Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 24 (16.6.1905)
- Date
- 1905-06-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 „bie & weit" Nn 24 dachung, die ich denn auch schliesslich erreichte, an einer Stelle, von wo ans kein Ausblick über ihre nördliche Ausdehnung möglich war, aber durch die überhängenden Bäume konnte ich senkrecht auf das grosse Tal niederblicken, das sich wie eine Landkarte 3000 Fuss tief unten erstreckte. Xsachdem wir einige Meilen in nordwestlicher Eichtling zurückgelegt hatten, trafen wir auf einen Pfad, der zu einer Halblichtung führte. Von dort aus konnte ich eine Beihe von Kompasspeihmgen vornehmen und auf diese Weise eine ziemlich genaue Kenntnis vieler Meilen! nach Osten gewinnen. Ich kehrte zur Halblichtung zurück und schlug etwa zwei Meilen nördlich von unserem vorigen Lager unsere Zelte auf. Dies geschah gegen Abend. In dieser Gegend findet man Klee und eine ziemlich geschmacklose Himbeere und eine weisse, immerblühende Blume in grosser Fülle. Am 8. Februar verbrachte ich noch einen ziemlich langweiligen Tag im Walde. In zehn Stunden kamen wir ebensoviele Meilen vorwärts. Am Ende des Nachmittags stiessen wir auf einen schmalen Streifen offenen Landes, etwa eine Meile lang, und schlugen hier zur Nacht unser Lager auf. Am Mittag des folgenden Tages hatten wir den AVald durchschritten und etwa eine Meile weiter trafen wir auf die Farm von drei Südafrikanern, die Brüder Van Breda. Ihre Ochsen und Esel waren ein lebender Beweis der Vortrefflichkeit des Weidelandes in dieser Gegend. Einer der Brüder sagte mir, dass vor einigen Nächten drei Ochsen aus dem an das Haus anstossenden Kraal gestohlen worden wsren, und dass später zehn Wilde sich dem Eingeborenen näherten, der binnen einer halben Meile vom Hause die Esel hütete, ihm sagten, er solle nach Hause gehen und sich dann daran machten, die Esel in den Wald zu treiben. Bis der Junge seine Herren von dem Raube unterrichten konnte, waren die Diebe entflohen, und alle Versuche, sie einzuholen, stellten sich als fruchtlos heraus. Am folgenden Tage kamen wir zu einem trockenen, dürren Landstrich, wo die poröse Lava nur von einer dünnen Schicht Erde bedeckt war. Das Gras war spärlich und die wenigen Bäume, die von Zeit zu Zeit Wurzel gefasst, waren alle verdorrt, nachdem sie eine Höhe von einigen Fuss erreicht hatten. Die Flussbetten waren trocken und Wasser musste cl'rei Meilen weiter geholt werden. Am folgenden Morgen kam mein Masaiführer, der sich bis dahin ausserordentlich unwissend über das Land gezeigthatte, seit wir in dasselbe gekommen waren, zu mir und fragte mich, in welcher Eichtling ich nun gehen wolle. Als ich ihm sagte, dass wir nach Xorden gehen würden, antwortete er, dass die Leute in den Bergen uns töten würden, und schlug eine westliche Richtung vor. Darauf konnte ich natürlich nicht einwilligen und bestand auf dem nördlichen Weg, worauf der Masai sicli energisch weigerte, mich zu begleiten. Ich gab ihm darauf genügende Vorräte, um nach der Ravine zu kommen, und schickte ihn auf der Stelle aus dem Lager. Als die Lasten gepackt waren, gab ich den Befehl zum Aufbruch, begegnete aber allgemeinem Widerstande, denn die Träger blieben alle dabei, dass sie nicht getötet werden wollten und dass ausserdem, nun wo der Miasai uns verlassen hatte, wir niemand hatten, der uns führen konnte. Ich antwortete, dass ich der Führer sein könnte und dass ich *ic alle lebend zurückbringen würde. Sie blieben aber bei ihrer Widerspenstigkeit, An ."jenem Morgen hatte ich „Posho" für sechs Tage verteilt. Daran erinnerte ich sie und fügte hinzu: „Ihr habt gerade genug Vorräte, um nach Xakuru zu kommen. Alle, die sich meinen Befehlen widersetzen, werden sofort dem Masai folgen, und vergesst nicht, dass ihr keinen Pfennig Lohn bekommen werdet und kein Fahrgeld, um in eure Heimat zurückzukehren." Sie blieben auch darauf fest, ich befahl also, mein Zelt aufzuschlagen und fügte hinzu: „Ich kann sehr gut zwei Tage hier stillsitzen, nach Ablauf dieser Zeit werde ich neue Träger aus dem Lager in Sirgoi bekommen. Mfacht euch jetzt alle bis auf den letzten Mann davon." Dies brachte die Mombassaleute, von denen ich glücklicherweise etwa ein halbes Dutzend mit mir hatte, zur Besinnung. Einer vom ihnen näherte sich mir und sagte, dass die Mombaissaleute gewillt seien, mir zu folgen, bat mich aber, der Karawane nicht weit vorauszugehen. Ich wusste nun, dass ich das Feld gewöhnen hatte, wandte mich also zu den Nairobi-Leuten und befahl ihnen, sofort das Lager, zu verlassen und, wie ich erwartet hatte, teilten mir diese nun mit, dass sie mir auch folgen würden. Von nun anJ hatte ich keine weiteren Schwierigkeiten mit meiner Karawane. (Schluss dieses Berichtes in nächster Nummer.) Wie ist es nur gekommen? Ii. Der Ugandavorschlag als eventuelles Remedium zur Linderung grausamsten Elends einerseits wie auch als politische Diversion zur Erzielung bestimmter Stimntiiungen und Erfolge andrerseits, nicht minder aber als propagandistisches Mittel für die Hebung der Bewegung auf ein höheres Piedestal in den Augen der Welt und im Gefühle der Anhänger derselben gehört gewiss nicht zum Endziele des Zionismus, das nur eines sein kann. „Zion ist das freilieh nicht und kann es nie werden," hiess es in der Eröffnungsrede, womit der verewigte Führer den 6. Kongress inaugurierte. Jeder Ehrlichdenkende musste sogar a priori darauf gefasst sein, dass hierzu keines der materiellen Instrumente des Zionismus ohne schweren Vertrauensnaissbrauch — der doch gewissvon keiner Seite zu erwarten war — verwendet werden durfte, und es ist charakteristisch, dass der Antrag zu dem diesbezüglichen Kongressbeschluss in der vorbereitenden Sitzung des grossen A.-C, gerade von einem Mitgliede desselben ausgegangen war, welches den Standpunkt einnahm, dass die Zionisten nicht das Beeht haben, das ihnen für das ganze Judentum vorgelegte Projekt aus prinzipiellen Gründen abzulehnen. Hätte man nun, nachdem der Kongress die Absendung der Expedition mit dem Vorbehalte beschlossen hat, dass hierzu keine zu zionistischen Zwecken gesammelten Mittel verwendet werden dürfen, es ruhig dabei belassen — so hätte dieser ganze Zwischenfall sich als ungefährlich erwiesen. Es wären entweder die Ausspäher mit der Mitteilung zurückgekehrt, dass dort nichts zu machen sei, und es wäre dann bloss bei dem nicht gering anzusetzenden moralischen Erfolge geblieben, der vielleicht auch dort, wo man es gewünscht, eine politische Wirkung ausgeübt hätte. Oder die Expedition hätte günstige Auskünf te über die Möglichkeit einer Besiedlung gebracht. Im letzteren Falle wäre es „eine Kolonisationsaushilfe auf nationaler und staatliche]? Grundlage, eine N-otstandsmassregel, die der Ratlosigkeit aller philanthropischen Unternehmungen abhelfenJ und dem Verluste versprengter Volksteile vorbeugen" sollte. In diesem Satze der genannten Eröffnungsrede war im^plicite gesagt, dass die Ausführung den pliilanthropischen Vereinen zu überlassen wäre. Es hätte dem Zionismius in diesem Falle gewiss nicht geschadet, wenn ihm tausende jüdische Familien ihre Existenz und! Biettung zu verdanken und die Zahl seiner Anhänger und Mittel zu vennehren und zu verstärken sich verpflichtet gefühlt hätten. Ich glaube durchaus nicht, dass die Voraussetzung zum Zionismus nur in der Notlage gelegen sei. Die glühende Liebe des Jehuda Halevi und der anderen Juden in Spanien blühte gerade zu einer Zeit, wo es nicht schlecht ging, und Moses Hess schrieb sein „ßoni und Jerusalem" in der Zeit der Emanzipation. Die