Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 OB & W{ it (M Seite 7 schliesslich in Jerusalem abgesetzt. Dieser Erlös ist ein wenn auch sehr geringer Beitrag zur Erhaltung des Institutes, das auf heimische und auswärtige Spenden angewiesen ist. Heimische Kinder werden derzeit noch von ihren Eltern verpflegt, ausländische werden gegen Zahlungsleistung von Francs 400 — jahrlich aufgenommen. Jüdische Gemeinden, die dem Institute eine jährliche Subvention von mindestens Francs 400,— zuführen, haben das Recht, einen Zögling unterzubringen. Der Unterricht wird von tüchtigen Fachlehrern besorgt. Eine ausserordentlich gediegene Lehrkraft für Schreiben, Lesen und weibliche Handarbeiten besitzt das Institut an einer Lehrerin, die in dem Wiener Blindeninstitute des Herrn Dr. Heller erzogen wurde. Trotz seiner geringen Mittel hat das Institut während des kurzen Bestandes viel Erspriessliches geleistet und die höchste Anerkennung bei allen Besuchern gefunden. Es ist freilich bedauerlich, dass eine so wichtige Anstalt, in der & £ ^«te t; -S^f^l c Das israelitische Blindeninstitut für Palästina. die Unglücklichsten unter den Armen zu nützlichen Menschen erzogen werden, bisher noch nicht die verdiente Beachtung seitens der jüdischen Wohltäter gefunden hat und dass die Leiter die Erhaltung dieses wichtigen Institutes mit unsäglichen Schwierigkeiten erkämpfen müssen. Vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei, das für die armen Unglücklichen, ihres Augenlichtes Beraubten in unserem heiligen Lande so wichtige Institut der Aufmerksamkeit unserer Wohltäter allerorts zu empfehlen. Wir teilen noch zum Schlüsse mit, dass unser Gesinnungsgenosse Herr Hermann Schimmer, Wien, IL, Grosse Pfarrgasse 23, als Bevollmächtigter dieses Institutes unterstützende Mitglieder für dasselbe aufnimmt und die nötigen Informationen zu erteilen bereit ist. B. Aus England. London, 2. Juni. Wenn auch die Ausschussberatungen in bezug auf die Alien Bill in der letzten Zeit einige Verzögerung erlitten, ist es doch sicher, dass die Regierung alles aufbieten wird, um den Entwurf so bald als möglich Gesetz werden zu lassen. Es ist fieilich einige Hoffnung vorhanden, dass aus dem Entwürfe vor seiner Gesetzwerdung einige Schärfen eliminiert werden, und namentlich die Antwort, die die Regierung am Dienstag dem Liberalen Campbell-Bannerman auf eine bezügliche Anfrage im Parlament erteilte, macht eine Nachgiebigkeit der gou vernementalen Faktoren in dieser Frage wahrscheinlich. Sehr gefördert wird die Sache jedenfalls durch die zahlreichen jüdischen Proteste und Petitionen an die lokalen parlamentarischen Vertreter. Auch Herrn Joe Chamberlain hat man zu einer Stellungnahme veranlasst. Die „Birmingham Congregation" wendete sich mit einem Schreiben an den englischen Staatsmann, der antwortete, dass die beantragten Amendements sicherlich mit allem Ernst geprüft werden sollen. Die Sache steht also verhältnismässig günstig und es verdient sicherlich Beachtung, wenn die „Dailv News" schreiben, dass die Bill in ihrer gegenwärtigen Form ohne Zweifel als abgetan zu betrachten sei. Recht interessant sind die Argumente, die der Sekretär des Kriegsdepartements, Herr Arnold Förster, in einer Versammlung liberaler Frauen gegen die Bill ins Treffen führte. Das Gesetz sei angeblich gedacht als Schutz für die Arbeiter und die Industrie. Was aber müsse die Folge des Gesetzes sein, fragte Mr. Forster? Dass diese Leute, denen man die Einwanderung unmöglich mache, in den Dienst der ausländischen Industrie treten und die von ihnen erzeugten Waren in scharfe Konkurrenz mit den Erzeugnissen der englischen Industrie treten werden. Verzeichnet zu werden verdient, dass auch die angesehene „International Arbitration and Peace Association" gegen die