Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 „bi* # weit11 Nr. 26 standen erklären, Sehekelzahler sind und einem zionistischen Verein in Oesterreich angehören." erregt grossen Unwillen. Die Del. Barth (Olmütz) und Dr. Zweig (Wien) erblicken in der Weglassimg des Passus aus § 2 des alten Organisationsstatutes: „Er (der organisierte Zionist) kann nicht zugleich Vereinen angehören, die fremd nation a 1 e oder sonst mit dem Zionismus unvereinbare Tendenzen verfolgen" die Absicht, bei dem wegen vorgerückter Stunde voraussichtlichen Wegfall des Referates „Stellungnahme zur Frage der innerpolitischen Betätigung" die laxe Auffassung der Teplitzer Zionisten in das Parteiprogramm einzuschmuggeln. Vergebens verwies Dr.Krenberger darauf, dass hier ja nur Thesen, nicht der Wortlaut eines Organisationsstatutes vorliegen, vergebens provozierte Dr. Marguli es (Teplitz) den Beschluss, dass die Thesen nur organisatorische, nicht programmatische Bestimmungen enthalten sollen. Nachdem der Antrag, vorerst die innerpolitische Debatte abzuführen, abgelehnt war, beantragte Dr. Zweig, den Tnkompatibilitätspassus der These so lange angefügt zu lassen, bis er auf Grund der innerpolitischen Debatte geändert oder gestrichen werde. Auch dieser Antragwurde unter grosser Erregung bei namentlicher Abstimmung mit 2G (meist böhmischen) gegen 21 Stimmen abgelehnt. Del. Barth wird, weil er den Parteitag als böhmischen bezeichnet und so dessen. Loyalität anzweifelt, zur Ordnung gerufen. Der Sellins? der These I wurde dahin formuliert: „Für diejenigen Zionisten. die einem Lokalvereine nicht angehören, sind den ganzen Distrikt oder einzelne Teile desselben umfassende, dein D.-K. unterstellte S a mm e I v e r e i n e einzurichten." Fast ohne Debatte ging aus These TI durch: „Sämtliche zionistischen Vereine des Distriktes bilden den Distriktsverband mit dem D.-K. als Verbandsausschuss an der Spitze. Die innere Organisation, der Distrikte ist im Kähmen der vom Statute festgesetzten Prinzipien vom Distriktstage zu bestimmen." Hingegen regte sich die Opposition gegen den folgenden Passus: „Die an das A.-K. nicht abzuführende Schekelquote sowie die ganze Verbandssteuer seines Distriktes erhält das 1>.-I\. Doch niuss dasselbe einen vom Zionistentage festzusetzenden Beitrag jährlich an das L.-K. entrichten. Erst nach Entrichtung erhält das D.-K. Sehekelblocks." Bisher hatten die D.-Ks. mir als Inkassostellen des L.-K. gegolten, das ihnen einen bestimmten, vom Zionistentage fixierten Prozentsatz überliess. Dr. Kahn und Doktor Zweig wenden sich hier vergebens gegen die aus dem ganzen Thesenvorschlag erhellende Absicht, durch volle Autonomie der Distrikte die Zentrale mit ihrer einigenden Autorität zur Bedeutungslosigkeit herabziul rücken. Die These II wird angenommen. T: * Dr. Wasehitz für das westgal., Dr. Margulies für das innerösterr. und Jul. Löwv für das böhm. D.-K. erklären, das L.-K. nach wie vor als Zentrale anerkennen zu wollen. These TIF wird dahin formuliert: „Womöglich alljährlich, mindestens aber in jedem zweiten Jahre, findet ein Z i o n i s t e n t a g und in Jahren ohne Zionistentag eine L a n d e s k o n f e r e n z, und zwar letztere am Sitze des L.-K. statt. An der Landeskonferenz nehmen teil: a ) mit Sitz und Stimme: die Mitglieder des L.-K., je drei Delegierte der D.-Ks., sowie die österr. Mitglieder des A.-K; b) mit bloss beratender Stimme: die übrigen Mitglieder der D.-Ks." In These IV war beantragt, dass der Sitz des L.-K. erst jeweils vom Zionistentage zu bestimmen sei. Hiergegen wendete 'sich eine ganze Keine, selbst böhmischer Delegierter, wie Bezek, Lebenhart, da hierdurch endloser Zwiespalt heraufbeschworen und die Existenz des statnitenmässig an Wien geknüpften Verbandes „Zion" samt all seinen Verträgen und Privilegien gefährdet werde. Schliesslich wurde folgender Wortlaut akzeptiert: „Der Zionistentag wählt ein 5—7-(früher 12!)gliedriges L.-K. in W i e n, das sich jederzeit durch Kooptation auf die Vollzahl ergänzen kann. Mitglieder des L.-K. und der D.-Ks. können nicht Vorsitzende eines Zionistentages sein. Ein Mitglied des L.-K. kann nicht zugleich Mitglied eines D.-K. sein." Gegenüber allen weiteren Anträgen, die darauf abzielten, dem L.-K. wenigstens einen Teil seiner alten Machtfülle („Das L.-K. leitet und überwacht die gesamte Organisation sowie die prinzipielle Haltung der Parteigenossen und der Parteipresse . . .") zu erhalten, nahm die Mehrheit folgende Fassung an: „Aufgaben des L.-K. sind lediglich: a) Beaufsichtigung der D.-Ks. durch Hinweis auf Kongress- und Zionistentagsbeschlüsse und durch Abforderung von Bechenschaftsberichten, die dreimal jährlich, und von Aufklärungsberichten, die jederzeit zu erstatten sind, weiters Fürsorge für Klärung und Vertiefung der Zionsidee; b) Vertretung der Partei nach aussen; c) Vermittlung des Verkehrs zwischen den D.-Ks. und den Organen, des Kongresses; d) Zentralisierung der Sammlungen für den jüdischen N.-F.; e) Vorbereitung des Zionistentages und der Landeskonferenz; f) Leitung der Kongresswahlen." Debattelos ging der Schluss durch, der jedenfalls auch von Misstrauen gegen das L.-K. erfüllt ist: „Ist ein Distrikt ohne D.-K. oder stellt dieses seine Tätigkeit ein, so hat das L.-K. für diesen Distrikt unverzüglich ein provisorisches D.-K. zur Fortführung der Geschäfte und schleunigsten Einberufung eines eventuell ausserordentlichen Distriktstages einzusetzen. Hauptaufgabe dieses Distriktstages ist die Wahl eines definitven D.-K." Die Vollzugsbestimmungen zu diesen Thesen ordnen an, dass dieselben sogleich in Kraft treten, nur die finanzielle Neuregelung vom. Kongress an. Mit der Ausarbeitung eines detaillierten Organisationsstatutes auf Grund der beschlossenen Thesen wird Dr. Meisel-Prag betraut, dem Dr. Waschitz-Krakau, Dr. Krenberger-Wien und Dr. Margulies-Wien als Berater heigegeben werden-. Die endgültige Fassung des Statutes bleibt der Landeskonferenz, die im Oktober oder November in Wien tagen soll, vorbehalten. In das neue L.-K. werden gewählt: Dr. Sah Krenborger, Isidor Gewitsch, Dr. Schnirer, ISTat. Gross und Doktor E. ML Zweig. Nach einer Abendpause begann um 10 Uhr nachts Dr. Zweig sein Eeferat „Stellungnahme zur Frage der innerpolitischen Betätigung". Er legte dar, eine solche jüd i s c h n a t i o n a 1 e Betätigung widerstreite nicht grundsätzlich dem Baseler Programm, ja sei eine logische "Fortentwicklung der programmäßig genehmigten Gegenwart sarbeit und bei der Unerträglichkeit des heutigen politische]] Zustandcs und bei der Gefährlichkeit der politischen Abstinenz auch für unsere bürgerlichen Kechte sei jene innerpolitische Betätigung unausweichlich trotz der geringe]] Aussicht auf praktische Erfolge. Vorerst sei aber eine gründliehe Vorbereitung bezüglich der Führung, der Gefolgschaft und des Programmes nötig und müsse die Aufrech thaltung des Grundsatzes, wonach die Zugehörigkeit (Mitgliedschaft) zu Vereinen (Parteien;), die fremdnatio-