Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 29 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 „bl* Welt" Nr. 29 so scheinen die Bruchsteingebäude auch hier billig zu sein. Und ich rechne, dass ein Farmerhaus aus Bruchstein mit Wellblechdach, zirka 10 X 5 m gross, hier mit zirka 100 Pfd. St. 2500 Frcs. ausführbar ist. Steine und vulkanische Felsen sind, wie bekannt, liier überall massenhaft vorhanden, dagegen ist die Kalkmörtel - frage von Wichtigkeit. Unser sachverständige Herr Kaiser behauptet, es seien hier nirgends Kalklager zu finden, auch nach der Aufzählung von Mineralien bei Sir H. Johnston (The Ug. Prot. S. 304—311) sei fast nirgends im ganzen Protektorat ein Kalklager gefunden, nur im l^iyando Valley, südlich von Kitoto, zirka 25—30 Mieilen von der Südwestgrenze unseres Gebietes entfernt, seien Kalksteine in kleinen Mengen als vorhanden bezeichnet. Jedoch ist es noch zweifelhaft, ob dieses Kalklager, wie seiner Qualität, so auch der Quantität nach, für die Ausbeutung geeignet ist. Den Kalkmörtel muss somit hier Lehm ersetzen. Die Kasernen und andere Gouvernementshäuser in Ravine sind auch aus Bruchstein mit Lehm gemauert, gegen die Abspülung durch Regen schützt ein weit vorspringendes Dach, die Wände sind drei Fuss stark gemauert, um gegen Eindringen der Nässe zu schützen, und das Fundament resp. die Ecken sind auf Zement gebaut. Die Regen beschädigen nur etwas den unteren Teil, was nicht sehr wichtig ist. Als Dachdeckmaterial ist Wellblech am besten zu empfehlen, wie auch die Steingebäude in Ravine gemacht wurden. Dachziegel wären hier auch am Platze, doch ist es noch sehr fraglich, ob hier passender Lehm zu finden ist. Dann kommt ja wieder die Brennholzfrage. Alles zusammen, Lehm, Brennholz und Wasser, an einem Platze zu finden, wird -schwierig sein. Ich habe am Elgeyo an zwei Plätzen roten und gelben Lehm gesehen und Muster genommen, die aber kaum als verwendbarer Dachziegelton anzusehen sind. Stallungen sind am besten auch auf dieselbe Weise aus Bruchstein zu bauen. Da Stallungen weniger der Feuersgefahr ausgesetzt sind, so können dieselben der Billigkeit halber mit Strohdächern versehen werden, die auch zirka 1 Meter weit über die Wände hinausragen, um dieselben gegen Regen zu schützen. Nötigenfalls können auch provisorische Stallungen, ähnlich den Negerhütten, errichtet werden, und zwar auf die Weise, dass dünne Holzpfeiler alle 0,5—0,7 Meter weit eingeschlagen, dazwischen Zweige geflochten werden, dann wird alles von innen und aussen mit einer Tonschicht beworfen und das Dach wird mit Stroh gedeckt. Obgleich solche Stallungen nicht zu empfehlen sind, kommen sie doch oft wegen des billigen und raschen Aufbaues in Betracht. INDUSTRIE UND GEWERBE. Nun komme ich zu meinem Hauptfach, über das mein Hauptbericht geschrieben werden soll, zur Industrie. Aber wo nichts ist, kann nichts werden. Unsere technischen Wissenschaften gehen nur so weit, vorhandene Rohstoffe in brauchbare Ware zu verwandeln, und aus nichts ein Dasein zu schaffen, überlassen wir dem allmächtigen Herrgott. Soweit meine Forschungen gingen, habe ich keine verwertbaren Rohmaterialien hier gefunden und bin überzeugt, dass solche hier fast absolut abwesend sind. Leider konnte ich nicht überallhin vordringen, doch bin ich sicher, dass ich dabei nur mehr Beweise für die Abwesenheit von Rohstoffen, resp. Ungeeignetheit des Gebietes, letztere zu produzieren, hätte sammeln können. Auch unser Expeditionsmitglied Herr Kaiser bestätigte, dass er sowohl während seiner jetzigen Reise wie auch, als er unser Gebiet 1897 passierte, hier keine verwertbaren Rohmaterialien gesehen hat. Auf seine mir diesbezüglich geäusserte Meinung als Sachverständiger gestützt wie auch meinen eigenen Erfahrungen gemäss, glaube ich, dass das Gebiet, im grossen ganzen genommen, auch in der Zukunft ungeeignet sein wird, Rohstoffe zu produzieren. Möglich, dass es an der äussersten Südwestgrenze kleine Strecken gibt, die für Bodenkultur geeignet sind, aber auch hier könnte wegen der zu geringen kulturfähigen Fläche einerseits und wegen der hohen Transportkosten andrerseits keine Industrie mit auch nur minimalem praktischen Werte sich entwickeln. Nehmen wir an, es gedeihen hier sehr gut Mtama (Sorghumhirse), Mais und Kartoffeln; können hier denn die daraus zu produzierenden Waren, Stärke und Spiritus, als Exportware in Betracht kommen, wo die Transportkosten nach Europa pro 1000 kg 225 Fres. betragen, während 1000 kg Spiritus von 96° Tralles in Triest, franko Bord, unverzollt zirka 370—390 Frcs. kosten? Bei bester Ausbeute von 60 Liter % pro 1 kg Stärke und 65% Stärkegehalt in Mtama sind pro 1 kg 96° Spiritus 3,1 kg Mtama resp. bei 18% Stärkegehalt der Kartoffeln sind pro 1 kg 96° Spiritus 11,1 kg Kartoffeln nötig. Es ist hiermit der zurückgebliebene Ueberschuss von zirka 115—135 Frcs. zur Deckung von: 3100 kg Mtama, d. h. zirka 40 Frcs. pro Tonne, resp. 11 000 kg Kartoffeln, d. h. zirka 11 Frcs. pro Tonne übrig, ausser Fabrikations- und Verwaltungsspesen, Verpackung etc. etc. Bei der Stärkefabrikation, die nur einen kleinen Wert pro Gewichtseinheit hat, und zwar franko Bord Triest unverzollt pro 1000 kg mit zirka 250 Frcs. bezahlt wird, reicht. '* der zu erzielende Preis für die W*are kaum zur Deckung der Transportkosten hin. Wenn sich die Ansiedler für eigenen Gebrauch eine kleine Brennerei bauen, und wenn sie bei grosser Alkoholsucht zwei solche hier errichten, so ist dies doch kaum als eine Spur von Industrie zu bezeichnen. Vom Gewerbe der Eingeborenen sollte ich hier weiter berichten. Leider gibt es hier fast gar keine Eingeborene, kaum Spuren von Leuten, und ob man die paar Lanzen, Bogen und Sandalen, welche diese besitzen, zum Gewerbe rechnen kann, resp. ob die von den alten Massais, die hier einst wohnten, von Steinen zusammengeworfenen runden Kraale, mit Strohhütten dazwischen, als Bauten gerechnet werden sollen, ist sehr fraglich. AGEIKULTUR Auch auf diesem Gebiet ist das schon beim Industriebericht Erwähnte zu wiederholen: Erstens haben wir fast keinen kulturfähigen Boden, zweitens ist auf einen Absatz im Lande, wie in Ostafrika so auch im Uganda-Protektorat, absolut nicht zu rechnen. Denn Europäer gibt es im ganzen kaum einige hundert und die Eingeborenen haben ihren eigenen Boden und ihr eigenes Getreide. Und drittens ist an einen Export nach dem Auslande, wegen der hohen Transportkosten, absolut nicht zu denken. Denn soll für Agrikulturprodukte auch der alleminimalste Frachtsatz mit der Spezialklasse zur Geltung kommen, so kostet der Transport doch schon pro Tonne: Transportkosten pro Tonne nach Spezialtarif: Von der Nzoia-Gegetid nach Küumu 60 M. ä 0.49 Frcs. 29.40 Von Kisumu bis Mombassa ä Frcs. 0.105x584 M. pro 1C00 kg. „ 61.50 Dampferfrachtspesen nach Europa, Aegypten etc. „ 49 60 Expedi'.ionskosten, Verladung und etwaige Ausgaben__— „ 19.5U Summa . . . Frcs. lfcO.OO während Weizen z. B. gewöhnlich fast überall mit zirka 150 Frcs. pro Tonne, Mtama sogar unter 100 Frcs. pro Tonne verkauft wird. Die absolute Unmöglichkeit des Exportes bei einer Entfernung von zirka 1000 km von einem Hafenplatzedarf hiermit als einleuchtend angesehen werden. Es ist demnach überflüssig, andere Hindernisse für Bodenkultur, die hier nicht wenig zahlreich sind, wie Heuschrecken, Motten, Wolkenbrüche, ungeheuer starke Winde ete. etc., zu nennen. IFroh werden die wenigen Ansiedler sein müssen, wenn sie genügend Getreide für eigenen Gebrauch bei -sich im Lande zusammentreiben können, um es nicht von den