Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 23 (9.6.1905)
- Date
- 1905-06-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316128-3316156--46939-3341809- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 lfbi* # Weit" Nr, 23 findlich. Wir wissen, dass man mit Ziffern alles beweisen kann; andrerseits aber scheint man in bezug auf Palästina alleZiff^mbeweisen zukönnen. In der von Dr. AifredNossig herausgegebenen „ Jadischen Statistik" ist die Zahl der Juden ill Jerusalem von Dr. Moses Friedländer mit 38 518, von Dr. Saad mit 40.000, angegeben; Baedeker führt die Ziffer 41.000, in einer Korrekturnote nur 32.000 an» Schliesslich kommt Dr. Nossig selbst am Ende seines Werkes auf Grund von älteren Daten gar auf die^ Ziffer 13.000. Aehnlich ist 06 bei den anderen Städten. Während Sunez für Safed die Ziffer 7140 angibt, verzeichnet Baedecker 13.000, und die von Sunez für Jaffa mit 2970 angegebene Ziffer wächst bei Baedecker gar auf 10.000. Die einzige Person, die sich wirklich auskennt, ist offenbar Dr. Soskin. Er hat übrigens auch eigentümliche Informationen über das Areal von Palästina. Während ich in all meinen Büchern den Umfang von Palästina mit 10.000 Quadratmellen angegeben finde, ist sein Palästina doppelt so gross. Selbst wenn Palästina zehnmal so gross wäre als die wilde Schätzung Dr. Soskins, es könnte nicht mehr als etwa drei Millionen Juden aufnehmen. Endlich die Kronländer, von denen ich dachte, wir könnten sie vom-Sultan erwerben, sind unglücklicherweise ungesund und ihre' Erwerbung kostspielig. Und schliesslich binnicht ich es, mit dem Dr. Soskin nicht übereinstimmt, wenn er sagt, es wäre leicht, diese Sümpfe zu : entwässern, sondern der patriotische Palästinenser Herr! Ussischkin, dessen Broschüre „Unser Programm" ich meine Informationen verdanke. Herr Ussischkin ist der erste Zionist^ der dem Palästinaproblem aufrichtig gegenübertritt anstatt mit kindischer Rhetorik, und; der sich das Land besieht, von dem er schreibt (p. 12) : 9 Dieses Land ist wegen seiner klimatischen Bedingungen am wenigsten für den Beginn einer Grosskolonisation geeignet ... es sind immense Verausgaben für seine Sanierung notwendig Zudem liegt dieses Land auch nicht wüst da/ Und da Ussischkins „Unser Programm" zufolge der einzige Weg zur Erlangung von Palästina „nur der Ankauf" sein kann, ist Dr. Soskins Behauptung, das Kron- Land könne nicht gekauft werden, der kräftigste Hieb von allen „gegen Palästina". Israel Zangwill. Mr. Zangwill für Palästina? Herr Z a n g w i 11 ist mit meiner Berichtigung in Nummer 20 der „Welt" nicht zufrieden und bemüht sich, durch das Herausgreifen einzelner Angaben aus meinem Artikel zu beweisen; dass unsere beiden Angaben sich so gut wie gar nicht widersprechen und eigentlich ich das ^Karnickel" sei, das angefangen,hat: und gegen Palästina das Beweismaterial liefere. Ich werde mich bemühen, den scharfen persönlichen Ton zu vermeiden, der Herrn Zangwills Ausführungen eigen ist. in seinem Artikel in Nr. 17 der „Welt" hatte Herr Zangwill Zanlen angeführt, die der Wirklichkeit nicht entsprechen, und aus ihnen den Schluss gezogen, das Palästina stark bevölkert sei, und dass wir deshalb auch mit dem Charter in der Hand uns darauf gefasst machen müssen, entweder die Stämme, die Palästina besitzen, nach dem Beispiel unserer Vorväter mit dem Schwerte in der Hand aus dem Lande zu jagen, oder wir mit dem Problem einer fremden Bevölkerung zu kämpfen haben werden usw. Zu dieser Aeusserung gelangte Herr Zangwill dadurch, dass er die BevöJkerung des Liwa Jerusalem mit „52 Menschen pro Quadrat k i 1 p m e t e rw annahm. Freilich spricht er in seiner vorliegenden Erwiderung von 57 Menschen per (engl.) Quadrat m e i l e, was nur 22 Seelen pro Quadratkilometer bedeutet. Er kennt also keinen Unterschied zwischen englischer Quadratmeile und europäischem Quadratkilometer (1 engl. Quadratmeile 2,59 Quadratkilometer); denn würde er von 22 Seelen pro Quadratkilometer gesprochen haben, so wäre er nicht zu der Behauptung gekommen, dass das Liwa Jerusalem so dicht bevölkert sei: 22 Menschen pro Quadratkilometer wäre für Nordskandinavien wohl eine dichte Bevölkerung, keineswegs aber für das Mittelmeergebiet. Aber gewiss dünn gesät ist eine Bevölkerung, die in Wahrheit, wie ich des Genaueren in meinem Artikel in Nr. 20 ausgeführt habe, nicht 22, sondern nur 15l/2 Seelen pro Quadratkilometer aufweist. Dass Herrn Zangwill in der Tat auch jetzt noch nicht der Unterschied zwischen englischer Quadratmeile und europäischem Quadratkilometer auffällt, beweist seine neuerliche Aeusserung .v „Während ich in allen meinen Büchern den Umfang von Palästina mit 10.000 Quadratmeilen angegeben finde, ist sein (Soskins) Palästina doppelt so gross." Mein Palästina bleibt 29.000 Quadratkilometer gross und mit Hinzurechnung des Ostjordanlandes und des Haurän schätzungsweise 35.000 Quadratkilometer, während das Palästina des Herrn Z a n g w i 11 10.000 englische Quadratmeilen, das heisst 25.900 Quadratkilometer gross ist! Vollends unbegreiflich wird der nun folgende Satz: „Selbst wenn Palästina zehnmal so gross wäre als die wilde Schätzung Dr. So skins, es könnte nicht mehr als etwa drei Millionen Juden aufnehmen/ v Italien, das ganz ähnliche, wenn auch in mancher Beziehung weniger günstige Bedingungen aufweist, ist zufällig zehnmal so gross wie mein Palästina, das heisst: es hat 286.682 Quadratkilometer und hat 33 Millionen Einwohner. Und wäre also Palästina so gross wie Italien, so wäre doch nur Raum für drei Millionen Juden — sie volo, sie jubeo. Eine andere Begründung bleibt Zangwill schuldig. Wie überall, so bewahrheitet sich auch hier der Satz: „Der Ton macht die Musik.* Zum Teile decken sich zufälligerweise die Z an g w i 11 sehen Zahlen über die jüdische Bevölkerung Palästinas mit den meinigen. Während aber Herr Zangwill aus diesen Zahlen zu beweisen sucht, dass die Bevölkerungsverhältnisse Palästinas uns unüberwindliche Schwierigkeiten bei seiner Besitzergreifung bieten, und daraus für das Ostafrikaprojekt nötige Kapital zu schlagen sucht, habe ich auf Grund von Zahlen, mit denen Herr Zangwill nach seinen letzten Ausführungen übereinzustimmen glaubt, nachgewiesen, dass Palästina schwachbevölkert ist*) und gerade auch dadurch sich für unsere Bestrebungen besonders eignet. Die Ausfuhrungen des Herrn Z a n g w i 11 in Nummer 17 der „Welt" enthielten Unrichtigkeiten und waren geeignet, bei Ünunterrichteten eine falsche Missstimmung gegen Palästina hervorzurufen. Ich hielt mich daher für verpflichtet, diese Irrtümer zu berichtigen. Dazu gehörten ausser seinen Angaben über die Bevölkerungsdichte seine Behauptungen, dass die dem Sultan gehörenden Ländereien ganz abgekauft werden könnten und dass sie bereits zum Teile durch Mohammedaner aus der Berberei und dem Balkan okkupiert wären. Nun zitiert freilich Herr Zangwill *) Man vergleiche die folgenden Länder, die ähnliche Bedingungen aufweisen: Das L i b an o n g e b i e t mit 59, Samos mit 118, S i z i 1 i e n. mit 135 Seelen und Malta übrigens gar mit 550