Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 „{Mg $ Wflt11 Nr. 25 schrecken können eine ganze Ernte in einem Tage zerstören. Dieser grösste aller Feinde des Ackerbaues erscheint plötzlich in grosser Zahl und jeder Bezirk wird der Beihe nach verwüstet, wenn die mächtigen Wolken von Heuschrecken über denselben ziehen. In geringeren Massen erscheinen sie jährlich, "bis sie nach etwa sechs oder sieben Jahren der Zerstörung fast verschwinden. Während meiner Heise sah ich zwei kleine Heuschreckenzüge. Eaupen sind fast ebenso grosse Zerstörer alles Grünen, das ihnen in den Weg kommt, kommen aber znm Glück weniger häufig vor als die Heuschreckenplage. Mallionjen dieser kriechenden Insekten scheinen wie durch einen Zauberschlag ins Leben zu kommen. Nur zweimal sah ich das Resultat ihrer Verwüstungen, einmal am Nil im Jahre 1900, wo sie die Felder dem Erdboden gleichgemacht hatten, was jedoch so früh im Jahre geschehen war, dass es nicht zu spät war, die Felder wieder zu besäen. Ich sah etwas Aehnliches, als ich im Jänner auf unserem Wege nach Nairobi durch die Athi-Ebene reiste. Mehrere Meilen ringsum waren ohne jegliche Spur von grüner Vegetation und es wurde mir gesagt, dass die Raupen eine so dicke Schicht auf den Eisenbahnschienen bildeten, dass ihre zermalmten Körper die Bäder der Lokomotive völlig ausserstand setzten, die Schienen beim Ersteigen der steileren Hügel 2u fassen. In mehreren Fällen wurde der Zug zum Stillstande gebracht, bis Sand angewendet werden konnte. Dennoch, trotz gelegentlicher Katastrophen solcher Art, ist die Fruchtbarkeit des Bodens, wo ihm. Wasser zugeführt werden kann, so gross, dass die Verhältnisse sich zum grossen Teil als günstig für den sorgfältigen Ackerbauer erweisen werden, namentlich wenn er wohlhabend genug ist, um gelegentlich ein ungünstiges Jahr überleben zu können. 3. Mit Ausnahme des südlichen Teiles des Gebietes is»t die Wasserversorgung ausgezeichnet, und selbst dort ist das Wasser für Zwecke der Kolonisation genügend. Das Nzoio-System war sogar zu der Zeit, als ich meine Heise an der Wasserscheide mehrerer seiner Nebenflüsse machte — nämlich am Ende der trockenen Jahreszeit — reichlich mit gutem Wasser versorgt. Die grössere Anzahl dieser Nebenflüsse entspringt in der Chipchangwane-Kette, und häufig fliesst ein starker Strom dem Bett eines Baches entlang, ganz in der Nahe seiner Quelle. Der Abhang des Landes vom Fusse dieser Gebirgskette in südwestlicher Kichtung ist eo steil * fast 1:000 Fuss in 25 Mieilen — dass das Fliessen des Wassers fast überall sehr schnell ist und infolge des steinigen Charakters der Flussbette ist d&s Wasser sehr klar. Die Ströme, die in den Abhängen des Mount Elgon entspringen, haben wahrscheinlich denselben Charakter. Bis ich den Nzoio-Fluss überschritt, sah ich keine Wasserkraft, die fähig gewesen wäre, mehr als eine beschränkte Menge elektrischer Kraft zu erzeugen, aber die Wasserfälle, die auf der Karte bezeichnet sind, wo mein Weg den Nzoio kreuzt, können in dieser Hinsicht wohl nutzbar gemacht werden. 4. Von der südöstlichen Seite,-über die Ravine, ist das Land leicht für den Verkehr zu Fuss zugänglich und liegt nur 55 Meilen von der Eisenbahn entfernt. Die Besteigung der Kamasia-Abdachung durch einen Urwald von 10 Meilen ist das einzige Hindernis für Fuhrwerke auf diesem Wege, denn der Weg von Nakuru nach der Eavine ist — für einen afrikanischen Weg — ausgezeichnet. Es Hegt kein Grund vor, warum nicht mit der Zeit ein guter Weg direkt durch den Wald angelegt werden könnte. Für Fuhrwerke weist jedoch der längere Weg via Eavirondo keine grossen Schwierigkeiten auf. Die Brüder Van Breda brachten ihre Karren auf diesem Wege. Lake Victoria ist vom Südwesten auch leicht erreichbar und befindet man sich einmal auf dem See, so können sowohl die H'auptstation der Eisenbahn als auch die anderen an diesem grossen Binnenümeere gelegenen Häfen leicht auf Da/mpfodfer Segelschiffen erreicht werden. Mir scheint jedoch, dass die jetzt existierenden Verkehrsmittel nicht die beträchtliche Aufmerksamkeit verdienen, die ihnen meistens zuteil wird. Die schon existierenden Märkte werden gleichfalls so angesehen, als ob neue Möglichkeiten für den Handel sieh in Zukunft nicht eröffnen Hessen. Die Erfahrung hat aber sicher gelehrt, dass fast gleichzeitig mit der Erlangung der Fähigkeit eines Landes, Handelsartikel zni produzieren, Eisenbahnen ins Leben treten. Mt dem Wachsen der Produktivität setzen die Eisenbahnen in ihrem eigenen' Interesse ihre Fahrpreise herab und die Schiffahrts-Gesellschaften tun dasselbe. Die Produzenten sehen also mit der Zeit, dass sie imstande sind, in vielen Märkten der Welt die Konkurrenz auszuhalten. Der Import von Korn aus den westlichen Staaten von Amerika nach England beweist diese Behauptung. Warum sollte Ostafrika, mit weniger als 500 Meilen Eisenhahnverbindung mit dem Meere, nicht mit Produzenten konkurrieren können, die zwei- bis dreitausend Mieilen vom Meere ansässig sind. In dieser Hinsicht muss die Geschichte sich früher oder später wiederholen, aber der Ansiedler nruss das anfängliche Eisiko nicht scheuen. 5. Es gibt keine ansässige Bevölkerung auf dem Plateau, ausser in der Höhlenregion auf den Höhen von Elgon, und in dem Chipchangwane-Gebirge. Banden von Jägern, die über die Elgeyo-Abdachung kommen, begegnen einem gelegentlieh, ich glaube aber nicht, dass von dem Nandibezirk im Süden bis zu den Bergen im Norden eine einzige Hütte gefunden werden könnte, vielleicht mit der Ausnahme eines vereinzelten Grassschuppens in den Tiefen des Waldes, der sich der östlichen Grenze entlang erstreckt. Es erscheint auf den ersten Blick unbegreiflich, dass ein so verlockendes Land unbewohnt sein sollte. Es wird dies jedoch dadurch erklärt, dass vor einigen Mfenschenaltern ein räuberischer Einfall der Masais das Plateau von allen Bewohnern, Männern, Frauen und Kindern, entblösste. Diejenigen, die mit dem Leben davonkamen, retteten sich in weniger offenliegende Gegenden, wo sie sich zu Zeiten der Gefahr in der Tiefe des Waldes verbergen konnten. Das Nandiland im Süden ist, wie ich fand, dicht bevölkert, nach afrikanischen Begriffen. Sie sind gegenwärtig — und waren es seit unserer ersten Berührung mit ihnen — ein unruhiger Stamm, wie ich am Anfange dieses Berichtes mit Bezug auf Erfahrungen mit ihnen schon gesagt habe. Jedoch ist kein afrikanischer Stamm, nicht einmal die Masai, fähig, ernstliche und andauernde Unruhen hervorzurufen. In diesem Teile von Afrika gibt es keine grossen eingeborenen kriegerischen Stämme, wie z. B. die Zulus, Matabeles usw., die in der Geschichte einen Platz gefunden haben. Die geographische Lage des Landes gehört nicht in das Bereich dieser Untersuchung, ist aber dennoch von grossem Interesse. Das Plateau hat vor allen Dingen seine jetzige Lage durch eine grosse vulkanische Umwälzung erhalten. Deshalb, während' das felsige Bett des Plateaus aus Lavaformationen besteht, die meistens der sekundären und tertiären Periode angehören, finden sich doch auch kleine Blöcke, die älteren Formationen 'angehören. Sirgoi ist ein Granitblock, die Ildalatgruppe ist reich mit Eisen durchsetzt, und zwischen beiden liegt eine Ebene, die von einem Ende zum anderen ein Dutzend Meilen misst, wo die Lava der Erdkrume ganz nahe liegt. Wenn also zu irgend welcher Zeit in der Zukunft nützliches Erz dort entdeckt werden sollte, so ist es wahrscheinlich, dass die Ausbeute nur eine beschränkte sein würde.