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Die Welt · 1905-07-07 · 27 (7.7.1905) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 „bf* # weit" Nr. 27 und auf diesem Areale die doppelte und dreifach« Zahl von Tieren unterbringen. In guten Jahren können dann auch jene Salzleckengebiete zur Bewirtschaftung kommen, die unt*r dem System einer Bodenparzellierung und Einzelwirtschaft niemals zur Nutzanwendung gezogen würden. Einer solchen auf dem Genossen Schaftsprinzip aufgebauten Viehzucht fällt dann aber der Charakter des Unsesshaften und des Nomadentums zu, doch sehen wir bei den Massai, dass jenes Wanderleben nicht jene volkssehädigcnden Faktoren in sieh sehliesst, die wir ihm zuzurechnen gewöhnt sind. Auch das Vieh hat darunter nicht zu leiden, denn es fühlt sich dabei vollkommen wohl und wird durch dieses System, noch besser vor verheerenden Seuchen geschützt, als wenn es durch Absperningsmassregeln in engsten Eäinnen isoliert wird. Wenn es sich nicht um die Flucht vor Viehseuchen handelt oder kriegerische Ereignisse die Massai zu Eilmärschen drängen, so geht die Wanderung dieser Hirten eigentlich sehr langsam und mühelos vonstatten. Am frühen Mbrgcn worden die Kühe und Ochsen vom alten Lagerplatz getrieben, dann folgt das Kleinvieh und zuletzt die jungen und kranken Tiere, die unter der Aufsicht von Weibern, Kindern und alten Mannern eine besondere Pflege geniessen und, am neuen Lagerplatz angekommen, durch die inzwischen wieder gestärkten älteren Tiere und eingesammelte Futtervorrate in bessere Kondition gebracht werden. Nach einem oder zwei Marsch tagen ist die Wanderung gewöhnlich beendet oder sie findet dann durch eine kürzere oder grössere Rast eine Unterbrechung. Um auf den neuen Lagerplätzen den Tieren möglichst grosse Weideflächen zu bieten, werden die Herden in einzelne Abteilungen aufgelöst und jede für sich von besonderen Hirten beaufsichtigt. Auf diese Weise bleibt das Viel] immer sehr gut gepflegt und überwacht. Die Rind'e-r und Esel runden sich in ihren Körper formen, die Zebus legen sich mächtige Fetthöcker an und auch die Fettschwanz- und Fettsteisssehafe entwickeln solche Beservestoffahlagcrungen, die sie zur Zeit des Futtermangels, d. h. in den Wintermonaten, vor allzu grossem Hunger schützen. Die kleinen Ziegen sind so bedürfnislos, dass "sie in den trockenen Steppen und in den weidelandarmen Waldgebieten noch ihren Lebensunterhalt finden. Dieses Wandern ist nur dann mit grossen Strapazen verbunden, wenn der Viehstand durch eine Seuche dezimiert wird und die M'assai dann in wilder Flucht die Beste ihrer Herden auf weitentfernte Gründe zu treiben versuchen. Dann leiden die von der Seuche verschonten Tiere an Hunger und Entkräftung und g#hen zu bundorten an den Strapazen des Marsches zugrunde. Einem solchen Schicksale könnten die Herden einer gut geleiteten und verständnisvollen Genossenschaft aber entgehen, indem man die von der Krankheit "befallenen Tiere rechtzeitig aus der Herde entfernte und durch prophylaktische Impfungen den Viehstand zu immunisiren versuchte. Die Massai kennen Isolierung und Impf verfahren noch viel zu wenig, als dass ihre Viehzuehhnethode in dieser Beziehung nicht noch reichlicheren Verbesserungen zugänglich wäre, und wenn die Neusiedler aus einem noch nicht durchKonservatismus in bestimmte, aber falsche Wege geleiteten Hirtenvolke sich rekrutieren, so ist von ihnen am ehesten zu erwarten, dass sie diese Vieh- Schutzmassregeln annehmen und sich zunutze machen. Viehzuchtgenossenschaften schliessen auch noch den grossen Vorteil einer rationellen Bassenzüchtung in sich. Die Massai kennen diese künstliche Selektion zwar, doch wi iden sie in der Ausübung derselben immer wieder durch Neben umstände verhindert. Wenn unter ihrem Grossviehbes! aride auch das schöne Zebu die vorherrschende Basse bildet, so findet man daneben doch noch alle möglichen anderen Binderschläge, das kurzhörnige Kilimandscharorind, das gepantherte Sudahrind und das Kawirondorincl Selbst das Zebu ist nicht rassenrein und in allen Mischformen vorhanden. Auch bei Schafen und Ziegen sind verschiedene Bassen und Miisehrassen vertreten und sogar die Esel sind in keinem gleichartigen Typus ausgebildet. Die Ursache dieser Viel- und Mli seh rassigkeit liegt darin, dass die Massai oft durch Viehseuchen ihren ganzen Herdenbestand verlieren und das neue Zuchtvieh dann hei allen möglichen Nachbarvölkern zusammenrauben. Dieser Umstand fällt bei einer Neusiedlergenossenschaft aber vollständig ausser Betracht, denn, wie bereits angedeutet, wäre diese eher imstande, ihr Vieh vor Seuchen zu schützen, und eine Zuführung fremder Viehrassen würde bei ihr nur dann stattfinden, wenn es sich um Einführung eines neuen, für die Guasso-Ngischu-Verhältnisse geeigneten Schlages handelte. Hierbei ist aber zu beachten, dass das gewöhnliche typische Massaivieh sich am besten für diese Verhältnisse eignet und die Einführung von fremden Viohrassen nicht mir eine sehr kostspielige, sondern oft auch eine sehr gefährliche ist. Tiere ans der Niederung gehen in dem härteren Hochlandklima gewöhnlich an Erkältungen zugrunde. Sie sind, soweit es sieh nm oftafrikanische Bassen handelt, weder fleisch reich er noch bessere MHchlieferanten als das Massaivieh und wenn man hier Wollschafe einfuhren wollte, so hat man zu bedenken, dass die Langhaarigkeit nur eine Anpassung an das Klima ist und trotz der sorgfältigsten Selektion wohl nach wenigen Generationen sich verlieren wird. Der Milchertrag der besten ostafrikanischen Einderrasse dürfte 3 Liter im Mittel nie übertreffen und irn allgemeinen dem der eingeführten nicht viel nachstehen. Von europäischen Bindern, die man nach Ostafrika verpflanzt hat, kennt man nur ausnahmsweise einen Milchertrag von 7—8 Litern pro Tag, gewöhnlich aber gaben diese Tiere, die in Europa sonst 10—12 Liter Milch lieferten, hier nur noch 3—4 Liter, also nicht viel mehr als eine gute afrikanische M)ilchkuh. Eine Aussaat von europäischen Futterkräutern zwischen das Steppengras des Guasso-Ngisclm-Hochlandes dürfte wohl ganz erfolglos sein, da für solche Kräuter der Bod*en ein viel zu wasserarmer und das Klima ein Adel zu trockenes ist. Nur an einzelnen Stellen, wo Bewässerung möglich und durch die Nähe eines Waldes oder eines grösseren Flusslaufes die Luftfeuchtigkeit eine etwas gesteigerte wäre, könnte eine Aussaat von europäischem Klee oder von Luzerne stattfinden. An solchen Orten wird man aber mit denselben Erfolgen auch eine Verbesserung des Weide grün des durch Zwischen saat afrikanischerHochgebirgsklecarten vornehmen und auf diese Weise auch den "Milchertrag und den Fettansatz des einheimischen Massaiviehes um ein Merkliches steigern können. Der Seetransport' europäischer Kinder nach Mombassa ist ein sehr kostspieliger, nicht nur wegen der sehr hohen Frachtspesen und der Erhöhung derselben durch die ITeberfahrtspesen eines Begleiters, sondern namentlich auch wegen der Verluste durch Krankheit. Die Ueberführung eines Bind es von Triest nach Mombassa kostet exklusive Futter und Pflege 4 Pfd. St. und der Transport von der Küste zum Guasso-Ngisehu-Plateau zum m i n desten eben so viel. Wir hatten bei unserer Hinfahrt nach Mtombassa zwei solche]* Rinder an Bord u-nd trotz der verhältnismässig sehr rulligen und kühlen Fahrt waren diese Rinder im Roten Meere schon so heruntergekommen, dass man sie dort schlachten musste. Bisherige Versuche mit der Einführung europäischer Rinderrassen in Britisch-Ostafrika beschränken sich auf nur einige Stück Vieh, die zu Kreuzungszwecken hierhergebracht wurden. Auf der unfern der Naiwaschastation gelegenen Versuchsfarm Mftrendat hat das Gouvernement Hereford-, Shorthorn-, Polled Angtis-, Avrshire- und Gucrsneybiillcn eingeführt, mit diesen aber noch keine grossen Resultate erzielt, da der erste Rindertransport im Jahre 1903 stattfand- und man von den Nachfolgern dieser

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