Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 28 (14.7.1905)
- Date
- 1905-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 „bi% o weit Nr. 28 zutreten und desto mehr Aussicht ist dann vorhanden, dass sich auch fremdes, jüdisches und nichtjüdisches Kapital dazu werben lässt. Ich resümiere also: I. Keine Aenderutig des Programmes, denn es ist weit genug, Gegenvvartsarbeit und Hilfsaktionen zuzulassen. An letzteren ist sich unter Einhaltung der zionistischen Grundsätze und in strengstem Zusammenhalte mit dem Endziele zu beteiligen. IL Stärkung und Vermehrung des jüdischen Elementes in Palästina auf legalem und vertrauenerweckendem Wege, Erhebung und Kräftigung der in den Städten Palästinas darbenden Volksglieder durch Erziehung und Schaffang von Erwerbsgelegenheiten. III. Unbedingtes Festhalten an der Charterpolitik, wenn auch unter Aenderung des Kurses zu dessen Erreichung durch direktes Uebereinkommen mit der Pforte auf natürlicher ökonomischer Basis unter Begehren und Gewähren von bloss staatsbürgerlichen und Munizipalitätsrechten in oben angedeuteter Weise; ausgedehntere und Vorzugsrechte werden entsprechend dem der Türkei zu gewährenden Nutzen bei zielbewusstem Darauf hin wirken gewiss nicht ausbleiben. Die politische Tätigkeit bei anderen massgebenden Faktoren ist auf das bereits angegebene äusserste Mass zu reduzieren, um jedes Misstrauen beim Gegenkontrahenten zu vermeiden. Vorbedingung/Conditio sine qua non für die Erreichung alles Vorhergehenden ist: IV. Aufrechterhaltung und weiterer Ausbau und Befestigung der kongresslichen Organisation des jüdischen Volkes auf zionistischer Basis. Keine Spaltungen oder gar Zertrümmerung wegen Meinungsverschiedenheit und Prinzipienkämpfe. Salus populi suprema lex esto! Durch zwei Jahrtausende waren wir ein Am mefusor umforad, nicht nur zerstreut, sondern auch seelisch geteilt. Ein gemeinsames. Moment nur hielt noch schwach eine Zusammengehörigkeit aufrecht, die Religion. Im vorigen Jahrhunderte der Aufklärung ist auch dieses blutleer und schwindsüchtig gemacht worden. Nun ist.uns das H e i 1 z u t e i 1 g eworden, dass wir uns im Zeichen Zions bewusst als Glieder einer Nation wieder zusammenfanden. TrotzZer st reuung unter verschiedenen Himmelsstrichen, trotz aller Verschiedenheiten in Sprache, Erziehung, Erwerbsverhältnissen, Lebens¬ und Weltanschauungen haben wir doch noch ein gemeinsames Herzensgut, das uns die erforderliche Solidarität zurückgab, das uns aus der erniedrigten und schmachvollen Lage unter den anderen Völkern zu erheben geeignet, auch uns selbst uns er Menschenun d Volksb ewusstsein zurückzugewinnen geholfen hat. Leget nicht Hand an dieses einzige ideale Wert objekt eines aller seiner nationalen Reichtümer beraubten Volkes! Ihr würdet vor dem Richter stuhle der Geschichte diesen Selbstmord nicht verantworten können! Haltet an diesem Rettungsanker fest! In hoc signo vincemus! Dr. L. Kahn. bie Ostafrika-Expedition. V. Bericht über die Arbeit der Zionistenkommission im Britischen Ostafrika. Von Alfred Kaiser, Arbon. (Aus dem Englischen übersetzt.) Es ist möglich, aber nicht sicher, dass mit der Einführung europäischer und australischer Schafe auf dem Guasso-Ngisehu-Plateau ein Erfolg zu erzielen ist. Als Wollschaf würde sieh dann wohl eine Kreuzung von Merino und Fettschwanzschaf am besten eignen. Sie liefert gewöhnlich eine gute Wolle und schliesst den Vorteil in sich, dass durch Partizipierung einer einheimischen Rasse der Degeneration entgegengesteuert wird. Ein grosses Hindernis der Wollschafzucht liegt aber in dem häufigen Vorkommen klettenartiger Gewächse, deren Früchte sich in der Wolle verhaken und diese im höchsten Grade verunreinigen. Auch setzt die Wollschafzucht die Einrichtung von Wollwäschereien. Kerzen-, Seifen- und Deckenfabriken voraus, denn überall, wo Schafzucht betrieben wiwl, zeigt es sich, dass diese zurückgeht, wenn sie nicht mit Wollverarbeit ungsfabriken an Ort und Stelle in Verbindung steht lieber Ziegenzucht ist kaum etwas zu sagen, da diese auf dem Guasso-Ngischu-Plateau ohne Schwierigkeiten natürlich überall eingeführt werden könnte. Die Ziegen kämen aber nur in beziig auf ihre Häute als Handel stiere in Betracht, im übrigen wären sie als Nutztiere für den eigenen Gebrauch der Siedler zu betrachten und könnten durch ihren relativ hohen Milchertrag zu einem wichtigen Faktor der Nahrungsinittelfrage sich entwickeln. An einen Export von Ziegen als Schlachtvieh ist bei der grossen Entfernung von bedeutenderen Ortschaften niemals zu denken. In Nairobi z. B. bezahlt man für eine Ziege nur 8 Annas und an anderen Orten längs der Ugandabahnwohl noch weniger. Sehr gesucht sind hingegen die Ziegenfelle, die im Ausfuhrhandel von Britisch-Ostafrika schon eine ziemlieh grosse Rolle spielen. Sie werden gegenwärtig in Nairobi mit zirka 16—20 sli pro 20 Stück gekauft und könnten wohl mit Yorteil im Lande selbst weiter aufbereitet werden. Den grössten Nutzen könnten die Ziegen indessen als Milchtiere zur Zeit der Dürre und des Futtermangels bringen. Wenn die Rinderherden dann ihren jungen Nachwuchs kaum zu nähren imstande sind und der Farmer infolgedessen auf den Bezug von Kuhmilch verzichten muss, liefern die Ziegen immer noch etwas Milch für seinen Haushalt. Ihre Zucht eignet sich auch für Handwerker und Händler, die zwischen den Farmen sich niederlassen und mit einer Kleinwirtschaft sich zu beschäftigen wünschen. Sie erfordert fast gar keine Pflege, kann auf den magersten Weideplätzen betrieben werden und wirft den verhältnismässig höchsten Ertrag ab. Eine sehr lohnende Einnahmequelle für den Guasso- Ngischu-Farmer kann die Eselzuclit werden. Sie findet ihre Existenzbedingungen auf dem ganzen1 Hochlande und hat den Vorteil, dass die Massai-Escl als sehr widerstandsfähige, den Terrain-, Klima- und (vcsundheitsverhültnissen angepasste Lasttiere überall sehr gesucht und gut bezahlt sind. Sie werden um so gesuchter, als der Ugandabahnbau allmählich entferntere Zonen ersehlicsst und der Esel als Warentransportier eine innner weitere und häufigere .Verwendung findet. Die Wichtigkeit der Eselzuclit scheinen auch die Buren am Ennol-Mossigioi verstanden zu haben, denn sie hatten auf ihrer Farm ebenso viele Esel als Kinder. Auch die Strausszueht darf nicht vergessen werden, obschon ich ihr keinen grossen materiellen Wert beilege.