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Die Welt · 1905-06-30 · 26 (30.6.1905) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
26 (30.6.1905)
Date
1905-06-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26 „bis * weit" Seite 5 EINGEBORENEN - BEVÖLKERUNG. Betrachten wir das Guasso-Ngischu-Plateau in bezug auf 'seine eingeborene Bevölkerung, so ist, wie bereits angedeutet, hervorzuheben, dass dieses Gebiet in seiner grössten Ausdehnung gegenwärtig iinbevölkert ist. Es war aber bevölkert, und zwar schon zu einer Zeit, bevor die Massai van diesem Lande Besitz ergriffen. In der Nähe aller besseren Weideplätze und der Umgebung von kulturfähigen Bodenflächen findet man deutliche Spuren dieser alten Bevölkerung, zwei bis vierzig Meter Durchmesser fassende Steinkreise, die zum Teil Hüttenreste, zum anderen Teil aber auch ringmauerförmige Befestigungswerke darstellen. Mancherorts sind diese Steinbauten, von den heutigen Massai „Mbguan" genannt, über zwei Meter hoch und meterdick. Sie sind danm aus sorgfältig übereinandergelegten, aber nicht mit Mörtel verfertigten Bruchsteinen erbaut und umfassen in ihrem Innern eine muldenförmige Erdvertiefung, die wohl als Lagerstätte dem Vieh und Menschen diente und zum Schutze von Sonnenschein, Regen und Kälte mit einem Stroh- oder Felldach überdeckt war. Nicht selten findet man in diesen Mulden -die roh gebauten Strohhütten von Wandorobojägern, die hier ihre Jagdbeute verzehren und ganze Berge von Knochenresten aufhäufen. In vielen Fällen setzen sich die Moguan aber auch aus kreisrund angeordneten mächtigen .Felsblöcken zusammen und sind dann als Verteidigungswerke oder sog. Bornas der verschwundenen Bevölkerung aufzufassen. Ich habe ähnliche Steinbauten im südlichen Kawirondo und auf den Höhen des Maugebirges angetroffen und weiss, dass man. sie auch in Nandi findet, die Vermutung liegt daher nahe, dass alle diese „Moguan" von einer den Wolumbwa, Wasotiko, Wanandi, Elgeyo und Wakammlassia verwandten Urbevölkerung abstammen, also von einem alten ostafrikanischen Neger stamme, und dass ihre Erbauer auf dem Guasso-Ngischu-Hochlande durch die Massai vertrieben wurden. Ist diese Annahme richtig, so sind die Massai vor noch nicht sehr langer Zeit, 100—200 Jahren, auf dem Hochland eingewandert, denn alle diese „Mioguan" sind noch viel zu gut erhalten, als dass sie aus einer älteren Zeit herstammen könnten. Ich möchte nicht annehmen, dass diese historisch ältesten Guasso-Ngischu-Be wohner ein reines Ackerbauvolk gewesen wären. Wie die heutigen Bergvölker von Sitiko und Lumbwa, Nandi und Elgeyo, werden diese Leute vielmehr auch Viehzucht getrieben haben. Hätten sie nur von Ackerbau sich ernährt, -so müsste auch seit ihrem Verschwinden das Klima sich so sehr geändert haben, wie es nicht anzunehmen ist, und in diesem Falle noch müsste man ihre Spuren denn in viel grösserer Zahl im fruchtbareren Gebirge als auf der -sterileren Ebene vorfinden. Das letztere trifft aber nicht zu; wir finden die „Moguan" vielmehr in der Nähe der auch heute guten Weideplätze, im mittleren Guasso-Ngisehu-Hochlande, zwischen Nzoia, Langatala- Niuki und Elgeyo-Escaxpment. Wie unsere Alpenhirten im Sommer ihre Herden auf die Berge treiben, so werden in der Trockenheit auch die alten Moguanerbauer ihre Binderherden auf bessere Weideplätze getrieben haben, oft vielleicht tagereisenweit von ihren Steinbauten entfernt. Die Gruppirung und der deutlich erkennbare Verteidigungszweek der „Moguan" gestatten auch die Schlussfolgerung, dass ihre Erbauer in kleinen Einzelsiedlunigen über das Land sieh verteilten und Massensiedlungen, wie wir sie bei anderen, von Ackerbau lebenden Neger stammen antreffen, bei ihnen nicht vorkamen. Aus alldem schliesse ich, dass die vormassaisehen Guasso-Ngischu-Be wohner ein sesshaftes Hirtenvolk darstellten, das in guten Jahren und zur Zeit der lebenspendenden Regen auch etwas Ackerbau betrieb, in schlechten Jahren und in der Trockenheit aber seine Hirten mit dem ganzen Herdenbestande nach entfernteren Weidenplätzen aussandte. Die Massai, welche nach diesen Moguanleuten das Guasso-Ngischu-Plateau bevölkerten und bis vor etwa 25 Jahren den mächtigsten Volksstamm dieses Hochlandes repräsentierten, kennen nur ihre neueste Geschichte, die Ereignisse eines Zeitraumes von vielleicht etwa 200 Jahren. Sie wissen und behaupten, dass sie zum grossen Volksstamme der Massai gehören, und niemand, der die verschiedenen Nebenstämme der Massai gesehen, wird an dieser Behauptung zweifeln. Ihre Sprache ist Massai, ihre Sitten und Gebräuehe sind diejenigen der Massai, im Charakter sind sie Massai und auch ihr Aeusseres hat vielen Anklang an die Körperfornnen der Massai. Einen ausgeprägten bestimmten Typus, der sie als unzweifelhafte Asiaten oder als Neger klassifizieren würde, suchem wir bei den Guasso- Ngischu-Massai ebenso vergebens wie bei ihren Stammesangehörigen. Den Judentypus, den neuere Forscher in dem Volke der Massai entdeckt haben wollen, findet man bei den Guas'so-Ngischu-Massai sicher nicht vertreten. Sehr wahrscheinlich hat sich dieser Volksstamm schon vor seiner Einwanderung in das Hochland von seinen Stammverwandten getrennt, ähnlich wie vor einigen Jahren die auf deutschem Gebiete wohnenden Mjassai unter Sendeo von den britischen Massai unter Lenana sich trennten. Sie haben sich bei der Verdrängung der Moguanerbauer und bei dem steten Kontakte mit den Negern der umliegenden Bergländer stark gemischt und von ihren Anverwandten sich differenziert. Umgekehrt wurden die Wanandi, Elgeyo, Maraguetti, Wakamassia etc. von Massaiblut durchdrungen. Das Guasso-Ngischu-Plateau wurde durch diese Massai in allen seinen Teilen bewohnt und durch die Abtrennung einzelner Unterstämirie in verschiedene Distrikte oder Weidebezirke aufgeteilt. Am Ennol-Miossigioi (Elgorini) lagerten die Mjaneria, zwischen Moeben (Nzoia) und Djabetai die Rombileute, zwischen Kitosch und Doenio-Sambu die Engagi-Narok, an den Eldalatbergen und in der Langatala- Niuki die Ennakablollb, am Leosos die A-Waren, im Norden und Westen der Nzoia die Elgunnono und Olgurido. Im mittleren und nördlichen Tfeile des Guasso- Ngischu-Hochlandes trieben diese Massai hauptsächlich Rinderzucht, in der Umgebung der Eldalatberge und in der Niuki-Ebene aber Ziegen- und Schafzucht. Durch ihre eifrig betriebenen Raubzüge in die umliegenden Landschaften brachten es die Guasso-Ngischu zu sehr grossen Viehbeständen, die aber andrerseits wieder dureb die Kriegerkraale, Rinderpest, Kälberseuche und andere Krankheiten dezimiert wurden. Der Viehreichtum der Guasso-Ngischu- Massai veranlasste dann aber die am Naiwascha lebenden Massai zu einem grossen Raubzuge. In Eilmärschen zogen die Krieger des letzteren Volksstammes über Schimoni an den Ennol-Mossigioi, von dort an den Sirgoi und über die damals sehr viehreiche Landschaft Olare-Lolaiok in die Sambu-Ebene, und von dort zu den Eldalatbergen, dann über die Langatala-Niuki wieder zurück in die Grabentalebene. Sie brachten den Guasso-Ngischu eine vollständige Niederlage bei und trieben alle ihre Viehherden nach den Naiwaschakraalen weg. Seit jener Zeit sind die Guasso-Ngischu-Massai verarmt, sie verliessen infolgedessen ihr Land und fanden dann bei ihren Grenznachbarn, den Wakawirondo, Wanandi und Elgeyo Unterkunft, Heute leben etwa 1500 dieser Mjassai, hauptsächlich Manerialeute, unter der Führung der Leigwanan-Sagana und Lembere und den Leibun Olegandei und Olendoiga in der Umgebung von Schimoni; im anderen Teil (Rombi) lagerten sie amNakurusee; dieOlgurido oclerKirisua, wie sie sich jetzt nennen, leben in Kawirondo, und andere kleine Reste des Guasso-Ngischu-Stainmes haben sich bei den Wanandi und Elgeyo festgesetzt. So wurde das Guasso- Ngischu-Plateau durch einen Kriegszug der Naiwascha-

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