Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 „bi* # W*lt" Seite 9 •Wo früher nichts wie ödes Steppenland sieh ausbreitete, da. blicken uns heute die weissen Wellblechhäuser der Bahnvenvaltung und der Siedler entgegen, umgeben von den unvermeidlichen Kiikalvplusbiiinnen und geziert mit rankenden Schlinggewächsen. Wo man vor wenigen Jahren noch auf Löwen, Nashörner und Giraffen jagte, da dehnen sich nun lange, geradlinige Strassen züge aus, mit luxuriösen Steinbauten, relativ gut eingerichteten Hotels und warengefüllten indischen Verkaufsläden. Ks sind Beamte, Kaufleutc und Landesspekulanten, die dieses Leben hervorbringen, und nur an wenigen Stellen sieht man auch schon Landwirte, die auf diesem neueröffneten Siedlungsboden ihre Arbeit eingesetzt haben. Hie und da trifft man auch schon auf industrielle l nternelmrungen, auf einzelne Werkstätten von Handwerkern, auf Mühlen und 1 lolzsägeworke. Alle diese Neusiedlungen umgeben das Städtchen Nairobi, das als Gou vernementssitz des British Last Africa Proteetorate und. als Hauptstadt der siedlungsfähigen Lkambaprovinz nun ein immer grösser werdender Attraktionspunkt für Neusiedler wird. Wir waren mehrere Tage in diesem Städtchen, aber ich muss sagen, dass es in bezug auf seine Kroduklionslahigkeit und seinen Hanflei nur einen sehr schlechten Kindruck bei mir hinter liess. .Man sieht überall ^va^-v Kapital werte festgenagelt und neue Kapitalien auf dies:."))! unwirtschaftlichen Steppenboden sieh verlieren. Der fruchtbarere Karinboden, von Kikuvu liegt mehrere Meilen von hier ab und was an Grün hier spriesst, das beschränkt sich auf die schon erwähnten, auch unter den ungünstigsten Verhältnissen gedeihenden Knkalvptusbäuine, auf einige» Akazien und andere, anspruchslose Blattpflanzen, Der Kleinhandel mit geringen Waren, an denen relativ und absolut aber am meisten zu verdienen ist, liegt in den Händen der Inder, der Y ich bandet in denjenigen der Somalis und die europäischem Verkaufsläden, welche bessere Waren, führen, haben sehr hohe Betriebsspesen und kleinen Lmsatz. Schon die Bauplatzpreise und noch mehr die Grundsteuern sind im Verhältnisse zu den Kiebitzen, viel zu hoho. M!au machte nur diesbezüglich folgen die Angaben : An der Victoria Street kosten Bauplätze von?T> Kuss Krönt länge und 100 Kus< Tiefe 200—Tot) Bupien — \\\>—Pfd. St. und 15 Kupien oder 1 Pfd. St. monatliche (i rundsTeuer. Die Steuer kommt also einer Grruidkapitalvcrzinsimg von 25 bis (J0 Prozent gleich. An der .'Market. Street kosten gleieh- .urossc Bauplätze 100 Bupicn und 2 Rupien monatliche («i'u nd st euer. An der neuen Gouverneinents-Boad, wo die Plätze nur 50 [:u^.< Ki'OiUseile und To Kuss Tiefehaben kosten sie ";00—1100 Hup. und 1 Kup. monatliche- Steuer. Im indi- >-chen Lasar, bei *?S hhiss Krönt seile und 75 Kuss Tiefe, schwanken die Preise zwischen 100 und 1100 Bup. und die Grundsteuer betrügt 2 Lup. pro Monat. Kurmland in der 1 mgehung von .Nairobi, dessen (irumlsleuer eine sehr minimale ist, kam in der letzten Zeit zu folgenden Preisen zum \ erkauf: 57 Acres, zwei Meilen von der Sladi und mit einer wertlosen Hütte darauf 7500 Bup., -250 Acres 1500 Kap., 500 Acres 7500 Hup. und 500 Acres zu :>000 Bup. Die Transportkosten sind, wie wir das früher gesehen, immer noch viel zu hohe, als das.- ein einträglicher Mandel betrieben werden könnte, namentlich von seilen der Europäer, deren rnterha.lt hier so viel mehr kostet als derjenige der Inder und Goanescn. die, wie früher die Araber, über das ganze Land sieh verbreiten, nirgends eine Konkurrenz aufkommen lassen und jeden Erwerb an sich reissen. der imeh einigen Verdienst ermöglicht. Die Kortoffolausfuhr, auf welche man so grosse Hoffnungen setzte und die eine wichtige1 Erwerbsquelle der < uropäischen Karmmhätte werden sollen, ist heut!.' fast zur Unmöglichkeit geworden, da in den ehemaligen Absatzgebieten, den südafrikanischen Kolonien, min selber viele Kartoffeln produziert werden und die Handels- und Zahlungsverhältnisse von Südafrika sich zudem so sehr verschlimmert haben, das? nur noch mit der grössten Vorsicht Geschäfte nach dorthin abzusehliessen sind. Die Bohnenausfuhr, auf die man jetzt die neuen Hoffnungen setzt, wird wegen der Konkurrenz anderer Broduktionsgebieto ebenfalls eine beschränkte bleiben und so findet der Karmer denn nur im Lokalhandel den Absatz für seine Landesprodukte. Miorselbst entstehen ihm aber noch gefährliche Rivalen in den allmählich einer produktiveren Wirtschaft zugänglichen Negcrstänimen und vor allem auch in den Indern, denen Ostafrika eine zweite Heimat zu werden scheint. KntiT den jüdischen Siedlern, welche in der Zahl von zirka 12 sich im Lande finden, war es besonders Herr Marcus, ein schon mehrmals erwähnter Kaufmann in Nairobi, der uns die besten Auskünfte über das Land und im besonderen auch über die Judensiedlung geben konnte. Kr ist der ^lann. der sich hinsichtlich seine]- Kenntnisse am. besten dazu eignen würde, bei der Inangriffnahme eines jüdischen Siedlungsunternehniens auf dem Guassn-Ngischu- Plateau eine administrative Stellung einzunehmen, doch zweifle ich daran, dass er für ein solches Knternchmen den nötigen Mut haben würde. Ein ^lann, wie Herr?darcu<, der in l ehersee schon so viele zum Teil auch bittere Erfahrungen gesammelt halt, ist von vorgofasstem Optimismus weif entfernt und ich glaube, dass er sich, der Schwierigkeiten sehr wohl bewusst ist, welche eine in grossem Mlassstabe angelegte .-Tudensiedlung in sieh sehliosst. Er kennt die Verhältnisse der gegenwärtig in Britiseh-OstatTika anwesenden Siedler sehr genau und wird, befragt, ihnen die Auskunft geben müssen, dass hier nicht alles Hohl ist. was glänzt, und dass im speziellen die Stellung der jüdischen Siedler keine sehr beneidenswerte ist. Wir haben mehrere dieser Siedler kennen gelernt und zwei auf ihren Lärmen besucht. Was wir hier aber hörten und sahen, war nichts Erbauliches und ich bedauere die armen Leute, die ihre Zeit und ihr weniges Leid zum Opfer bringen. Noch schwieriger würde die Stellung solcher jüdischen Siedler werden, wenn sie in geschlossenem \ erbende als eine Art Genossenschaft auf (hau im allgemeinen sehr unwirtlichen G uasso-Ngischu-Platoau sich nicdorliessen. Es gibt auch in Ostafrika Antisemiten, und zwar solche, die am meisten zu fürchten sind, die Neider. Das Guasso- Kgiscbu-Plateau möchte so unwirtlich sein als es wollte, so würden die Karmer von Ostafrika sich doch sehr benachteiligt fühlen, wenn ein Areal von eOOO Qundratmeilen an eine meist von Ausländern gebildete Korporation gratis abgegeben würde. Sie befürchteten die Konkurrenz der Juden in einem (hmossensohaftsverhande mehr, als wenn sie als Einzelpersonen und Kinzohuiicrnchmor im ganzen Lande <]f-}) verteilten. In diesen Gefühlen hat auch der „EfhinzerverhaiuL* einen Protest gegen, die AVrgebung des tiaasso- Ngisclm-1 lochlandes an die Juden erhoben und in diesem Sonne habe ich <o viele über dieses Kuternehmeu reden gehört. Sehr viele befürchten auch den Zuzug mittelloser Leute, die sich über die ganze Kolonie verteilen könnten, wenn sie im Territorium ihr Auskommen nicht landen. Dass die Juden bei einer rationellen, sorgfältigen Auswahl des Siedlungsmateriales ein Land zu kolonisieren hnsiande wären, wird niemand bezweifeln, und ich glaube euch, dass sie sieh seihst zu einem echten 11 im nvolke zurückbilden könnten, ähnlich wie die Hofländer, Deutschen und Kranzo-en dies getan haben. Auf (hau Guasso-Ngischu-KlaLau sind die wirtschaftlichen Verhältnisse aber so ungünstige, dass ein Teil der Siedler sicher wieder das Land verliesse und dass es zu einem erfolgreich arbeitenden Ivo Ionisation* verbände dabei'