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Die Welt · 1905-07-07 · 27 (7.7.1905) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 27 „biS # Welt" Seite 5 Die niedrigsten, jeweilen um G Uhr morgens abgelesenen Nachttemperaturen, die ich auf meiner letalen Beise zu beobachten Gelegenheit hatte, sind folgende : go Celsius am 14. FeLruar 1905 bei {040 in Seeh 4*5° „ n 17. Tl 1905 r 1700 w , 4 o0 » «3. n 1905 „ iü70 » «, 5-250 „ 4. n 1905 „ 2£00 n 5-50 s n 11. Jänuer 19U5 n 2070 fl n 5-60 „ » Öl. 1905 n n n L-ÖO s 1. Februar 19U5 t» 2b«ü n i» 6-ü« „ 12. B H-05 207o i n 6-0« » J» 15. » 1905 n 1K20 n Wenn wir diese Temperaturskalen übersehen, so fällt uns sofort die hohe Differenz zwischen Tag- und Xachtablesungen in die Augen. Sie sind in dieser Grösse weder für den Menschen noch für die Tier- und Pflanzenwelt sehr günstig und sie haben hauptsächlich auf solche Organismen eine schädliche Wirkung, die aus milden Tieflandzonen in. dieses Milieu versetzt werden. Der Mensch kann sich vor diesem ungünstigen Temperaturwechsel noch am besten schützen, denn es stehen ihm ja 'Wohnhaus und Kleider zur Verfügung. Die niederen Morgen- und Nachttemperaturen werden auf gewisse Ansiedler sogar eine günstige Einwirkung haben, ihre Arbeitskraft und Arbeitslust erhalten und das durch die Mittagshitze gesteigerte Ruhebedürfiiis zu paralysieren imstande sein. Ganz anders aber liegt diese Sache bei den Haustieren, im besonderen den Viehherden, die bei einer intensiv betriebenen. Zucht nicht so gut vor Erkältungen geschützt werden können. Auf dem Kiluiyu-Tlateau, wo ähnliehe Teniperaturwechsel vorkommen, nehmen die ackerbautreibenden Eingeborenen ihr weniges Jungvieh in die feuererwärmten Strohhütten und schützen es auf diese Weise vor den mit Jiecht da sehr gefürchteten Erkältungen. Auf dem Guasso-Xgischu-Plateau, wo Viehzucht die Hauptbeschäf ligung der Siedler darstel len sollte, könnte1 man dieses Schutzverfahren aber kaum einführen, denn die Herden wären zu zahlreich und der Erennholzmangel mancherorts ein viel zu grosser, als dass das Jungvieh und schwächliche Tiere bei kaltem Wetter in geheizten Räumen untergebrachtwerden, könnten. Grosse Denzen, in welche der ganze Yiehsland des Abends eingetrieben werden könnte und in welchem die Tiere sich gegenseitig erwärmten, haben die Nachteile einer leichten Infektionsgefahr und begünstigen das lTeberhandnehme]i der in den Steppen so zahlreich vertretenen und für das Vieh so äusserst lästigen Zecken. ■Die niedere Temperatur von 4,5° G., die ich selbst bei einer Seehöhe von nur 1700 m beobachtet habe, spricht wohl dafür, dass ähnliche und noch tiefere Tempera tu i grade über das ganze Plateau hin vorkommen und die Maximaltemperatur von 28/>° 0. bei 2380 m Seehöhe deutet darauf hin, dass im mittleren und westlichen Teile des Hochlandes die Temperaturen noch um ein Bedeutendes über dieses Miass hinaus steigen werden. Diese Extreme sind namentlich für die Ivulturgewäehse sehr wichtig, denn diese kann man weder vor Kälte noch vor Hitze schützen und ein starker Temperaturwechsel ist für sie noch schädlicher als für die bewegungsfähige Tierwelt, ich glaube daher nicht, dass die Temperaturverhältnisse des Giiasso-Ngischu-Plateaus so günstige sind, wie sie auf den ersten Blick hin erscheinen und namentlich dem Gemüte des tropejnmüden Besuchers sich offenbaren mögen. Die Insolationswerte, also die direkte Wärmewirkung der Sonnenstrahlen auf eine in luftleerem Räume sich befindende, schwarzger'ärbtc Quocksi Iberkugel, schwankten auf dem (hiasso-NTgischu-Hochlande zwischen 42,(> und' 52,5° G. Sie sind bedingt durch die Absorptionsstärke der Atmosphäre, resp. durch das Vorhandensein eines grösseren oder geringeren Prozentsatzes von Luftfeuchtigkeit; während der Trockenzeit auch durch die Rauchwolken der Savannenbiände, die in der Luft sich verteilen und oft die Sonne verdunkeln. Wie es sich aus meinen Beobachtungen ergibt, so ist die Insolation nicht so gross, dass sie unter normalen. Begleitumständen eine Gefahr für Menschen und Tiere bilden könnte. Eine pathologische Einwirkung auf den Menschen ist umso eher ausgeschlossen, als der Ansiedler hier viel weniger unter Blutarmut zu leiden haben wird, als in den tiefer gelegenen Tropenge bieten, wo die Malaria mit der sie begleitenden Anämie der schädigenden Einwirkung der Sonnenstrahlen einen so grossen Vorschub leistet. Die Insolation wird aber bei der Kultur von manchen Xutzgewächsen ihren schädigenden Einfluss zur Geltung bringen. Die grosse Lichtfülle erfordert einen genügenden Schutz der jungen Pflänzlinge und wird zur raschen Blütenbildung, zur unerwünschten Vcrschinälerung und Verdickung der Blätter und zur frühzeitigen Verästelung der Stammgebilde Veranlassung gehen. Eine solche Einwirkung wäre z. B. sehr ungünstig beim Getreide- und Tabakbau, bei der Anpflanzung von Fasergewächsen und Ivautschukbäumen. Der höchste relative Gehalt an Luftfeuchtigkeit entfällt nach meinen Beobachtungen immer auf die .Morgenstunden, das mittlere Mass auf den Abend und die geringste Menge auf die Mittagszeit. Die höheren Luftfeuehtigkeitsgrade entfallen auf die östliche Hochlandszone, die geringeren Grade hingegen auf das Grasland, das nur in den Flussniederungen, wie z. B. am Nzoia, ein grösseres Mass von Luttfeuchtigkeit aufweist. Die Beobachtungen stimmen auch mit der YVolken- und Xebelbildung überein, die man jeden Morgen über den Elgeyohöhen, am Koquallal- und Elgongebirge verfolgen kann. Dort wird der Ueberschuss der durch den. AValdwuchs erhöhten Luftfeuchtigkeit zu weissen Nebelschleiern und zu schwarzen Gewitterwolken konzentriert. Die W,olken werden hie und da über die Waldzone hinaus nach dem Graslands verweht, doch kommt es hier nur während der .Regenzeit zu häufigen Niederschlägen, meist aber ziehen sich diese Dunstmassen wieder auf die bewaldeten Berghohen, ihre l."r- •■.prungsorte zurück. Dass aber selbst hier nur ein geringes Mass der von der Luft abgegebenen Feuchtigkeit dem Pflanzenwuehse zugute kommt, ersehen wir in dem Vorherrschen der schmalblättrigen Podokarpus- und Wachhohlerbäumo, in dem Zurücktreten der hygrophilen, mit Träufelblättern und Verdunstungsorganen versehenen Gewächstypen und im Vorkommen so vieler Trockenheit liebender Pflanzenformen. Ein grosser Teil der NTiedersehlagswasser wird durch die fortwährend starken Windströmungen wieder aufgesogen und kann auf die Entwicklnnoder Pflanzenwelt O O ~ daher keinen fördernden Einfluss ausüben. Dieser Einstand wird auch die Erfolge des Ackerbaues in hohem Masse beeinträchtigen. Durch das Ausschlagen des Waldes wird den Luftströmungen freierer Weg geschaffen und wo letztere dann auf eine grössere Ackerfläche treffen, werden sie diese ihrer empfangenen Feuchtigkeit berauben und den hier angepflanzte]! Nutzgewächsen nur ein sehr kümmerliches Dasein gestatten. Nirgends mehr wie auf d.em Guasso-Ngisohulloehlande kann ein starker Waldschlag die Verwüstung des Landes herbeiführen und man müsste beim Aussuchen yon Kulturflächen daher sehr darauf bedacht sein, dass Windschutz gewährende Wälder in der Umgebung sich finden und diese im Interesse des Ackerbaues aufs sorgfältigste gepflegt und erhalten blieben. Das Koquallalgebirge und der nördliche Teil des Elgeyo-Esearpment sind heute schon zum grossen Teil entwaldet und es wäre daher ein wichtiger Punkt, die südlichen Elgeyogebiete durch zweckentsprechende Forstwirtschaftsverordnungen für die in Aussicht genommenen Siedler zu erhalten. Die liegenzeiten des Guasso-Xgischu-Hochlandes sind weniger scharf ausgeprägt als in anderen Aequatorialgebieten. Sie beginnen mit schwachen und nicht sehr siehe-

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