Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 26 (30.6.1905)
- Date
- 1905-06-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 „bie weit" Nr. 26 Survey und Verfasser dieser Zeilen einige gute Itineraraufnahmen machten, sind die topographischen Verhältnisse in brauchbarer Weise wiedergegeben. Meine eigene Itinerarkarte, die sich im Schoellerschen Reisewerk „Aequatorial-Ostafrika und Uganda, 1901 und 1902" findet, hat bei meinen diesjährigen neuen Kartenaufnahmen zum Teil gute Dienste geleistet, zum Teil aber auch einige Abänderungen erlitten. Vom mittleren Teile des Gua.sso-Ngisclrullochlandes existieren bis heute noch keine brauchbaren Kartenwerke. Die Darstellung des Chibcharagnani-Gebirges, das die Guasso-Ngischu-Massai mir stets als Koquallalgebirge bezeiclmetcn, ist ein Phantasiewerk und der Verlauf der mittleren und oberen Nzoia sowie ihrer nördlichen Zuflüsse ist auf keiner Karte richtig eingezeichnet; da unsere Expedition nach Norden hin nicht weit über die Nzoia hinauskam, kann ich leider nicht darüber entscheiden, ob der nördliche Teil des Guasso-Ngischu-Hochlandes, also die Turkwelge'biete und die östlich davon gelegenen Berg]ander, besser dargestellt sind. ALLGEMEINE CHARAKTERISTIK. Wenn wir das Guasso-Ngischu-Plateau mit den näehstgelegenen anderen Hochländern von Aequatorial- Ostafrika vergleichen, so fällt uns als besondere Eigenheit seine grosse Baumarmut und sein dadurch bedingter steppenhafter Charakter in die Augen. Während die südlich gelegenen Bergländer von Nandi, Lumbwa und Sotiko, sowie auch die im Osten des Grabentales sich erhebenden Kikuvu- und Leildpia-Hochländer zum grössten Teil in üppigen Wald- und Buschbestand sich einkleiden und tiefe, nebelreiche Täler diese Hochländer durchschneiden, finden wir auf deni Guasso-Ngischu-Plateau fast nur ebene wellig geformte Grasflächen, periodisch ausgetrocknete Talweiten und spärlichen Akazienwuchs. Während in Nandi, Lumhwa, Sotiko und Kikuvu eine verhältnismässig dichte Negerlxwölkerung von dem urbaren Kulturboden Besitz ergriffen hat und auf dem Leikipia-Hochlande die viehbesitzenden Massai sich konzentrieren, finden wir im Guasso-Ngischu-Hoehlande meist nur verlassene Wohnstätten, und nur auf den schwach bewaldeten Elgeyo-Höhen, im Koquallalgebirge und am Südoftiusse des Elgon eine spärliche Bevölkerung. Die ehemals an Zahl, Volksausdehnung und Wehrkraft mächtigsten Bewohner des Hochlandes, die Guasso-Ngisehu-M&ssai, haben sich auf das Elgeyo-Esearpment, nach Ravine, an den Nakurosee, nach Nandi und Kawirondo zurückgezogen, und ausser einigen Baren, die sich seit Jahresfrist auf dem Guasso-Ngischuliochlande anzusiedeln versuchen, ist seit Jahrzehnten kein "Mensch mehr diesem Gebiete zugewandert, C0M^DERZIELLE LAGE. In Anbetracht dieser sehr dünn gesäten und zudem sehr anspruchslosen und wenig produzierenden Bevölkerung kann man kaum von einer kommerziellen Lage des Guasso- Ngischu-Hochlandes sprechen. Den Kall gesetzt aber, das Land werde in Zukunft von einer zahlreicheren und produktiven Bevölkerung auf seine natürlichen Schätze und Kräfte hin ausgebeutet, ist hervorzuheben, dass die Südgrenze des Hochlandes in einer Distanz von nur 10—25 Meilen parallel dem letzten Teilstücke der Ugandabahn verläuft und der wichtigste Verkehrsweg zur Küste in seinem grössten Teile ako bereits geschaffen wäre. Die dem Hochlande und der Meeresküste nächste Bahnstation ist Londiani, 500 Meilen von Mombassa und in der Luftlinie zirka 13 Meilen von der Südostecke des Territoriums entfernt, Hier wäre das Ausgangstor des Exporthandels und des küstenwärts ziehenden Lokalhandels sowie das Eingangstor der von Europa oder Indien kommenden Importgüter zu machen. Nach Osten hin ist dasGuasso-Ngischu-Hochland durch eine sehr schwer zu passierende, 2000—3000 Fuss hohe Steilwand von seiner Umgebung abgeschlossen . und in dieser Richtung würden sich wohl schwerlich neue Verkehrswege dem Handel eröffnen. Nur über Ravine, auf der alten Karawanenstrasse nach Kitosch und Mumia, wo der erste Uganda-RaiIway-Survey seinen Weg nach dem Innern suchte, wäre noch ein Handelsweg zur Küste zu denken. Aber auch diese Route hätte als nächstes Ziel Londiani, denn die früher frequentierte Strasse Ravine-Nakuro bietet dem Handel durch den auf diesem Wege sich sehr merkbar machenden Wassermangel ganz bedeutende Verkehrsschwierigkeiten. Nach Norden hin ist das Guasso-Ngischu-Hochland den Karamojo-, Suk- und Türkana-Ländern offen. Es wäre in dieser Richtung vielleicht eine John ende Vieheinfuhr und Ausfuhrhandel mit europäischen bezw. indischen Iniportwaren möglich, doch sind diese Gebiete zur Zeit noch viel zu wenig bekannt, als dass die oberflächlichen Schätzungen einigen Wert haben könnten. Die nächstgelegenen Gebiete im Nordwesten des Guasso-Ngischu-Hoehlandes sind vollkommen unbewohnt und steppenhaft- und die hinter diesen Grenzgebieten sich ausdehnenden Ländereien können ebenso leicht, vielleicht noch vorteilhafter von Kawirondo und Ussoga aus erschlossen werden. Das Suk- und Turkana-Gebiet könnte mit ebendenselben Erfolgen durch eine nach dein Baringo- See erbaute Zweiglinie der Ugandabahn dem Handel eröffnet werden. Nach Westen hin kann das Guasso-Ngischu-Plateau nur insofern in Handelsbeziehungen zu seinen Nachbarländern treten, als das Nzoia-Tal einen natürlichen Zugang nach Kawirondo bildet. Im Nordwesten bietet der zirka 60 Meilen im Durchmesser aufweisende Elgonberg mit seiner über 14 000 Fuss hohen Kraterhalde ein unüberwindliches Verkehrshindernis und im Südwesten sehliessen die Surungai- und die Nandiberge den Verkehr ab. Auf dem Nzoiawege wäre die von den Gua.sso-Ngischu-Siedlern benötigte Vieheinfuhr ermöglicht, eine Ausfuhr von Guasso- Ngischu-Landesprodukten oder europäischen Handelswaren vollständig ausgeschlossen. Wie wir aber später noch sehen werden, ist es eine grosse Frage, ob das Kawirondovieh auf dem Guasso-Ngischu-Plateau alle seine Existenzbedingungen finden werde und die Vieheinfuhr von dieser Seite her nicht grosse Gefahren in sich sehliessen würde. Die Gebiete der Wanandi, Walumbwa und! Wasotiko, die im Süden des Guasso-Ngischu-Landes hegen und von diesen teilweise durch die Ugandabahn abgetrennt werden, dürften dem. Lokalhandel mit Guasso-Ngisehu-Landesprodukten keine besonders günstigen Aussichten eröffnen und dem Absätze von überseeischen Handelsgütern durch die Bezugslinie der Ugandabahn völlig verschlossen bleiben. So kommt vorherhand eigentlich nur eine einzige Verkehrsrichtung für den Ausfuhrhandel nach Uebersee und den Lokalhandel mit dein Bahn- und Küstengebiet in Betracht, ein Weg vom mittleren und südlichen Teile des Hochlandes nach Londiani. Eine Vorbedingung der Entwicklungsmöglichkeit des Ueberseehandels sind geringe Transportkosten. Diese Kosten wiederum sind bedingt dürch die Transportmittel und durch die Transportfeme, die grössere oder geringere Eesistenz der Handelsgüter ete. Es wird sich an dieser Stelle daher lohnen, denselben ein besonderes Augenmerk zu widmen. Da kommt in erster Linie die Existenz- und Erstellungsmöglichkeit von geeigneten. Verkehrswegen im Guasso-Ngischu-Hochlande selbst in Frage. VERKEHRSWEGE. Hier kommen bis heute als Verkehrswege nur die schmalen Negerpfade in Betracht, die sozusagen von selbst