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Die Welt · 1905-06-02 · 22 (2.6.1905) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 bit # weil" Nr. 22 gegen 100 Schüler in folgenden Werkstätten: Bildhauerei und Zeichenschule, Kupferschmiede, Tischlerei, Drechslerei, Eisengiesserei, Eisenschmiede, Weberei und Haarnetzflechterei. Beide letztere sind Schöpfungen der J. C. A. Die Schule, verbunden mit einem Kindergarten, beide in einem Prachtbau untergebracht, ist berechnet für 1000 Schüler, zählt gegenwärtig nicht mehr als 400, die sich, im Gegensatze zur Lämel-Schule, zum grössten Teil aus Sephardirn zusammensetzen. Interessant ist es, dass bei Eröffnung dieser Anstalt viele Lernbegierige sich wohl zum Schulbesuche meldeten, für die Werkstätten aber keiner. Herrn Behar, der Leiter beider Anstalten war, brachte dies nicht in Verlegenheit. Er traf die Verfügung, dass jeder Schüler zugleich ein Handwerk erlernen müsse. Ein halber Tag war nun dem Lernen und der zweite der Arbeit gewidmet. So bürgerte er allmählich die Arbeit unter seinen Landsleuten ein. Die Mädchenschule, eine Stiftung von Eveline von Rothschild, besteht seit Ende der siebziger Jahre. 1898 übernahm sie die Anglo Jewish Association; seit dieser Zeit macht sie rapide Fortschritte. In einem eigenen, geräumigen, von Garten- und Parkanlagen umgebenen Gebäude, welches an Stelle des früheren engen, gemieteten Lokales getreten ist, untergebracht, wird sie heute von über 500 Schülerinnen sephardischer wie aschkenasischer Eltern besucht, eine Zahl, die fast um das Doppelte gegen früher gestiegen ist. Mit dem Uebergang an die A. J. A. hat das Französische aufgehört, Unterrichtssprache zu sein. Dessen Stelle nimmt jetzt das Englische ein. Während hier also das Englische die Hauptrolle spielt, wird in der Lämel-Schule auf das Deutsche und in der Alliance- Schule auf das Französische das Hauptgewicht gelegt Das Gleichgewicht wird jedoch dadurch hergestellt, dass in allen dreien das Hebräische gleich intensiv betrieben wird. Schade, dass der Kindergarten, der mit der Mädchenschule verbunden ist, im Souterrain untergebracht ist, das den hygienischen Anfo derungen, die an eine Kinderbewahranstalt gestellt werden müssen, nicht entspricht. Hier wie in den beiden Knabenschulen erhalten die Aermsten freien Mittagstisch, Schulbücher und Kleider. Vor zwei Jahren sind weitere zwei Kindergärten entstanden, die teils vom Lemaan Zion-Verein, der seinen Sitz in Frankfurt a. M. hat, teils vom Hilfsverein der deutschen Juden subventioniert werden. Aber der alte Cherem gegen Schulen ist auch auf sie ausgedehnt worden. Indes ist die Frequenz doch ganz bedeutend. Noch wäre die sogenannte Blumenthal-Schale, gegründet von einem gewissen Herrn Blumenthal in Paris, zu erwähnen. Sie unterscheidet sich aber von einem Gheder bloss dadurch, dass sie dem Arabischen Eingang gewährt hat. In den Augen der Aschkenasim steht auch dieses Gheder unter Cherem! Es schicken daher ausschliesslich Sephardirn, die niemals den Cherem angenommen, ihre Kinder dorthin. Segensreich wirkt der Lemaan Zion-Verein. Ausserdem, dass er Darlehen auf kleine Abzahlungen, den armen Handwerkern Werkzeuge und in dringenden Fällen auch bare Unterstützungen gewährt, junge Leute auf seine Kosten ausbilden lässt und zur Erhaltung der Kindergärten beisteuert, unterhält er auch seit 15 Jahren in Jerusalem einen Armenarzt und eine Apotheke. Letzteres gab den Pekidirn in Amsterdam Veranlassung, auch ihrerseits mit der Entsendung eines Armenarztes nicht länger zu zögern. Derselbe, ein deutscher Herr, hat sich um die Errichtung des pt* *ipw- Hospitals, zu welchem, wie eingangs erwähnt, schon vor mehr denn vor 30 Jahren der Würzburger Raw (büi) die erste Anregung gegeben, sehr verdient gemacht. Ein massiver Riesenbau, aus Hochparterre und oberem Stockwerke bestehend, frei, etwa 15 Minuten nordwestlich von der Stadt gelegen, praktisch eingerichtet, mit aller Bequemlichkeit, soweit sie eben ein Spital zu bieten vermag, ausgestattet, mit zwei gesonderten Pavillons, berechnet für ansteckende Krankheiten, und mit allen möglichen Desinfektionsapparaten,Badezimmern und Wasserleitung versehen, von schönen Anlagen, Eukalyptuspflanzungen und einer starken, kaum übersehbaren Umfassungsmauer umgeben, lässt dieses Krankenhaus, zumal in bezug auf Hygiene, nichts zu wünschen übrig. Sicherlich steht es einem Hospital, in welcher europäischen Grossstadt es auch sei, in nichts nach. Hat es schon in den zwei Jahren seines Bestehens viel Gutes gestiftet, so war es geradezu ein Segen für die heilige Stadt während der Scharlachepidemie, die den Winter über geherrscht hatte und leider noch nicht als erloschen angesehen werden kann, pix ist mit 80 Betten belegt. Etwas weiter davon befindet sich das neu erbaute Altersversorgungshaus mit seinen 100 graubärtigen, zum Teile gebrechlichen Insassen, welches hiesige Vorsteher gründeten und verwalten. Haus und Terrain sind Eigentum der Anstalt! Stolz erhebt sich jenem gegenüber der schöne einstöckige Bau, welcher den leider Geistesumnachteten ein Unterkommen gewährt. Die Anstalt dankt ihre Entstehung einem Frauenverein, der sich vor etwa zehn Jahren gebildet hat. Das Haus, das er, dank der Wohltätigkeit unserer Glaubensgenossen, sein eigen nennt, ist erst zwei Jahre alt. Vor ungefähr acht Jahren haben einige Gabbaim ein Blindeninstitut errichtet, welches ganz Erhebliches leistet. Wie es scheint, fand es bis heute wenig Gönner, denn obschon es nur 20 Unglücklichen ein Asyl gewährt und in einem gemieteten Lokal untergebracht ist, steckt es dennoch tief in Schulden. Ein Hospital, gleichfalls im Norden der Stadt gelegen, mit eigener Apotheke — eigene Apotheken haben übrigens alle Hospitäler — errichtet zum Andenken an Meyer von Rothschild, wird von Baron Alphons von Rothschild in Paris unterhalten. Das kleine Parterregebäude innerhalb der Stadt, in einer schmalen Gasse gelegen, die zu den flDPfö den deutschen Pilgerhäusern führt, ging, nachdem das Hospital Ende der siebziger Jahre von dort nach ausserhalb der Stadt verlegt wurde, in den Besitz der sephardischen Gemeinde über. Heute erhebt sich dort das stattliche Misgab Ladach-Hospital, das mit 60 Betten besetzt ist und an dem zwei Aerzte tätig sind. Anstossend daran befinden sich die genannten Pilgerhäuser. Ein grosses Terrain mit ein paar Dutzend Armenwohnungen, einem Stiftungshause, das den Namen des Barons K. W. von Rothschild verewigt, sind die nonn ■»ns ein bleibendes Monument, welches die Rabbiner J. Hildesheimer, zur Zeit noch in Eisenstadt und Gh. H. Mannheimer in Ungvar mit Hilfe gleicher Gesinnungsgenossen sich noch bei Lebzeiten gesetzt haben. Ein bedeutendes Hospital, unter deutschem Schutze stehend, das mit 80 Betten belegt ist, von 11 Vorstehern abwechselnd geleitet wird und an dem zwei der tüchtigsten Aerzte angestellt sind, ist das Hospital, welches der vor nunmehr 30 Jahren hier gebildete

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