Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 „bie * weit11 Nr. 28 der Eisenbahnstation Makindu entfernt, in einem von Nebel, Tau und liegen fall besonders begünstigten Gelände. Die europäischen. Farmen in Kikuvu und im Eifz- Valley sind zur Zeit noch so unbedeutend, dass sie ausser Mais, "Bohnen und Kartoffeln und grünen Gemüsen noch fast gar keine Feldfrüchte produzieren. Wenn man nach den Ernten dieser Farmen fragt, so hört man mit Erstaunen, dass sie auch quantitativ noch sehr gering .-eiern dass die Sache aber schon kommen werde, wenn Xairobi und die Eisonbahnzone sieh einmal hesser entwickelt hatten und die Frachtsätze für Exportgüter reduziert seien. Man sucht die Preise dieser Farmen durch Zukunftsmusik möglichst hoch hinaufzuschrauben und die Landbesitze dann im günstigen Momente mit gutem Profite wieder loszuschlagen. Die Farmen, die ich in K'ikuyu sah, finden sich nur ausnahmsweise auf frisch gerodetem Waldboden, meist aber auf altem Farmlande, von welchem die Eingeborenen mit einer Entschädigung von 2 sh 8 d pro Acre ausgelöst wurden. Ihre Bearbeitung kommt noch um so billiger, als die Arbeitslöhne noch sehr geringe und für 30 Arbeitstage1 nur 5 sli zu bezahlen sind. Der Arbeiter übernimmt dabei seine 'Verpflegung meist -elber, kann im anderen Falle aber mit zirka 2 sh pro Monat ernährt werden. Für das Guasso- Xgischu-Plateau kämen wohl nur fremde Landarbeiter in Betracht, da die Elgevo und Maraguetti nur ein minderwertiges Arbeitsmaterial liefern können. Sehr wahrscheinlich würden die Wakawirondo und andere See Völker sich dazu eignen und ihre Arbeit käme wohl nicht höher zu stehen, als im Kikuvulande, wo für 5—7 sh pro M'onat gearbeitet wird. Eine Bodenbearbeitung mit dem Pfluge wird sich auf dem Guasso-Ngischu-Plateau ebenso schwer einführen lassen wie in Kikuvu, wo zur Zeit erst 20—25 Pflüge in Tätigkeit sind und der Hacke immer noch der Vorzug eingeräumt wird. Als Hauptprodukte des Ackerbaues würden im Territorium ungefähr dieselben in Betracht kommen wie auf dem Kikuvu-Hochlande: Mais^ Xegerkorn, Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Weizen, Gerste und Hafer. Der Maisbau ist in ganz Afrika in steter Zunahme begriffen und verdrängt an manchen Orten sogar die von altersher beliebte Hirsekulhir. Ich finde es für sehr begreiflich, dass die neu ankommenden Farmer zu allererst auf Maisbau sich werfen, denn er beansprucht keine besondere Pflege und liefert eine ziemlich sichere und meist gute Ernte. Dass er nicht immer eine starke Bewässerung erfordert, beweist die Maiskultur in Marokko, wo die Entwicklung hauptsächlich auf den Taufall angewiesen ist und wo sogar erst nach dem Regen die Saat ausgelegt wird. Es ist freilich zu beachten, dass die Maiskultur den Boden stark aussaugt und in späteren Jahren auf demselben Felde nieist nur noch Fruchtwechsel betrieben werden kann. Als Konkurrentin des Inlandes wird im M-aisbau allmählich das Küstengebiet in den Vordergrund treten, doch ist von dieser Konkurrenz heute noch wenig zu befürchten, da der Konsum noch sehr erweiterungsfähig ist und es immer noch Zeiten gibt, wo trotz des höchsten Preisangebotes nicht ein Lot Mais aufzutreiben ist. Die gewöhnlichen Maispreise unter den Eingeborenen sind 1 Posa für einen Malchbecher voll, auf dem Xairobi markte aber wird er zu 2—4 Schilling pro Last von 60 Pfund Gewicht verkauft. Man unterscheidet gewöhnlieh drei Sorten, den weiss- und schwarzgefärbten, minderwertigen Eingeborenenmais (Xative-grown .Alealis), den weissen Hikorv King und den Gelbmais, welch letzterer noch die kleinste Verbreitung hat. Xative-grown Mealis kostet pro Last 1 sh 11 d bis 2 sh. 3 d, Hikorv-King 2 sh 6 d bis 1 sh 0 d, Yellow Mealis 2 sh 6 d bis 3 sh 2 ä. Der grosse amerikanische Mais beansprucht eine viel längere Vegctatioüsdauer als der kleinkörnige Xativemais, und es dürfte bei der Kultur dieser sonst besseren Sorte, zumal bei dem Systeme der Doppel ernten, sehr leicht vorkommen, dass die Körner infolge Wassermangels nicht ausreifen und der Ertrag dann ein geringerer ist als bei dem schlechten Eingeborenenmais. Das Xegerkorn oder die sogenannte Matammah wird in grossen Quantitäten von den AVakawirondo angepflanzt, aber auch von den AArakikupu und anderen Xegerstämmen. Der Absatz ist ein. fast unbeschränkter, denn margebraucht diese Hirseart nicht nur als menschliches Nahrungsmittel, sondern fast ebensosehr auch zur Bereitung des Eingeborenenbieres und zu Futterzwecken. Die Elgevo scheinen dieses Getreide nicht anzubauen, denn die Guasso- Xgisehu-Massai sagten mir, dass sie das zur Bierbereitung, benötigte Quantum stets von den AA'akawirondo holten. Di Kikuvu wird die Matammah fast nur von den Eingeborenen konsumiert und entsteht hier daher sehr oft eine grosse Nachfrage, die später gewöhnlich durch Transporte aus dem Seegebiete wieder gedeckt wird. Man bezahlt hier gewöhnlich 1 sh 11 d bis 2 sh 6 d pro Last von 60 Pfund. Die kleine Hirse, Pennisetum spicatum, in Ostafrika gewöhnlich Mawele genannt, dürfte sich für den Ackerbau von europäischen Siedlern nicht eignen. Sie ist aber beliebt bei den Eingeborenen und ich sah sie bei den Elgevo -owohl wie auch bei den AV'akaminassia, doch immer nur in kleinen Parzellen angeba ut. A7on grösserer Bedeutung wären für den Siedler wohl die verschiedenen Bohnen- und Erbsenarten, welche gegenwärtig in Kikuvu angepflanzt werden und mit wenigen Ausnahmen wohl alle auf dem Guasso-Xgisehu-Flateau gedeihen würden. Besonders empfehlenswert wären die sog. Harieots oder AVhite Coeoa Beans, die sogar mit 4 Pfd. St. 8 d pro Last von (>0 Pfund bezahlt werden. Der Kartoffel bau Hesse sich auf hierzu geeigneten Bodenflächen wohl ebensogut einführen und dürfte man von ihm dieselben guten Qualitäten erwarten, durch die Kikuvu sich auszeichnet. Selbstverständlich kann es sieh hier aber auch nur um Kultur für den Eigenverbrauch handeln, denn für einen Export, der nicht nur mit so hohen. Transportspesen, sondern auch noch mit anderen Transportschwierigkeiten zu rechnen hätte, blieben die Tore noch für lange Zeit hinaus geschlossen. Xairobi wird seine Kartoffeln immer aus Kikuvu beziehen und von hier aus wird ohne Zweifel auch der ganze Konsum der Bahnzone und von Mombassa gedeckt bleiben. AA'eizen, Hafer und Gerste la'ssen sich an den für Ackerbau geeigneten Oertlichkeiten ebenfalls anbauen, doch wird man mit diesen Getreidearten eher noch unerhoffte Misserfolge erleben als mit den früher erwähnten Fe 1 d friicl\ ten. So sehen wir im Ackerbau einstweilen nur eine nebensächliche, auf den Eigenkonsum abzielende Erwerbsquelle des Siedlertums und wenn die Grenzen des Territoriums dieselben bleiben und keine Erweiterung des Konzessionsgebietes nach Süden hin stattfindet, so wird dieser sonst so wichtige Zweig der Landwirtschaft auch schwerlich über dieses niedere Niveau hinaus sich erheben. JÜDISCHE SJEDLFtk IX BRITISCH -OSTAFRIKA IJXD AUSSICHTEN EIN KR CHARTEBED COM¬ PANY. Seit Eröffnung der Uganda bahn macht die Besiedlung von Britisch-Ostafrika sehr grosse Fortschritte. Der Zuzug von Kolonisten wird aber auch mit bewährten Mitteln betrieben und man muss sich sagen, dass die englische Regierung und das Gouvernement fast keine Kosten scheuen, um der raschen Besiedlung des Landes, in die Arme zu arbeiten. Dazu gesellen sich die zahlreichen Berichte, welche in die Oeffentliehkeit gebracht werden und die Siedlungsfähigkeit des Landes in allen Farbemmancen der Hoffnung und der Freude schildern.