Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 27 (7.7.1905)
- Date
- 1905-07-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316160--47029-3341903- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 „bie # wtir Nr. 27 ren Märzregen, die sogenannten Ol-Dumeret, nnd gehen dann im April, wenn an der Küste die Südwest-Monsume ihre Dunstwasser daherwälzen, in die sog. Ol-Ari oder En- Goqua über, die grosse Regenzeit, in welcher alle Grasfluren grünen und das Jungvieh seine Kräfte sammelt. Dann kommt die Airodjerod-Periode, eine kühlere Zeit mit weniger Xiederschlägen um! etwa im Juli beginnend. Sie dauert bis zum Einsetzen der Xordost-Monsune und geht Ende des Jahres dann in die heisse, regenarme Ol-Möu- Zeit über, die ihrerseits wieder bis zum März dauert und wegen ihrer Dürre und dadurch bedingten Futter- und Milcharmut der Schrecken aller Viehzüchter ist. Da wir in der Ol-Möu-Periode reisten, wurden wir nur ausnahmsweise von kurzen und belanglosen Regenschauern überrasch! und ich konnte daher keine Regen messungen vornehmen. Da aber die Regenmengen von Ravine bekannt sind und diese Station selbst ein zum mindesten so grosses Mass von Xiederschlägen erhalten wird, wie das Elgeyo-Escarpment, so darf man wohl annehmen, dass selbst die regenreichsten Gebiete unseres Hochlandes nicht über 50 Zoll Niederschläge erhalten werden, das Grasland aber um, ein Bedeutendes weniger. Fünfzig Zoll Xiedersehlagswasser bedeutet andernorts die Grenze, wo Viehzucht und Ackerbau schon ohne künstliche Bewässerung betrieben werden können. Ein niedrigeresMass hingegen, wie es für dasGrasland inBetracht kommen muss, bedeutet ein Niveau, wo Ackerbau und A7iehzucht ohne Zuhilfenahme von Bewässerungsanlagen überall sehr unsicher sind. Wir dürfen in Anbetracht der ungünstigen Windverhältnisse und der schon stark entwaldeten Flächen, dem Guasso-Xgischu-Plateau daher auch in Hinsicht seiner X"icdorschlags.m engen kein unbedingtes "Vertrauen entgegenbringen und so lange hier noch keine praktischen Resultate erzielt wurden, ist vor einer allzu intensiven Besiedlung dieses Hochlandes sehr zu warnen. SAXITÄRE VERHÄLTNISSE. In hygienischer Beziehung ist das Guasso-Xgisehu- Platoau im Vergleich zu dem benachbarten Viktoriaseegebiete äusserst günstig gestellt. Es darf selbst dem gesunden Kikuyulande vorgezogen werden und im 'Vergleiche zu küstennäheren Kulturgebieten oder der heissen Grabentalehene kann es .als ein Dorado bezeichnet werden. Wer wollte in dieser staub- und bakterienfreien Höhenluft, bei diesen durchschnittlich niederen Temperaturgraden, bei dieser Lichtfülle und bei dieser nervenerhalteiKlen Abgeschlossenheit sich nicht wohl fühlen? Die vielerlei körperliche Bewegung, die ein Siedlerleben hier voraussetzt, müsste als ein konservierender Faktor der privaten Individual- und Bassenhygiene betrachtet werden. Die ununterbrochen über das Plateau hinwogströmende Atmosphäre ersetzt sich durch neue im trockenen Grabentale. miasmenfrei gemachte Luftmassen. Die dünngesäte, auch bei einem Siedlungsunternohmen, wohl nie zu grossen Mensehenmassen anwachsende Bevölkerung ermöglicht das Uebcrhandnehmen einer allfällig eingeschleppten Seuche nur sehr schwer und die Entstehung jener berüchtigten Infektionsherde, wie die schmutzigen Inderquartiere von Mombassa, Xairobi und anderen ostafrikanischen Städten sie darstellen, käme hier unter einer viehzuchttreibenden Judenbevölkerung wohl niemals in Frage. Die grossen Grasland flächen erscheinen, zur Zeit der Troekenmonate wenigstens, anophelesfrei und werden selbst bei einer stärkeren Besiedlung und einem regeren Verkehre mit den Xa eh bargebieten zu keinen gefürchteten Malariagebieten sich entwickeln. Die Schlafkrankheit, die am Vaktoriasoe gegenwärtig hundorttausondon von Manschen das Leben kostet und nun ihren Verheerungszug nilabwärts weiter fortsetzt, ist so augenscheinlich an das Vorkommen grosser Sumpfgebiete gebunden, dass nicht anzunehmen ist, dieser gefährlichen Krankheit je einmal auf dem trockenen Guasso-Xgischu- Hochlande zu begegnen. Von zirka 40 000 Todesfällen, die im letzten Jahre in Uganda dieser Krankheit zugeschrieben wurden, entfielen nur etwa 200 auf das seeferne In.la.nd, der lx»stc Beweis dafür, dass diese modernste Tropenepidemie an das Vorhandensein einer grossen Wasserfläche gebunden ist und auf den Grasflächen des Territoriums also niemals festen Fuss fassen könnte. Auch die Fest, die sich an den Küsten des Viktoria- Xyanza nie ganz verliert, vor einigen Jahren Xairobi bedrängte und während unseres Aufenthaltes in Kismmi, der Endstation der Eisenbahn, ausbrach, wird auf dem Guasso- Xgischu-1 lochlande ein seltener Gast bleiben, denn, wie bereits angedeutet, werden die Xeusiedler hier ebensowenig wie die Elgeyoleute in grösseren Ortschaften sich zusammendrängen. Chronische Leiden werden wie anderorts im tropischen Afrika gegen akute Krankheiten zurücktreten und da scheint es mir, dass im Territorium akuter Rheumatismus und Lungenentzündung am meisten zu befürchten wären. Zu einer sehr unangenehmen Nebenerscheinung eines Siedlungsunternehmens kann die Einführung und die rasche Vermehrung des Sandflohes gerechnet werden. Dieses aus .Amerika stammende, in das Fleisch der Zehen- und Fingerglieder sich einbohrende Insekt findet sich in grosser Zahl schon in Kawirondo und im Grabentalc und es hat sich längs der Verkehrswege bereits bis zur Ostküste des afrikanischen Kontinentes weiter verbreitet. Es ist ein sehr lästiges Ungeziefer und kann kaum, mehr vertrieben werden, wenn es an einem Orte einmal aufgetreten ist. Für den Viehstand, der Siedler kämen wohl sehr mannigfaltige Krankheiten in Frage. Die Guasso-Xgischu-Massai erzählten mir von der Rinderpest, Ol-Lotoa, die früher ihre Herden heimsuchte und einst ihren ganzen Viehstand vernichtete. Zur Zeit der grossen liegen soll auch eine Kälberseuche, Ol-Digana, im westlichen Teile des Hochlandes auftreten und namentlich in Kawirondo grosse Verheerungen anrichten. Auf der Sirgoi-Ebene hätte das Jungvieh der Rinderherden unter einer Hautkrankheit, En-Gamonjani, zu leiden und in den Waldgebieten seien Klauenfäulnis, En-Gjalan, und. Erkrankungen der Atmungsorgane sehr häufig. Auch Lungenseuche, „Ol-Gibioi", und eine Engon genannte Lymphdrüsenerkrankung seien nicht selten. Dazu gesellen sich die Fliegen- und Zeckenplagen, die gegenwärtig, solange das Hochland nicht von Viehherden bewohnt ist, allerdings nicht in den Vordergrund treten, sofort aber sich entwickeln werden, wenn die ersten viehhaltenden Siedler auf das Plateau kommen. Das Guasso-Ngischu-Hochland ist also nur in Hinsicht auf den Mensehen als ein gesundes Gebiet zu erklären, in bezug auf die sanitäre Lage der Viehzucht aber darf man es nicht höher einschätzen als andere tse-tse-freie Gebietsteile des afrikanischen Festlandes und wenn man erst noch in Betracht zieht, dass die umliegenden Nachbarländer Kawirondo und das Rift-Valley so häufig von Viehsuchen heimgesucht werden, so wird man wohl mit Recht auch an den Erfolgen der Viehzucht einige Zweifel aufkommen lassen. VIEHZUCHT. Da das Guasso-Xgischu-Plateau von einem ausschliesslich viehzuchttreibenden Xomadenstamme bevölkert war, also schon praktische Versuche vorliegen, so sind die Aussichten der Viehzucht hier besser abzuschätzen, als diejenigen des Ackerbaues. Es kommt nur darauf an, diesen Erwerbszweig auch dem Xeusiedler dieses Landes zugänglich zu machen und die hier oder in ähnlichen Gebieten gesammelten. Erfahrungen mit unseren modernen Ansichten und Bestrebungen in Einklang zu bringen. Schon der ackerbau-