Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 24 (16.6.1905)
- Date
- 1905-06-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 „bie & Weit11 Nr. 24 netem Rat und praktischer Hilf« zur Seite gestanden. Unter anderem schlug er eine kleine Abweichung vom Anerbieten der Regierung vor, die aus vielen Gründen zu empfehlen ist. Herr Kaiser und Herr Wilbusch scheinen beide, nach ihren Berichten zu urteilen, unter dem Eindruck zu stehen, dass die von Sir Harry Johnston vorgeschlagene Abweichung ein abgeändertes Anerbieten der Regierung ist; die auf ein solches abgeändertes Anerbieten bezüglichen Bemerkungen beruhen also auf einem Irrtum, und da sie zu grosser Verwirrung Anlass gegeben hätten, sind sie aus den Berichten gestrichen worden. Wir brauchen nicht zu sagen., dass die in den Berichten ausgesprochenen Schlussfolgerungen dadurch in keiner Weise beeinflusst werden. Den getroffenen Vereinbarungen gemäss wurden die Berichte der Herren Kaiser und' Wilbusch Major Gibbons unterbreitet, da er der Führer der Expedition war. Er hat seinem Bericht einen Nachtrag beigefügt, der Notizen über die Berichte seiner Kollegen enthält. Es wäre nicht am Platze, wenn ich hier eine Meinung ausspräche, die ich mir durch ein Studium dieser Berichte über dieses Gebiet für Zwecke einer jüdischen Niederlassung etwa gebildet hätte. Die Sache geht wohl den Kongress an, dem wahrscheinlich die Vorschläge des Aktions-Komitees über den ganzen Plan vorgelegt werden sollen. Ich zweifle jedoch nicht daran, dass die Verhältnisse, unter denen allein der Plan annehmbar sein könnte, genügend berücksichtigt worden sind. Dr. Herzl setzte diese Verhältnisse in einem Briefe an Sir Francis Montefiore, datiert 14. Dezember PJ03, auseinander. In diesem Briefe sagt er: „Vier Elemente sind meiner Ansicht nach notwendig, um uns das Anerbieten der englischen Regierung als innerhalb der Grenzen der praktischen Politik erscheinen zu lassen : 1. Die Ausdehnung des Gebietes muss eine genügende sein, um Einwanderung nach einem solchen Maßstäbe zu ermöglichen, das* sie mit der Zeit den Druck merklich verringert, der heutzutage auf den Juden irn Osten lastet. 2. Das Gebiet muss durch ein Volk wie das ansenge kolonisierbar sein. 3. Der Konzession müssen, solche autonome Ecchte erteilt werden, dass der jüdische Charakter der 'Niederlassung erhalten bleibt. 1. Und — was wahrscheinlich die Hauptsache ist — die Begeisterung unseres eigenen Volkes für das LVnerbieten muss solcherart sein, dass alle die so! naheliegenden. Schwierigkeiten, die auch unter den günstigsten Verhältnissen bei der Errichtung einer Niederlassung sich fühlbar machen müssen, dadurch überwunden werden können." Die Ihnen, nun vorgelegten Berichte verleihen uns die Mittel, zu entscheiden, in welchem Grade einige dieser vier Bedingungen, die früher zweifelhaft erschienen, sich in dem fraglichen Gebiete vorfinden. Wenn der rechte Moment kommt, bin ich überzeugt, dass die Gelegenheit nicht ausser acht gelassen werden wird, der Kommission für die Weise, in der sie ihre Arbeit getan hat, zu danken. Es ist aber nur gerecht, hier hervorzuheben, dass Herr Wilbusch seine mühevolle Aufgabe, bei der Erforschung des Gebietes Beistand zu leisten und einen Bericht darüber zu schreiben, ohne jegliches Honorar unternahm, lediglich aus dem Wunsche, der Zionisten-Bewegung zu dienen, deren ernster und eifriger Verteidiger er ist. Ich muss. zum Sehluss noch meinem Gefühl der tiefsten Dankbarkeit für Sir Clement Hill, der bis vor kurzem an der Spitze des Protektorat-Departements stand, Ausdruck geben, und auch für die anderen Mitglieder des Auswärtigen Amtes, für die stets gleiche Hilfsbereitschaft und Liebenswürdigkeit, die uns von der englischen Kegierung zuteil geworden ist, seitdem das Anerbieten ursprünglich gemacht wurde. Hochachtungsvoll . LEOPOLD J. GESENBERG. 16. Mai 1905. * * * Bericht über die Arbeit der Zionistenkommission im Britischen Ostafrika. Von Major A. St. H. Gibbons. (Aus dem Englischen übersetzt.) Meinen ursprünglichen Vorschriften gemäss habe ich das Vergnügen, Ihnen nieinen Bericht über das Vorgehen und die Nachforschungen der Kommission vorzulegen, welche sich unter meiner Führung nach Ostafrika begab zum Zwecke der Erforschung der natürlichen und politischen. Verhältnisse im Guas Ngisbu-Platea.u, dem Gebiete, das den Zionisteii zum Zwecke der Ansiedlung von der britischen Regierung angeboten worden ist. Ich sende hiermit eine von mir verfertigte Karte, welche die Resultate meiner Vermessungen zeigt, und ich unterbreite auch Ihrem Komitee meine eigenen Beobachtungen, zahlreiche Konipasspeilungen, Beobachtungen über Breitegracle usw., welche sich gegenseitig kontrollieren und bis zu einem gewissen Grade die Richtigkeit der Vermessungen, was alle wichtigeren Punkte anbetrifft, gewährleisten sollten. Es ist zu bedauern, dass meine Kollegen nicht mit Vermessungsinstrumenten versehen und deshalb ausscTstan de waren, Daten über die Ausdehnung des vermessenen Landes zu liefern. Ich muss hervorheben, dass infolge des pfadlosen. Zustandes des Landes, welches seit mehreren Jahren keine ansässige Bewohnerschaft gehabt hat, d!as Reisen mit grossen Strapazen verbunden war, namentlich den Grenzen der Chipchangwane-Gebirgskette entlang. Es war also eine physische Unmöglichkeit, in der kurzen Zeit, die uns zugebote stand, so viel Land zu erforschen, als wünschenswert gewesen wäre. Ich sende hiermit auch Photographien, die zum Zwecke der Illustration dieses Berichtes gemacht wurden. Bevor ich auf die Aussichten) und. Möglichkeiten dieses Gebietes vom Gesichtspunkt einer europäischen Niederlassung näher eingehe, will ich über den allgemeinen Verlauf der Expedition beri eh ton. Die Kommission, die aus Professor Alfred Kaiser, Herrn Ingenieur IST. Wilbusch und mir selbst bestand, verlicss Triest an Bord des österreichischen Lloyd-Dampfers „Africa" am 28. Dezember des vorigen Jahres und landete in Mombassa am 13. Jänner. Durch die freundliche Hilfe der Herren Smith, Maekenzie & Co., Mombassa, war es uns möglich, uns mit der Nairobi-Bahn am folgenden Tage nach Uganda zu begeben. In Mombassa nahm ich einen Karawanenführer und verschiedene Diener auf und auch eine Anzahl von Trägern, da man mich darauf aufmerksam gemacht hatte — mit gutem Grunde, wie ich später einsah — dass Karawanen, die ausschliesslich aus Eingeborenen aus dem Innern des Landes bestehen, sich oft als unzuverlässig erweisen und durch Desertieren und Widerspenstigkeit der Kommission emstlichen Zeitverlust verursachen könnten. Dem wollte ich mich, in Anbetracht der kurzen Zeit, die uns zugebote stand, nicht aussetzen. In Nairobi nahm ich noch 35 Träger an und alle Vorbereitungen waren getroffen, als es galt, den ersten Zug nach Westen zu besteigen. Wir brachen am Morgen1 des zweiten Tages nach unserer Ankunft auf. In Nairobi sah ich Sir Donald. Stewart, K. C. M. G., Kommissär Seiner Maje-