Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 29 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Mbie # w^it11 Nr, 29 Xehonfluss lies Kalosegele. Ich habe denselben nicht gesehen, jedoch nach Generalmajor MacDonalds Karte zü urteilen, ist er nur wenig über 20 Meilen lang und kann, was Breite anbetrifft, nicht einmal mit dem doppelt so langen Knbkong verglichen werden. Ich überschritt alle nördlichen Nebenflüsse des Nzoia, die an der Chipchangwane- Seite entspringen. Dieses Phisssystem ist viel wasserreicher als das Gebiet des Knbkong oder, soviel ich weiss, irgend eines der südlichen Systeme. . Eine Photographie, die das Ueberschreiten des Nzoia darstellt, gibt eine Idee von der Grösse des Flusses, wo ich denselben überschritt, mid enthält doch nicht einmal die Hälfte des Systems. Es fehlen darin alle Nebenflüsse, die im Elgon entspringen, und die, wie Sir H. Johnston uns mitteilt, sehr wasserreich sind. Ich teile jedenfalls nicht Herrn Wilbuschs Befürchtungen, dass vollständiger Wassermangel am Ende der dürren Jahreszeit in Aussicht steht. Wir verlicssen das Plateau am Ende jener Jahreszeit und ein Blick auf meine auf der Karte verzeichnetenSchätzungen der Breite undTiefc der nördlichen Nebenflüsse des Nzoia, die ich unweit ihrer Quellen überschritt, wird beweisen, dass die Gebirgsströme noch weniger wasserreich sein könnten und doch jeder Gefahr des Verdunstens vorbeugen würden. Der Verfasser scheint auf einem Plateau, das sechs- bis neuntausend Fuss über dem Meeresspiegel liegt, eine Wolga oder Donau erwartet und alles nach dem Massstabe eines kultivierten Landes gemessen zu haben. Er kann es sich nicht vorstellen, dass sich in Zukunft die ökonomischen und industriellen Fortschritte ändern könnten. Seine endgültige Schlussfolgerung: „Wo nichts ist, kann nichts geschehen" bildet den Grundton des ganzen Berichtes. Das Vorhandensein von Land, das noch der Urbarmachung harrt, findet in seinen Betrachtungen überhaupt keinen Platz und er sieht auch nicht ein, dass das Vorhandensein von Rohmaterial teilweise von den Bewohnern eines Landes abhängig ist. Bude, 15. Mai 1905. A. ST. HILL GIBBONS. Briefe Max Nordaus. Zur Erklärung Herrn Dr. Nordaus. Herr Dr. No r d a u richtete an das engere A.-C. zu Händen des Herrn Architekten Marmorek folgendes Schreiben: Paris, 20. Juni 1905. Hochgeehrter Herr und Freund, 3 Als ich vor vier Wochen dem Andrängen der drei Freunde, die sich die grosse Mühe genommen hatten, mich in Karlsbad aufzusuchen, nachgab und gegen die klarste Einsicht meiner Vernunft mir die Zusage abringen liess, in einen leitenden Dreimännerausschuss einzutreten, da geschah es unter der ausdrücklichen Bedingung, dass es nur zur Ermöglichung eines Ueberganges in geordnete Verhältnisse sein solle, und unter der stillschweigenden Voraussetzung, dass meine Gesundheit sich bessern würde. Diese Voraussetzung hat sich nicht erfüllt. Es geht mir heute schlechter als vor der Reise nach Karlsbad. Der kurze Aufenthalt in dem Kurorte war mir infolge der fortwährenden Belästigungen, denen ich ausgesetzt war, eher schädlich als nützlich. Mein Zustand ist jetzt derartig, dass es einfach mit einem Selbstmord, und nicht einmal mit einem langsamen, gleichbedeutend wäre, wenn ich eine Verantwortung auf mich nehmen würde, die meinen Geist Tag und Nacht beschäftigen und mich in beständiger tödlicher Aufregung erhalten würde. Ich muss daher zu meiner tiefen Betrübnis meine Zusage zurücknehmen und Sie bitten, dies den Herren vom Aktionskomitee 'gütigst mitteilen zu wollen, damit der betreffende Kongressvorschlag noch rechtzeitig geändert werden kann. Ich bin überzeugt, dass mein von schwerer Krankheit verursachter notgedrungener Verzicht auf die Kandidatur keine störenden Folgen haben wird. Die zionistischen Massen haben sich bereits allem Anscheine nach mit dem Gedanken eines Dreimännerausschusses befreundet und schreien nicht mehr nach einem Manne, nach einem Namen. Sie werden es kaum merken, wenn die Liste der drei Erwählten ihre Physiognomie ein wenig ändert. Und es wird der Bewegung zum Heile gereichen, wenn an meiner Statt Herr Joseph C o w e n, den ich dringendst empfehle, als Kandidat aufgestellt wird. Es ist unerlässlich, dass ein Engländer oder Amerikaner in der Leitung sitzt, undHerrCowen ist geeigneter als irgend ein anderer, denn er ist hervorragend klug, energisch, der Bewegung treu wie Gold, kinderlos, wirtschaftlich unabhängig und ein grosser Freund von Reisen. Ich werde mich über meine Krankheit weniger beklagen, wenn sie die Ursache wird, dass Herr G o w e n mit an die Spitze der Bewegung tritt. Dass meine Mitarbeit der Leitung nach wie vor gesichert bleibt, solange ich lebe, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Herzliche zionistische Grüsse Ihnen und den Herren vom A.-C. Ich bin stets Ihr hochachtungsvoll ergebener Dr. M. Nor.dau. Dieser Brief ist am 23. Juni Herrn Architekten Marmorek zugekommen. Der Umstand, dass ein Mitglied des engeren A.-C. Herr Ingenieur Kremenezky, von Wien abwesend war, und ein solch wichtiger Gegenstand doch nur bei Anwesenheit aller Mitglieder beraten werden konnte, brachte es mit sich, dass die Sitzung des A.-C. erst am 27. Juni stattfand. Das Ergebnis der Erörterung war die einhellige Ansicht, dass das engere A.-G. gar nicht berechtigt sei, die Demission Dr. N o r d a u s zur Kenntnis zu nehmen, sondern dass die Entscheidung über dieses Schreiben dem grossen A.-C., welches Herrn Dr. Nordau für das Direktorium nominiert hat, zustehe. Herrn Architekten Marmorek fiel es zu, Herrn Dr. Nordau davon in Kenntnis zu setzen, zugleich noch einen Versuch zu machen, ihn vielleicht doch noch zur Rücknahme seiner Demission zu veranlassen. Inzwischen aber konnte das Demissionsschreiben nicht veröffentlicht werden. Bevor jedoch die Antwort des A.-G. Herrn Dr. Nordau zugekommen war, hatte er bereits den in der letzten Nummer der „Welt" veröffentlichen Brief an Dr. Werner gerichtet. Herrn Architekten M a r m o r e k ist inzwischen von Herrn Dr. N o r d a u ein neuerliches Schreiben zugekommen, aus welchem folgender Passus dieOeffentlichkeit interessieren wird: „Ich komme unbedingt zum Kongress, obschon ein zionistischer Freund mir gestern sagte: „Das ist Selbstmord". Um so schlimmer; soll es Selbstmord sein. Ich werde den Kongress eröffnen, unserem Toten die letzte Ehre erweisen, die Verhandlungen leiten, wenn ich dazu berufen werde. Es liegt mir daran, so viel wie an meinem Leben, dass dieser entscheidende Kongress sich nach unseren würdevollen Ueberlieferungen abrollt und dass Ungebühr und minderwertige Formen vermieden werden. Mein Rat, meine Meinungen, meine technische Mitarbeit werden Ihnen selbstredend nie fehlen, solange ich atme. Für Kampf und Polemik bin ich zur