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Die Welt · 1905-05-19 · 20 (19.5.1905) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
9 (1905)
Issue
20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 „bie # weit" Nr. 20 Befremden darüber ausdrückte, dass eine so angesehene Familie das Warenhaus unterstütze. Gegen „lästige Ausländer" ist man in Deutschland sehr schneidig. Gegen freche Inländer ist man desto langmütiger. Wieder ein Nasensignalement. In dpm ,,Oeffentlichen Anzeiger, Beiblatt zum Amtsblatt der freien und Hansestadt Hamburg" (Nr. 07 vom 26. April d. J.) befindet sich unter den ^Bekanntmachungen der Gerichte" u. a. auch ein Steckbrief gegen einen Reisenden Levy. der der Unterschlagung angeschuldigt wird. In dem Signalement des steckbrieflich Verfolgten befindet sich u. a. die Angabe: ,,Nase : jüdisch stark gebogen." Unterzeichnet ist der Steckbrief von dem Untersuchungsrichter III bei dem Landgerichte Dr. Tofohr. Man kann erklären u"d reden, was man will, ,,Nase stark gebogen" hätte dem Herrn Richter genügen können. .Jüdisch" hat durchsichtige Motive. Die Auswanderung. Nach den Mitteilungen des Zenlralbureaus der loa sind im verflossenen Jahr* in New York jüdische Auswanderer gelandet. : aus Russland 81.510 (1002 : 25.371), aus Rumänien 4573, aus Oesterreich 17.140 (1902: 14.346). Tm Hafen von Philadelphia landeten 7434 aus Russland, 159 aus Rumänien, zusammen 7503 gegen 2-i53 im Jahre 1002, in Baltimore 6420, in Boston 5027 Personen. Aus Russland wanderten nach Nordamerika Hanach über 100.000 Personen gegen 77.744 im Vorjahre. 190:2 betrug die jüdische Einwanderung nach Nordamerika kaum die Hälfte der heutigen. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. nrca cmr:« nxs p« nr.sc "vr.KE .-löiran ♦rrc-ir, crbcn-r -ps >y : i b /T.nsjc,- nxxin ♦jnsöij n *n nsa ptrm pip »Dmsc ♦rrinn Kunn ♦rrcnn;-rcit2B ,pnn *p:3 .pwsy *fibi *nro Die Verbände und das gesetzestreue Judentum, beleuchtet von Provinziai-l-Ubbiner Dr. M. C ah n in Fulda, Mainz 1905. ♦n na» ♦niöi.sn binü-r (Mystizismus) -,<r\z Dtrn nr:« t.Tc-in sp*r p ,p:n nö^rc J. G. Obs t. Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria. Erzählungen und Schilderungen. Berlin. Schlesische Verlangsanstalt von S. Schottländer. Es gibt wohl keinen unter den jetzt regierenden Fürsten, über den nicht während einer nicht allzulangen Regierungszeit so viel gesehrieben worden wäre als über Wilhelm IL Die weit über das Gew o h n t e h i n aüsrei ch en de Persön 1 i ch k eit d es deu tsch eil Kaisers, seine rege Anteilnahme an allen Geschehnissen, die von grösserer Bedeutung sind, sein offenbares Bestreben, nicht nur in der Politik, sondern auch im Kulturleben unserer Tage seine machtvolle Anschauung zur Geltung zu bringen, hat die Augen aller Völker auf ihn gerichtet. Da ist es denn kein Wunder, dass sich nicht nur die Presse, sondern auch die Büchert-'chreiber mit ihm so viel beschäftigen. Das Buch, das Obst bei Schottländer erscheinen Hess, soll dem deutschen Volke zeigen, was es an seinem Kaiser besitzt. Man muss zugeben, dass der Verfasse?- mit viel Wärme und patriotischer Begeisterung seinen Stoff zu bewältigen sucht, üass wir wirklich ein lebensvolles Bild der Persönlichkeit Wilhelms vor uns haben, sei aber damit nicht gesagt. Wenn ich auch die Schwierigkeiten der Aufgabe des Autors nicht verkenne, so muss ich doch sagen, dass er in Aeusserlichkeiten stecken geblieben ist. Die Beschreibung der Reisen. Festlichkeiten, Empfänge, Ordenskapitel etc. nehmen den grössteivRaumdes Buches ein. Das einleitende Charakterbild ist recht schwach und wird auch in der Schuljugend, der das Buch vor allem empfohlen wird, nur ein recht unvollkommenes Bild von der Grösse ihres Kaisers erstehen lassen. Das Buch ist 362 Seiten stark. Auf 22 Seiten bespricht Obst die Tätigkeit Kaiser Wilhelms als Landesvater. Zirka 330 Seiten nehmen die Schilderungen der Reisen, Empfänge, Paraden, Jagden etc. ein. Das ist wohl genug, um das Buch zu charakterisieren. Diese Einteilung des Buches ist gründlich verfehlt. Zum mindesten hätte hervorgehoben werden miLsen, und zwar recht oft und nachdrücklich, von welcher Wichtigkeit diese Reisen für das Deutsche Reich waren, sonst wüi de man glauben, dass dass sich die Tätigkeit Wilhelms in der R Präsentation erschöpft. Die Zionisten wird es interessieren, dass Obst trotz der vielen Berichte über die Reisen des Kaisers, unter denen auch die Konstantinopeler und Jerusalemer Fahrt beschrieben werden, von den historisch-denkwürdigen Empfängen Dr. Herzls in Konstantinopel und der zionistischen Deputation in Jerusalem nichts zu erzählen weiss. Es ist für den Autor ungemein charakteristisch, dass er srenau angibt, welches Tafelservice bei den verschiedenen Diners benützt wurde, und über solche und andere wichtig* Begebenheiten ein absolutes Schweigen beobachtet. Es ist wohl nicht möglich, wie ich gerne zugeben will, jetzt schon ein vollkommen abschliessendes Urteil über Kaiser Wilhelm zu fällen, da«s aber eine für das Volk berechnete Beschreibung seiner Persönlichkeit und seines Wirkens viel mehr und viel Besseres bringen könnte und bringen müsste, steht für mich ausser Frage. Trotz seiner schönen Begeisterung, trotz seiner warmen Liebe und trotz der Bewunderung, die. der Verfasser offenbar für di« Person seines Kaisers empfindet, ist ihm der grosse Wurf misslungen. Es ist ein Buch wie viele andere oder vielmehr ein noch unbedeutenderes, es ist aber gewiss nicht das Volksbuch über Wilhelm IL, das Obst zu schreiben beabsichtigte. r. Im Mpiihefte der „Neuen Rundschau" beschäftigt sich Alexander Ular in einem bemerkenswerten Aufsatz über Russland auch mit den russischen Juden. Der Verfasser führt alles Unheil auf den von Staats wegen systematisch organisierten und genährten Antisemitismus zurück Die russische Oligarchie, der Panmoskowitismus verfolge die Juden bis zur Ausrottung, weil er von ihrem hervorragenden Intellekt die Durchsetzung des russischen Volkes mit modernen Freiheitsideen befürchte. Gerade diese Bedrückung der Juden habe aber dazu geführt, dass das jüdische Volk infolge seiner grossen wirtschaftlichen und geistigen Kraft nicht nur zum Führer aller gegen den Panmoskowitismus zu Felde ziehenden Nationen geworden ist, sondern sich pogar an die Spitze der gegen die Beamtenherrschaft kämpfenden Grossrussen stellte, um so das Band zwischen allen Unzufriedenen zu bilden und die Einheitlichkeit der allgemeinen antizari«chen Bewegung zu sichern. Man müsse infolgedessen Plehwe und seinesgleichen recht geben, wenn behauptet wird, die politische Frage und die jüdische Frage seien eine und dieselbe. Aber man müsse hinzufügen, dass die einsichtslose Politik der russischen Staatslenker daran schuld sei. So viel Richtiges das zitierte Essay Ulars auch enthält, geht er doch von einer falschen Prämisse aus, wenn er die Bedrückung der Juden in Russland lediglich als Folge der russischen „Staatsräson" darstellt. Die Wurzel des Uebels liegt vi«l tiefer. Vielleicht ist es möglich, auch die interessanten Ausführungen Ulars nächstens ausführlich zurückzukommen. Die „Basler Nachrichten" besprechen unter dem Titel „Russische Juden in der Schweiz11 abfällig die Verweigerung eines Hausierpatentgesuches für den Kanton Luzern 'an russische Juden. Ein ähnlicher Fall habe sich im Vorjahre im Kanton Bern zugetragen. Als Grund der Abweisung ^ibt man an kompetenter Stelle an, dass man die Reziprozität ausübe, weil in Russland schweizerische Juden ebenfalls Beschränkungen unterworfen seien. Mit Recht wendet sich der Verfasser des zitierten Artikels gegen diese Argumentation und drückt die Befürchtung aus, dass diese Entscheidung den Anfang einer Tendenz bilde „die der Eidgenossenschaft kaum zur Zierde gereichen würde." —r. Ueber einen sonderbaren Feiertagsgebrauch in W i e. 1 i c z k a berichtet der „Naprzöd" vom 8. d. M. Dort versehen sich die Bürger, wenn sie am Palmsonntag zur Kirche gehen, mit dicken Knütteln, die sie in der Kirche . weihen", um auf dem Heimwege jeden Juden, der ihnen begegnet, blutig zu schlafen. Die Juden üben auch alljährlich die Vorsicht, am Palmsonntage sich nicht auf der Strasse zu zeigen. Oft werden aber auch ihre gesperrten Läden erbrochen und schonungslos beschädigt. Die Organe der Sicherheit stehen diesem Treiben der geweihten Knüttel passiv gegenüber. Am letzten Palmsonntag jedoch gelang es den frommen Bürgern,-ihren Feiertaersbrauch andächtig auszuüben, und so wurden die Juden: Rosenzwei ff, Gold, Wachsmann, Joachimsohn, Raber (ein 75jähriger Greis) und mehrere andere arg zugerichtet. Wie gewöhnlich, geschah es vor den Augen der Polizei. Wie alljährlich, nützten auch heuer nicht die Vorstellungen seitens der Juden bei den Behörden, um diesem sonderbaren Feiertagsspektakel vorzubeugen. Man braucht also nicht nach Kischenew oder Hornel zu gehen, um das Schicksal der Juden an „ihren" Feiertagen kennen zu lernen! K-rg. Im „Hazofe" Nr. 83 und 83 antwortet Herr Beikind, der Leiter der Schule für die Kischenewer Waisen, auf die gegen ihn in diesem Blatte erhobenen Angriffe und verweist darauf, dass schon im Vorjahre, als Herr Rosenfeld im „Fraind" gegen sein Unternehmen einen Feldzug eröffnete, dieses letztere Blatt seine Antworten und Aufklärungen

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