Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 23 flbit & W^lt" Seite 9 Die Zuschrift des A.-C. wird mit einem Begrüssungstelegramm erwidert. Schriftführer Pfeiffer- Papa verliest nun den Bericht des Landeskomitees. Die von der II. Landeskonferenz beschlossene Dezentralisation hat sich als eine verfrühte Massregel erwiesen, welche für die Agitation eher hinderlich als förderlich war. Dieser Mangel war auch bei der Begründung des Parteiorgans „Z s i d o N e p 1 a p" fühlbar. Das Blatt hat einen starken moralischen Erfolg, in materieller Hinsicht nur schlechte Resultate erzielt. Die Misrachistenkonferenz zu Pressburg habe eine gewaltige agitatorische Wirkung in Ungarn, wo diese Richtung viel Sympathie besitzt, zur Folge gehabt. Der Protest der orthodoxen Rabbiner habe bei dem herrschenden Autoritätenkiiltus allerdings verhindern können, dass diese Wirkung in Erscheinung getreten ist, habe aber doch nur dazu gedient,, die Aufmerksamkeit aller Schichten des orthodoxen Judentums auf unsere Sache zu lenken. Trotz der verschiedenen ungünstigen Zufälle habe die Federation ein Wachstum erfahren. Die Zahl der organisierten Mitglieder übersteigt das zweite Tausend. Weitaus grösser ist die Zahl der Anhänger, die sich aus angeführten Gründen vorläufig reserviert verhalten. Die Einnahmen des Landesbureaus beliefen sich auf 809,44 Kronen, die Ausgaben auf 771,13 Kronen. Es sind 530 Briefe weggegangen und 240 eingelangt. Bedauerlicherweise sei aber :der N.-F., der Gradmesser zionistischer Tätigkeit, schlecht bedacht worden. Im verflossenen Jahre sind in G y ö r (Raab), Debreczen,. Felegyhaza, Isaszegh, S o p ron, Szomb a t h e 1 y, Malaczka, M. - S z i g e t Ortsgruppen entstanden und in Budapest zwei neue Vereine gegründet worden. In der Debatte, welche sich an diesen Bericht knüpft, spricht B o k o r über die Entwicklung der Budapester Vereine. S c h e y - Isaszegh greift die beiden jüdischen Landeskanzleien an, die eine Genehmigung zionistischer Statuten verhindern. Dr. Abrahamsohn hält einen Kampf gegen die Orthodoxen für unzulässig, man müsse eher eine Verständigung zu erzielen suchen. L a b o w i t s c h - Budapest urgiert die Statutenangelegenheit und empfiehlt, darinnen behufs Genehmigung die Betonung des Jüdischnationalen zu vermeiden. K a - h a n - Besztercze legt Gewicht auf Agitation im Kreise der Jugend. Nachdem Bettel heim auf die erhobenen Einwände geantwortet hatte, wurde der Bericht zur Kenntnis genommen und die Sitzungum halb 1 Uhr geschlossen. Nachmittags 3 Uhr wurde die Sitzung wieder von Doktor R o n a i eröffnet. Es wird eine Statutenkommission, mit Prof. Bokor an der Spitze, gewählt. Bokor erstattet sein Referat über die Presse. Er beantragt die Einsetzung einer, aus Mitgliedern aller Vereine bestehenden Presskommission, welche sowohl um die Parteipresse besorgt sein als auch bemüht sein soll, die Tagespresse mit Informationen über unsere Bewegung zu versehen. Der Antrag wird einstimmig angenommen und die Konstituierung des Presskomitees dem Landesbureau überwiesen. (Fortsetzung folgt.) Zweite Tagung des Verbandes zionistischer Studenten Oesterreichs. Am 31. Mai, 1. und 2. Juni tagte in Wien zum zweiten Male seit seinem Bestände der Verband zionistischer Studenten Oesterreichs. Diesem Verbände gehören 19 Korporationen an, von denen nur 13 von ihrem Rechte, Delegierte entsenden zu dürfen, Gebrauch gemacht hatten. Da die Sitzungen überdies von den Wiener Vereinen ausserordentlich schwach besucht waren, 'konnte der Verbandstag nicht jene Erwartungen erfüllen, die man in ihn gesetzt hatte. Der präsidierenden Korporation „Bar K o c h b a"-Prag kann man wohl daran keine Schuld beimessen, wenn auch für die Agitation für diesen Verbandstag mehr hätte geleistet werden können, sondern es liegt dies mehr an den lokalen Wiener Verhältnissen. Die Referate waren fast durchwegs vorzügliche, obwohl einige Referenten, sich zu sehr an lokale Verhältnisse haltend, diese entweder einfach verallgemeinerten oder die allgemeinen Verhältnisse bloss streiften. Man muss wohl denjenigen recht geben, welche behaupten, dass derartige lose, ohne jede Disziplin zusammengehaltene Organisationen nur einen theoretischen Wert haben, jedoch keinerlei praktischen. Dies hat der letzte Verbandstag gezeigt. Es «sind Resolutionen gefasst worden, das ist gewiss etwas rein Theoretisches. Es wurden aber auch p r a. kt i s c h e Beschlüsse gefasst, Beschlüsse, welche, wenn, sie durchgeführt würden oder durchgeführt werden .könnten, dem Verbandstag alle Ehre machen würden. Es ist dies zunächst der Beschluss des Verbandstages bezüglich der Einführung von Schiedsgerichte n, um Duelle zwischen jüdischnationa'en Studenten zu verhindern. Doch auch in diesem Beschlüsse V eschränkte man sich mit der kategorischen Aufstellung einer These. Darüber, wie diese Schiedsgerichte zusammengesetzt sein sollen; wie etwaige Kompetenz- oder Meinungsdifferenzen geschlichtet werden sollen, darüber wurde nichts gesprochen. Von. positiven Beschlüssen, deren Ausführung dem Verband als solchem obliegen, .«sei erwähnt die Herausgabe einer .hebräischen Beilage zu der Zeitschrift „Unsere Hoffnung"'. Die Notwendigkeit eines Zentralorganes für wissenschaftliche und studentische Fragen ist schon seit langer Zeit empfunden worden. Obwohl, nur ein diesbezüglicher Antrag von Seiten der Zeitschrift „Der jüdische Student" vorlag, wurde der Plan der Gründung eines studentischen Zentralorganes fallen gelasssen und beschlossen, das künftige Organ der österreichischen Landesorganisation, zu ihrem Zentralorgan zu machen. Dieser Beschluss muss entschieden als ein verfehlter bezeichnet werden, da die Vereine als zionistische. Korporationen zwar das Parteiorgan unterstützen müssen, andrerseits als Studentein für wissenschaftliche und Standesfragen ein eigenes Organ benötigen. An den Beratungen nahmen zeitweise teil und beteiligten sich auch am der Debatte die A.-K.-Mitglieder Dr. Leopold K a h n, Dr, Krenberg e r, Reverend Hech 1er etc. etc. Nachstehend der Bericht: Erster Tag. Namens der präsidierenden Korporation „Bar Kochba" (Prag) begrüsst Del. Viktor Freud das anwesende A.-C- Mitglied Dr. K a h n, die durch Delegierte vertretenen Vereine „Emunah" (Bielitz), „Maccabaea" (Drohobycz), „Zephirah" (Czernowitz), „Bar Kochba" (Stanislau), „Agudath Herzl44 (Lemberg), „Jüdische Lese- und Rede.hahV (Brünn) und die Wiener Vereine „Leo Pinsker", „Bar Kochba'\ „Bar Giorau, „Theodor Herzl", „Theologia" und „Jordania" und die als Gäste anwesenden Vertreter der akad. Verbindungen „Kadimah" und „Ivria". In warmen Worten hält er unserem verstorbenen Führer Dr. Herzl einen Nachruf, den die Versammlung stehen 1 anhört. Hierauf referiert Del. Braun („Bar Kochba", Prag) über „D a s Entaf'tungsproblcm und die Jude n". Die äusserst interessantem wissenschaftlichen Ausführungen des Referenten zeugten von grossem Fleiss und ausserordentlicher Sachkenntnis. Zw e i t e r Tag. Nach Verlesung der Begrüssungs- und Entschuldigungsschreiben wird, zur Wahl des Präsidiums geschritten, u^d zwar wird der_DeL Viktor Freud zum Vorsitzenden gewählt. Sodann spricht Del. K a p 1 a n s k i - K a p 1 a n („Leo Pinsker") über ,,P rogrammatisclie Frage Der Redner, der die „Poale Zion"-Bewegung favorisiert, beantragt folgende Resolutionen: 1. Der Territorialismusist ein von seinen geschichtlichen Voraussetzungen abstrahierter und seines klaren, festen Zieles beraubter Zionismus. Er verkennt die Tatsache, dass ein durch Jahrtausende geschaffenes natürliches Band zwischen dem jüdischen Volk und. seinem historischen Lande besteht; er verkennt die Tatsache, dass die günstige geo graphische Lage Palästinas, die eine gedeihliche, wirtschaftliche Entwicklung dieses Landes verbürgt, sowie 'unsere mehrjährigen kolonisatorischen Erfahrungen in diesem von Juden am stärksten bewohnten Territorium nicht zu unterschätzende Faktoren für den Erfolg des Zionismus sind. Wir lehnen daher eine A e n d e r u n g des Baseler Propra in m e s im territorialistische n S i n n e a b. IL In Erwartung, dass der VII. Kougress in Ausführung des § 3 des Baseler Programmen praktische Arbeit in Palästina in