Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 29 (21.7.1905)
- Date
- 1905-07-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 „bi* * W$ltfi Seite § beiden andern Kompagnons ihr Vermögen in der Höhe von mehreren 100.000 Frcs. vollständig eingebüsst . . Wie würden sich dann die Verhältnisse gestalten, wenn sich ein solcher Unfall bei einem für den Jüdischen Nationalfonds gekauften Grundstücke ereignen würde? Glauben die Herren Kuratoren, dass sie dies gegenüber ihren Auftraggebern verantworten könnten? Würde man sie da nicht geradezu einer verbrecherischen Fahrlässigkeit in Verwaltung des zu treuen Händen anvertrauten Volksvermögens mit vollem Rechte zeihen können? Freilich wird dem gegenübergehalten werden, dass ja der Kongress die Ermächtigung und quasi den Auftrag gegeben habe, schon jetzt mit dem Ankaufe zu beginnen. Allein ich wage kühn die Behauptung, dass ebenso wie ich gewiss auch kein anderer unter den Kongressteilnehmern war, der über die Rechtsverhältnisse und die Unsicherheiten genau unterrichtet gewesen wäre, unter welchen ein solcher Ankauf jetzt geschehen kann. Es geschieht auch den weisesten Leuten, dass sie in bezug auf bestimmte Wissensgebiete gleich neugeborenen Kindern sind. Und das waren wir, alle, ohne dass man die traurigen Erfahrungen anderer kannte und aus denselben etwas gelernt hätte. Jetzt aber, nachdem sich einzelne Stimmen warnend dagegen erhoben haben, nachdem verschiedene Vorfälle bekannt wurden, die gegen die Ausübung und Betätigung der vom Kongresse erteilten Vollmacht sprechen und man auf die Gefahren mit den Fingern hinzuzeigen vermag, befinden wir uns in der Lage des Advokaten, der nach Erhalt einer Vollmacht zu irgend einer Handlung die Ueberzeugung gewinnt, dass er bei Vollführung derselben seinem schlecht beratenen Klienten anstatt einer Interessenförderung eine gewaltige Schädigung zufügen würde und für den in einem solchen Falle die Notwendigkeit eintritt, dem Mandanten zu berichten und neuerlich zu befragen. Wir müssen von dem schlecht informierten Kongress an den besser informierten Kongress appellieren! Solange wir selbst im Dunkeln tasteten, haben wir wenigstens den Entschuldigungsgrund gehabt, dass wir in gutem Glauben handelten, und wenn uns etwas Widriges passierte, hätten wir wohl nur sagen müssen: Achamnu! Wenn wir aber in Kenntnis der Dinge und Verhältnisse noch immer fortfahren würden, diesen gefahrvollen Weg weiter zu wandeln, dann wehe uns! Denn wir müssten ehrlicherweise eingestehen, ein bitteres: Bagadnu!*) bie Ostafrika-Expedition, VI. Bericht Uber die Arbeit der Zionistenkommission im Britischen Ostafrika. Aus dem Berichte des Ingenieurs N. Wilbusch. (Aus dem Englischen übersetzt.) ARBEITERFRAGE. Die Eingeborenenfrage scheint eine der schwierigsten und brennenden Fragen bei den Herren Kolonialpolitikern gewesen zu sein. Jetzt ist das Territorium absolut ohne Bevölkerung. Ohne Negerarbeit auszukommen ist ganz undenkbar, denn erstens kann ein europäischer Arbeiter, und *) Weitere Betrachtungen und die notwendige Schlusskonklusion folgen noch rechtzeitig in einem Artikel: „Principiis obsta!" wenn er auch Jude ist, unter den brennenden äquatorialen Sonnenstrahlen nie die schweren Arbeiten wie der Neger verrichten, und zweitens kann er mit diesem nie konkurrieren. Die Farmer im Kikuyugebiete resp. die jüdischen Farmer am Molo unweit Eldoma-Ravine zahlen überall dem Negerarbeiter 4 Rup. (Frcs. 6,70) pro Monat, richtiger für volle 30 Arbeitstage inklusive Essen, während der allereinfachste europäische Arbeiter bei billigsten Nahrungsmittelpreisen wenigstens 20 Rup. (33 Frcs.) verzehren muss. Wie kann man bei solchen Umständen ohne Eingeborenen-Arbeiter auskommen? Es ist ganz ausgeschlossen. Eingeborene müssen und werden importiert resp. engagiert werden, jedoch wird man ihnen den dreifachen Preis oder vielleicht noch mehr bezahlen müssen. Wenn die Neger nicht zu weit von ihrem Heim arbeiten, so bringen sie für eine Woche Essen mit: Bohnen, Kartoffeln, Mtania (Sorghumhirse), Mais ect., das kostet sie fast gar nichts. Der Boden ist fruchtbar, die Samen und Arbeit kosten wieder fast gar nichts, in ein paar Monaten hat man die Ernte. Die Familie, die zu Hause bleibt, zu unterhalten, kostet wiederum nichts. Soll er wreit von seinem Hause, nach einem fremden, unfruchtbaren Gebiete gehen, so wird er sicher den doppelten Preis und Essen extra verlangen; denn er hat es ja gar nicht nötig, so weit fortzugehen. Was den Handwerksarbeiter anbelangt, so halte ich es für tunlich, jüdische Arbeiter: Maurer, Zimmerleute, Tischler, Schmiede, Schlosser, Müller etc. etc., zu engagieren, die in Russland in grosser Zahl leben und in manchen Städten Westrusslands die ausschliesslichen Facharbeiterkreise bilden. Es können geprüfte Arbeiter, mit guten Attesten versehen, gewählt und hergebracht werden, die auch 'später hier als Fachleute arbeiten resp. als Farmpächter Boden und Vieh erhalten und ihre Fächkenntnisse nur nebenbei, bei Gelegenheit, verwenden. Jetzt werden in ganz Britisch- Ostafrika Hand Werksarbeiten von Indern ausgeführt, die zwar auch manches von der Arbeit, wie alle orientalischen Kulturvölker, verstehen, jedoch sind dieselben mit europäischen Arbeitern kaum zu vergleichen und jüdische Facharbeiter sind viel besser und vorteilhafter. GEBÄUDE. Obgleich allgemein angenommen wird, für die Tropen seien Wellblechgebäude mit BretterfütteAmng billig und vorteilhaft, und obgleich dieselben von der britischen Regierung sowie von der Ugandaeisenbahn hauptsächlich, verwendet werden, bin ich doch entschieden der Meinung, dass dieselben hier nichtsehr praktisch sind, denn erstens sind sie gar nicht so billig dort, wo sie nur vereinzelt vorkommen und somit die Herbringungskosten von. Handwerkern sich nicht auf mehrere Bauten verteilen, zweitens sind sie wegen der kalten Nachttemperatur zu leicht, was insbesondere wegen des Brennholzmangels in unserem Gebiete von grosser Wichtigkeit ist. Auch in Eldoma-Ravine, wo für den Kommandeur ein Wellblechhaus gebaut wurde, ist über die Kältedurchlässigkeit desselben geklagt worden. Holzhäuser sind hier auch nicht verwendbar wegen des Bauholzmangels im Gebiete, weil das Holz unter diesen Sonnenstrahlen und der Regenmenge schlecht und nur kurze Zeit hält. Unter diesen Gesichtspunkten scheinen Bruchsteingebäude am vorteilhaftesten und vielleicht auch am billigsten zu sein. Es kommt nämlich in Nairobi ein mittelgrosses Wellblechhaus mit Bretterfütterung von zirka 10 m auf zirka 4000 Rup. zu stehen. Ein Bruchsteinhaus derselben Grösse in Russland, wo Steine an Ort und Steile vorhanden sind, kostet nur zirka drei Viertel von dem mir angegebenen Preise. Und da, wie ich bei der Arbeiterfrage erwähnte, jüdische Handwerker aus Russland für Häuserbau herzubringen als das Vorteilhafteste zu empfehlen ist,