Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. $8 & Wfll Seite 7 Wir sahen auf dem, Uuasso-Ngisehu-Plateau öfters wilde Strausse, und zwar hauptsächlich im mittleren T-eile, wo die Massai einst Rinderzucht betrieben. Hier wäre daher auch die Errichtung von S trau ssenf armen ermöglicht und um so leichter in Ausführung zu bringen, als längs der Fl auslaufe ohne grosse Kosten das beste Straussenfutter, die Luzerne, angepflanzt werden könnte. Die Schwierigkeit dorStraussenzucht liegt aber in derUnsieherhoit derAbsatzverhältnisso, bedingt durch TJeberproduktion und unberechenbaren Modcwechsel. Bekanntlieh finden sich bereits viele, grosse und jedenfalls rationell betriebene Straussen züchten in Südafrika und es wird daher schwer fallen, diesen Etablissements eine Konkurrenz zu machen. Die bisherigen Versuche in Deutsch- und Britiseh-Ostafrika haben noch keine grossen Resultate gezeitigt und das größte und iiiteste Unternehmen dieser Art, die Straussenzuchtfarm am Kilimandscharo, hat ein Fiasko gemacht. Aus unseren obigen Betrachtungen ergibt sieh, dass das Guasso-Kgisehu-Plateau im allgemeinen ein der Viehzucht günstiges Gebiet darstellt, dass die Viehzucht selbst aber nur im Genossenschaftsbetriebeeinen vollen und sichere]) Gewinn abwirft. Sie ist jedenfalls vielversprechender als der Ackerbau und Bergbau, und wird, wenn eine Besiedlung des Hochlandes durch Juden, 'stattfindet, wohl in erster Linie als Erwerbsunternehinen in Frage kommen. ACKERBAU. In bezug auf agrikultureile Aussichten ist das Guasso- Ngisohu-Plateau von der Natur sehr stiefmütterlich behandelt. Wir haben zwar gesehen, dass die alten M'ogu anerbau er neben Viehzucht auch etwas Aekerbau trieben und dass heute die Elgeyo, M'araguetti und Wakuafi auf ihren Bergen dien Bodein bebausen. Von Bedeirtunjg waren und sind diese Kulturen aber niemals, denn es fehlt hier nicht nur an genügenden Niederschlägen und hinlänglieherBodonfenchtigkeit, sondern auch an jenen fruchtbaren Schwemmlandgebietem die anderenorts am Fusse hoher Bergketten in die Ebenen hineinreichen und dort jene kulturfähigen Bodenflächen, darstellen, welche die Leute der Küsteinzone gewöhnlich als „Kitivos" bezeichnen. An den Anbau von ertragsreichen Plantagengowäehsoii ist unter diesen ungünstigen Auspizien gar nicht zu denken und für lohnenden Obst- und Gemüsebau, auf den man hier vielleicht hoffen mochte, sind die Absatzverhältnisse viel zu ungünstig, als dass der Siedler sich damit abgeben könnte. In viel höherem Masse wie an der Küste oder auf dem bereits in Kultur sieh befindenden 1\ ikuyu-Plateau wird im Territorium für den Anbau von gewöhnlichen Feldfrüchten nur eine einzige Saison, die Regenzeit zwischen April und Juli, von Bedeutung sein. Tu der Nachregenzeit sind die Niederschläge schon viel zu unsicher, als dass man bei einer zweiten Feldbestellung noch auf einen der aufgewendeten Arbeit entsprechenden Ertrag rechnen dürfte. Wie ich in Nairobi erfahren habe, ist die sogenannte „zweite Saison", die dort in die Monate November bis Jänner fällt, auch schon so unbedeutend, dass man in jener Zeit die Fehler viel hesser in Ruhe liesse und auf eine zweite Jahrcsernte vollständig verzichtete. Ein nicht zu unterschätzendes Hindernis des Ackerbaues werden auf dem (fuasso-Ngisehu-Ifochlandc die zahlreich vorkommenden Kultursciiädlinge bilden. Die Insektenwelt ist hier zwar arm an Arten, um so reicher aber an Zahl. Die gefrassige Wanderheuschrecke, die in anderen ostafrikanischen Kulturgebieten fast gar keinen Schaden anrichtet und nur in versprengten Schwärmen hie und da über die heisse Stoppen wüste hinaus in bebaute1 Areale sich verfliegt, ist hier so häufig, dass sie oft meilenweit alles Buschwerk überzieht und Tausenden von Raubvögeln wochenlang eine stets gedeckte Tafel bietet. Wie ich am Sirgoi und an der Nzoia war, zogen täglich neue Heuschreckenheere über mir hin und manchmal kamen sie in so dichten Scharen, dass sie wie Ilagelwetter um unsere Köpfe sausten. An der Nzoia marschierte ich stundenlang über kahlgefressene Grasflächen, auf denen eine grün und schwarz gefärbte Raupe ihr Zerstörungswerk vollendet hatte und vor dem Verkriechen in den Boden nun von einem nach hunderttausende!! zählenden Heere von Marabus und Ifausstörchen vertilgt wurde. Dass diese gefnissigen Stelzfii^ser nicht schon lange Herr geworden! sind über dieses kleine Insekt, beweist nur, in welcher enormen Anzahl dieses letztere hier vorkommen muss. Bei Schimon} sah ich in einer Eukalyptusalleo das Zerstörungswerk von Termiten, die hier die schönsten Bäume angriffen, und an ihrer Rinde Erscheinungen hervorgerufen hatten, wie etwa ein grosser (Irasbrand sie anzurichten imstande wäre. Als ich auf der Farm des jüdischen Siedlers London am. Ngare-Rongai war, klagte dieser über eine Motte, die ihm das Nogorkorn zerstört hätte, und bei einem zweiten Besuche sah ich den reifenahon Mais durch ein Wurzolinsokt so sehr angegriffen, dass die stärksten Rohre über der Wurzel abbrachen und die Kolben auf diese Weise vor ihrer vollständigen Reife dem Verderben anheimfielen. Sehr wahrscheinlich kommen diese Insekten auch auf dem Guasso-Nguschii-Plateau vor und wenn sie dort noch nicht heimisch sind, so würden sie jedenfalls durch die Kultur dorthin verschleppt. Ob auch, die vielen Sehneeken, deren leere Schalen man zur Trockenzeit auf den abgebrannten Grasebenen und im Buschwerke findet, als Schädlinge für den Ackerbau in Betracht kommen, vermag ich nicht zu beurteilen; jedenfalls wären sie aber den Baumschulen schädlich, indem sie die jungen Pflänzlinge und die Früchte benagen. Ich habe früher bemerkt, dass die unzählige]! Minicrbauten der Erdferkel dem Ackerbau von grossem Schaden sein können: hier sei nur noch erwähnt, dass auch Feldmäuse, Schweine, Antilopen und das nicht eingezäunte Vieh dem Landwirt empfindliche Verluste bringen können. Feldmäuse als Kiiltursehädlinoe habe ich in grosser Zahl in Sotiko. Lumhwa und KawirondO beobachtet und auf dein Guasso-Ngisehu-Plateau -sehr oft ihre Erdlöeher gesehen. Die Schweine sind auf dem Hochlande so sehr verbreitet, dass man sie dort überall und täglich in grösseren oder kleineren Rudeln antrifft. Antilopen kommen auf den Grasebenen zu hunderttausenden vor und es ist datier sehr zu befürchten, dass sie den Ackerbauern hier denselben Schaden zufügten wie bei Nairobi, wo ihrer häufigen Besuche wogen dieses Jahr z. B. der Weizen viel zu früh geschnitten werden musste. Als wir in Nakuro mit dem Oommissioner Sir Donald Stewart über die Aussichten des Getreide- und Baumwollbaues in Britiseh-Osiafrika sprachen, bemerkte er mit Recht, es sei innner noch etwas Ungünstiges darum und man könne selbst zu den ersten Ernteproben solcher Kulturen noch kein volles Vertrauen haben. Die Bemerkung stimmt mit den schwachen Resultaten überein, welche die europäischen Farmen in Britische)stafrika bis jetzt erzielt haben. Den' Leiter d'er (^ouvernementsfai-m Makindu, der auf einer 5—(> "Morgen grossen Fläche die verschiedenartigsten Nutzgewächse angepflanzt hat, ist zum Schlüsse gekommen, dass der Anbau von Agaven und der Fang und Verkauf von wilden Tieren für ein ostafrikairisches Unternehmen wohl das einträglichste wäre (man könnte dazu vielleicht wohl das Hotelwesen rechnen, das auf dem häufigen Eintreffen der mit so grossen (Miieksgütern ausgestatteten Jagd- und SportsIeute basiert). Dabei liegt die Versuchsfarm auf dem fruchtbaren Boden von Ukamba, nur eine Meile von