer herumfahren zu lassen? Das Unglück mit den Herren Kaiser und Wilbusch ist, dass sie keine Phantasie besitzen. Sie können nur die rohe Gegenwart sehen, sind aber unfähig, in die reife Zukunft zu schauen. Sie sind voll der Furcht und der Unentschlossenheit einer paralysierten Rasse. Die Möglichkeiten des Guas Ngischu-Plateaus. Ganz anders lautet der Berichts des Major Gibbons mit seinem angelsächsischen Unternehmungsgeist. Aber auch sein Bericht ist mehr eine geographische Skizze als ein agrikulturelles Dokument. Keines der drei Mitglieder der Expedition hat uns trotz der wertvollen Informationen, die sie aufgehäuft haben, genügend vom Boden erzählt, seinen Bestandteilen, seiner Tiefe. Welche Proportion ist Granitstein und daher unfruchtbar, und welche ist fruchtbar gemacht durch

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