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Die Welt · 1905-05-26 · 21 (26.5.1905) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 „bie * weit11 Nr. 21 Titel eines königlichen) Sekretärs approbierte, bestätigte und ratifizierte sowie auch alle Freiheiten und Prärogativen, die Jenze von den Königen Johann Kasimir und Michael Korybut erteilt wurden. Der König beistimmte auch, dass deren Macht und Gültigkeit bis an sein Lebensende verlängert bleiben. Dieses letzte Privilegium ist von dem Bischof und Reichskanzler Johann* Stephan Wydrga mit unterfertigt (Königl. Matrikenbücher, Band 211a, Seite 534). Jemze verlebte den Rest seiner Jahre in Bescheidenheit und Zuriickgezogenheit Er starb irgendwo in der Ukraine und es ist unbekannt, wo er begraben wurde. (Aus dem Polnischen übersetzt von 0. Kessler.) Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Aus einer kleinen Kultusgemeinde. Einige Szenen von Rudolf Kohn. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Das kleine Büchlein von achtzig Seiten enthält eine Vorgeschichte, sechs Szenen und ein Schlueswort. Gute, ruhige Bürger eines böhmischen Städtchens, die gewissenhaft ihren Pflichten obliegen, werden plötzlich durch ein „Zionkabaret bei den vier Friedensstörern* aus ihrer Ruhe aufgescheucht. Junge Zionisten rezitieren, kämpfen in Reden, bringen Lyrisches. — Das erzählt die Vorgeschichte. Und nun kommen in bunter Abwechslung Szenen aus dem Leben einer kleinen Kultusgemeinde. „Im Synagogenhof* werden uns die Helden vorgeführt. Wir kennen sie alle. Gutmütige Spiesser ohne Fortschritt und Ideale. Das Wort .Zionismus" erschreckt sie wie ein Bombenknall. In den folgenden Szenen zeigen sich diese braven Juden in ihrer Beschränktheit, Engherzigkeit, Hinterlist und — Furcht. Wir sehen sie disputierend auf dem Marktplatze, vor dem „Palaste" des „Statthalters*, in einer geheimen Beratung, in der Sitzung des Gemeindeausschusses. Wir kennen sie alle: Wild, Hübscher, Brat, Ehrlich, Kurzkopf, Kralice k, Fröhlich, durchweprs wohlgelungene Typen einer absterbenden Generation. Wir kennen sie alle. Und wir kennen sie auch in ihren Anschauungen, in ihrer Betätigung. Ihr Groll gilt dem Reformrabbiner und den — Zionisten. - Dem ersten, weil er ehrlich genug ist, die Schäden in der Gemeinde und damit zugleich im Judentum aufzudecken, den Zionisten, weil sie den üblichen Geschäftssinn mit Idealen zu knechten versuchen. Die .geheime Beratung", die|beste Skizze des Buches, beleuchtet mit viel Schärfe und Ironie die Seelen der Gemeindeberater, in denen blinder Egoismus, Hass und Korruption blüht. Und dort, wo zwei christliche Konfessionen herrschen, schieben sich die Juden wie bindender Kitt zwischen beide ein. ,Und wieder bei den Friedensstörern*. Es ist das Schluss#ort und mir ganz besonders lieb. Es zeigt — was den Szenen fehlt — Perspektiven. Wir wenden uns ab vom Treiben der Alten, des Hübscher, Robice k, Ehrlich und der anderen. „Durch das offene Fenster strömt ein Meer rosig-goldiger Morgenstrahlen herein*. Das ist es. Wie sich die Alten aufbäumen, sich entrüsten! Aber es hilft ihnen nichts. Sie müssen der Jugend weichen, die Ideale hat. Und die Jugend wird sich ihrer Grossväter schämen. Nun, wohlan! Der Jugend gehört die Zukunft, auch in einer kleinen böhmischen Kultusgemeinde. Und das ist die Perspektive . . . Humor, Ironie, Ehrlichkeit und guter Wille — ein Büchlein, darin man mit Vergnügen blättert. P o s i. Soeben ist in London die erste Nummer eines illustriertem Jargonwochenblattes erschienen, das den Namen „The Jewish Journal" führt. Da das Blatt sehr hübsch ausgestattet und auch inhaltlich sehr reichhaltig ist, dürfte es sich bald einer grossen Popularität unter dem Jargonlesenden Publikum Englands erfreuen. Herausgeber der neuen Wochenschrift ist der in jüdischen journalistischen Kreisen) wohlbekannte L. Dalidansky. Im „Jewish World" wendet sich Herr Harry Baker gegen die von Israel Zangwill entfaltete Ugandapropaganda. E-r sagt, die erste Bedingung, um den Erfolg unserer Bewegung zu sichern, sei Toleranz und E i n i g k e i t i n d e r Partei. Herr Zangwill müsste wissen, dass unsere Bewegung kein Staat ist, wo Opposition das Zeichen vo-n Gesundheit ist. In einer Bewegung wie der unseren sei Opposition! der sichere Ruin. Der Autor wendet sich hierauf auch gegen den allzu einseitigen Palästinastandpunkt Dr. Gasteirs und schliesst mit den Worten: Unsere Taktik soll sein, dass wir uns nach jeder Richtung hin betätigen und keinerlei Opposition tolerieren. Der Territorialismus könne ganz gut neben dem Palästinaprogramme bestehen. Wenn die Herren Zangwill, Dr. Gaster und ihre Adepten auch dieser Anschauung wären, könnten wir bald wieder unser Werk in alter Harmonie fortsetzen. „Die neue Stimme" betitelt sich das neugegründete jüdische Organ der Poale-Zion-Organisation in New York, dessen Doppelheft 3—4 uns vorliegt. In einem schön und sachlich geschriebenen Artikel werden die Theorien des „geistigen Zip-: •nismus" Achad-Haams und des „geistigen Nationjalismus4'. D u b n o w s miteinander verglichen und beider Beziehungen zum politischen Zionismus klargelegt. Ein zweiter Artikel bietet eine historische Betrachtung der „nationalen Aufstände'•- im 19. Jahrhundert", so besonders des griechischem Aufstandes,, der die Freiheit der griechischen Nation herbeigeführt hat. Aus. diesem Kampfe wird u. a. diel Lehre gezogen, dass ein Volk,,' wenn es den unbeugsamen Willen hat, sich zu befreien, durch' Betätigung dieses Willens zum, Ziele gelangen müsse. Es folgt danm ein Artikel über „Quartalfragen", in dem die Verhältnisse des New Yorker Ghetto angehend besprochen werden. Unter dem Titel; „Ein Territorium oder Palästina" polemisiert ein. Artikel gegen die Gegner eines Territoriums ausser Palästina; allein die Redaktion sieht sich zu einer Fussnote veranlasst,- in der sie die Tatsache konstatiert, dass nicht alle „Poale-Zion" Territorialistem seien. Eine gut redigierte Zeitschriftenrundschau, ein Gedicht „Die Alpenrose" und eine treffliche Ueber-- setzung von HerzJs „Mauschel" vervollständigen den Inhalt des Heftes, das 80 Seiten stark ist und an dessen Spitze die Devise steht: „W a h r e Befreiung ist S e 1 b s t b ef «re i un g!" Hebräus. , Feuilleton. Die Juden der Gegenwart. Das vorliegende Buch füllt eine wesentliche Lücke aus. Es ist die erste zusammenfassende pragmatische Arbeit über die Juden der Gegenwart vom sozialwissenschaftlichen Standpunkte aus. Der Verfasser, der ein abgesagter Feind aller Luftschlösser und Wolkenkuclvucksheime ist,, wartet uns mit Zahlen, auf, er ist bemüht, auf Grund der Statistik und eigener Beobachtung Tatsachen festzustellen und auf diese Weise erst einen festen Boden für die Erörterung der vielen Probleme des Judentums zu schaffen. Wie ein roter Faden zieht sich durch sein Buch der Gedanke, dass die moderne Kultur wie ein Meltau auf die jüdische Beligion wirkt, sie ertötet. Er ist davon überzeugt, dass derjenige Teil der Juden, deren Fortexistenz als Juden gesichert ist, zur geistigen Sterilität und derjenige Teil, der geistig produktiv ist und die Weltkultur bereichert, zum Untergange im Christentum verurteilt ist. Zwischen Weltkultur und Judentum besteht ein Antagonismus und die einzige Gewähr für den Fortbestand des letzteren erblickt er in den Millionen Juden, die heute noch, von aller modernen Kultur unberührt, im östlichen Europa leben und infolge ihres Zusammenwohnens in kompakten Massen und in wenig zivilisierten Ländern der Kultur schwer zugänglich sind: „Die russische Regierung, welche die örtliche Zerstreuung der im sogenannten Ansiedluugsrayon wohnhaften 5 Millionen Juden verhindert und sie unter ständigem Drucke hält, sie durch Versperrung der. höheren Schulen an der Erwerbung besserer Bildung verhindert, hat auf diese Weise vielleicht ein Verdienst u/m, die Erhaltung des Judentums/4' Wäre dem wirklich, so,- führte die geistige Assimilation mit Naturnotwendigkeit, zum inneren Abfalle vom Judentum, trüge dieses nicht seine Existenzberechtigung in sich selbst, dann wäre. es. wert, zugrunde zu gehen. Ich muss jedoch aufs allerent-. schiedenste dagegen protestieren, dass die Assimilation das", Grah des Judentums ist. Wir sind in der glücklichen Lage, auf Forscher hinzuweisen, welche nicht trotz ihres Judentums, sondern gerade wegen desselben bahnbrechend auf dem Gebiete der Wissensehaft gewirkt hahen. So bekannte Moritz Lazar us, nicht ein Jude und auch ein Völkerpsychologe, auch nicht Völkerpsychologe und auch Jude zu sein, sondern Völkerpsychologe zu sein, weil er ein Jude sei, und es geworden zu sein, weil er, ein Jude sei. Der Zukunftsgedanke einer Einheit und

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