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Die Welt · 1905-06-02 · 22 (2.6.1905) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 „bie # w^it" Nr. 22 gaben, diö der VIL Koagreas zu lösen haben wird. Die Bedeutung des Schekela behandelt ein Artikel aus der Feder des Isak Leon. Ben-Jehuda hat eine geistreiche Besprechung von Herzls „Neues Ghetto" geliefert, das in einer meisterhaften Uebersetzung ins Rumänische von S. Grosmann unlängst erschienen ist. Es folgen noch eine Uebersetzung eines Fragmentes von M. G. Saphir, eine ausgezeichnet redigierte zionistische Chronik u. a. Haschofar-Philippopel ist als offizielles Blatt sehr reserviert, in der Ugandafrage nämlich. In der Affäre mit dem Oberrabbiner spricht sie eine nicht misszuverstehende Sprache. Aus dem Inhalte der Nummern 26—30 heben wir hervor: Zwei heftige Artikel gegen den Oberrabbiner, den Appell der „Berner Zionisten" (aus der „Welt"), „Jüdische Hausindustrie in Palästina" (aus der „Haschkafa"), „Die ökonomische Lage der Juden in Russiand" (aus UEcho Sioniste"). Salorn Selektar- Widdin bespricht die nationaleErziehung derKinder und legt das Hauptgewicht auf die Erlernung der hebräischen Sprache. H. R. bespricht die russische Revolution und meint, die freien russischen Juden würden wohl noch bessere Zionisten werden. Feuilleton, sehr reichhaltige Berichte füllen die Blätter. Es wird auch über die Gründung einer Staatskunstgewerbeschule in Sofia nach dem Projekt unseres Gg. Boris Schatz berichtet. Für den N.-F. wird zu wenig gesammelt. 3, 9 Francs in der Woche ist zu wenig. Nachahmenswert ist der Beschluss der Selbstbesteuerung: Alle Komitees zahlen vom Reingewinn ihrer Veranstaltungen 10 Prozent an den N.-F. El Avenir-Saloniki — jüdisches parteiloses Wochenblatt in spaniolischer Sprache — bringt ungemein viele Nachrichten aus der jüdischen Welt. In Nr. 15 vom 17. April bespricht sie auch das Ugandaprojekt und meint, „diesem sympathischen Unternehmen wird die Anglo Jewish Association nähertreten und eine Generation freier Juden wird erstehen." El Sionista-Buenos Aires. Aus dem Inhalte der 15. Nummer sind folgende Artikel hervorzuheben: „Die Liebe, kein Monopol des Christentums" von Emilio Benedetti-La Plata, die neuen argentinischen Agrargesetze, Fortsetzung eines sehr reichhaltigen Aufsatzes über M. Hess von L. Rosemberg, ernste Mahnworte von Dawid Shifter, der über angeblichen Mangel von Umgangsformen bei vielen Juden klagt. Die mittelalterliche Geschichte wird von J. Ben Eliezer fortgesetzt. Ein weiterer Artikel behandelt die Geschichte der Makkabäer. Lesenswert ist ein Artikel von Pascal Giterlin üher Erziehung. Sonst noch Gedichte, Feuilleton von Tolstoi, Nachrichten etc. N.-F.-Ausweis fehlt. — Nr. 18 bringt eine Folge „Der Zionismus" von Nordau, -einen Aufsatz über russische judaisierende Sekten, Pascal Giterlin schreibt sehr interessant über die Notwendigkeit jüdischer Bauernerziehung. Fabian S. Halevy setzt seine Arbeit über die aiabische und jüdische Philosophie fort, ebenso J. Ben Eliezer über das Mittelalter. Feuilleton, Nachrichten. N.-F.-Ausweis fehlt. ...... Nr. 19 als Purimnummer bringt auf 20 Seiten sehr reiche Lektüre: Benedetti-La Plata schreibt über Purim. Voll Feuer und Liebe ruft Menachem Benzecry aus Mercedes das Judenvolk zur Arbeit. Dr. Nordaus: „Der Zionismus" erscheint in vierter Fortsetzung. Esther mit Bild. Ben Elieser schreibt einen langen Artikel über Moses Montefiore, Fabian Halevy setzt seine Arbeit über maurische und jüdische Philosophie fort. J. Paley schreibt über das Drama von Purim. A. Tannenbaum bringt interessante Untersuchungen über das Buch Esther. Aus „La Nacion" wird Nordaus Aufsatz „Russische Freiheit" abgedruckt. Wieder nehmen wir Veranlassung, uns gegen Artikel, wie den von Isaac D. Levy zu wenden. Christlich - theologische Artikel sollten doch wohl vermieden werden. Dagegen könnte für unsere Finanzinstitute mehr gearbeitet werden. N.-F. 10 Dollars. — Nr. 20. Das Beste im ganzen Heft ist der Leitartikel, in dem die Juden, die lateinischen, deutschen, polnischen, russischen, rumänischen, französischen, marokkanischen, spanischen, die italienischen und anderen Juden zur gegenseitigen Liebe und Eintracht ermahnt werden. Wahres Verständnis des Zionismus bringt diese Eintracht mit sich. Der Zionismus kennt nur jüdische Juden. Bis der Zionismus alle Herzen gewonnen haben wird, wird dieser' unsinnige Antagonismus von selbst aufhören. Pascal Giterlin ermahnt in einem langen Artikel, die Bildung nicht zu vernachlässigen. Fabian Halevys Arbeit über arabische und jüdische Philosophie wird fortgesetzt. B. N. Toporowski bringt eine herzlich gehaltene Charakteristik Nordaus. Ein antisemitischer Bericht einer argentinischen Zeitung wird besprochen und widerlegt und ein Dialog Leonardo da Vincis und Nicolo Macchiavellos reproduziert. Den Schluss des Heftes bilden Aussprüche aus dem Talmud, Nachrichten aus aller Welt. N.-F. 3 Dollars. Wir müssen unserer Verwunderung Ausdruck geben, dass so selten Berichte über irgendwelche zionistische Tätigkeit gebracht werden. Ilteha-Rafo. Wegweiser für die Jugendliteratur, herausgegeben von der Grossloge für Deutschland, VIII. U. O. B. B„ redigiert von Dr. M. S p a n i e r, Magdeburg. Nr. 1 und 2. 1905. Einer dankenswerten, hohen Aufgabe haben sich diese Blätter, die im Auftrage der von der genannten Grossloge eingesetzten „Kommission zur Schaffung einer jüdischen Jugendliteratur" herausgegeben werden, unterzogen. Es sollen in ihnen nicht allein grundsätzlich die Fragen, welche die Jugendlektüre betreffen, behandelt, sondern auch für Eltern und Erzieher ein Wegweiser geschaffen werden, der sie bei der Auswahl der Jugendlektüre unterstützen soll. Diese Blätter sind von echt jüdischem Geiste durchweht. „Von der Heimat der jüdischen Seele wollen wir unseren Kindern erzählen, von ihren Leiden und Schmerzen, von ihren Festen und Freuden, von ihrer Sehnsucht und ihrer Hoffnung" — das ist der Grundsatz, auf den sich ein klarer Aufsatz Dr. J. Loewenbu rgs (Hamburg) in der Aprilnummer stützt. Die Forderung, die an eine gute Jugendlektüre gestellt wird, lautet in mehreren Aeusserungen in diesen Blättern: „Die Jugendschrift in dichterischer Form muss ein Kunstwerk sein." Die Frage, ob nicht auch das „Märchen" in einer künstlerischen jüdischen Jugenddichtung Platz fände, möchten wir nicht so entschieden verneinen, wie es Herr J. Herzberg (Bromberg) in der Mainurnmer in dem Aufsatze: „Warum gibt es keine jüdischen Märchen?" tut. Es wäre ein zu enger theologischer Standpunkt, wollte man tatsächlich verhindern, dass die Kinder durch das Märchen an Zauberkräfte glauben könnten — ein Standpunkt, den der Sagenteil des talmudischen Schrifttums gar nicht kennt. Und es hat niemals dem jüdischen Kinde Nachteil gebracht, wenn seine jugendliche Phantasie sich an den zahlreichen Wunder¬ und Zaubergeschichten der Agada und des Midrasch ergötzt hat. Es müssten freilich unsere deutsch dichtenden Jugendschriftsteller sich im eigenen jüdischen Schrifttum aller Zeiten umsehen und im Geiste desselben weiter dichten; ihre Dichtungen wären jüdische, selbst auf dem Gebiete des Märchens. Wie z. ß. Fabeln jüdisch umgedichtet werden können, zeigte uns J. L. Gordon in seinen hebräischen Fabeln, in denen Aesops, Lafontaines und Krilows Tiere so sprechen und handeln, wie sie sich der Jude sprechend und handelnd denkt, und was für die Fabel gilt, dürfte einem Künstler auch beim Märchen nicht schwer sein. Der „Wegweiser" bespricht auch „Jugendschriften" sehr sachlich und fachmännisch und dürfte bei Eltern und Erziehern grosses Interesse erwecken. Hc braus. „Jung-Juda", Zeitschrift für unsere Jugend. V. Jahrg. Nr. 19. Wir haben oft auf die Nützlichkeit dieser gut redigierten Jugendzeitschrift hingewiesen und können mit Genugtuung feststellen, dass die letzten Nummern viel Lesenswertes nir unsere Kleinen geboten haben. Leider müssen wir unseren Vorwurf wegen der schlechten Auswahl der hebräischen Lesestiicke wiederholen, zu dem uns eben diese letzte Nummer Anlass gibt. Das Stück „Toldoth Rambam" ist in jeder Beziehung schlecht. Fast kein einziges Wort ohne mindestens einen Fehler; manche Wörter haben deren mehrere. Angesichts eines solchen Hebräisch möchten wir lieber auf die Uebersetzungsübungen ganz verzichten. Hebräus. Feuilleton. Held Komjanow. (Nach offiziellen russischen Berichten.) Held Komjanow, der Polizeikomraissär von Schitomir, war ein Mann von hervorragender Tüchtigkeit. Er war es; denn diese Zierde des russischen Beamtentums nimmt bereits in einer schöneren Welt Bestechungen entgegen, wenn es dort welche gibt. Held Komjanow wurde nämlich von einem rechtgläubigen Russen niedergeschossen wie ein toller Hund. Und das kam so: Die russische Regierung hat bekanntlich eine liebenswürdige Schwäche für die Juden. Sie kann es nicht mitansehen, dass diese armen Menschen sich einer Lebensgefahr aussetzen, indem sie im ganzen Reiche zerstreut leben. Russland ist gross und der Zar ist weit! Wie leicht könnte da durch böswillige Menschen etwas geschehen, ohne dass diesen armen Juden zu helfen wäre! Wie einsam müssten sie sich überdies

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