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Die Welt · 1905-05-26 · 21 (26.5.1905) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite lo; „bie * weit" Nr. 21 erhaltung und Ausbau der angeknüpften politischen Beziehungen; 2. W i s s e n s c h a f 11 i c h e Erforschung Palästinas und seiner Verhältnisse; 3. Schaffung von 1 n - dustrien und Förderung des G e w e r b e f 1 e i s s e s unter den Juden Palästinas; 4. N a t i o n a 1 i s i e r u n g der gesamten Judenheit, namentlich auch der in Palästina ansässigen; 5. Leitung der jüdischen Emigration nach den Ne benländ e r n Palästinas, soweit sie Rechtsschutz bieten. Der Erklärung des Zentralkomitees stimmt -die Ortsgruppe im übrigen insoweit bei, als darin die Prinzipien] des politischen Zionismus zum Ausdrucke gelangen. I. A. Dr. Jeremias. Personalnachrichten. Unser Gesinnungsgenosse Lg. M. N. Syrkiu in Warscriau hat sich am KjL Cecina Temkin aus ßielsk verlobt. — Unser Gesmnuugsgeuorise M. Ja sb am in ßochnia wurde zum Dr. jur. promoviert. — Unser Gesinnungsgenosse log. D. N e 1 k e n- \Vien wira sich am 4. Juni mii Frl. deDDy Neubauer im Tempel in der Seitenatetteugasjse vermählen. WelNßbrooik. Aus Jerusalem. Herr Scheinkin aus Balta, Mitglied des A.-C, weilt seit 14 Tagen im heiligen Lande. Zweimal, am 23. v. M. und am 8. Mai, sprach er in dem Lokale der hiesigen vereinigten Ortsgruppen. Sein erster Vortrag galt hauptsächlich der zionistischen Bewegung in Russland, die verschiedenen fraktionell, deren Wiege sein Heimatland ist, sehr interessant illustrierend. Die Diskussion folgte am zweiten Abend, welche nach einer kurzen Begrüssungsansprache seitens des Vorsitzenden Herr Scheinkin eröffnete. Der Standpunkt, welchen die hiesigen Gesinriung'sgenossein einnähmen, war ihm nicht fremd. Gleichwohl wollte er deren Gesinnungen persönlich kennen lernen. Und man muss Herrn Scheinkin diiei Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass, obschon durch und durch Zione Zion, er dennoch die gegnerische Ansicht zu respektieren weiss. Trotz heftigster Widerrede hat er sich kein einziges Mal zu einem: unparlamentarischen Ausdrucke hinreissen lassen. Nach dreistündiger Debatte schied er in Freundschaft von den Versammelten, sie versichernd, dass er gerne in ihrer Mitte geweilt. Die Versammlung war beide Male gut besucht. — Am 9. Mai fand hier eine Schillerfeier statt, die schon am Vorabend durch die Vorstellung deis „Wilhelm Teil", auf der deutschen Kolonie gegeben, eröffnet wurde. Morgens feierte die deutsche Schule, welche am „Kaiserpkitz" steht, den grossen Dichter. Aui 10 Uhr war die Feier angesagt, aber schon lange vorher fand sich die Elite der ganzen Kolonie ein, die Plätze der grossen Aula dieser Schule dicht besetzend. Nach Absingung von „Deutschland, Deutschland über alles" trugen die älteren Schüler mehrere Schillersehe Gedichte vor, worauf dann eine fesselnde Festrede, gehalten von Pastor Bock, dem erstem Leiter der Schule, folgte. Mit grosser Beredsamkeit entwarf der Vortragende ein Lebensbild des unsterblichen Dichters, ihn als Dichter und Philosophen zugleich feiernd. Die Eleganz der Sprache, die Gewandtheit der Vortragsweise Hess nichts zu wünschen übrig; so riss geradezu die Meisterschaft, die sich in der zur Anschauung gebrachten Denkweise des Philosophen zeigte, zur enthusiastischen Begeisterung hin. Ein Viertel nach 11 Uhr hatte die schöne Feier ihr Ende erreicht, die den Anwesenden noch lange in Erinnerung bleiben wird. Gr. Die Juden in den preussischen Grossstädten. Nach den letzten amtlichen Feststellungen wohnten im preussischen Staat insgesamt 392 322 Juden oder 1.14% der Gesamtbew-ohnerschait. Diese Verhältniszahl ist in den letzten 20 Jahnen stetig zurückgegangen, denn es wurden 1880 1.33, 1885 1.29, 1890 1.24 und 1895 .1.19.% Judetn im Staate ermittelt. Welchen Anteil die jüdische Bevölkerung an der Gesamteinwohnerschaft der 22 preussischen Grossstädte, d. h. also derjenigen städtischen Gemeinwesen hat, die im preussichen Staate bei der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 mehr als 100 000 Einwohner zählten, ergibt folgende Zusammenstellung. Auf je 1000 Einwohner kamen in diesen 22 Städten an Juden: In Frankfurt a. M. 76,1), Charlottenburg 51,2, Posen 51,2, Berlin 48,8, Breslau 46,7, Köln 26,2, KasseJ 23,0, Königsberg 21,0, Hannover 39,3, Danzig 17,4, Krefeld 16,7, Stettin 14,9, Dortmund 13,5, Altona 12,4, Aachen 11,7, Elberfeld 10,6, Essen 10,3, Düsseldorf 10,0, Magdeburg 8,4, Halle 8,0, Barmen 4,2, Kiel 3,2. Zur Leichenverbrennung. Aus Wien wird gemeldet: Abg. Dr. Klumgar wird mit Rücksicht auf den Umstand, dass die letztwillige Verfügung des verstorbenen Präsidenten der böhmischen Landesjudenschaft Dr. Moritz Lichtenstern, seine Leiche zu verbrennen, an der Weigerung des Prager Oberrabbinates, die Beisetzung der Asche zuzulassen, scheiterte, eine Interpellation an die Regierung zu richten, ob dieselbe geneigt sei, in Zukunft auf die Erblassbehör den dahin zu wirken, dass dieselben dem Drucke der Kultusvertreter, in diesem Falle des Oberrabbinates und der Beeiidigungsbriiderschaft, nicht nachgeben, welche die Durchführung des letzten Willens des Verstorbenen nicht zulassen wollten. Der jüdische Religionsunterricht in Böhmen. Gegenwärtig sind mehr als 20 Kultusgemeinden in Böhmen ohne Religionslehrer und demgemäss auch ohne Religionsunterricht. Es kommt dieser Lehrmangel daher, dass seit wenigstens 15 Jahren an keiner k. k. Lehrerbildungsanstalt Oesterreichs ein jüdischer Lehramtskandidat eingeschrieben worden ist. — Unter diesen Umständen ist der Beschluss der Prager Kultusgemeinde, an die altehrwürdige Talmud-Thora-Schule eine Präparandie für jüdische Lehramtskandidaten anzugliedern, auf das freudigste zu begrüssen. Auswanderer-Kontrolistationen in Ungarn. Der ungarische Minister des Innern hat an den Landesgrenzen, zunächst in den Eisenbahnstationen Gacza, Kiralyhaza, Nagymarton und Lajta-Ujfalu Kontrollstationen errichtet zu dem Zwecke, um dit Dokumente der. Auswanderer nach der Richtung zu kontrollieren, ob etwa gesetzliche Hindernisse gegen die Auswanderung vorliegen und ob die Emigranten im der Lage sind, den Kautelen der amerikanischen Linwanderungsgesetze zu entsprechen. Die betreffenden behördlichen Organe wurden angewiesen, die Revision rasch zu erledigen, damit der Emigrant noch mit dem nächsten Zuge Weiterreisen könne. Auch .sind die Auswandener human zu behandeln und sind ihnen alle erforderlichen Aufklärungen zu erteilen. Eröffnung des neuen Lehrerseminars in Frankfurt. Am vorigen Dienstag ist in aller Stille das geplante Seminar in Frankfurt, in welchem junge Leute zu Lehrern für Galizien und Russland ausgebildet werden sollen, eröffnet worden. Dank der Unterstützung der „Ica" ist schon eine Reihe junger Leute ins Seminar eingetreten. Der Unterricht wird von Herrn Dr. Jakob Horovitz, Herrn Schwab, Herrn B. Stern, Herrn Eiustädter und Herrn Levy in den Räumen der Synagoge am Hermesweg erteilt. Ob das Seminar eine Erweiterung auch für solche junge Leute, die in Deutschland bleiben wollen, erfährt, ist noch nicht bekannt. Eine kostbare Bibelhandschrift. Die Frankfurter Stadtbibliothek hat von Frau Baronin Edmond von Rothschild in Paris, welche der Bibliothek ihrer Vaterstadt schon wiederholt ihr WohlwoiUen bewiesen hat, eine überaus wertvolle Schenkung erhalten. Es ist dies eine reich illustrierte, im Jahre 1296 im Süden Deutschlands entstandene Pentateuch-Handschrift, ein starker Foliant aus feinem Pergament und zierlich geschrieben. Er umfasst den Pentateuch, seine aramäische Uebersetzung und den Kommentar des Salomo Jizchaki (Raschi). Daran schliessen sich die Haftaroth. Den. Text begleitet die Massora, die, kunstvoll in Figuren geschrieben, den unteren Rand der Handschrift einnimmt. Der Anfang jedes Abschnittes des Pentateuch und der Haftaroth ist mit Bildern reich verziert. Die Initialen und Ornamente sind von seltenem Farbenreichtum, zuweilen mit starkem Gold überzogen. Jedes der fünf Bücher des Pentateuch beginnt mit einem Voilbilde. Die Abbildungen, meist Tiergestalten und Fabelwesen, zuweilen Jagdszenen und Turniere, verraten die lustige und übermütige Art des Illustrierens., die dem achten Jahrhundert eigen ist. Selten sind Darstellungen, die mit dem Inhalt in Verbindung stehen. Sehr wertvoll sind die Illustrationen für die Kostümkunde. Die grosse Anzahl von Familienwappen wird dem Herakliker sehr belehrend sein. Die Handschrift gehört zu den schönsten erhaltenen illuminierten hebräischen Manuskripten und wird für alle Zeiten eine Zierde der Frankfurter Stadtbibliothek sein. Von den B. B. „The Maccabaean" in New York bringt in seiner Aprilnummer folgende, die Bnei-Brith-Logen betreffende Notiz: Wir lenken die Aufmerksamkeit derjenigen Zionisten, die Mitglieder der unabhängigen Ordens Bnei-Brith sind, auf einen Verbesserungsvorschlag zu den Ordensgesetzen, worin die Worte: „Jüdische Rasseik und „Jüdischer Stamm" durch „Jüdischer Glaube" ersetzt werden. Diese Abänderung ist auf der Konferenz in New Orleans beraten worden und einstimmig zur Annahme gelangt. „The Maecabaeauf will vorerst seiner Meinung hierüber nicht Ausdruck geben, weil die Gründe für eine solche Abänderung bisher nicht bekanntgegeben worden sind. Herr Simon Wolf (der Grosspräsident des Ordens) tut dieses Faktums in einem Briefe an den „Anrericaiiv Hebrew1' wohl Erwähnung, kommentiert dasselbe aber nicht mit einer Silbe, woraus geschlossen werden kann, dass ihm das Wort „Glaube" für „Rasse" erwünscht sei. Der Orden umiasst aber doch Männer, die nicht im strikten Sinne Glaubensbriider sind, er hat ferner Zionisten zu Mitgliedern, die um ihre Zugehörigkeit zum Orden eingekommen sind auf Grund der alten Gesetze, die den Orden Bnei-Brith zu einer Brüderschaft von Juden gemein-

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