Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-07-21 · 29 (21.7.1905) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
29 (21.7.1905)
Date
1905-07-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316162--47072-3341948
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 29 NMt * Wflt" Seite 7 Nachbargebieten^ von N"andi und Kawirondo, beziehen zu müssen, denn auch das ist noch sehr fraglich und im allgemeinen wohl sogar ausgeschlossen. Es ist zu bemerken, dass es in unserem Gebiete viel Wild, insbesondere Kuhantilopen und Zebras gibt, doch über die Jagdfrage näher zu berichten, halte ich nicht für nötig, weil es keinen praktischen Wert haben kann. VIEHZUCHT. Nur weil unser Gebiet für nichts anderes verwendbar werden kann, so ist es als Viehzuchtland zu benennen, es ist jedoch sehr fraglich, ob es für Viehzucht, wie letztere eigentlich von Europäern getrieben wird, gut geeignet ist. Unser Sachverständiger Herr Kaiser glaubt, dass nur Nomadenhirten, wie die Massais, hier leben könnten, da, wenn eine Gegend ganz und gar austrocknet, sie mehrere Meilen weit nach einer anderen Gegend hinüberwandern. Dass aber jeder Farmer seine abgemessene Landfläche habe, ist hier absolut undenkbar, indem das Vieh dann verhungert. Der Kommandeur von Eldoma-Bavine, der hier 16 Jahre lebt und das Gebiet sowie unseren Kamp am Sirgoi besuchte, glaubt, mit 10 000 Acres Boden mehrere Meilen am Flnss entlang gelegen, könnte vielleicht ein Europäerfarmer auskommen, indem für 50 Kindvieh zirka 1000 Acres Boden nötig wären. Als Hindernisse sind hier zu betrachten: H. Das völlige Austrocknen der Weideplätze in der Trockensa>ison; 2. das Ertrinken von Vieh in der Begenperiode; 3. das Erkälten von Vieh am Regen; 4. Binderpest, Lungenkrankheit und andere Krankheiten, die hier grossen Schaden verursachen. Z. B. ist 1891 fast sämtliches Vieh der Massais und benachbarten Hirtenvölker in einem sehr grossen Gebiet an Pest ausgestorben, so dass letztere verhungerten und zu tausenden an Hunger und Epidemien ausgestorben sind. Auch die Büffel sind dann ausgerottet worden und gibt es jetzt im ganzen Gebiete nirgends welche zu sehen, nur deren Schädel, die da herumliegen, bezeugen deren ehemalige Existenz; dann sind auch 5. Heuschrecken und Motten, die ganze Ländereien abfressen; 6. weiter ist fraglich, ob gutes Vieh hier leben kann, denn europäisches Vieh, das hierher importiert wurde, hat vom Klima zu stark zu leiden und stirbt aus. Auch das von Kisumu und der heissen Viktoria-Nyanza-Küste importierte Vieh stirbt meist hauptsächlich an Lungenkrankheiten, wenn es nach den kälteren Gegenden kommt. Die Eingeborenenschafe geben keine Wolle. Und es ist die Frage von grösster Wichtigkeit, ob gute Vieh- und Schafarten hier existieren resp. ob sie nicht, nach und nach sich akklimatisierend, zu dem Eingeborenenvieh ähnlichen Arten degenerieren. Vielleicht könnte die Straussonzucht hier besser geeignetsein, da Strausse im Gebiet hier und da wild vorkommen. Wie und auf welche Weise diesen Hindernissen ganz oder teilweise abzuhelfen ist, ob vielleicht bessere und passende Grasarten hier zu bauen von Vorteil wäre, ob mittels Impfung die Binderpest, mittels längeren Aufenthaltes des Viehes an dazwischen liegenden Stationen und somit mittels langsamen Angewöhnens des Viehes an kälteres Klima der Lungenkrankheit abgeholfen werden kann etc. etc., überlasse ich den Fachleuten zu urteilen. Jedoch bleibt mir klar, dass einzelne kleine Farmer hier nicht existieren können, dagegen ist es wohl möglich, dass, wenn eine grosse Konzessionsgesellschaft das ganze Land besitzt und grosse Kapitalien für Versuche und Einrichtungen ausgibt, es eine rentable Unternehmung werden kann. Ich denke mir die Sache so eingerichtet, dass an verschiedenen Plätzen Stationen mit grossen Stallungen gebaut werden, damit das Vieh nach der Saison von einem Platze nach dem anderen wandern kann, ausserdem müssen Versuchsstationen mit Fachleuten für Vieh, Schafe und Straussenzucht angelegt werden. Das von der Gesellschaft anzuschaffende, dem Klima und Gras angepas-ste Vieh oder der Strausse sollen in genügender Zahl an geprüfte Leute unter passenden Bedingungen verpachtet werden, indem vielleicht eine Oberaufsicht seitens der Gesellschaft angestellt wird. Jedoch sind die Atiministratoren mit Zustimmung der Pächter zu wählen, resp. ist letzteren so freie Hand wo möglich zu geben. Sonst stösst man wieder auf dieselben Hindernisse, Reibungen und Unzuträglichkeiten, die sich in Palästina sowie in Argentinien zwischen der Kolonistenadministration einstellten und welche die ganze Kolonisation hinderten und teuer machten. An Viehpächtern ist unter den russischen Juden eine grosse Auswahl, in der Umgebung jeder Stadt leben mehrere Judenpächter, die das Vieh, gewöhnlich zirka 50—100 Stück, bei den christlichen Gutsbesitzern pachten und die hauptsächlich Milchwirtschaft treiben. In Westrussland ist die ganze Milchwirtschaft in jüdischen Händen, auch wird in Russland der von daher stammende weisse, keilförmige Kuhmilchkäse als jüdischer Käse bezeichnet. Es ist daraus zu ersehen, dass, wenn die Sache mit Juden betrieben werden soll, man schon geeignete Leute unter ihnen finden kann. Weiter denke ich, dass die Pächterfamilien in kleinen Gruppen von 20—40 Familien in passenden Ortschaften, wo sie genügend Wasser für Bewässerung der Gemüsegärten, Brennholz etc. etc. haben, resp. wo sie ihre Kinde nach der Schule schicken können, sich ansiedeln, während die Päehter bei ihrem Vieh in Zelten bleiben oder nach Bedarf für ein paar Monate nach einer weit entfernten Station wandern. Jedoch muss ich zum Schlüsse bemerken, dass ich dieses zuletzt entworfene Bild als sehr optimistisch ansehe, denn um mich etwas kritischer zu verhalten, muss ich sagen: ..Wo nichts ist, ist nichts zu machen!" ERGÄNZUNGS-BERICHT von Major Ae St. Hill Gibbons. (Aus dem Englischen übersetzt.) Ich gestatte mir, Ihnen einen Ergänzungsbericht zu senden, der als Kritik der Berichte meiner Assistenz-Kommissionäre, der Herren A. Kaiser und N. Wilbusch, dienen soll. Herrn Kaisers frühere Erfahrungen im Eeisen, seine wissenschaftlichen Forschungen in Ost- und Nordostafrika geben seiner Meinung grossen Wert und meiner Ansicht nach ist sein Bericht eine wertvolle Beigabe zum Werke der Kommission, und zeigt die Begabung zur Erfassung der Einzelheiten, die diejenigen erworben haben, die ihre Zeit und Gedanken der Enthüllung der Geheimnisse und — wie es mir in unserem noch mangelhaften Wissen, scheint — der Idiosynkrasien der Natur widmen. Ich möchte fast sagen, dass der Bericht mir eher als das Werk des Gelehrten, als des praktischen Kolonisten erscheint. Der Mann der Wissenschaft widmet den grössten Teil seiner Energie den Geheimnissen der Natur, und diese sind zum grössten Teil — besonders in Afrika — mit den ein Gegengewicht bildenden Hemmnissen der Naturproduktion enger verknüpft, als damit, was man vom Gesichtspunkte der Abhilfe der menschlichen Not schaffende Nfatur nennen kann. Der Grund hierfür ist einleuchtend. Das zivilisierte Afrika ist heute in der ersten Kindheit und die natürlichen Bedingungen, die das Gedeihen der Fauna und Flora ausmachen, sind so verschieden von denen anderer und bekannterer Kontinente, dass, trotz unlängst ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.