Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 9 (1905)
- Issue
- 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 „bie # w^it Seite 15 nicht abdrucken wollte, Belkind gibt zu, dass die Kinder sehr verwahrlost waren, dass aber ein verdorbener Bursche namens Machlin, der just nach Amerika auswandern wollte, eine förmliche Hetze unter den Kindern anstiftete und aus der Schule entfernt werden musste. Das schlechte Beispiel dieses Burschen befolgte auch ein zweiter namens Weinstein, der nach Kischenew zurückgekehrt war und all die lügenhaften Gerüchte ausstreute, die man Herrn Beikind zum Vorwurf machte. In Kischenew fand er aber keinen Glauben, da man sich von seiner Verlogenheit überzeugte und so konnte er seine Berichte über die Schule erst in Odessa zum Besten geben. Eine Anzahl von Briefen von Verwandten der Kinder, die ganz das Gegenteil von all den ausgestreuten ungünstigen Gerüchten über die Belkindschule, beweist, ist der Antwort beigefügt und wird hoffentlich dazu beitragen, der unliebsamen Affäre ein Ende zu machen. Mit der Nummer vom letzten Freitag ist in dem Erscheinen des „Hazofe" eine Unterbrechung eingetreten; die Redaktion hofft jedoch, die Gründe, die dazu Anlass gegeben, in kurzem zu beseitigen und das Blatt baldigst wieder erscheinen zu lassen. H e b r ä u s. „Zsidö Neplap" publiziert in seiner Nummer vom 19. v. M. einen Artikel, in dem es gegen die „Schnorrer- Ordnung* in den Jeschiwas zu Felde zieht. Bekanntlich hat seinerzeit die Pressburger Jeschiwa eine Deputation an die damals tagende orthodoxe Land es Versammlung entsendet, welche um die Regelung dieser demoralisierenden Zustände ersucht. Die Landesversammlung hat allerdings beschlossen, die Regelung der Frage in Angriff zu nehmen, und hat die Jeschiwafrage einer Kommission überwiesen. Damit sei, meint das Blatt, der erste Schritt geschehen- Werde aber auch die Landes Versammlung die Frage recht bald und in befriedigender W eise lösen? Freilich eine Frage sei von einer Kommission noch nie bald gelöst worden. Und in befriedigender Weise könne sie nur dann gelöst werden, wenn genaueJDaten über alle Jeschiwas vorliegen würden. Das Blatt macht auch auf die korrupten Verhältnisse, die in manchen Jeschi was herrschen, aufmerksam. Erst wenn diese den massgebenden Stellen bekannt seien, könne an die endgültige Regelung der Frage gedacht werden. Li-—. Das in Neusatz (Ungarn) erscheinende Blatt der Serben „Zastava" brachte in einer seiner letzten Nummern eine kurze Notiz über die letzten skandalösen Vorgänge in der Zagreber (Agramer) Judengemeinde, über die K lage des Oberrabbiners Dr. J a c o b i gegen den Rabbiner Doktor Schwarz wegen Rcligionsstörung. Ferner sprach es im alten Ignorantenton, die Vorgänge auf der Universität, die Auflösung des jüdischen Klubs streifend, vom Zionismus, dessen Führer in Wien der „Deutsche" Nord au und in Zagreb der „politische Kroate" Dr. J a c o b i sei. Der sehr geschmacklos geschriebene Aufsatz hat insofern Interesse, als ei die Assimilationsbestrebungen der kroatischen Juden ironisiert. 11 e h a. Das in Serajewo (Bosnien) seit etwa einem Monat erscheinende serbische Blatt „Srpska rijec" gefällt sich in der Rolle eines antisemitelnden Blattes. Es belegt die Juden mit dem Schimpfnamen „Cifut" — obwohl gerade die Serben die Juden sonst „Hebräer" (Jevreji) nennen. In seiner Nummer 50 bringt das Blatt aufgewärmten Kohl, eine alte Belgrader Wuchereraffäre, in der vier Juden eine grosse Rolle spielen. Natürlich drohte diese Sache, an der vier Lumpen schuld sind, zu einer Judenaffäre zu werden und die Belgrader Juden lehnten auch deshalb jede Vei antwortung für zufällig jüdisches Gesindel ab. Aus diesen Tatsachen einen Hetzartikel gegen das Judentum zu fabrizieren, ist für gewisse Blätter keine Kunst. Sie besorgen dies auch ohne Tatsachen. 11 e h a. Der „Haschofar-Philipopel* meldet in Nr. 29 aus Küstendil. Am 13.v. M.gieng hierein Knabe verloren und gleich hiess es, die Juden hätten ihn für ihr Fest geschlachtet. Und als man am Flusse Stroma in einem Sacke eine kleine Leiche fand, zogen gleich grosse Banden zum Judenviertel. Inzwischen kam der totgeglaubte Knabe frisch und munter zurück, aber die Menge schrie weiter nach Rache und klebte an die Mauern Plakate, in denen verlangt wird, die Juden zu töten. Die Polizei zerstreute die Banden, saisierte die Plakate, so dass momentan Ruhe herrscht. Die Juden sind in grosser Angst und bebend erwarteten sie Pessach, das grosse Befreiungsfest im Golus. Ob es auch diesmal ohne unschuldiges Blut ging, das Gespenst zieht weiter und wenn es zehnmal droht, so erschlägt es das elftemal Hekatomben unfreiei* Golusmenschen. Iteha. „El Sionista", offizielles Organ der Föderation Argen tiniens.' Diese im ersten Jahrgang stehende, grossangelegte zionistische Organ erscheint halbmonatlich in modern spanischer Sprache in Buenos Aires. Es scheint den Juden nicht nur Parteiorgan, sondern ein Blatt, das auch über jüdische Wissenschaft usw. berichtet, sein zu wollen. Aus dem Inhalt, der schön und vornehm ausgestatteten Nummern 10 und 11 heben wir hervor: „Die Naturalisation der Juden". Autor empfiehlt die Naturalisation in Argentinien und begrüsstdie Bildung eines Komitees, das einwandernden Juden, die zumeist (aus Russland und Marokko) ohne Dokumente einlangen, behilflich sein wird, die nötigen Schritte einzuleiten. Ein langer Artikel behandelt Heines Biographie, der als guter Jude hingestellt wird. Ein theologischer Artikel: „Vergleiche zwischen Talmud und dem Neuem Testament" von Fabian S. Hai e vy-San Antonio ist interessant, ebenso „Erinnerungen an Palästina und Syrien" von D. A. Mit der antisemitischen Strömung in Argentinien beschäftigen sich zwei Artikel, die durch statistische Ausweise, die das offizielle Blatt „La Nacion" brachte, das Absurde der Anfeindungen beweisen. Die Anwürfe der „El Radikal", die Juden wären der Zivilisation abhold, sie sonderten sich ab. lernen nicht Spanisch, ihre Kolonisationsbestieburgen seien Humbug weraen zurückgewiesen auf Grund von Daten aus spanischen Berichten, bezüglich der Sprache wird hei vorgehoben, dass die jüdischen Schulen und ihr Lehrplan (der übrigens derselbe sei, wie jener der staatlichen) von der Regierung bewilligt und Lehrer spanischer Zunge ans Europa angestellt seien. Der interessanteste Artikel ist aber wohl der mit „Mischehen" betitelte, von Lux aus La Plata. Hat da weit drüben in La Plata ein Pärchen verschiedenen Stammes und Glaubens eine Ehe geschlossen — die sehr glücklich ist". Grund genug, dass Lux auf vier Spalten die Vorzüge der Mischehe sich zu entdecken bemüht und für sie Propaganda macht. Durch Kreuzung von Rassen käme r-in neuer Einschlag in den Volkskörper. Das wäre ja noch diskutabel, gar phantastisch ist aber die Theorie, die jüdische Frau werde dem arisch-christlichen Mann und dessen Familie eine so hohe Meinung vom jüdischen Glauben und Stamme beibringen, dass auf diese Weise der Antisemitismus verschwinden wird. Leider siösst die Praxis Luxens Kartenhäuser um. Die geradezu lächerlichen Ausführungen werden in Nr. 11 von der Redaktion gründlich widerlegt. Dem Herrn Lux widerfährt beim Beweise, dass aus Mischehen tüchtige Juden hervorgehen ein Malheur, so zum Beispiel sagt er. Nordaus Mutter sei eine arische Christin gewesen. Ein geschichtlicher Artikel über Sanherib von Ben Eliezer ist gut, die Zeitungsschau und „Allerlei" sehr reichhaltig. Moises Pari ente bringt ein Gedicht auf Zion, lizaro Arrobas aus Bahia Blanka berichtet im Artikel „Der jüdische Einwanderer" über die Fruchtbarkeit seiner Gegend, über die Billigkeit des Bodens und fordert zur Einwanderung auf. Wenig ernst ist oin Artikel über Russland. Die Misserfolge Russlands sind Vergeltung für Kischenew u. dgl. mehr — das sind Phrasen, die eines ernsten Blattes unwürdig sind. Ein weiterer Artikel will beweisen, dass R, Wagner jüdischer Abstammung sei. Ueber die Aussprache des Hebräischen spricht;ein vorzüglicher Artikel von L. D. Levy. Zum Schlüsse folgt ein Feuilleton „Der junge Adler von Jakobs. Nationalfonds 51fi Pesos. Ausweis über gespendete gebrauchte Briefmarken. Nr. 11, ebenso reichhaltig, erinnert an leitender Stelle an den Kongress und mahnt, den Schekel zu leisten. Eine geschichtliche Studie über die Makkabäer bringt J. Ben Eliezer. Die weiteren Artikel behandeln Ottoienghi, Moses Hess, den Talmud. Ein anderer verurteilt die eingewanderten russischen Juden, die sich wie russische Patrioten geberden. Ziemlich müssig ist die Aufzählung der Ansichten hervorragender Arier über den Zionismus. Auch ein theologischer Artikel fehlt nicht. Die beste Abhandlung ist jedenfalls eine Erwiderung auf den Artikel „Mischehen" aus Nr. 10. In erschöpfender Weise wird Lux und seine Theorie, die unfehlbar zur Assimilation führt, widerlegt. Die Mischehe sei zu verwerfen. Die Behauptung aber, dass eine Mischehe aus Liebe unmöglich sei, da Liebe nur zwischen gleichen Individuen, also konnationalen vorkomme, dürfte sehr gewagt sein. Nationalfonds 17 Pesos. Nr. 16. Aus dem Inhalte ist hervorzuheben: Doktor Nord au: „Die Juden in Russland", „Bericht über die jüdische Kongregation Argentiniens, die nichts tut und keinen Rabbiner anstellt", ein historischer Aufsatz : „Das Mittelalter", „Brief aus Marokko" von Dr. Corea P. de Aragas, der das tiefe Kulturniveau, die grobmaterialistische Lebensanschauung der marokkanischen Juden schildert „Die Philosophie der Araber und Juden" von Fabian S