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Die Welt · 1905-06-16 · 24 (16.6.1905) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
24 (16.6.1905)
Date
1905-06-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „bie # weit11 Nr. 24 die Verhältnis^' ändert, die Judenschaft zum degenerierten Abschaum der menschliehen Gesellschaft herabsinken und das Judentum zu einer verflossenen Phase der Geschichte werden niiisste. In dem heissen Kampfe, der da entbrannte, und wo den Palästinisten trotz Verbrämung mit szientifischen Draperien der Mangel einer ausreichenden Antwort auf die letztgenannten Gründe immer fühlbarer wurde, mussten sie ihre Zuflucht immer wieder zum doktrinären Prinzipienstandpunkte nehmen, infolgedessen auch der Ugandisnuis rückläufig werden und dein Prinzip ein Prinzip entgiigenz11ste 11 eli gezwungen wurde. Er wurde hierzu noch durch den Entgegenhalt und die Frage genötigt, was denn eigentlich die Anhänger desselben unternehmen würden, wenn sich das ügandaprojckt als ungeeignet oder unausführbar herausstellen oder die englische Pegierung wegen Schwierigkeiten in den Bedingungen des Uebereinkommens oder infolge Widerstandes der Ureinwohner und derjenigen, die bereits dort Rechte erworben haben, das hochherzige Angebot zurückziehen müsste. Da konnte die Antwort freilich nicht anders lauten, als: Da wir Palästina ,,in. absehbarer Zeit" nicht haben können, so müsste man, wenn es in "Uganda nicht ginge, ein anderes Territoriuni siechen. Und so häutete sich der Ugandisnrus zum Territorialismus . Dieser letztere als abstraktes Prinzip trat, wie es bei Prinzipien stets der Fall ist, schon vermöge seiner Natur vehementer und aggressiver auf. Nach dem Grundsätze, dass die beste Verteidigung der Angriff sei, suchte er alle Schwächen und Schwierigkeiten des zionistischen Grundgedankens und. seiner Ausführung in besonders grellen Farben zu schildern. Wie ein Neophyt, um die innere Stimme zu betäuben, seiner früheren Eeligion und den Anhängern derselben mit um so schärferer Gegnerschaft entgegentritt, je mehr er sich seitens seiner früheren Glaubensgenossen missachtet und verfolgt sieht oder doch glaubt, und immer mehr Proselyten. zu seinem neuen Glauben heranzuziehen sucht, so haben auch die Territorialsten wilde Attacken gegen ihre früheren Gesinnungsgenossen unternommen, sich als die Anhänger des wahren Zionismus proklamierend. End so mussten wir die Schmach erleben, dass aus einfacher Streitsucht im "Namen Zions von gar manchem Ritzkopfe sogar Palästina verunglimpft wurde. Ich habe immer behauptet und halte es auch heute für psychologisch naheliegend, dass an diesen Verirrungen die Hauptschuld unsere Eiferer selbst tragen. Durch ihren Fanatismiis und ihre Verfolgungssucht haben sie die Gegenwehr hervorgerufen. Inter arma silent leges, und man ward hüben und. drüben in den Kampfesmitteln 21 icht mehr wählerisch. Es wurde auch manch vergifteter Pfeil ohne und. mit Bedacht abgeschossen. Es konnte, dabei nicht fehlen, dass man nicht nur die Meinungen, sondern auch deren Vertreter mit Krieg überzog. Es war entschiede]! ein Fehler, dass man auch das offizielle Organ in diese Kämpfe der Parteien hinabzusteigen zwang, und. musstc dies demjenigen am meisten wehe tun, der <>s mit so viel Opfern geschaffen und als vornehmen Wecker in dem jüdischen Leben gedacht halte. Er, dem das Niedrige Seelensch merz verursachte, müsste überhaupt von diesem Treiben angeekelt werden und mit Schauder wahrnehmen, welche ihm bis dahin unbekaniitenVerheerungen das Gallith in den Keinen seines von ihm idealisierten A'olkes angerichtet hat. In. jenen schweren Stunden war wieder er es, der den Wog aus dem Labyrinth fand und durch die Konzilianz seines Wesens bei der A.-O.-Silzimg im April 190-1 die Dissenters zur Achtung des Kongressbeschlusses und alle zur Führung des Kampfes der An sichten in würdiger, nobler Art verpflichtete. Die Oestier mussten sich bei diesem Anlasse überzeugen, dass nie in den vergangenen Jahren so viel für Palästina getan wurde als gerade in der letzten, dem ostafrikanischen Angebote folgenden Periode. Das Bewusstsein, das Schifflein der Bewegung über eine schwere, zerschellen androhende Klippe hinausgesegelt zu haben, war der letzte Trost des mit dem Keim des nahen Todes im Innern noch eifrig arbeitenden Führers. Man hätte wohl nach dieser Sitzung leichter aufatmen und hoffnungsvoller der nächsten Zukunft entgegensehen können. Aber, als wenn den Gesohickesmächten die Entwirrung und Glättung der Verhältnisse gegen den Strich gegangen wäre, wurde die Bewegung gerade jetzt vom grössten "Unglücke betroffen. Das grosse Herz des Führers brach, er starb so plötzlich, und die Bewegung blieb ohne Haupt. (Fort Setzung folgt.) Der VIL Kongress. Auf viele Anfragen wird erklärt: Das Aktionskomitee hat nur den kleineren Teil der Galerie für solche Gesinnungsgenossen reserviert, die aus weiter Ferne kommen, um an dem Kongresse teilzunehmen, dazu aber nicht immer gelangen konnten und sich schon vor einiger Zeit an das Kongressbureau um Eintrittskarten gewendet haben. Diesen Gesinnungsgenossen, die auch dem Nationalfonds Spenden zuführen, soll bei rechtzeitiger Anmeldung Gelegenheit geboten werden, den Verhandlungen des Kongresses beizuwohnen. Im übrigen steht nach wie vor der grösste Teil der Galerie dem Publikum kostenlos zur Verfügung. * * * Das Kongressbureau gibt bekannt, dass Galleriekarten für den VIL Kongress nur gegen Erlag von Fr. 20.— reserviert werden können. Die anderen Karten werden nur in Basel ausgegeben. Aus Russland. Wir haben bereits gemeldet, dass der russische Minister des Innern. Bulygin eine Gesetzesvorlage ausgearbeitet hat wonach der Passzwang für alle russischen Staatsbürger, Juden aber' aiisgenomme n, auf gehoben werden soll. Diese Gesetzesvorlage ist nun dem Reichsrate zur Begutachtung unterbreitet worden und liegt im Wortlaute vor. Dieser Wortlaut ist geeignet, nicht nur auf die Politiker russischen Regierung den Juden gegen ül er helle Schlaglichter zu werfen, sondern auch die Menschenwürde unserer Volksgenossen tief zu verletzen. Die neue Passgesetzvorlage stellt die Juden auf eine Stufe mit Verbrechern. Es heisst darin wörtlich: „Der Passzwan^ bleibt aufgehoben, bleibt jedoch für zwei Kategorien der Bevölkerung bestehen: für Personen, welche auf Grund gerichtlicher oder administrativer Entscheidungen unter Polizeiaufsicht stehen und für — Juden." Nichts kennzeichnet die Politik der russischen Regierung den Juden gegenüber klarer und deutlicher, als diese Worte der neuen Passgesetzvorlage. In einem gesetzgeberischen Akte wird unumwunden erklärt, dass Juden und Mörder und Diebe, welche nach Abbfissung ihrer Strafe unter Polizeiaufsicht gestellt werden, dem Passzwang unterliegen . . . Die „N o - w 0 s t i" verleihen ihrer Entrüstung über die Verunglimpfung der Juden lauten Ausdruck. Das Blatt schreibt unter anderem: „Welche Entrüstung, welcher Abscheu muss jeden Juden erfüllen beim Gedanken an eine solche Ungerechtigkeit, an eine solche Voreingenommenheit gegen ihn bloss deshalb, weil er es wragt, dem Glauben seiner Vorfahren treu zu bleiben. Welche Scham muss sich der einheimischen Russen bemächtigen, wenn sie sehen, dass eine Gruppe der Bevölkerung als Feinde des Vaterlandes behandelt werden." Das russische Blatt befindet sich jedoch mit seinem Urteil auf falscher Fährte. Im allen Aktionen der'russischen Regierung den Juden <;e<;cimber liegt ein System, welches darin gipfelt, die Juden in den Augen der gesamten russischen Bevölkerung zu diskreditieren und dadurch den Hass der „Einheimischen44 gegen die „Fremdlinge1' zu schüren und den Aus-

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