Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1905-07-14 · 28 (14.7.1905) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
28 (14.7.1905)
Date
1905-07-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3315709-3316128-3316161--47054-3341929
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 „bi* # W^lt Nr. 28 niemals kommen könnte. Die Besiedlung würde Millionen verschlingen und der Nutzeffekt des ganzen Unternehmens stünde in keinem Verhältnisse zu der aufgewendeten Arbeit. Ich halte das Territorium für sehr ungeeignet, sowohl in Hinsieht auf eine im (kmossenschaftswege oder in Privatarbeit zustande gekommene reine Judensiedlung als auch in beziig auf eine durch eine Ghartered Company eingeleitete gemischte Siedlung. Will man jüdisches Geld, jüdische Arbeit und jüdisches Blut dein Zionistengedanken nutzbar machen, so lenke man sie auf ein versprechenderes Gebiet und nicht auf ein Land, das allem Weltverkehr so weit abliegt, so harte Anforderungen an den Siedler stellt und so wenig dazu geeignet ist, den Zusammenhang des Judentums zu befestigen. Bericht des Ingenieurs N. Wilbusch. EINLEITUNG. Bevor ich zu meinem Berichte komme, will ich bemerken, dass es im allgemeinen unmöglich ist, ein ganzes Land in nur vier Wochen zu erforschen, und zu irgend einem richtigen Resultate zu kommen; nur in extremen Fällen, wenn das Gebiet sehr fruchtbar oder absolut wüst ist, könnte man vielleicht so schnell über das Geeignetsein desselben für Ansiedlungszwecke entscheiden. Uns war es freilich möglich, in einer ganz kurzen Frist zu ziemlich richtigen Finhehlüssen über unser Forschungsgebiet zu kommen, aber leider nur wegen seines wüsten und einförmigen Steppeneliaralders, so dass dort nur sehr weitig zu erforschen oder zu untersuchen war. Unsere Berichte können eigentlich nur viele Beweise über das Ungeeignetsein des Landes l'ür Kultivierung und Ansiedlungszwecke sowie über die Abwesenheit von natürlichen Beichtümern, über das Nichtvorhandensein von Rohstoffen zur Zeit und über die Anbauimmöglichkeit in der Zukunft berichten. Ich bin zu der Ueborzeiigung gekommen, dass das von uns erforschte Gebiet weder für hui u st rieemt wickhing noch für Agrikultur in irgend einer Weise, weder in der Gegenwart noch auch in der Zukunft, verwendbar werden kann und dass dort höchstens nur für Vieh- resp. Straussenzucbt geeignete Ortschaften herausgefunden werden können. Ferner wird in Britisch-* )stafrika überall behauptet, dass pro Familie, um von Vieh- und Schafzucht dort leben und sich ernähren zu können, minimal o—10 000 Acres Boden nötig seien und l>ei Straussenzucbt die nötige Bodenfläche noch grösser sein mnss; es sind also im günstigsten Falle pro Familie mini mal 5000 Acres zirka 8 Quadratmeilen zu rechnen. Es könnten also im ganzen Gebiete, das nur 0000 Q.uadratmeilen gross ist, für den Fall, dass zwei Drittel davon für Viehzucht verwendbar sind, sieh höchstens ~)00 Familien ansiedeln. Schon wegen dieses geringen Bevölkernngsfassungsvermögvns kann die Erwerbung des von der britischen "Regierung gütigst vorgeschlagenen Gebietes weder die Zionistenfnige noch die jüdische Emigrationsfrage lösen, respektive dieser teilweise abhelfen. Für idn zweites wichtiges Haupthindernis einer jüdischen Ansicdluiiir halte ich die grossen Summen, die pro Familie ausgegeben werden müssen. Es würde die Ansiedlung einer Familie nach meiner Berechnung minimal 45 000 Francs kosten. Aus diesen Gründen halte ich es für absolut ausgeschlossen, dass das von uns zu erforschende (iebiel irgendwie für jüdische oder andere europäische grössere Ansiedlungen. verwendbar sei. Dagegen halte ich es nicht für unmöglich, dass eine jüdische Kolonialgesellschaft sieh gründe, um hier Viehzuchtunter Verwendung von jüdischen Angestellten und Pächtern zu treiben. Selbstverständlich nruss dieselbe sehr vorsichtig und behutsam vorgehen und bevor sie diese Unternehmung anfängt, müssen hierher Fachleute geschickt und Versuchsstationen angelegt werden. Erst nach Erzielung von günstigen Eesultaten während mehrerer Jahre könnte dieses Projekt im grossen zur Ausführung kommen. Und da ich letzteren Fall nicht für ganz ausgeschlossen halte, so will ich an Hand dieses Projektes einer jüdischen KonzessioBsgeselischaft für Viehzucht in Guas- Ngischu dieses Gebiet betrachten. Von, einem, anderen Standpunkt es zu betrachten wäre absolut unmöglich. FLÜSSE. Obgleich Berichte über Flüsse zu meiner Hauptaufgabe gehören, kann ich leider nur wenig darüber mitteilen, denn 1. bin ich nicht zur iiusscrsteii Westgrenze gelangt und 2. gibt es in unserem Gebiet überhaupt keine wirklichen Flüsse, sondern eigentlich nur Bäche. Mit Ausnahme des Kordgebietes gehört fast das ganze in Betracht kommende Land zum oberen Sani.inelbassin des Nzoiaflusses, der sieh wieder in ein südliches und nördliches Bassin teilt. Letztere vereinigen sieh zu einem Fluss erst an der Westgrenze unseres Gebietes und bilden dann, zirka 8—10Meilen lang,die Grenze des Landes von Massawa oder des Kotosehbezirkes. Diese kurze Streckt1 wäre für Industrie v o 11W i ch t i gke i t, i n dei n s ie Fä 11 e a u f wei st, d i e Eon k e sti n d d ie Brodrikfälle. Aber auch hier ist die Nzoia kaum mit dem Namen eines Flusses zu bezeichnen, denn sie besitzt schätzungsweise kaum 1000 Liter Wasser pro Sekunde in der mittleren Jahreszeit. In der Mitte des Gebietes dürfte sie etwa 4-00 Liter pro Sekunde besitzen. Die Nzoia ist somit ungefähr den anderen von uns besuchten sogenannten grossen Flüssen des Landes, dem Elgorini (mit zirka 300 bis o()0 Litern pro Sekunde) und Xgaro-Njuki (zwischen Xaku.ru und Eldoma-ilnvine. mit zirka 400 Litern pro- Sekunde) gleich, kann aber nicht einmal mit den in Kuropa für Ixdeinindustrie in Betracht kommenden Flüssen verglichen werden. Denn für eine kleine landwirtschaftliche Anlage sind schon 25—ü0 Pferdekräfte nötig, wozu bei flache]] Ufern, wie sie in unserem Hochplateau, respektive in der grossen europäischen Ebene vorkommen und ein Gefälle von gewöhnlich 1 [/>—3 Metern zulassen, ein Wass.Tquantum von zirka 2—;H)00 Litern pro-Sekunde erforderlich ist. Bäche mit einem Wassercpiantum von nur ein paar hundert Litern bei flachen Ufern können nie als Kraftquellen betrachtet werden und wenn die in unserem Gebiete vorkommenden Flüsse nach starken Wolkenbrüchen vielleicht über 1000 Liter Wasser pro Sekunde tragen, so bringen sie dann eher Schaden als Nutzen. Das von mir besuchte südliche Nzoiabassin scheint das wasserreichere zu sein, aber die Messungen, die ich hie und da vorgenommen habe, können dessen Wertlosigkeit als Kraftrespektive Bewässcrungsquellc nachweisen. Dieses südliche Bassin besteht aus den Flüssen Kubkong, Elgorini und Ftakotok, die sich ungefähr unter dem 3~>. Meridian vereinigen und von da aus zirka 15 Meilen unter dem "Namen Guaso-Masa nach Westen fortflicssen, wo sie schon an der Grenze' des Gebietes die eigentliche Nzoia, die das Wasser im Norden sammelt, treffen. Wo diese drei Bäche zusammenkommen, bilden sie ein Wassenpiantuni von nur 170—200 Litern pro Sekunde. Dass der Loesos andere Quellen haben soll, ist nirgends zu ersehen. Er ist somit, wie gesagt, nur als Tränke zu betrachten. ■Auch die im Norden fliessei]den Suam oder Timjuell, Sebel und Moroni, die sich erst "zirka 50 Meilen weit von unserer]] Gebiete heraus zu einem FlusseTurquell vereinigen, scheinen denselben Charakter zu tragen; denn sie sind ja auch nur Flussanlange, ähnlich denen, die in unserem Gebiete sowie auf dem Wege von Nakuru nach Fldoma-Bavine ( Hongay mit zirka 70 Litern pro Sekunde, Molo mit zirka 100 Literj] pro Sekunde, Ngare-Njuki mit 400 Litern pro

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.