Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316159--47011-3341884- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
OCR text
Nr, 26 „bl* # W*lt" Seite 13 Anden Nationalfonds werden von Herrn Josef Chasanowicz, den Bne-Brith-Logen sowie von sämtlichen etwa im Besitze von Rechtstiteln auf die Bibliothek Midrasch Abarbanell befindlichen Personen und Institutionen alle Besitzrechte abgetreten, so dass der Nationalfonds der alleinige Besitzer des Grundeigentums, des auf dem Grundstück errichteten Gebäudes und sämtlicher Sammlungem ist. Der Zionistenkongress als der Inhaber des Nationalfonds beauftragt seine Palästinaikomrnission mit der Verwaltung und Ausgestaltung der Jüdischen Nationalbibliothek. Die Palästinakommission erhält Vollmacht, sich mit anderen jüdischen Kulturorganisationen ins Einvernehmen zu setzen, um mit ihnen die Verwaltung und Erweiterung der Nationalbibliothek zu bewerkstelligen. Sie hat Vollmacht, Beiträge zu diesem Zwecke von anderen Organisationen und Einzelpersonen in Empfang zu nehmen und die Verwaltung auf eine gemeinsame Basis zu stellen. Das ausschliessliche Eigentumsrecht des Nationalfonds darf dadurch in keiner Weise angetastet werden. Der Zionistenkongress bewilligt der Palästinakommission zu diesem Unternehmen ein festes jährliches Budget, das für die beiden nächsten Jahre mit je fünftausend Francs angesetzt wird. Der gemeinsame Verwaltungsausschuss (Kuratorium) hat in erster Linie für die fachgemässe Katalogisierung von fachmännischer Seite eine Instruktion auszuarbeiten und zur öffentlichen Diskussion stellen zu lassen. Diese Instruktion s>oll zugleich die Grundlage eines zukünftigen Gesamtkataloges jüdischer Bibliotheken werden und darauf hin angelegt "werden. Das Kuratorium soll ferner für die Ausbildung geeigneten Beamtenmateriales Vorsorge treffen und sofort für die örtliche Sicherung der bisher gesammelten Bücher Sorge tragen. Das Kuratorium stellt die leitenden Grundsätze fest, nach denen die Anschaffung von Büchern erfolgen soll und macht ausserdem Sammelstellen namhaft, die in verschiedenen Ländern Bücher- und Geldspenden entgegennehmen. Der Zionistenkongress schafft die Einrichtung der Ehrenpflichtexemplare, indem er es als Ehrenpflicht voraussetzt, dass von allen jüdischen Schriftstellern, Druckern, Verlegern, Vereinen etc. je ein Exemplar jedes Druckerzeugnisses durch die zuständige Sammelstelle an die Nationalbibliothek abgeführt wird. Von jedem periodischen und Gelegenheitsdruckwerke (Vereinsstatuten, Vereinslieder, Flugblätter, Zeitschriften, Protokolle, Jahresberichte) sind je zwei Exemplare an die Sammelstelle abzuführen. Sämtliche eingehenden Schriften werden in monatlichen Bulletins in einer Beilage zu den zionistischen Zeitungen sämtlciher Länder ausgewiesen mit Angabe des Spenders. Diese gedruckten Zuwachslisten sollen zugleich als Fortführung des Kataloges dauernd 'dienen. In jedes Buch wird vorn ein Exlibris mit Namensangabe des Stifters eingeklebt. Die Bibliothek wird in den Stand gesetzt, sich arn internationalen Schriftenaustausche zu beteiligen. Das Kuratorium setzt alljährlich eine Aufsichtsbehörde ein, die aus Juden in Palästina besteht. Ausserdem hat sie für regelmässige, sachgemässe Revisionen des Bestandes und der Verwaltung Sorge zu tragen. Das Kuratorium ist -durch die Palästhiakonunission dem Zionistenkongresse verantwortlich. („Jüd. Rundsch." Nr. 25.) Heinrich Lo e w c. Vierter zionistischer Parteitag Oesterreichs in Prag am 12, und 13. Juni 1905. (Schluss.) ]>as Triumfvirat Dr. INTordau, Wolffsohn und Prof. Warburg wurde trotz der gegen ISTordau vorgebrachten Bedenken, des Rabbiners Dr. Keach (Kaudnitz) mit Vertrauen und Zuversicht begrüsst. Von den angenommenen Thesen sei no-ch jene hervorgehoben, die den holien Kongress ersucht, die „W e 11" als das Zentralorgan und als eine der ersten Schöpfungen Herzls zu erhalten und zu entwickeln, wenn sie auch nicht gerade in Wien erscheinen müsse, ferner jene, die den hohen Kongress ersucht, für das aktive Wahlrecht woM die einmalige Schekelliste genügen zu lassen, das passive Wahlrecht jedoch an eine Schekelzahlung durch zwei dem Kongress unmittelbar vorausgegangene Jahre zu binden, um so das Eindringen unerprobter Elemente in den Kongress zu erschweren. Schliesslich jene, welche im Interesse einer besseren Kontrolle die österreichischen Wähler verpflichtet, nur österreichische Gesinnungsgenossen zu Kongressdelegierten zu wählen. Um 9 Uhr abends begann im Prachtsaale des Hotel Central der von den Prager Studentenvereinen arrangierte Pestkommer s, an welchem ein vornehmes Publikum und besonders viele Damen teilnahmen. Arn meisten bejubelt wurden die Keclner Dozent Mahle r, Jul. Loewy und Dr. W a s c h i t z. Die Chorlieder wechselten mit künstlerischen Darbietungen ab, unter denen der Vortrag des letzten Aldos aus Herzls „Neues Ghetto" durch unseren Gg. Egon B r e c h e r am. meisten zum Herzen sprach. Erst in früher Morgenstunde schieden die Festgenossen. Am zweiten Tage erstattete in Vertretung des abwesenden N.-F.-Kommissärs Dr. Hugo Benedikt der Del. Geller- Biclitz das Referat über den K.-F. 'Nach genauen Berechnungen habe Osterreich seit anfangs Juni bis 1.5. Mai 1905 112 000 K aufgebracht und sei so seit dem letzton Kongresse von der fünften Stelle der N.-FV spondenclen Länder auf die zweite Stelle avanciert. Eine grosse Anzahl von Rednern, voran Del. Label Taubes, rügen die Abzüge, die von den eingehenden N.-F.-Geldern bei der N.-F.-Konnnission, der ,AY e 1 t" und gar der Jüd. Kolonialbank gemacht werden,*) als unvereinbar mit der Heiligkeit der'N.-P.-Institution, andere Hedner suchen die Notwendigkeit und Gerechtigkeit dieser Abzüge darzutun. Schliesslich worden "Resolutionen dahin gefasst, dass weder der „W e 1 r* noch der „Bank" künftig Abzüge zu verstatten sind und auch der österreichischen K.-F.-Kommission, bei der künftig alle N.-F.-Spenden zu zentralisieren sind, sollen die Verwaltungskosten aus Parteigeldern zugew iesen werden. Die endliche Einführung gummierter N.-F.-Marken und höherer Werte derselben wurde bei Herrn Kremenezky urgiert und eine ganze 'Reihe neuer Einnahms- (j uellen vorgeschl agen. Schliesslich sprach der Parteitag dem abtretenden N.-F.-Kommissar Dr. B e n e d i k t Dank und Anerkennung aus. Sodann erstattet Dr. Kren berger das Eeferat für das O r g a n i s a t i o n s k o m i t e e und befürwortet die Annahme der vier von demselben aufgestellten Thesen. Dieselben sind der Gegenstand einer leidenschaftlichen Debatte am Nachmittage. Schon der erste Passus der These 1 : „Die zionistische Landesorganisation Oesterreichs umfasst alle in Oesterreich wohnhaften Juden ohne Unterschied des Geschlechtes, die sieh mit dem Programme des Zionistenkongresses einver- *) Anmerkung der Redaktion. Es handelt sich um Portospes»en und Druckkosten.