Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 22 (2.6.1905)
- Date
- 1905-06-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 „bi« * weit Seilfe 11 Freiburg i. B. (Verein Jüdischer Studenten an der Universität Freiburg.) Unter recht erfreulichen Auspizien begann der Verein Jüdischer Studenten (im B. J. C.) an der Universität Freiburg , das Sommersemester. Man darf wohl ohne Uebertreibung behaupten, dass es dem V. J. St. durchaus gelungen ist, sich in der schönen süddeutschen Universitätsstadt ein dauerndes Heim zu sichern, obschon seine Gründung erst vor wenigen Semestern erfolgt ist. Einen beredten Beweis hierfür lieferte die am 13. v. M. veranstaltete und glänzend verlaufene Semesterantrittskneipe. Denn nicht allein der ausserordentlich starke Zuwachs, der in diesem Semester zu verzeichnen ist, war der Erfolg dieses Abends; auch die zahlreich vertretene jüdische Bürgerschaft Freiburgs liess in mehreren Ansprachen deutlich erkennen, dass ihre Sympathie durchaus den Bestrebungen des Vereines gelte, die bekanntlich in einer besonderen Betonung alles bewusst jüdischen gipfeln. Der V. J. St. darf also mit Recht von der Zukunft nur das Beste erwarten. Die Chargenwahl für dieses Semester ergab folgendes Resultat: cand. med. dent. Nussbaum X> cand. med. Seligmann XX» cand. med. Kronheim XXX. Johannisburg. („United Johannesburg Jewish National Fund Club41.) Sonntag, den 23. April (Chol Hamoed Pessach) fand in der festlich geschmückten Zionistenhalle zu Ehren des hier weilenden Aktionskomiteemitgliedes Ingenieur Leopold Kessler ein vom Vereinigten Johannesburger Nationalfondsklub veranstaltetes Bankett statt, das sich zu einer imposanten zionistischen Demonstration gestaltete. Nach der Tafel eröffnete der Vorsitzende Herr Samuel Goldreich, Präsident der Südafrikanischen Föderation, den Reigen der Trinksprüche mit dem Königstoast, worauf die Toaste „Unser Gast*, „Der Nationalfondß", „Der Zionismus", „Unsere Führer", „Der veranstaltende Klub", »Die zionistischen Vereine4', „Die jüdische Presse* von den eingetragenen Rednern, mit längeren Reden anschliessend bei Karmelwein ausgebracht und mit Beifall aufgenommen worden. Bedeutend war die Rede, mit der Herr Ingenieur Kessler erwiderte und in der er das nach «einer Ansicht nötige Parteiprogramm formulierte. Er möchte trotz des groasmütigen Angebotes der britischen Regierung, welches die Juden als Volk und die zionistische Organisation als seine Vertreterin einfür alUmal festgestellt hat, wofür wir nicht genug dankbar sein können, das Ostafrikaprojekt so schnell als möglich aus unserer Mitte verschwinden sehen und nur in einer grossen, starken Organisation der Massen sieht er die endgültige Erfüllung des Baseler Programmes. Er zweifle nicht im mindesten, dass die breiten jüdischen Massen für unsere Bestrebungen zu gewinnen wären, wenn ein nicht misszu verstehen des Endziel, welches kein Rechts Doch Links kennt, als unverrückbare Basis aufgestellt würde. Mit einem Appell, nur ugandagegnerische Delegierte zum nächsten Kongresse zu entsenden, schloss er diese bedeutungsvolle Rede. Herr Goldreich unterzog in Erwideruog den Ungestüm und Mangel an Disziplin mancher unserer Führer einer scharfen Kritik und obschon er die Ansichten Kesslers nicht ausgesprochen missbilligte, scheint es doch, da&s er ganz abweichende Grundsätze in dieser Frage vertritt, indem er die Agitation gegen Uganda vor dem Berichte der Expedition als verfrüht und nicht gerechtfertigt tadelte, auch die südafrikanischen Juden im allgemeinen und die Zionisten im besonderen bedachte er mit einer schonungslosen Kritik, ihr laues Verhalten gegenüberdem Nationalfonds fand er ganz unbegreiflich. Nachdem noch die Vertreter der anderen Institutionen für die ausgebrachten Toaste gedankt hatten, schloss die Festlichkeit mit Zionshymnen. Um das vortreffliche Gelingen des Bankettes haben sich die Damen des veranstaltenden Komitees ganz besonders verdient gemacht, was der Vorsitzende in seiner Schlussrede auch rühmend hervorhob. Eine Sammlung zur Eintragung Leopold Kesslers in Anerkennung seiner opferfreudigen Arbeit ergab fg 11. S. Grinker. Personalnachrichten. Unser geschätzter Gg. S. In s 1 i c h t („Verlag Zion") Wien, wird sich am 4. Juni, 2 Uhr nachmittags, im Tempel X. Humboldtgasse, mit Fräulein Clara H o r n i k vermählen. WtlHSbiiooik- Unter der Firma Verein Schweiz. Jerusalempilger hat sich unterm 17. Mai 1904 ein Verein gebildet, mit Sitz in Schwyz. Der Verein hat zum Zwecke: a) das Interesse für das heilige Land und seine Sanktuarien zu wecken und zu mehren, b) die katholischen Werke und Unternehmungen im heiligen Lande zu fördern und zu unterstützen, c) die Pilgerung nach den heiligen Stätten für Mitglieder und Nichtmitglieder zu ermöglichen und zu erleichtern. Der Eintritt geschieht durch Teilnahme an den Karawanen und Volkswallfahrten des Vereines und durch Anzeige an den Sektions- oder Zentralpräsidenten. Präsident des Vereines ist Stadtpfarrer A. Kar Ii in Baden. Weitere Mitglieder des Vorstandes: Dr. Jos. Pestalozzi-Pfiffer in Zürich, Pfarrhelfer Frz. Dom. K r ei en b ü hl, Kaplan K. Joh. R ö 11 i n-Neuheim, Pfarrer Max D u d 1 e-Diepoldßau, Pfarrer Joh. A e by-Plasselb, Pfarrer Jak. Scherer- Ruswil, Grossrat Jos. H el f en s t ein-Sempach, Doktor Eduard E t tli n - Sarneo. Tout comme che^ noua! Neue türkische Anleihen. Der „Frkf. Ztg." wird aus Konstantinopel gemeidet: Nach 2lAmonatlicher Dauer sind die Verhandlungen wegen der neuen türkischen Anleihe nunmehr an einem testen Punkt angelangt, der einen endgültigen Abschluss unmittelbar bevorstehend erscheinen lässt. Die Pforte wird die Anleihe mit dem französischen Syndikat abschliessen. Sie ist mit 6 Millionen Pfund nominal festgesetzt. Der Uebernahmekurs wird mit 80'A Prozent angegeben. Hierzu schreibt noch die „Vossische Zeitung": Die französische Gesellschaft der Eisenbahn von Damaskus nach M'zerib fand, dass die im Bau befindliche riedschasbahn mit ihr in Wettbewerb treten würde, und sie verlangte Entschädigung für den ihr voraussichtlich entgehenden Gewinn. Die Pforte machte sich erbötig, die französische Damaskusbahn zu kaufen. Die Gesellschaft verlangte als Kaufpreis 8 Millionen Francs. Die Pforte bot 6lA. Der französische Botschafter Constans setzte es durch, dass sie ihr Angebot um eine Viertelmillion, auf 67* Millionen, erhöhte und ausserdem die Verlängerung der französischen Eisenbahn von Beirut nach Mama bis nach Aleppo gestattete. Er bestimmte ausserdem die türkische Regierung, alle Ansprüche der französischen Gesellschaft für die Kais von Konstantinopel zu befriedigen und ein Drittel des Betrages der neuen Anleihe zu Bestellungen in französischen Waffenfabriken zu verwenden. Am meisten tut Constans sich auf die Erwirkung der Erlaubnis zum Bau der Linie Hama—Aleppo zugute, denn er will in dieser Angelegenheit Deutschland zum Gegner gehabt haben. Die deutsche Gesellschaft für die kleinasiatischen und mesopotamischen Bahnlinien hätte nämlich entdeckt, dass die Haina— Aleppo-Bahn der deutschen Bagdadbahn starken Abbruch tun würde, und sie hätte den deutschen Botschafter in Bewegung gesetzt, um die Erteilung der Bauerlaubnis an die französische Gesellschaft zu verhindern. Gleichwohl wäre es ihm gelungen, den deutschen Einfluss zu überwinden und der widerstrebenden Pforte die Bauerlaubnis zugunsten der französischen Gesellschaft zu entreissen. Dass es den Bemühungen Constans' gelungen ist, seine Wünsche durchzusetzen, beweist die nachfolgende Meldung aus Konstantinopel: Ein Irade des Sultans, betreffend die französischen Forderungen, ist erlassen worden. Es gesteht 150 000 Pfd. Sterl. türk. Entschädigung für die Eisenbahn Damaskus—M'zerib zu, bewilligt den Bau der Bahn liama—Aleppo mit 13 500 Francs Kilometergarantie und ordnet die Zahlung einer fälligen Schuld von 50 000 Pfd. Sterl. türk. an die Kaigesellschaft an. Ausserdem gelang der Türkei eine weitere Anleihe bei der Deutschen Bank, hierüber wird gemeldet: Der Vertrag der türkischen Regierung mit der Deutschen Bank über die 60 Millionen Francs-Anleihe ist soeben gezeichnet worden. Aus dem Erlös der Anleihe ist in erster Keine ein Teil der Kosten für die der Firma Krupp übertragene Lieferung von Kriegsmaterial zu decken; der Rest dient zur Begleichung von schwebenden Schulden und zur Verstärkung der Barmittel des Staatsschatzes. Die Anleihe ist mit 4 Prozent verzinslich und innerhalb 56 Jahren zu tilgen. Als Sicherheiten sind der Anleihe überwiesen: 1. Der 6prozentige Zuschlag auf die durch die Administration de la Dette Publique Ottomane für Rechnung der garantierten Ballgesellschaften und verschiedener Anleihen verwalteten Einkünfte, 2. jährliche Anweisungen auf die Verwaltung der indirekten Steuern im Betrage von je 30 000 Pfd. Sterl. türk. — Das Nettoerträgnis der ad 1 erwähnten Pfandobjekte belief sich im Durchschnitt der letzten drei Jahre auf 2 400 000 Francs pro Jahr und übersteigt somit zuzüglich der von der Verwaltung der indirekten Steuern jährlich abzuführenden 30 000 Pfd. Sterl. türk., die für den Dienst der Anleihe erforderliche Annuität von 2 7ÜUUU0 Francs um mehr als 400 000 Francs. Die Verwaltung der vorerwähnten Pfänder erfolgt durch die Administration de la Dette Publique Ottomane, welche die für den Anleihedienst nötigen Summen nach deren Eingang direkt an die Deutsche Bank abzuführen hat. Trotz der beiden Anleihen von 120 Mill. Frcs. bleibt der Regierung doch wenig Bargeld. Da die Ereignisse in Arabien einer Krise entgegentreiben und die Entsendung bedeutender Streitkräfte dorthin notwendig machen, haben Isset Pascha und Minister Selim Melhame Pascha, zwei Syrier, dem Sultan ide Aufnahme einer inneren Anleihe von 5 Millionen Pfund vorgeschlagen. Wie sich dieser dazu stellt, ist noch nicht