Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 25 (23.6.1905)
- Date
- 1905-06-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 f&?e # weir Seite 3 Mit einem Maximum von 70 bis 75 Grad in der niittelmässig warmen Jahreszeit, die sich gelegentlich zu 90 bis 100 Grad in der heissesten Zeit erhebt, ist es klar, dass nur ein geringer Unterschied zwischen der Temperatur des Plateaus und der jenigen Europas in einem warmen Sommer bestellt, obgleich infolge der Trockenheit der Atmosphäre eine hohe Temperatur im ersteren weniger unerträglich . ist, als in unseren niedriger gelegenen Ländern. Die .Abwesenheit von Sümpfen und stills teilen dem Wasser beugt dem einzigen Umstände vor, der ein solches Land ungesund machen könnte. Von Moskitos habe ich nicht einmal gehört von der Zeit an, wo ich Monibassa verliess, bis zum Tag unserer Rückkehr. Es Iiis st sich also mit einiger Gewissheit annehmen, class der ,,Anophelesa-Moskito dort nicht vorkommt, und wenn die Männer der Wissenschaft recht haben, die behaupten, dass der Anopheles ein Monopol für die "Verbreitung von Fieberbakterien erworben hat, so wird die Malaria die zukünftige Bewohnerschaft nicht plagen. Da der „Tse-tseu-FJiege allein die Fälligkeit zuerkannt wird, den Keim der Schlafkrankheit einzuimpfen, und es dort keine Fliegenregion gibt, so ist diese merkwürdige Krankheit unwahrscheinlich, wenn nicht unmöglich. Wir begegneten kaum Fliegen irgend welcher Art. Nur in' einem . Lager sah ich welche und händigte Exemplare davon Dr. Boss, dem Bakteriologen der Regierung des Protektorates, ein, mit dem -.Uebereinkommen, dass er mir das .Resultat seiner Beobachtungen darüber und auch über einige Pferdebremsen, die ich gesammelt hatte, mitteilen würde. Die Ursache des Schwarzwasserfiebers ist noch bis zu einem gewissen Grade Geheimnis, und, abgesehen, davon, dass wir behaupten können, dass diese Krankheit sowohl wie Dysenterie in einer solchen Höhe unwahrscheinlich ist, ist über diesen Gegenstand nichts weiter zu sagen. Es scheint also, dass die einwandernde weisse Bevölkerung erst alle die tausend und abertausend Krankheiten mit sich bringen m-us-s, die in Europa sich entwickelt haben und durch unregehnässiges Leben und Verweichlichung grossgezogen worden sind, und die die Vorteile der reinen Plateauluft neutralisieren würden; sonst wird der ärztliche Beruf in Guas Ngishu nicht einträglich sein. ■ 2. Der Boden des Plateaus besteht zum grossen Teil aus jener reichen afrikanischen Erde, deren Fruchtbarkeit so bekannt ist. Jedoch an den Stellen, wo die Lava der Erdoberfläche nahe ist, ist der Boden reich mit zerstäubten vulkanischen Bestandteilen durchsetzt. Das ist besonders der Fall in der Ebene, die nahe beim Mount Sirgoi liegt und sich etwa zwölf Meilen westlich erstreckt; dasselbe gilt für den kleinen Landstrich östlich und nördlich von Karuna. In solchen Landstrichen, welche jedoch nur einen kleinen Teil des ganzen Gebietes bilden, wächst gutes Gras, aber infolge des porösen Charakter des Lavabettes verdorrt und verwelkt die Vegetation in der heissen Jahreszeit oder zu Zeiten der Dürre. Derselbe Umstand ist ohne Zweifel der Grund des mangelhaften Wasservorrates in jenen Landstrichen während der trockenen Jahreszeit, ein Umstand, der künstliche Bewässerung unmöglich macht an Orten, wo sie am notwendigsten wäre, und wo die verhältnismässig ebene Oberfläche des Landes solche Vorrichtungen unter besseren Verhältnissen begünstigen würde. Diese Landstriche scheinen sich mehr für die Zucht von Schafen und Ziegen zu eignen als für Viehzucht. Der hei weitem grösste Teil des Plateaus eignet sich jedoch ausgezeichnet für Weideland, denn das Gras ist, was in Südafrika als „Zuur Veldt" oder „Sour Veldt" bekannt ist, Auf solcher Weide gedeiht Vieh sowohl als Pferde und Esel, es eignet sich jedoch weder für Schafe noch Ziegen. Da ich mehrere Strausse in jenem Lande sah, kann man annehmen, dass der zahme Strauss dort gedeihen würde. Das ostafrikanische Vieh ist klein und lohnt die Zucht nicht, oder nur in den ersten Jahren der Niederlassung. Vorteilhafte Viehzucht kann ohne importiertes Vieh nicht getrieben werden, was ein gewagtes Unternehmen ist, da nur zu oft verheerende Seuchen mit den Herden eingef ührt worden sind. Es ist nicht allgemein bekannt, dass nicht nur die Haut der eingeborenen Menschenrassen schwarz ist, sondern auch die fast der gesamten Fauna. Der eingeborene Ochse, der Büffel, der Löwe, alle Antilopen und . Affen, die ich untersucht habe, haben eine schwarze Haut unter ihrem Fell. Sogar das weisse'" Rhinozeros hat ebenso eine ganz schwarze Haut, als sein schwarzer Vetter. Bei einer Antilope, dem Buschbock, habe ich unter dem. Bauche weisse Haut bemerkt, aber auf dem liest des Körpers ist seine Haut schwarz. Derselbe Umstand charakterisiert die Ifauna, das Vieh und die eingeborene Bevölkerung von Indien. In Europa ist es anders. Alles ist dort weiss, ausser wo importierte Schweine ihrer Nachkommenschaft ihre Farbe hinterlassen haben. Mir scheint, dass das Importieren von Vieh aus Indien mit weniger Bedenken verbunden wäre, als die Einführung von Arieh mit weisser Haut aus Europa. Europäisches Vieh und seine Nachkommenschaft sind in Südafrika immer eine Quelle von Enttäuschungen und Seuchen gewesen. Im Nordwesten von Rhodesia, wo das Importieren von Vieh aus dem Süden streng verboten ist, sind die eingeschleppten Seuchen des Südens noch unbekannt. Dort ist jedoch ein recht guter Stamm von eingeborenem Vieh. In bezug auf das Blühen dieses Landes, was Viehzucht anbetrifft, muss also den einzuführenden Rassen von Vieh die o-rösste Aufmerksamkeit geschenkt werden. ~ o Nach den Erfahrungen zu urteilen, die in anderen afrikanischen Kolonien gemacht worden sind, haben wir keinen Grund, anzunehmen, dass für Ackerbau auf diesem Plateau gute Aussichten vorbanden sind. Anderweitig ist ähnliches Land immer als Weideland benutzt worden. 'Während meiner ganzen Heise sah ich nur zwei kleine Ebenen, die künstlich bewässert werden können. In beiden Fällen ist die beständige Wasserversorgung gut und konnte leicht über das Land geleitet werden. Im allgemeinen besteht das Land aus ziemlich steilen Bodenwellen und wo Flüsse vorhanden sind, fliessen sie zwischen zwei derselben. Das Bett ist fast überall steinig und es ist kein alluviales Tal vorhanden, wie in anderen Teilen von Afrika. Ein solches Land zu bewässern ist zwar nicht unmöglich, aber es ist wegen der grossen Kosten, die solche Arbeiten mit sich bringen würden, unaiisführbar. An verschiedenen Orten müssten Aquädukte über die Lücken in den Bodenwellen hinübergeführt werden, und Wasser, welches das Niveau des zu bewässernden Landes erreichen soll, muss diesem notwendigerweise aus grosser Ferne zugeführt werden. Dennoch, obgleich' großenteils durch die Ungewissheit der Regenperiode in Südafrika solche Hochländer in den Kolonien nicht als Weizenland benützt worden sind, liegt doch keine absolute Notwendigkeit vor, anzunehmen, dass auf diesem Plateau auch die Strecken, die sich eines stärkeren und länger währenden Eegenfalles erfreuen, zum Ackerbau nicht verwendbar seien. Infolge der grossen Mtxjreshöhe und der Nachtfröste sind Baumwolle-, Kautschukbäunio und andere tropische und halbtropische 'Pflanzen ausgeschlossen. In vielen Gegenden würden jedoch manche Obstbäume gut gedeihen. Orangen- und'Zitronenbäume halten einige Grad Frost aus, sind aber als junge Pflanzen gegen den Einfluss einer sehr niedrigen Temperatur empfindlich. Die meisten europäischen Obstbäume dürften gedeihen. Während der afrikanische Boden meistens höchst fruchtbar ist, so dürften doch auch die Ueholstände und Seuchen nicht aus dem Auge verloren werden. Dürren kommen in Hochländern seltener vor als anderswo. Heu-