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Die Welt · 1905-07-21 · 29 (21.7.1905) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 29 „bl* # WtH" Seite 9 den neunziger Jahren Afrika verwüstete, raffte das wiederkäuende Wild und Vieh im Verhältnis von zirka 95%' dahin/und nahm eine Form an, die sich von allen anderen, bis dahin bekannten Epidemien in jenem Weltteile unterschied. Die glaubwürdigste Erklärung ihres Ursprunges ist vielleicht die, dass sie durch angestecktes Vidi aus dem Kaukasus nach Massowah eingeschleppt wurde unJd unter neuen Verhältnissen einen heftigeren Charakter annahm, wie dies meistens mit Krankheiten deT Fall ist, die bisher irgend einer bestimmten Menschen- und Viehrasse unbekannt waren. Obgleich einige vereinzelte Fälle in letzter Zeit in einigen Teilen von Afrika vorgekommen sind, so scheint die Krankheit weder so bösartig noch so verheerend zu sein, als anfänglich. Dios liegt wahrscheinlich daran, dass afrikanisches Vieh jetzt geimpft wird und folglich ziemlich gefeit dagegen ist. Jedenfalls scheint die Krankheät in keinem Falle, soweit wir wissen, unter dem Wilde von neuem vorgekommen zu sein. Die Tatsache, dass afrikanisches Vieh den Vergleich mit europäischem Vieh nur schlecht aushält, ist meiner Ansicht nach durch Hei-rn Kaisers Theorie der Entartung durch klimatische Einflüsse nicht erklärt. Die südafrikanische Kasse zeigt nicht nur keine Entartung, sondern augenscheinlich stetige Besserung. Sorgfältige Auswahl bei der Viehzucht wird zweifellos ebensogute Resultate herbeiführen, wie dies in England der Fall ist. Die Masais sind, wie Herr Kaiser sagt, intelligenter — oder wie ich es ausdrücken würde, weniger unintelligent — als die anderen Eingeborenen, und sind immer ein Hirtenvolk gewesen, aber im besten Falle ist für sie eine Kuh eine Kuh. und ein Stier ein Stier. Ich will damit nicht sagen, dass sie unfähig sind, zwischen einem erschöpften Tiere und einem Tiere in gutem Zustande zu unterscheiden, aber sehr viel weiter ist der Afrikaner niemals gegangen und hat häufig seine Viehrasse durch minderwertiges geraubtes (raided) Vieh verdorben. Ein anderer Punkt, der jedoch die Sachlage nicht wesentlich beeinflusst, liegt in der Behauptunig, dass ein Seetransport nachteilig für Vieh ist. Im vorigen Herbst reiste ich aus Amerika an Bord eines Atlantic Transport Einer, der eine bedeutende Ladung von Vieh mit sich führte. Die Beise dauerte zehn Tage. Verluste kamen nicht vor und der Aufseher teilte mir mit, dass das Vieh jedesmal während der Heise bedeutend an C4ewiclit zunimmt. Die zwei Tiere, die der Oesterreichische Lloyd auf ihren Reisen mit sich führte, wurden nicht deshalb geschlachtet, weil sie krank waren. Ich hoffe jedenfalls, dass dies nicht der Fall war, denn ich nahm Anteil an ihrer Vertilgung. Die Gesellschaft führt vielmehr auf jeder Reise zwei Ochsen mit, um frisches Fleisch für die Tafel zu haben. In bezug auf Herrn Kaisers Behauptunig, dass Baumwollpflanizungen in Ostafrika erfolglos gewesen sind, denke ich, dass ich recht habe, wenn ich sage, dass er in dieser Hinsicht Sir Donald Stewart missverstandeii hat, Sir Donald machte die Bemerkung, dass bis dahin Baumwolle nur versuchsweise gepflanzt worden ist, und obgleich es unmöglich war, danach definitiv über die Aussichten der Baumwollproduktion zu urteilen, so hoffte er doch, dass diese in Zukunft gute Resultate zeitigen würde. Gegenüber Herrn Wilbuschs Bericht bemerke ich folgendes: Um das Aussehen und den Wert eines Gebietes während der acht oder neun Wachstumsmonate auch nur annähernd richtig zu schätzen, ist eine durch persönliche Erfahrung gewonnene Kenntnis des fraglichen oder eines ihm ähnlichen Gebietes durchaus erforderlich. Mr. Wilbusch leitet seine Bemerkungen damit ein, dass er die Sachlage vom Standpunkte des Sohnes eines russischen Gutsbesitzers kritisiert. Der Sohn eines russischen oder eines anderen europäischen Gutsbesitzers mag nun eine sehr gründliche Kenntnis der Agrarverhältnisse des Gebietes besitzen, in dem sein Vater ansässig ist, oder er mag sie nicht besitzen, wir müssen aber nicht vergessen, dass solche Verhältnisse durchaus andere sind, als die im tropischen Afrika bestehenden, und dass die Erfahrungen eines russischen oder irgend eines anderen europäischen Gutsbesitzers in Afrika nur in Verbindung mit einer Kenntnis der dortigen Verhältnisse von irgend welchem Nutzen sein können. Es heisst, dass wir bei unserem Eintritt in das Territorium (Lager 2S) auf öde Ebenen stiessen . . . „es waren keine Bäume, keine Weiden, keine Leute vorhanden" und (Lager 29) auf „verödete, verdorrte Grasebenen". Es ist doch wohl eine anerkannte Tatsache, dass Afrika nicht die ungeheure Wüste ist, als die uns die Landkarten diesen Weltteil vor 30 Jahren darstellten. Es gibt zahlreiche fruchtbare, üppige Landstriche in Afrika und ich habe viele derselben, gesehen. Jene1 zwei. Tagereisen führten uns durch eines der schönsten Gebiete, die ich kenne. Wellige Grasebenen mit dichtem „Sour Veldt" bewachsen, unschätzbar für Vieh, allerdings trocken, wie es am Ende der dürre]] Jahreszeit ja nur erwartet werden kann, aber durchaus nicht eine Wüste zu nennen; roter Tonboden, der, nach der von den. Flüssen geführten Erde zu urteilen, ungewöhnlich tief ist. Sogar zu jener Jahreszeit reisten wir niemals sechs Meilen, ohne auf gutes Wasser zu stossen, und es wäre schwierig, im ganzen Gebiet irgend einen Ort zu finden, wo Wasser nicht in einem Unikreise von zwei Mieten zu finden wäre. Pfade folgen meistens nicht den W|asserläufen, sondern führen direkt von einem Wasser zum anderen in der eingeschlagenen Richtung. Jenes Gebiet ist in Wahrheit eine natürliche Fortsetzung des Nandigebietes und wurde mir als ein gutes Beispiel desselben geschildert. Es wird uns auch, mitgeteilt, dass in jenem Gebiete kein Bauholz zu finden ist, während in Wirklichkeit überall bewaldete Landstriche vorkommen und stets in geringer Entfernung von den für die Zukunft in Aussicht genommenen Heimstätten. Es heisst auch, dass kein Wild im Gebiete vorhanden ist. während Hartebeest, Eied-Antilopen, Busch-Antilopen und wahrscheinlich -auch andere Gattungen, denen ich nicht begegnete, in. grosser Zahl vorkommen. In der Nähe vom Lager 28 schoss ich einen Hartebeest, den Herr Wilbusch verzehren half. Ich muss auch noch sagen, dass ich. später einen Büffel bei einer Entfernung von 25 Yards zwischen den Lagern 28 und 29 photographierte. Den Angahen des Herrn. Wilbusch gemäss existiert, dieses Tier auf dem Plateau überhaupt nicht, Es gibt dort keine mensch liehen Bewohner — in dieser Hinsicht hat Herr Wilbusch recht. Weiter wird uns mitgeteilt, dass die Wasser des Kubkong an seinem Unterlaufe fast stillstehen. Bevor der Kubkong sich mit dem Naloscgele vereinigt, hat er einen Lauf von etwa 35 Meilen und einen stetigen Fall von über 1500 Fuss oder 43 Fuss pro Mfeile. Der Lauf des Kubkong endet mit einer Reihe von Stromschnellen, über welche — für einen so kurzen Fluss am Ende der dürren Jahreszeit — eine beträchtliche Wassermenge fliesst. Herrn Wilbuschs Kenntnis dieses Flusses erreicht ihr Ende bei einer Entfernung von einem Drittel dieser Vereinigung von der Quelle. Obgleich das Wasser, wie dies bei den meisten Flüssen der Fall ist, stellenweise aufgehalten wird, kann es doch kaum als stillstehend oder gar als stagnierend besehrieben werden. Wir erfahren dann, dass „das nördliche KTzoio-System noch weniger Wasser zu besitzen scheint", als der Ekotakok. Auf welchen Beweisgründen kann diese Behauptung beruhen? Herr Wilbusch hat weder das eine noch das andere Flusssystem gesehen. Der Ekotakok ist ein kleiner

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