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Die Welt · 1905-07-07 · 27 (7.7.1905) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
27 (7.7.1905)
Date
1905-07-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 „bie s> weit" Nr. 27 oberflächlichen Ablauf finden würde. Für die meisten Pflanzungen wäre es ferner Tan grossem Nachteile, dass diese Roterde in steter TJmlagerung sich befindet. Von einem Punkte ans sieht man oft zu hunderttausenden die oft zwei Meter breiten und fast meterhohen Erdhaufen von Erdferkeln, die aus den1 fuchsganggrossen Höhlen von diesen Tieren an das Tageslicht befördert wurden. Maneheroris sind diese Erdhaufen kaum meterweit voneinander entfernt und man kann annehmen, dass an solchen Stellen, die oft hunderte von Acres einnehmen, ein Drittel der Ackerfläche alljährlich von Erdferkeln mit solchen Minierprodukte 1überschüttet wird. Da ich die Tiere während der Trockenheit nie beobachtet habe, müssen sie ihre Arbeit während der Eegenzeit ausführen, was aber für den Landwirt um so ungünstiger sein wird, als dann gerade die junge Saat spriesst und die Keimlinge durch das aufgeschüttete Erdreich erstickt oder dann bei der Minierarbeit ausgescharrt werden. Dem Graswuchse schadet eine derartige Einlagerung seines Untergrundes weniger^ und die intensive Durcharbeitung des Bodens wird auf die oberflächlich wurzelnden und durch die Aufsehüttungsdeeke 'sich sehr leicht bahnbrechenden Gräser nur einen günstigen Einfluss haben. Infolgedessen haben diese Erdferkelarbeiteii für die Viehzucht eher einen fördernden als einen schädlichen Einfluss. Die Laterit- und Kaolinböden, die wir namentlich in den mittleren Teilen des Guasso-Ngisehu-Hochlandes angetroffen haben, sind sehr schlechte Ackerböden, weil sie teils immer verhärtet, teils in der Trockenzeit wenigstens von steinharten Krusten überlagert sind. Wie die Koterde, sind sie meist arm an humösen Beimengungen, oft auch durch Stdze so verschlechtert, dass sie nur für die Viehzucht als Srilzleken einen Wert haben, für den Ackerbau aber ganz unbrauchbar sind. Bergbauliche Schätze haben sich auf dem Guasso- Ngischu-Plateau bis jetzt noch keine nachweisen lassen. Das Vorkommen von Kohlen ist hier gänzlich ausgeschlossen und wenn irgendwo ein Erz Vorkommnis zu erhoffen ist, so wäre das im westlichen und mittleren Teile des Hochlandes, wo die kristallinen Grundsteine zutage treten und die mächtiger. Quarzeinlagerungen sich vorfinden. Ich habe hier sehr sorgfältig nach Erzen gesucht und namentlich auf Gold und Kupfer gefahndet, nie aber auch nur'eine Spur davon entdecken können. WASSERLÄUFE ALS INDUSTRIELLE KRAFT¬ QUELLEN. Die Flussläufe des Guasso-Ngisehu-Hochlandes sind für eine Ausnützung ihrer Wasserkräfte nur wenig geeignet. Es gibt sehr wenig Flüsse im Lande und es kam mir öfters vor, dass ich 4—7 Stunden zu marschieren hatte, um von einem wasserführenden Talbette in das nächstgelegene andere zu gelangen. Dabei ist das Gefälle von der Rampe des Eiegeyo- Escarpment bis zu den tiefsten Stellen im Westen des Plateaus kein sehr bedeutendes. Nach meinen eigenen Höhenmessimgen überschreitet es im allgemeinen 1500 m nicht, und da die oberirdisch ablaufenden Gewässer einen AVeg von 100—140 km zurückzulegen haben, ergibt sich für sie ein Gefälle von 1—1,5%. Die Wasserfälle dieser Flussläufe haben im Maximum eine Breite von 20 m und in der Regel sind die Gewässer weniger als metertief (in der Trockenzeit!). Die Nzoia, welche den Haupt fluss des Guasso-Ngisehu-Hochlandes darstellt und deren Verlauf ich bis in die Nähe ihres Austrittes aus dem Territorium, verfolgt habe, hat an der breitesten von mir beobachteten Stelle, unterhalb der Einmündung des Ologeru, nur eine Breite von zirka 15 m. Sie bildet hier zwar viele Wasserbecken, in denen ich schon bis zu 7 Flusspferde beobachtet habe und die also eine ziemlieh grosse Erweiterung des Talbeckens darstellten. Da, wo die Nzoia aber über Schnellen hinwegfloss und also eine etwas bedeutendere Stromschnelligkeit hatte, war sie nur metertief und in ihrem breitesten Strombande zirka 2 m breit. Eine Tagereise oberhalb der Ologeru-Mündung hat der Fluss nur 4—5 m Breite bei 0,5 m Tiefe und 36 m Stromgeschwindigkeit pro Minute. Am Koquallalgebirge war sie ebenfalls 4 m breit und hatte bei derselben Geschwindigkeit eine Tiefe von 1 m. Sie führte hier also noch mehr Wasser als in ihrem Unterlaufe. Die Ursache dieses Missverhältnisses liegt natürlich in der starken Wasserabgabe durch Verdunstung und Infiltration und in dem Umstände, dass auf dem langen WTege vom Koquallalgebirge bis zur Clogeru- Mündung während der Trockenheit keine einzige belangreiche Wasserader in den Fluss einmündet. Der Kubkong, den ich eine Tagereise nordwestlich des Sirgoiberges kreuzte, war an jener Stelle nur 3 m breit und 60 cm tief. Der Elgorini, den ich bei der Burenfarm mass, hatte hier nur 6—3 m breite und 30—100 cm Tiefe. Weiter westlich, an. den Eldalatbergen, wo er den Massai-Namen Nollossegelli führt, hatte er 15 m Breite. Der Eneiberi ist zirka 8—15 Meter breit und 30—20 Zentimeter tief. Die Flüsse im südlichsten Teil des Territoriums, den Walerie und Leosos, sah ich leider nicht, doch nehme ich an, dass sie nicht sehr bedeutend sind, da der Yalu, der diese beiden Flüsse in sich aufnimmt, und den ich auf meiner früheren Reise durchquert habe, in Kawirondo nur 30 m Breite und 1 m Tiefe aufweist. Es ist selbstverständlich, dass an diesen Flüssen, die zur Regenzeit sehr plötzlich anschwellen und nachher dann wieder fast eintrocknen, der Betrieb von Wasserturbinen grossen Störungen ausgesetzt wäre. Man wird in ihnen daher nur einen sehr geringen industriellen Nutzwert entdecken, und wenn an der einen oder anderen Stelle die Nutzkraft auch eine etwas bedeutendere wäre, so käme als zweite wichtige Frage in Betracht, ob Mühlen- oder Sägewerke, um die allein es sich handeln könnte, hier auch Aussichten auf einen genügenden und billigen Rohmaterialienbezug haben würden. KLIMATISCHE VERHÄLTNISSE. Das Klima des Guasso-Ngisehu-Hochlandes iot sehr verschieden zu beurteilen, je nachdem man seine Einflüsse auf das Wohlbefinden des Menschen und seiner Nutztiere oder auf die mit dem Menschen in Symbiose lebenden Pflanzen übertragen denkt. Wir haben auf unserer Expedition eine Reihe meteorologischer Beobachtungen angestellt, um über die klimatischen Verhältnisse einige in Zahlen ausgedrückte Anhaltspunkte liefern zu können. Soweit es anging, habe auch ich solche Beobachtungen gemacht, und zwar sowohl auf meiner ersten, in den Jahren 1896/97 ausgeführten Reise als auch auf der letzten Expedition. Es ist aber sehr schwierig, auf solchen Reisen eine zusammenhängende Reihe gut verwertbarer Beobachtungen anzustellen, denn erstens wechselt man sehr oft den Beobachtungsort und zweitens kann man während des Marsches auch nicht immer die gleichen Beobachtungszeiten einhalten. Ferner ist es sogar im Lager nicht immer möglich, die Instrumente so aufzustellen, dass sie den ganzen Tag am Schatten und zugleich auch in freibewegter Luft sich befinden. Eine genaue Feststellung der Klimaverhältnisse lässt sich nur dann erzielen, wenn eigene meteorologische Stationen errichtet sind und die Resultate langjähriger Beobachtungen dem Beurteiler zur Verfügung stehen. Ich will aber dennoch nicht versäumen, die von mir auf dem Guasso-Ngischu-Hochlande gemachten Beobachtungen an dieser Stelle mitzuteilen, wenn ich auch der Ansicht bin, dass pflanzenphysiologische und pflanzenbiologische Beobachtungen in solchen Fällen eher ein richtiges Bild der Klimaverhältnisse zu entwerfen imstande sind.

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