Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 22 (2.6.1905)
- Date
- 1905-06-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 MWt * w$it Seite V von bewaffneten Ruhestörern überfielen die jüdischen Einwohner und übten an ihnen die verruchtesten Greueltaten, beraubten, verwundeten und töteten schonungslos die ärmeren Schichten der jüdischen Bevölkerung. Wohl haben sich die Juden zur Wehre gesetzt; unsere Jugend hat einen seltenen Heldenmut an den Tag gelegt und opferte ihr Leben, um ähnliche Szenen wie in Kischenew zu verhüten, allein die Exzesse hatten doch einen sehr traurigen Erfolg: Gegen 20 Tote und 100 Verwundete fielen ihnen zum Opfer. Aehnliche Exzesse fanden in der Umgebung von Schitomir statt: In Trojanow wurden zehn junge Leute getötet und mehrere Juden wurden in Dörfern neben Schitomir ermordet» Gross ist das Unglück und ebenso gross die in dessen Folge Platz greifende Not! Wenn auch nur einige Dutzende Häuser und Läden gründlich vernichtet wurden, so ist die Lage der hinterbliebenen Witwen und Waisen eine trostlose une die traurigen Ereignisse haben eine fürchterliche Stockung des ökonomischen Lebens hervorgerufen, so dass an eine Linderung des Elends durch heimische Abhilfe nicht zu denken ist. Hilfe, rasche Hilfe tut not! Es muss den Hinterbliebenen derjenigen geholfen werden, die in der heldenmütigen Selbstverteidigung den Tod gefunden haben; es muss den zahlreichen Familien der Getöteten und Verwundeten geholfen werden, die ihrer Ernährer beraubt wurden; es muss auch den ausgeraubten brotlos gewordenen kleinen Leuten, die infolge der Exzesse stark gelitten haben, rasche Hilfe geleistet werden. Wir wenden uns an alle, die Mitleid mit ihren unglücklichen Brüdern empfinden, an alle, denen das Andenken dieser jungen jüdischen Helden lieb und teuer ist, mit der dringenden Bitte: Helfet, helfet rasch! Es sollen nicht unsere heiligsten Gefühle entweiht werden, die Gefühle der tiefsten Trauer und des Mitleids mit den heldenhaften Märtyrern, die in einem heiligen Kampfe gefallen sind. Vorsitzender des Komitees: Dr4 S. Skoworowski. Das Komitee: S. Glasberg, A. Kulischer, Gh. J. Gottesmann, S. Piatigorski, J. Weisburd, Dr. J. Rosenfeld, Rechtsanwalt D. Prisant, J. Gottesmann, Gh. Glasberg, Gh. Landau, J. Spielberg, B. Gottesmann, J. Gitis, S. Wiener, A. Grafmann, A. Litwak, J. Bittelmann, S. Bernstein, Dr. S. Friedmann, Stellvertreter: M. Margolis, G. Schapira. Spenden sind zu richten an: J. A. Spielberg, Schitomir. $ribäi)e. (fftr dicst Rubrik ist dit Radaktioi nicht verantwortlich.) Marken für den Nationalfonds. In dem Zeiträume von drei Monaten können wir bereits zum zweiten Male als ErJös für verkaufte Brieimarken 100 K ausweisen. Es gereicht mir zur grössten Freude, endlich sagen zu können, dass unsere Gesinnungsgenossen die Erwartungen, die wir in sie gesetzt, auch erfüllt haben. In der Tat erhielten wir während dieser Zeit Sendungen aus China, Südafrika, Aegypten, Amerika usw. Doch vermissen wir Sendungen aus Norwegen, Schweden,Dänemark, Bosnien, Serbien und anderen Ländern, die sich bisher sehr wenig oder gar nicht beteiligt haben. Also hoffentlich werden auch dort unsere Gesinnungsgenossen durch diese Erfolge etwas aufgerüttelt. Diese 100 K sollen von jetzt immer ein Grundstock bleiben, nie dürfen wir weniger einnehmen. Und dass dies sehr leicht möglich wäre, falls wir genügend vM erhalten, habe ich an dieser Stelle schon oft erwähnt. Also vorwärts und Glück auf! Jehuda. Folgende Gesinnungsgenossen haben Marken für den N.-F. gespendet: Wien: Frl. Gisela Kohn, Fritz Weitzmann, Fr]. R. Libesny, Dr. E. M. Zweig, jur. H. Fischl (Unitas), Jos. Barkon & Comp. Przemysl: durch L. Lauterbach : Frl. R. Bross, B. Fried, S. Knecht, Frl. J. Mermelstein, Frl. R. Reiff, Frl. E. Rinde, B. Rosenbaum, A. Tuchmann, Frl. A. Wahl, Frl. F. Wahl. Drohobycz: S. Schatzmann. Komarno: Frl. R. Horoschowska. Kap toi: Fr. Joh. Haas, Frl. F. Adler. Monasterzyska: techn. Berger. Bazardjik: Zalja und Grischa Nacnimsohn. M.-O strau: durch E. Hoffmann: Frl. Kamilla Hoffmann. Rawaruska: Fr. E. Tannenbaum. Lancut: Frl. P. Malter, Fr. D. Rosmarin, Frl. E. Schückler, Frl. H. Rosenblüth. Stanislau: Frl. A. Bacher. Prag-Weinberge: R. Guttmann. Amsterdam: A. van Zon. M u s z y n a : S. u. O. Berger. Sofia: Bulgarisches Landeskomitee Kolbuszowa: Frl. M. Rosenzweig. Klosterneuburg: M.W'einberger. Czernowitz: M. Schindler. Stanislau: Frl. Eug. Wachs. T a r n o p o 1: , Bar Kochba". St. Louis: Harry Goldman. New York: The Maccabean Publishing Comp. Neusohl: durch Heller Mors Witwe: Frl. A.Fried, Frl. J. Lehner, stud. Deszö Fried, stud. A. Brichta. Allen Spendern besten Dankund Zionsgruss! Die Philatelieabteilung der N. - F. - Kommission. Briefkasten der Philatelieabteilung. Fr. S. Spierer. Nur ausländische oder besonders wertvolle inländische. M. Feinkind, Petrikau. In unserem Einlaufsbuch ist von Ihrer Sendung nichts zu finden. S. Schatzmann, Drohobycz, Besten Dank, so ist es Ranz gut. F. Adler, Kaptol. Besten Dank, auch der gute Wille ist uns willkommen. M. Schindler, Czernowitz. Bravo, das ist recht. H. Aronowitz, Amsterdam. Werden sortiert. * * * Erwiderung. Dass bei Herrn Dr. Simonson Anführungsstriche „nichts als eine Gedächtnishilfe für die Aussprache bedeuten4' ändert freilich die Sachlage erheblich. Ich war allerdings der Meinung, dass die Zeichen sonst dort angewendet werden, wo man wörtlich zitieren will. Ob eine rhetorische Frage dasselbe ist wie eine bestimmt aufgestellte Behauptung lasse ich in Frage gestellt. Unglücklicherweise ist mir wirklich das Versehen passiert, statt „Politik* „Weisheit" zu schreiben. Aber ich hatte wahrhaftig damit nicht die Absicht, die mir Herr Dr. S. zuschreibt. Das wäre doch in diesem Falle zu dumm gewesen. Berlin, 20. Mai 1905. Dr. Felix Pinkus. * * * Danksagung. Geehrter Herr Redakteur! Zu meinem sechzigsten Geburtstage und fünfunddreissigsten Jahre meiner literarischen Tätigkeit am 1. Nissen d. J. wurde ich beehrt mit Gratulationen und Adressen von Freunden, Fachgenossen, Privatiers und Vereinen. Nicht imstande, allen diesen Gratulanten persönlich und einzeln meinen Dank auszudrücken, tue ich dieses in Ihrem geschätzten Blattes und erwidere hiermit den Herren Gratulanten meinen Glückwunsch: Es möge auch ihnen Gott ein langes, wirkungsreiches Leben angedeihen lassen. Warschau, am 18. Ijar 5665. P. Kabbino witz (jrattf)- * * * Aufruf. Neuerlich sind grauenhafte Nachrichten zu uns gedrungen! Furchtbare, jedes menschliche Gefühl empörende, sich täglich in verstärktem Masse wiederholende Massakers gegen schutzlosejüdischeFamilien inRussland haben unter vielen unserer Glaubensgenossen unsägliches Elend heraufbeschworen. Zahlreiche Familien allerorts im nordischen Reiche greifen zum Wand e r s t a b e, um sich vor dem drohenden Untergange zu retten.