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Die Welt · 1905-06-02 · 22 (2.6.1905) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 „bis * weit" Seite 5 Yemeniten, Perser, Bucharier und Marokkaner, die alle denselben Ritus befolgen, inbegriffen, 12.000; T1n2) 150, nrn3) 1673, Warschau 1000, Woilynien 1160, Kiew 3275, Bessarabien 390, Moldau 590, Walachei 2600, Karlin 1800, Schitomir 1665, Kossow 800, Galizien 1300, Bukowina 700, Ungarn*) 1100, Suwalk 800, Wilna und Kurland 3200, Grodno 1800, Minsk 600, Pinsk 400, Reussen 550, Slonim 70, Wisnice 70, Der sogenannte „Waad kol ha-Kolelira bildet keine Gemeinde für sich, sondern setzt sich aus den Vorstehern (Memunim genannt) der sämtlichen Kolelim, ausser Sephardim und Ungarn, zusammen. Bis Anfang der neunziger Jahre vergangenen Jahrhunderts gab es nämlich keine amerikanischen Glaubensgenossen in Palästina. Da entstand die Frage, wer berechtigt sei, Sammlungen in Amerika anzustellen oder die Gelder, die freiwillig von dort herüberfliessen zu beheben. Die genannten Vorsteher trafen nun das Uebereinkommen, eine Zentralkasse zu bilden, die gemeinschaftlich verwaltet und vornehmlich zur Deckung gemeinsamer Ausgaben verwendet werden soll. Aus dieser Kasse beziehen auch die Rabbiner ihre Gehälter. Die Haupt - einnahmequelle bildete, wie bemerkt, Amerika. Im Verlaufe kamen jedoch auch andere Zuwendungen, wie zum Beispiel jährliche Subventionen durch den Grand-Rabbin Zadok Kahn in Paris hinzu. Die einzige gemeinsame Institution hatte noch vor kurzem eine schwere Krisis zu bestehen. Es war das Jahr 1896/97. Russische Glaubensgenossen, die jenseits des Atlantischen Ozeans Bürgerrechte erwarben, fingen an nach Jerusalem einzuwandern. Die „Köpfe ihrer Lieben" wuchsen bis zu jenem Jahre auf eine beträchtliche Anzahl an. Dem Beispiele der anderen Kolelim folgend, gingen sie nun daran, eine eigene Gemeinde zu gründen, mit der Aussicht, dass ihnen die Einnahmen zufallen würden, welche bisnun die Landsleute daheim dem „Waad kol ha-Kolelim" zuwendeten. Sie vermochten jedoch ihr Vorhaben bis heute nicht durchzuführen. Es kostete zwar einen Kampf**), aber er endete damit, dass die Amerikaner ihre Ghaluka durch den „Wad kol ha-Kolelim* beziehen sollten. Rechnet man den Kolel Amerika, mit nur teilwetser Autonomie ausgestattet, der aus etwa 300 Seelen besteht, mit, so haben wir hier eigentlich 14 Kolelim. Dies das Bild, welches heute Jerusalem bietet. An der Spitze dieser Kolelim stehen seitens der Sephardim der offizielle Chacham Baschi, gegenwärtig der greise Eljaschar, und seitens der Aschkenasim R. Samuel Salant mit den ihnen untergeordneten Gerichtshöfen. Wie die Aschkenasim aber in bezug der Riten in Chassidim und Peruschim sich teilen, so geteilt ist auch ihre Gerichtsbarkeit. So gibt es gegenwärtig ein chassidisches und ein aschkenasisches n«^. — Ein erfreuliches Bild bieten die Wohltätigkeitsanstalten. Die älteste unter ihnen ist die Lämel- »Schule, gegründet von Frau Elisa Herz geborene von Lämel, welche Dr. L. A. Frankl 1857 ins Leben rief. Seit 1887 mit dem deutsch-jüdischen 2) Holland we-Deutschland. 8) Nach den Anfangsbuchstaben: jnb^n» welche wie bekannt, unter den Sephiroth, deren die Kabbala 10 zählt, eine Hauptrolle spielen. So nennen sich die russischen Chassidim. Im Gegensatze zu ihnen stehen die sogenannten Peruschim, Anhänger des Wilnaer Gaon, dessen Schüler R. Mendel die aschkenasische Gemeinde in Jerusalem begründete. Vgl. Hildesheimer a. a. O. (Jahrg. 1904) Seite 7. *) Hiervon entfallen 300 auf Siebenbürgen. **) Vgl. «Die Welt« L Jahrg. Nr. 8, Seite 7. Waisenhause vereinigt, nahm die Schule, die bis dahin nicht recht gedeihen wollte, einen ungeahnten Aufschwung. Trotz Bann der Ghalukaleiter zählt sie heute gegen 180 Schüler. 1904 gliederte sich ihr ein Lehrerseminar an, welches vom Hilfsverein der deutschen Juden unterhalten wird. Das Waisenhaus ist eine Schöpfung des Professors Graetz. In den siebziger Jahren bereiste er gemeinschaftlich mit dem ebenso gelehrten wie um die Förderung gemeinnütziger Zwecke verdienstvollen M. Gottschalk Lewy (gestorben Berlin 1893) das heilige Land. Der Zustand der Gemeinden war erschreckend. Namentlich gebrach es vornehmlich an den nötigen Gemeindeninstitutionen, wenngleich die Chalukagelder damals reichlicher flössen als heutzutage. Jüdische Kranke suchten in der Regel fremde Hospitäler auf, während elternlose Kinder sich einfach in den Strassen umhertrieben, bis sie schliesslich von der Mission aufgelesen wurden. Während nun zugunsten der ersteren der damalige Würzburger Raw bereits einen Aufruf erlassen hatte, machten es sich die beiden genannten Herren zur heiligen Aufgabe, für die letzteren zu sorgen. Und ihre Bemühungen, unterstützt von dem für alles Edlere sich so leicht begeisternden Rabbi J. Hildesheimer fy^-y und ähnlichen namhaften Persönlichkeiten, trugen die schönsten Früchte. Schon anfangs der achtziger Jahre konnte an die Eröffnung, allerdings mit nur erst vier Zöglingen, geschritten werden, welche Zahl unter der Leitung Dr. Herzbergs, Verfassers der „ Familienpapieretf, bis auf siebzehn gestiegen ist. 1884 erlangte der Verein, der sich zu diesem Zwecke unter dem Namen „ Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" gebildet hatte, die Rechte eine juristischen Person. Anfangs hatte der Verein seinen Sitz in Berlin, später siedelte er nach Frankfurt a. M. über, wo er sich noch heute unter dem Vorsitze des Rabbiners Dr. Horowitz befindet. Die meisten Mitglieder sind deutsche Glaubensgenossen. Das Lokal, erworben durch Dr. Herzberg, hat 1898, dank der Munifizenz der seligen Baronin von Hirsch, einen Ausbau erfahren. Die Anstalt hat Raum für 50 Zöglinge, ist aber aus Mangel an Mitteln bloss von 36 bewohnt. Sie hatte anfangs eine Schule im eigenen Hause, die aber seit der Vereinigung mit der Lämel- Schule aufgegeben wurde. Letztere, die in einem gemieteten Lokal untergebracht war, hat 1903 ein eigenes Haus bezogen, welches zu den schönsten Gebäuden Jerusalems zählt. Beide, Schule wie Waisenhaus, hatten seitens der Chassidim grosse Kämpfe zu bestehen. Sie wurden in den Gherem getan, welcher von Zeit zu Zeit erneuert wird. Damit aber nicht genug. Um die sogenannte „Herzbergs Schola" entbehrlich zu machen, errichtete Rabbiner Diskin, schlechtweg der Brisker Raw genannt, auch seinerseits ein Waisenhaus. Es fanden sich dafür bald auch Gönner in so beträchtlicher Zahl, dass es heute 200 Zöglinge beherbergt und daran schreitet, ein eigenes Haus, für eine noch grössere Anzahl berechnet, zu bauen. Darin sollen auch Gheder und Melamdim untergebracht werden. Das Terrain ist bereits erworben. Vor drei Jahren eröffneten auch einige sephardische Chachamirn ein Waisenhaus mit 20 Kindern, mit dem es auch allmählich vorwärts geht. Die Allianceschule, 1882 von Nissim-Behar ins Leben gerufen, zerfällt heute in eine Handwerker- und eine ganz gesonderte, von einem tüchiigen Pädagogen geleitete Knabenunterrichtsschule. Erstere mit einem aus 50 Zöglingen bestehenden Internat beschäftigt

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