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Die Welt · 1905-06-16 · 24 (16.6.1905) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 24 „bi? & weitM Seite 13 Juden vor diesen Verfolgungen retten. Eine eingeleitete Kollekte ergab den Betrag von 1500 Kronen, die sofort nach Schitomir gesendet wurden. Man beschloss auch, an den Präsidenten Roosevelt eine Petition zu richten, in welcher das amerikanische Staatsoberhaupt gebeten wird, gegen das ßlutvergiessen Einspruch zu erheben. — In New York wurde eine permanente Organisation geschaffen, um die notleidenden Juden Russlands materiell und moralisch zu unterstützen, namentlich um den anlässlich der letzten Judenunruhen geschädigten Juden au Hilfe zu kommen. Von den Bnai Brith. Der neugewählte Präsident des Bnai Brith-Ordens, Herr Adolf Kraus, richtete an die Ordensmitglieder ein Rundschreiben, in welchem er, indem er von der Uebernahme der Würde Mitteilung macht, auf die jüdische Einwanderung in Amerika zu sprechen kommt, die nach den letzten Ereignissen in Russland wahrscheinlich wieder ungemein zunehmen werde. Namentlich der ZufLuss zu den amerikanischen Grossstädten dürfte ein grosser werden, und da sei es Sache des Ordens, hilfreich einzugreifen, um für alle einwandernden Elemente eine entsprechende Beschäftigung zu finden. Der Herr Präsident gedenkt hierauf der Leistungen des Ordens nach dieser Richtung hin und berichtet, dass im Bureau von New York vom 1. Mai 1904 bis 31. Jänner 1905, also im Verlaufe von neun Monaten 1647 jüdischen Immigranten Arbeit verschafft wurde. Aehnliche Bureaus müssten in der ganzen Republik errichtet werden und namentlich für Chicago sei die Etablierung eines solchen ArbeitsvermittL»ngsamtes eine Notwendigkeit. Dies sei um so mehr der Fall, als gerade hier eine Verfolgung der Immigranten stattfinde. Das beste Mittel, um die sich oft in den brutalsten Formen äussernden Verfolgungen zu bekämpfen, sei, Preise für solche auszuschreiben, denen es gelänge, die Verfolger und Ausbeuter der Immigranten zu überführen und Anwälte zu beateilen, deren Aufgabe es wäre, sich der leidenden Einwanderer anzunehmen. Aber ein ungleich bedeutsameres Problem harre der Lösuug. Im den letzten zwölf Monaten wanderten in die Vereinigten Staaten 89.442 Juden ein, von denen 64.662 in der Stadt New York verblieben. Es ist nur natürlich, dass diese aus der Ferne kommenden Elemente die Tendenz haben, sich in der Nähe ihrer Stammesbrüder sesshaft zu machen. Infolgedessen hat sich in New York ein fast nur von Juden bewohntes Viertel gebildet, die zum Teil in drückender Armut leben. Die Folge davon sei eine grässliöhe Wohnungsnot, die die Gesundheit unserer eingewanderten Stammesgenossen auf das schwerste gefährde. Die Folgen dieser Wohnungsnot zu lindern und diesbezüglich bessere Verhältnisse zu schaffen, sei eine der wichtigsten Aufgaben des Ordens. Die Lösung dieser Aufgabe erfordere freilich grössere Mittel, als dem Orden augenblicklich zur Verfügung stehen. Da es sich hier aber um ein hervorragendes Werk der Menschenliebe handelt, um eine eminente Wohltat für einen grossen Teil unseres notleidenden Volkes, so habe man das moralische Recht, auch an ausserhalb des Orkens stehende Wohltäter mit der Bitte heranzutreten, das grosse Werk des Ordens zu unterstützen. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Morris Rosenfeld: "Ghettolieder". Das berühmte Werk Rosenfelds: erschien soeben in böhmischer Uebersetzung^Der bekannte böhmische Dichter Jaroslav^Vrchlicky, welcher zu den ersten Bewunderern Morris Rosenfelds gehört, hat .Rosenfelds Gedichte mit Pietät und einer nur ihm eigenen Art ins Böhmische übersetzt Preis K 2.40, Verlag Spolek cesk^ch akademikü £idü, Prag. Sbucium. Nuvele din viata evreilor din Romania de Horia Carp, Bucuresti, Der Zionismus hat auch im Rumänischen eine jüdische Literatur hervorgerufen. Wenn auch noch nicht Kunstwerke geschaffen wurden, so sind doch schöne Ansätze dazu vorhanden. Zu diesen gehört auch das vorliegende Büchlein. Der Verfasser desselben, Horia Carp, ist den rumänischen Juden bereits als Redakteur des trefflichen Blattes „Mevasereth Ziontf und als Ueberseter mehrerer zionistischer Werke, besondeis aber einiger Bände von Graetz' Geschichte bekannt. In dem vorliegenden Büchlein biejefc uns Carp eine Reihe psychologischer Skizzen. Garp kennt wie fast kein anderer die Psyche der rumänischen Ghettojuden, er hat auf seinen vielen Reisen durch das ganz© Land, die er zum Zwecke zionistischer Propaganda unternahm, das Elend der Juden mit eigenen Augen geschaut und weiss nun dasselbe in einer reizenden, klassischen, packenden und erschütternden Sprache zu schildern. Was sie dem zionistischen Leser besonders lieb macht, ist der zionistische Geist, der jede dieser Skizzen durchweht. Wir können den rumänisch lesenden Juden keine geeignetere Lektüre empfehlen als das vorliegende Büchlein. Unsere Gegner würden daraus den Zionismus verstehen, die Zionisten das Leben ihrer armen Brüder kennen lernen. L. S. Makebeth. Im letzten Heft der trefflichen Wiener Wochenschrift „Die Wage" äussert sich unser Gesinnungsgenosse M. Ussischkin einem Interviewer gegenüber über das Thema „Die Juden in Russland*. Nachdem Herr Ussischkin zuerst betont, es sei ganz falsch, den Antisemitismus in Russland lediglich als Regierungsmache zu betrachten, da die Regierung doch nichts tue, als die im Volke bestehende Disposition für ihre Zwecke zu exploitieren, und nach einer wenig günstigen Beurteilung der angeblich bevorstehenden Volksvertretung kommt unser Gesinnungsgenosse darauf zu sprechen, wie er sich die Zukunft der Juden in Russland vorstelle. „Die ökonomische Lage der Juden wird durch die Aufhebung der Ausnahmsgesetze zweifellos eine bessere werden," meint Herr Ussischkin. Auch in nationaler und moralischer Hinsicht wird das jüdische Element vielleicht gewinnen." Das werde aber nicht lange währen. Man werde bald erkennen, dass die Regierung den Antisemitismus nicht schuf, sondern dass sie nur die den Juden ungünstige Volksstimmung für ihre eigenen Zwecke benützte. Im Juniheft der Vierteljahresschrift „Der jüdische Student" verbreitet sich Ing. Wilhelm Majerczik über die gegenwärtige Lage der westlichen Juden. Der Autor tritt für die berufliche Organisation der Juden ein, doch gibt er selbst zu, dass dieses Mittel im Oscen ein aussichtsreicheres sei als im Westen. Der nationaljüdische Gedanke sei eine Quelle von lebenspendender Kraft und unsere Existenz werde befestigt durch eine Zusammenfassung aller zerstreuten Glieder unseres Volkes in ein grosses, nationales Gemeinwesen. Ein weiterer satirischer Artikel beschäftigt sich mit den bekannten jüngsten Ereignissen an deutschen Hochschulen, dann folgt ein Auszug aus rumänischen Kammerdebatten, eine Besprechung der 0Statistik der Juden*, Studentisches, Bücherschau etc. Im „Berliner Börsenkurier" bespricht „D* Theodor Herzls nachgelassene Schriften und sagt u. a.: „Sein Name aber lebt fort, wird lange fortleben... Wer Herzl bloss als seelenvollen Dichter kennt und nur vom Hörensagen weiss, dass er mit seinen Judenideen Hunderttausende bezwungen hat, wird ihn jetzt, da seine zionistischen Schriften gesammelt erscheinen, als einen genialen Diplomaten schätzen lernen. Politiker und Dichter Herzl ergänzen einander da in seltener Harmonie .,. Für Juden und Nichtjuden wundersame Anregung." na— „Haschofar"-Philipoppel, Nr. 30 und 31, bringen den aus der „Welt" übersetzten Artikel von Dr. Jeremias-Posen: „Ugandismus, Palästinismus, Zionismus", den offenen Brief Dr. Mandelstamms an die politischen Zionisten und Prof. Warburgs Artikel über die ökonomische Lage in Palästina. H. R. bespricht die hohe nationale Bedeutung des heranrückenden Jörn ha-Schekel. Dann wird das Programm der Warschauer politischen Zionisten und der Aufruf der reiehsdeutschen zionistischen Vereinigung gebracht. Feuilleton : „Ueber das Leben in Jerusalem*4 und „Die Schrecken von Schitomir". Zum Schlüsse die gewöhnliche Wochenschau, politische Rundschau und die interessanteste Rubrik „Korrespondenzen". Da kommt das Publikum zu Worte. Und gewöhnlich berichtet es über die Schulen, wie auch in Nr. 31 aus Stara Zagora, wo Miss- Verhältnisse herrschen, über das Leben der Juden usw. N.-F. aus Nr. 31 : 74.03 Lews. Iteha-Rafo. Dem „El Avenir"-Salonique entnehmen wir, dass die Anglo Jewish Assoziation der ,,Allianceschule" in Salonique wieder 175 türkische Pfund überwiesen habe, davon 25 Pfund ausschliesslich für den Unterricht in der englischen Sprache. Die Schule im Asyl wurde im Jahre 1903 von 1343 Schülern (1090 ganz oder halbzahlenden und 253 einen Freipiatzgeniessenden), im Jahre 1904 von 1383 Schülern (1188 zahlenden und 165 befreiten) besucht. Die Volks- und Gewerbeschule zählte 888 Schüler. Im Jahre 1903 betrugen die Einnahmen 97.920 Fr., die Ausgaben 100.672 Fr. Im Jahre 1904 spendete die Alliance 25.125 Fr., A. J. A, 4375 Fr., Beiträge aus Salonique betrugen 15.420 Fr., das Schulgeld 53.000 Fr. Iteha-Rafo In seiner letzten Nummer befasst sich der „Jewish Chronicle" mit der Zurückweisung des Ostafrikaangebotes, indem er sagt, weder die Sitzung des grossen A.-C. noch

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