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Die Welt · 1905-06-02 · 22 (2.6.1905) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
22 (2.6.1905)
Date
1905-06-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 „bi* # Weit11 Nr. 22 der gewählten Delegierten, dem A.-C. wenigstens vier Wochen vor jedem Kongresse mitzuteilen hat. * * * Die Delegierten sind für den ordentlichen und ausserordentlichen Kongress zu wählen. Die Wahlen müssen bis zum 27. Juni 1905 abgeschlossen sein. * * * Die Landesorganisationen werden den Gewählten Legitimationen ausstellen, diese haben ausdrücklich für den VII. ordentlichen und für den ausserordentlichen Kongress zu lauten. Die Delegierten erhalten in Basel ihre Delegiertenkarte nur gegen Vorweisung dieser Legitimation. * * * Auf viele Anfragen w\n\ erklärt: Das Aktionskomitee hat nur den kleineren Teil der Galerie für solche Gesinnungsgenossen reserviert, die aus weiter Ferne kommen, um an dem Kongresse teilzunehmen, dazu aber nicht immer gelangen konnten und sich schon vor einiger Zeit an das Kongressbureau um Eintrittskarten gewendet haben. Diesen Gesinnungsgenossen, die auch dem Nationalfonds Spenden zuführen, soll bei rechtzeitiger Anmeldung Gelegenheit geboten werden, den Verhandlungen des Kongresses beizuwohnen. Im übrigen steht nach wie vor der grösste Teil der Galerie dem Publikum kostenlos zur Verfügung. Die Sitzung des grossen Aktionskomitees. (Schluss). (Mitteilungen des Kongressbureaus.) Von den Verhandlungen seien noch folgende Einzelheiten berichtet, die von allgemeinem Interesse sind: Dr. Tschlenovr macht auf die Gefahr aufmerksam, die den Einkünften des Nationalfonds im nächsten Jahre drohe, da erfahrungsgemäss der Enthusiasmus für alte Institutionen sich immer mehr verringere. Dem könne nur begegnet werden, wenn man bestimmte Einkünftequellen schaffe, die auf dem Prinzip der Selbstbesteuerung beruhen. Es sei unverständlich, warum die organisierten Zionisten nicht zur systematischen Beitragsleistung für den Nationalfonds herangezogen werden; gewiss müssten die jederzeit bestehenden Sammlungen weiter fortgeführt werden und jede sich darbietende Gelegenheit benützt werden, um dem Nationalfonds Spenden zuzuführen. Das sei aber nur Sache der Schekelzahler, die nicht geschlossenen Organisationen angehören. Von organisierten Gruppen könne man etwas mehr verlangen. So haben die Gesinnungsgenossen in Baku eine freiwillige Wohnungssteuer eingeführt, die von einem gewissen Minimum beginnt und progressiv aufsteigt. Dort hätten sich 83 Mitglieder za dieser Leistung verpflichtet. Die Steuer geht von 70 Kopeken aufwärts bis zu 70 Rubeln, Dem Nationalfonds werden so über 400 Rubel zugeführt. Diese freiwillige Steuer in Baku, hat sich bereits zu einer obligatorischen entwickelt und was eine Steuerleistung imstande ist, beweisen die Millionen, die jährlich von der Fleischsteuer einkommen. Das Prinzip der Wohnungssteuer empfiehlt sich ganz besonders gegenüber mehreren diesbezüglich vorgelegten Projekten, wie Einkommen-, Gebrauchssteuer etc., da es, ohne intimen Einblick in die privaten Verhältnisse der Steuerzahlenden zu nehmen, durchzuführen ist. Der Versuch in Baku ist nachahmenswert und Redner werde am Kongresse beantragen, einen diesbezüglichen Appell an die organisierten Zionisten zu erlassen. Für die bulgarische Landeszentrale berichtet Herr Dr. Rimalowsky - Philippopel. Sein Bericht konstatiert, dass die Bewegung in Bulgarien nicht zurückgegangen ist. Die Zahl der Schekelzahler ist dieselbe geblieben. Die Agitation wird in gleicher Weise wie in den früheren Jahren betrieben, die Vereine konsolidieren sich und wenn die Bewegung stagniert, muss dies nur auf die feindselige Haltung der Beamten der Alliance zurückgeführt werden. Redner konstatiert mit grossem Bedauern, dass die Gegenagitation dieser Herren Formen angenommen hat, die entschieden zu verurteilen sind. In allen Wahlkämpfen, bei allen öffentlichen Demonstrationen waren die Beamten der Alliance an der Spitze der Gegenagitation. Nichtsdestoweniger gelang es den Zionisten, die Kultusstube in Philippopel zu erobern, und es ist bestimmt zu erwarten, dass die nächsten Wahlen in der Hauptstadt Sofia ein der Bewegung freundliches Resultat ergeben werden. Einen erfreulich, u Aufschwung der Bewegung in Deutschland konstatiert der Bericht des Herrn Doktor Friedemann. Einerseits ist die Zahl der Schekelzahler gestiegen, andrerseits hat es die Leitung verstanden, den grossen jüdischen Wohltätigkeitsinstituten näherzutreten. So zeigen die Trauerfeiern, die für Dr. H e r z 1 im ganzen Lande veranstaltet wurden, dass selbst die erbittertsten Gegner des Zionismus ihre Haltung zu ändern beginnen und den zionistischen Arbeiten mehr Verständnis und Sympathie entgegenbringen. Dieser Erfolg war das Resultat der zielbewussten Arbeit der Parteileitung und des neu kreierten Zentralbureaus in Berlin, das sich vortrefflich bewährt. * * * Viel Interesse Und da- Bericht des Herrn Doktor Fränkel aus Kopenhagen. In Dänemark leben wenige Juden und diese wohnen nur eigentlich in der Hauptstadt Kopenhagen. Ihre Zahl beläuft sich auf etwa 3000. Im letzten Winter sind 500 russische Juden eingewandert. Die zionistische Agitation bewegte sich daher in engen Grenzen, umfasste aber auch die Arbeit in Schweden und Norwegen. So kam Referent auf seiner Agitationstour durch Schweden und Norwegen bis Trontheim, wo ein Verein gegründet wurde. Die jüdische Intelligenz mit dem Oberrabbiner an der Spitze steht im zionistischen Lager. Ausser in Kopenhagen sind grössere Vereine in Ghristiania, Malmö, Gotenburg und Lund. * * * Herr Adolf Stand berkhtet über Galizien. In Galizien ist die Bewegung eine sehr alte, sie bestand schon 15 Jahre vor dem ersten Kongresse. Ohne Uebertreibung kann man sagen, dass die Judenschaft zionistisch ist; wäre das Land reicher, würden auch die Beitragsleistungen entsprechender sein. Trotz der grossen Armut im Lande ist der Zionismus in jeder Hinsicht stark, sowohl in organisatorischer wie in intellektueller Hinsicht. Die Parteipresse ist angesichts der geringen Mittel ziemlich gross. Eine neue Gründung ist das „Jüdische Tagblatt" in Lemberg, welches konsequent den Zionismus vertritt. Für die .Intelligenz erscheint die Wochenschrift „Wsehöd", ausserdem wird ein jüdisches Jahrbuch in polnischer Sprache ausgegeben, welches namentlich in Ostgalizien in den jüdischen Häusern sehr stark verbreitet ist. Die Trauerfeier für Dr. H e r z 1 erweckte allgemeine Sympathie im Lande. Es wäre unrichtig, wenn man behauptet, dass der Tod Herzls der Bewegung in Galizien geschadet hätte. Im Gegenteil, die Bewegung ist nur ge-

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